Die Impfungen gegen das Corona-Virus haben begonnen, doch die Impfungen schreiten nur langsam voran: Seit Sonntag wurden in Rheinland-Pfalz insgesamt 2.284 Menschen in 23 Pflege- und Senioreneinrichtungen geimpft, 98 Einrichtungen haben sich als „impfbereit“ gemeldet. Geimpft wird zudem seit Mittwoch das Personal in den großen Krankenhäusern im Land, darunter auch die Mainzer Uniklinik. Kommende Woche sollen alle Älteren über 80 Jahre in Rheinland-Pfalz ein Informationsschreiben in Sachen Impfung bekommen, die Vergabe der Impftermine am 4. Januar beginnen. Derweil gibt es Kritik an dem langsamen Impfstart sowie an Impftourismus aus Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg.

Fläschchen mit dem begehrten Impfstoff gegen das Coronavirus der Mainzer Firma Biontech. - Foto: Biontech
Fläschchen mit dem begehrten Impfstoff gegen das Coronavirus der Mainzer Firma Biontech. – Foto: Biontech

68.000 Dosen mit dem Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech stehen inzwischen dem Land Rheinland-Pfalz zur Verfügung, ab Januar sollen pro Woche weitere 34.000 Dosen Impfstoff vom Bund geliefert werden – eigentlich: Der Bund habe am Mittwochvormittag überraschend die Lieferung von 34.000 Impfdosen am 8. Januar abgesagt, berichtete Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Mittag auf einer Pressekonferenz. Einen Grund dafür habe der Bund nicht genannt, sagte die Ministerin weiter. Am Abend reagierte das Bundesgesundheitsministerium: Nach Gesprächen mit Biontech-Pfizer werde die Lieferung nun doch wie geplant stattfinden.

Doch nicht nur bei der Impfstoff-Lieferung hakt es, auch die Verteilung im Land läuft offenbar nur schleppend an: Seit dem Start der Impfkampagne am 27. Dezember wurden in Rheinland-Pfalz insgesamt 2.284 Menschen in 23 Pflege- und Senioreneinrichtungen geimpft, darunter 1.273 Bewohner und 1.011 Mitarbeiter. Allerdings gibt es in Rheinland-Pfalz laut Statistischem Landesamt rund 540 Pflegeeinrichtungen mit etwa 42.600 Plätzen und rund 34.900 Beschäftigten. Das Land sei überrascht worden von der mangelnden Impfbereitschaft vor allem beim Pflegepersonal, räumt Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm ein, der auch der Impfkoordinator für das Land ist.

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Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und Staatssekretär Alexander Wilhelm bei der Pressekonferenz zu den Corona Impfungen. - Screenshot: gik
Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und Staatssekretär Alexander Wilhelm bei der Pressekonferenz zu den Corona Impfungen. – Screenshot: gik

„Wir sind ab dem 21. Dezember auf die Pflegeeinrichtungen zugegangen“, verteidigte Wilhelm das Vorgehen des Landes in Sachen Impfkampagne und Aufklärung, man habe bewusst erst dann starten wollen, wenn eine definitive Zulassung des Impfstoffs durch die EU vorliege. Für die Heime se es dann aber „ganz schwierig“ gewesen, über die Weihnachtsfeiertage hinweg „die Impfbereitschaft herzustellen“, das habe den Start verzögert, sagte Wilhelm. Das Land gehe aber davon aus, „dass jetzt täglich neue Heime hinzukommen“, sagte der Impfkoordinator weiter, man werde „bald 2000 Impfungen pro Tag erreichen.“ Eine unterstützende Aufklärungskampagne soll nun über die Pflegegesellschaft und die Pflegekammer Rheinland-Pfalz erfolgen.

Rheinland-Pfalz hatte allerdings zuerst die Impfungen auf solche Kreise und Städte beschränkt, die eine hohe Sieben-Tages-Inzidenz aufwiesen, so dass sich erst einmal nur Heime aus diesen Regionen melden konnten. Die Regel wurde am Montagabend aufgehoben. Bätzing-Lichtenthäler zufolge haben inzwischen 98 Heime gemeldet, sie seien bereit zum Impfen, 20 mobile Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes stünden bereit. Zudem können die Heime auch die Impfung selbst durch eigene Ärzte organisieren. Sie gehe davon aus, dass bis Ende Februar alle Einrichtungen durchgeimpft sein könnten – alle Geimpften müssen nach etwa vier Wochen eine zweite Impfdosis für den vollen Impfschutz bekommen.

Am 27. Dezember hat das Impfen gegen das Coronavirus begonnen. - Foto: Biontech
Am 27. Dezember hat das Impfen gegen das Coronavirus begonnen. – Foto: Biontech

Am Mittwoch begannen zudem die ersten Impfungen in acht großen Kliniken im Land, jedes Haus habe 975 Impfdosen geliefert bekommen, sagte Bätzing-Lichtenthäler weiter. Die Impfungen seien „gut angelaufen“, betonte die Ministerin zudem, es lägen bislang keine Rückmeldungen zu Komplikationen vor. Einer allgemeinen Impfpflicht erteilte Bätzing-Lichtenthäler aber erneut eine Absage, auch eine Debatte über Privilegien für bereits Geimpfte „und somit eine Impfpflicht durch die Hintertür“ werde nun „wirklich zum falschen Zeitpunkt geführt“, betonte sie.

Tatsächlich wird es noch Monate dauern, bis eine breite Mehrheit in Deutschland geimpft werden kann: Von einem Impfen der breiten Bevölkerung gehe sie erst nach den Sommerferien 2021 aus, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Kommende Woche soll es aber mit den flächendeckenden Impfungen der ersten Gruppe, der über 80-Jährigen losgehen. Rheinland-Pfalz werde am 4. Januar die Terminvergabe starten, kündigte die Ministerin an. Bis Dienstag oder Mittwoch kommender Woche werde das Land alle 280.000 Rheinland-Pfälzer dieser Gruppe anschreiben und über die Terminvergabe und das Impfprozedere informieren.

Noch stehen die eingerichteten Impfzentren wie hier in Mainz leer, die Impfungen laufen nur langsam an. - Foto: Stadt Mainz
Noch stehen die eingerichteten Impfzentren wie hier in Mainz leer, die Impfungen laufen nur langsam an. – Foto: Stadt Mainz

Impftermine können die Angeschriebenen dann ab dem 4. Januar entweder online oder über eine Telefonhotline ausmachen, das könne auch ein Betreuer erledigen, sagte die Ministerin weiter. Die Impfung erfolgt für mobile Menschen dann in dem jeweiligen Impfzentrum vor Ort, die ersten Impfungen sollen am 7. Januar starten. Wer nicht mobil ist, kann entweder durch ein mobiles Impfteam geimpft werden, oder muss sich an seinen Hausarzt wenden, der dann die Impfung durchführen soll. Eigentlich hatte Rheinland-Pfalz die Hausärzte bei den Impfungen weitgehend außen vor lassen wollen, weil der Impfstoff von Biontech-Pfizer bei minus 70 Grad gelagert und unter besonderen Bedingungen gehandhabt werden muss.

Kritik am Impfstart in Rheinland-Pfalz kommt denn auch von der Opposition, CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf sprach von einem „Chaos“ zum Start. „Die Landesregierung – allen voran Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler und ihr Impfkoordinator – haben den Impfstart verpatzt“, kritisierte Baldauf: Alten- und Pflegeheime seien zu spät informiert und zu wenig bei den Vorbereitungen unterstützt worden, derweil säßen „verunsicherte Senioren zu Hause, die nicht wissen, wie sie einen Impftermin bekommen.“

Die Produktion des Biontech-Impfstoffs läuft auf Hochtouren, doch die Verbreitung läuft nur langsam an. - Foto: Biontech
Die Produktion des Biontech-Impfstoffs läuft auf Hochtouren, doch die Verbreitung läuft nur langsam an. – Foto: Biontech

Die Landesregierung habe sich den Impfstart zu leicht vorgestellt, kritisierte Baldauf. Grundlegende Maßgaben, Richtlinien und Informationen zum Impfbeginn hätten nicht rechtzeitig genug vorgelegen, auch die Aufklärung sei verschleppt worden. „Mit der Impfaufklärung am Tag des Impfens zu beginnen, ist zu spät“, betonte Baldauf. Rheinland-Pfalz brauche dringend einen realistischen Impfplan.

Staatssekretär Wilhelm betonte derweil in der Pressekonferenz, man fahre in Sachen Impfungen „auf Sicht“ – es gebe „ganz viele Unbekannte“. Das Land wisse weiter nicht genau, wann welcher Impfstoff komme, sagte Wilhelm: „Wir hören, dass es am 8. Januar eine Zulassung des Moderna-Impfstoffs geben könnte.“ Der Impfstoff der Firma Moderna wurde bereits am Mittwoch von Großbritannien zugelassen – in anderen Ländern wird deutlich schneller geimpft: Israel etwa meldete Anfang der Woche bereits 500.000 Corona-Impfungen, pro Tag sollen dort demnächst 150.000 Menschen geimpft werden können.

Da geht's zur Impfung, zeigt Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). - Foto: Dinges/MSAGD
Da geht’s zur Impfung, zeigt Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). – Foto: Dinges/MSAGD

Das liegt auch daran, dass Israel frühzeitig deutlich größere Mengen des Biontech-Impfstoffs bestellte als die EU. Biontech und Pfizer meldeten am Dienstag, die EU werde zusätzliche 100 Millionen Dosen erhalten, damit steige das EU-Kontingent auf 300 Millionen Dosen – damit können 150 Millionen Menschen geimpft werden. Die EU hatte zunächst nur 200 Millionen Dosen des ersten zugelassenen Impfstoffs bestellt, nun aber eine weitere Option auf 100 Millionen Dosen realisiert – allerdings muss man sich bei der Produktion nun hinter anderen Bestellungen anstellen. Alle 300 Millionen Dosen sollen aber bis Ende 2021 in die EU geliefert werden.

Kritik am rheinland-pfälzischen Impfmanagement kam aber am Mittwoch auch aus Baden-Württemberg: Das Nachbarland hatte bereits am 27. Dezember damit begonnen, Impftermine an seine Bevölkerung zu vergeben. Prompt meldeten sich daraufhin auch Menschen vor allem aus der Pfalz für Impftermine in Baden-Württemberg an. Er habe sich jetzt einen Termin in Mannheim gesichert, berichtete etwa ein Pfälzer auf Facebook. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) forderte deshalb seine rheinland-pfälzische Kollegin in einem Brief auf, die Rheinland-Pfälzer dringend auf die Terminvergabe im eigenen Land hinzuweisen, wie der SWR berichtet.

Bätzing-Lichtenthäler wies die Kritik zurück: Die Sorge, dass Rheinland-Pfälzer Impfdosen in Baden-Württemberg abgriffen, sei „völlig unbegründet“, betonte die Ministerin: Bei der Terminvergabe gelte nämlich das Wohnsitzprinzip. Bätzing-Lichtenthäler appellierte zudem an die Menschen, sich impfen zu lassen: „Jede Impfung trägt dazu bei, Leben zu schützen“, betonte sie, „unsere Gesellschaft ist auch in diesem Punkt auf unsere Solidarität angewiesen. Bitte lassen Sie uns alle dazu beitragen, dass in Rheinland-Pfalz der Slogan der bundesweiten Kampagne gelebt wird: #ÄrmelhochRLP.“

Info& auf Mainz&: Die Terminvergabe für Impftermine an Menschen über 80 Jahren sowie Gefährdete der höchsten Priorität erfolgt für Rheinland-Pfalz ab dem 4. Januar 2021 entweder telefonisch über die Telefonnummer 0800 / 57 58 100 oder über die Internetseite www.impftermin.rlp.de. Die Reihenfolge der Impfungen richtet sich nach der Imfstrategie der Bundesregierung, die genauen Details könnt Ihr hier im Internet nachlesen. Offizielle Informationen zum Impfen in Rheinland-Pfalz findet Ihr hier bei der Landesregierung.

 

 

3 KOMMENTARE

  1. Eine Anmeldung weder telefonisch noch über die Internetseite ab 8 Uhr am 4.1.2021 nicht möglich. Ein wahrer Unsinn wer so was mit alten Menschen macht und dies verspricht. Unmöglich.

  2. Ich habe mich am 6 Januar online angemeldet, und bekam ein Email ,daß ich im Terminierungssystem unter der
    Vorgangsnummer F9AAD6069856 erfasst sei. Heute ist der 13 .Januar und ich habe noch keine Nachricht, also ich hänge noch immer in der Luft. UNMÖGLICH.

    • Hallo Herr Damian, das kann natürlich daran liegen, dass es schlicht gerade keine freien Termine gibt. Wie es im Artikel ja auch steht: Alle Anmeldungen werden gespeichert, es soll angeblich keine verloren gehen – aber Nachricht bekommen Sie eben erst dann, wenn man Ihnen einen Impftermin geben kann. Bis dahin hören Sie – nichts. Ihre Anmeldung zur Impfung ist aber trotzdem gespeichert, wenn wir die Ministerin richtig verstanden haben….

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