Seit der Insolvenz der Baufirma Karrié herrschte am Mainzer Taubertsbergbad Stillstand, nun ist klar, wie es mit dem Bad weiter gehen soll: Die Mainzer Stadtwerke wollen den Bau des Sport- und Familienbads samt Spa in Eigenregie fertigstellen. das teilten die Mainzer Stadtwerke am Freitag mit. Der Insolvenzverwalter des bisherigen Generalunternehmers Karrié habe jetzt erklärt, dass er die mit Karrié abgeschlossenen Verträge nicht weiterführen wolle. Wie es jetzt weitergeht und wann das Bad fertig werden könnte.

Ende 2018 hatte die Stadt Mainz beschlossen, dass aus dem alten Spaß- und Erlebnisbad am Taubertsberg ein komplett neues „Familienbad“ werden sollte – das alte Bad war nach jahrelangem Missmanagement des Vorbesitzers offenbar völlig marode. Nach der Insolvenz des Vorbesitzers Deyle im Oktober 2016 tauchten immer neue gravierende Mängel auf, seit die Stadt zum 1. Januar 2018 den Betrieb des Schwimmbades wieder in städtische Regie übernommen hatte – und dafür die neue Stadtbad GmbH gründete.
Im Oktober 2018 zog die Stadt die Reißleine und beschloss den Abriss und kompletten Neubau: ein kombiniertes Sport- und Familienbad auf der einen Seite sowie ein großzügigerer Sauna- und Wellnessbereich auf der anderen Seite sollte es nun werden. Fertig werden sollte das neue Bad Ende 2025 – doch auf der Zielgeraden dann der Hammer: Der Generalunternehmer, die renommierte Karrié Bau, stellte völlig überraschend am 20. Oktober 2025 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Mainz.
ÜWG Engineering übernimmt Projektsteuerung beim Badumbau
Seither war völlig unklar, wie es am Taubertsbergbad weiter gehen würde, nun gibt es eine Lösung: Man werde die im November abgebrochene Sanierung und Modernisierung des Bades „jetzt in Eigenregie durchführen“, teilten die Mainzer Stadtwerke am Freitag mit. Als neuer Projektsteuerer soll nun die ÜWG Engineering GmbH die Fertigstellung vorantreiben, eine Tochter der Mainzer Stadtwerke. Die ÜWG Engineering GmbH sei bereits bisher beim Taubertsberg-Projekt „als Projektsteuerer mit an Bord, und in der Vergangenheit unter anderem auch beim Umbau des Weinlagergebäudes im Zollhafen oder beim Umbau des KUZ in der Mainzer Altstadt erfolgreich tätig“ gewesen, so die Stadtwerke.

Tatsächlich hatten die Stadtwerke gegenüber Mainz& bereits im Dezember 2025 bestätigt, dass eben nicht die Stadtwerke selbst, sondern die ÜWG Engineering das Projekt Umbau Taubertsbergbad steuere und koordiniere – warum das so ist, sagten die Stadtwerke nicht. Die ÜWG Engineering ist den Angaben zufolge eine 100-prozentige Tochter der Überlandwerke Groß-Gerau GmbH, eigentlich ein Energieversorger und Spezialist für Stromanschlüsse, Photovoltaik und Straßenbeleuchtung – und selbst eine 95-prozentige Tochter der Mainzer Stadtwerke.
Aktuell sei das neue Ziel, „die gesamte Anlage im Herbst 2026 in Betrieb zu nehmen und den Schulen, Vereinen und der Öffentlichkeit nach den Sommerferien das Sport- und Familienbad zur Verfügung stellen zu können“, heißt es jetzt weiter. Der Zeitplan sei aber „ambitioniert, weil unter anderem neue Lieferanten und Handwerksfirmen gesucht werden müssen, die die noch anstehenden Restarbeiten zum Abschluss bringen.“ Denn: Der Insolvenzverwalter des bisherigen Generalunternehmers habe jetzt erklärt, dass er die mit Karrié abgeschlossenen Verträge nicht weiterführen möchte. Die beiden insolventen Unternehmen Karrié Bau und Karrié Bauwerkserhaltung sollen von der Bremer Zech Group SE übernommen werden.
Was geschieht mit Subunternehmern nach Karrié Insolvenz?
Durch die Insolvenz von Karrié waren aber auch eine Reihe von Subunternehmern in Mitleidenschaft gezogen worden, manche von ihnen sitzen nun auf nicht erfolgten Zahlungen von mehreren Hunderttausend Euro – ihnen droht die Insolvenz. Zwei der Subunternehmer hatten sich im Dezember mit einem verzweifelten Hilferuf an die Stadt Mainz und Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) gewandt – echte Hilfe bekamen sie bislang nicht. Die Holzbauforma „Informo“ von Inga Skudiene musste inzwischen selbst Insolvenz anmelden und wurde abgewickelt.

Was aus den Subunternehmern und ihren ausstehenden Leistungen wird, ist weiter unklar. „Gespräche mit einigen Subunternehmen, die Karrié bereits im Rahmen des ursprünglichen Umbauprojektes beauftragt hatte, sind angelaufen“, teilten die Stadtwerke jetzt mit. Es seien jetzt aber „neue Lieferfristen für Baumaterial und Vergabekriterien zu beachten.“ In der Zeit des Stillstands habe man „lediglich eigene Arbeiten der MSW-Unternehmensgruppe“ vorantreiben und abschließen können, wie etwa den Bau der neuen Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Die Mainzer Stadtwerke AG und die Mainzer Stadtbad GmbH seien sich „der Bedeutung des Bades für den hiesigen Schul- und Schwimmsport und die Öffentlichkeit bewusst und drücken aufs Tempo“, betont das Unternehmen weiter. Derzeit ist das Schwimmbad nur mit seinem Außenbereich nutzbar, die Freibadbecken werden für den Winter mit einer Traglufthalle überdacht und so für Schwimmsport und weitere Nutzer offen gehalten. Nach den Sommerferien soll nun das Sport- und Familienbad öffnen, die Inbetriebnahme des Spa-Bereichs ist nun für Herbst 2026 geplant.
Info& auf Mainz&: Mehr zur Karrié-Insolvenz und dem Hilferuf der Subunternehmer lest Ihr ausführlich hier bei Mainz&.
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