Im Frühjahr 2021 installierten die Mainzer Netze das erste Mal eine Live-Webcam, mit der man Störchen beim Brüten zusehen konnte – es wurde ein voller Erfolg. Die Direktschau ins Nest, mit der man zwei Storchenpaaren beim Brüten und ihren Jungen beim Schlüpfen zusehen konnte, faszinierte die Zuschauer – nun startet die Storchen-Webcam in die Saison 2026: Die Webcam wurde wie in den Vorjahren auf einem Strommast bei Laubenheim installiert. Ab sofort könnt Ihr also Ausschau halten.

Brütende Störche auf Strommasten sind seit einigen Jahren wieder ein gewohntes Bild in der Region um Mainz, speziell entlang der Rheinwiesen sind Dutzende solcher Nester zu finden. Im Jahr 2020 zählten die Mainzer Netze und die Überlandwerke Groß-Gerau allein 46 Storchennester auf den Freileitungsmasten rund um Mainz mit den Schwerpunkten Laubenheim, Bodenheimer Ried und Hessisches Ried.
Die Storchenpopulation hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits stark erholt: Allein im nördlichen Ried, der Mainspitze und rund um Mainz und Wiesbaden brüteten damals gut 400 Weißstorchpaare – inzwischen sind es laut Mainzer Netze gut 500 Storchenpaare. Auf den Rheinwiesen finden die Vögel besonders gut Nahrung wie Frösche oder andere Kleintiere.
Strommasten: bei Störchen beliebt, aber auch sehr gefährlich
2021 installierten die Mainzer Netze dann erstmals auf einem großen Strommast bei Laubenheim eine Webcam, denn der Strommast ist bei brütenden Störchen sehr beliebt. Denn die großen Vögel bauen ihre Nester bevorzugt auf hohen und höchsten Erhebungen – darunter eben auch Strommasten. Das aber ist alles andere als ungefährlich: Herabhängende Zweige können nämlich Strom-Überschlage auslösen und damit Spannungseinbrüche im Netz oder sogar der Ausfall ganzer Leitungen.

Auch für die Störche selbst ist das Brüten auf Strommasten nicht ungefährlich, viele Netzbetreiber stellen deshalb den Vögeln an weniger kritischen Stellen auf den Strommasten alternative Nistmöglichkeiten zur Verfügung – wie auch die Mainzer Netze. Die beiden Nester auf dem Laubenheimer Strommast befänden sich „an einer relativ unkritischen Stelle im Mast“, betonen die Mainzer Netze – als Netzbetreiber haben man „beides im Blick: die Versorgungssicherheit und den Schutz der Störche.“ So werden an den Strommasten etwa Klein-Windräder montiert, die verhindern sollen, dass die Störche an gefährlichen Stellen am Mast nisten.
Am Freitag kam nun die Nachricht: Die Webcam wurde wie in den Vorjahren installiert und live geschaltet, aber sofort kann man also auch in diesem Jahr zwei Storchenpaaren per Webcam bei der Brut und der Aufzucht ihrer Jungen über die Schulter schauen. Zwei Storchenpaare sind schon eingezogen, die ersten Eier seien allerdings noch nicht gelegt worden – die Brutzeit beträgt normalerweise 30 bis 32 Tage. „Wir freuen uns, dass sich der Storchenbestand in unserer Region so gut erholt hat“, sagte Michael Worch, Geschäftsführer der Mainzer Netze GmbH.
Störche bei den Römern: Ehrerbietung vor Eltern, Römern und Staat
Störche gibt es übrigens schon seit Jahrtausenden, bei den Römern stand der stolze Vogel für die „Pietas“, also die Tugend der Ehrerbietung gegenüber Eltern, Göttern und dem Staat. Auf vielen antiken Münzen ist daher der Storch neben der Pietas eingeprägt. Die Ägypter sahen in dem Storch den Inbegriff von Familiensinn und die Sorge für die Alten, bei den Griechen gab es sogar ein „Storchengesetz“, die Lex pelargonia (pelargos: der Storch): Es verpflichtete junge Menschen, ihre Eltern im Alter zu versorgen, wie man bei „Vogel und Natur“ weiß.
In unseren breiten galt der Storch in späteren Jahrhunderten als Glücksbringer, ab dem 18. Jahrhundert brachte er mit dem Glück auch die Kinder – womöglich, weil der Klapperstorch jedes Frühjahr aus dem Süden zurückkehrt, und dann nach dem Winter viele Babys im Gepäck hatte… Auch der Name „Adebar“ kommt wohl daher: Das setzt sich nämlich aus „auda“ (Heil, Glück) und „bera“ (bringen, gebären) zusammen.
Info& auf Mainz&: Wer die Störche live beim Brüten und Aufziehen ihrer Kinder beobachten möchte, kann das entweder hier auf Youtube oder hier auf der Homepage der Mainzer Netze tun – auf der Homepage gibt es auch weitere Informationen zum Thema Störche und Stromleitungen.
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