Es waren rund 150 Frauen, die da am Dienstag durch Mainz zogen. „Prostitution = Gewalt“ stand auf ihren Transparenten und „Schafft die Sex-Sklaverei ab!“ Einen „Marsch der Überlebenden“ nannten die Frauen selbst ihre Kundgebung, es ist der Auftakt zu einem dreitägigen Weltkongress in Mainz. Zum dritten Mal organisiert die internationale Organisation für die Abschaffung der Prostitution, CAP, eine solchen Kongress – Mainz ist nach Paris 2014 und Neu-Delhi 2017 die dritte Station. Drei Tage lang wollen die rund 350 Teilnehmerinnen über Themen wie Armut, Krankheit und (sexuelle) Gewalt durch Prostitution aufklären, ihre Forderung: Prostitution abschaffen, die Käufer bestrafen und die betroffenen Frauen entkriminalisieren. Am Donnerstag soll dafür eine „Mainzer Resolution“ verabschiedet werden.

Der „March of the Survivors“, der Marsch der Überlebenden, forderte am Dienstag in Mainz ein Verbot der Prostitution. – Foto: gik

„Ich bin eine Überlebende“, sagt Mickey Meji. 14 Jahre lang lebte die Südafrikanerin als Prostituierte, neun Jahre auf den Straßen, fünf Jahre brauchte sie für den Ausstieg. „Es war keine freie Wahl und es machte keinen Spaß, es ging allein ums Überleben“, erzählt Meji im Gespräch mit Mainz&: „Prostitution ist weder Sexarbeit noch eine freiwillige Sache.“ Meji schaffte den Ausstieg und gründete die Organisation Kwanele – Embrace Dignity, die sie heute auch leitet. Kwanele nennt sich „eine Organisation der Überlebenden“, sie vertritt heute 700 Frauen aus sieben südafrikanischen Provinzen.

„Die betroffenen Frauen sind arme, schwarze Frauen“, sagt Meji, „die Käufer privilegierte Männer mit Macht, meistens Weiße.“ Meji kämpft dafür, dass Prostitution verboten wird: „Wir brauchen Gesetze, die Frauen schützen anstatt sie auszubeuten“, fordert Meji: „Ich bin nach Mainz gekommen, damit meine Stimme gehört wird.“ Vom 2. bis 4. April findet hier der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen statt. Drei Tage lang wollen die rund 350 Teilnehmerinnen über Themen wie Prostitution, Armut, Krankheiten und Ausgrenzung reden.

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„Das ist dringend notwendig“, sagte Schwester Lea Ackermann, Gründerin und 1. Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Solwodi, im Gespräch mit Mainz&. „Seit 34 Jahren sehe ich Frauen, die ums Überleben kämpfen und ihren Körper dazu verkaufen“, sagte Ackermann, „nach so vielen Jahren sehe ich, dass es nötig ist, die Bevölkerung zum Nachdenken zu bringen.“ Über die Prostitution seien „so viele falsche Mythen im Umlauf“, betonte Ackermann: Es stimme eben nicht, dass die Frauen sich freiwillig zum Kauf anböten oder dass ein Verbot von Prostitution die Frauen in die Illegalität zwinge. „Das ist Quatsch“, sagte Ackermann. Der Kongress solle deshalb aufrütteln.

Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert setzt sich mit seinem Verein Armut und Gesundheit für Obdachlose ein – und begegnet dabei auch Prostitution und sexueller Gewalt. – Foto: Armut & Gesundheit

„Wir in Deutschland sind wegen unserer Gesetzgebung zum Bordell Europas geworden“, kritisierte Ackermann. Es könne einfach nicht sein, dass in einem Land, in dem Gleichberechtigung herrsche, „die eine Hälfte die andere kaufen kann.“ Solwodi organisiert als deutsche Partnerorganisation von CAP den Weltkongress, gemeinsam mit der Mainzer Organisation Armut und Gesundheit. Der Mainzer Vereine führt eine Ambulanz für Obdachlose und setzt sich für Flüchtlinge und Benachteiligte ein.

„Bei uns hier in Mainz ist es vor allem das Thema wohnungslose Frauen, die sich prostituieren, um noch an Geld zu kommen oder an einen Schlafplatz“, sagte Gerhard Trabert von Armut & Gesundheit im Gespräch mit Mainz&. Es gebe viel Gewalterfahrung bei diesen Frauen. „70 Prozent aller Prostituierten haben eine posttraumatische Belastungsstörung“, sagte Trabert, die Sterberate sei 18 Mal höher als in der normalen Bevölkerung. „Das korreliert mit Mord, Gewalt, Drogen und Suizid“, sagte Trabert, auch Krankheiten seien ein großes Problem – und diese würden in die Bevölkerung hineingetragen. „Man nimmt an, dass etwa 90 Prozent der Frauen, die sich prostituieren, dies nicht aus freiem Willen tun, sondern aus materieller Not heraus“, betonte Trabert weiter. Das betreffe vielfach Frauen aus den Armenhäusern Osteuropas. „Es ist ein Geschäft, in dem so wenige Millionäre werden, und so viele ins Elend gestürzt werden“, sagte Ackermann.

Deutschland, sagt Trabert, habe die liberalsten Gesetz in Europa, in anderen Ländern könne man Sexreisen nach Deutschland buchen: „Morgens Brandenburger Tor, abends Puff.“ All das werde „tabuisiert und nicht thematisiert“, der Kongress wolle genau das ändern.  Am Donnerstag wollen die rund 350 Teilnehmer aus aller Welt eine „Mainzer Resolution“ verabschieden, das Thema: Die Prostitution verbieten und die Käufer bestrafen.

Info& auf Mainz&: Mehr zu dem 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen findet Ihr hier bei Solwodi im Internet. Den Mainzer Verein Armut und Gesundheit kennt Ihr ja von vielen Berichten auf Mainz& – hier findet Ihr den Verein im Internet. Die südafrikanische Organisation Kwanele findet Ihr hier im Netz.

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