Erdbeben in der Berlin: Bärbel Bas tritt als Bundesarbeitsministerin und SPD-Parteichefin zurück. Das melden am Montagmorgen übereinstimmend mehrere Medien wie BILD, NTV oder Focus online. Als Grund nennt die 58-Jährige einen persönlichen Schicksalsschlag: Den Tod ihrer Stieftochter. Zugleich teilte Bas heftig gegen den Koalitionspartner CDU aus und warf ihm unangemessene Angriffe gegen ihre Person vor. Bas stand schon länger als Blockiererin in der schwarz-roten Koalition in der Kritik, ihr Abgang wirft Fragen auf – auch mit Blick auf ihre Nachfolge: Es profitiert – ein Mainzer.

Mit diesem Post auf Instagram kündigte SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas ihren Rücktritt von allen Ämtern an. - Foto: Bärbel Bas
Mit diesem Post auf Instagram kündigte SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas ihren Rücktritt von allen Ämtern an. – Foto: Bärbel Bas

Bärbel Bas ist eine Politikerin, die ganz nach dem Geschmack der SPD ist: Geboren am 3. Mai 1968 tief im Ruhrgebiet – in Duisburg -, arbeitete sie sich über Hauptschule und Fachoberschulreife zur Schweißerin hoch, wurde schließlich Betriebsrätin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVG), studierte später Personalmanagement, ging in die Politik, wurde Juso-Vizechefin in Duisburg und zog 2009 in den Deutschen Bundestag ein – mehr Sozialdemokratie in einer Karriere geht schlicht nicht.

Nach Stationen als Parlamentarische Geschäftsführerin und Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion fiel Bas erstmals einer breiten Öffentlichkeit auf, als sie 2021 überraschend Präsidentin des Deutschen Bundestags wurde – nach der für die SPD erfolgreichen Wahl mit Olaf Scholz als Bundeskanzler. Die Freude der Sozialdemokraten hielt nicht lange: 2024 platzte die Ampel-Koalition in Berlin krachend, bei den folgenden Neuwahlen Anfang 2025 stürzte die SPD ab – und fiel doch weich: In eine Koalition mit Friedrich Merz und seiner CDU.

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Bas: Problemfrau für die CDU im Arbeitsministerium

Bas wurde Bundesarbeitsministerin, für die SPD eine Idealbesetzung – doch für die CDU ein Alptraum: Bas zeichnete sich mehr als Blockierin aus, denn als hilfreiche Reformerin, Gesetzesvorhaben aus ihrem Hause stockten, während die Chefin selbst gerne mal ihrem eigene Bundeskanzler mit scharfer Kritik in den Rücken fiel: Im September 2025 kritisierte Bas die Forderungen von Kanzler Merz zu Reformen beim Bürgergeld als „Bullshit“, im November 2025 fiel sie auf einem Bundeskongress der Jusos mit einer Kampfansage an die Arbeitgeber als die Feinde, die man bekämpfen müsse auf – Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nannte das fassungslos als „in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos.“

Gegen den Koalitionspartner CDU trat Bärbel Bas in ihrer Rücktrittsnachricht nach. - Foto: gik, Bas auf Instagram
Gegen den Koalitionspartner CDU trat Bärbel Bas in ihrer Rücktrittsnachricht nach. – Foto: gik, Bas auf Instagram

Auch inhaltlich warf Bas‘ Kurs Fragen auf: Das von der Rentenkommission erarbeitete Rentenpaket begrüßte sie und versprach mit Merz gemeinsam dessen vollständige Umsetzung als Gesamtkonzept – dann folge: nichts. Die Koalition wartete vergeblich auf die Gesetzesentwürfe aus dem Hause Bas, mit der die Rentenreform umgesetzt werden sollte. Zuletzt fragten sich viel: Was treibt die Arbeitsministerin da? Bas schien abgetaucht, wurde zum Sinnbild der SPD-Blockade in der Koalition – nun zog sie die Konsequenzen.

Am Montagfrüh erklärte Bas auf ihrem Instagram-Kanal den Rückzug von allen politischen Ämtern, allen voran als Bundesarbeitsministerin, aber auch als SPD-Bundeschefin. Als Grund gab Bas einen persönlichen Schicksalsschlag an: „Nach dem Tod meiner Stieftochter brauche habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, schreibt Bas: „Diese möchte ich mir ausreichend nehmen.“ Der Todesfall war nicht weithin in der Öffentlichkeit bekannt geworden, Bas hatte aber offenbar vergangene Woche schon sämtliche Termine deswegen abgesagt. Ihr Bundestagsmandat will sie behalten.

Ex-MP Alexander Schweitzer wird Nachfolger

Doch Bas begleitete ihren Rückzug auch mit scharfer Kritik am Koalitionspartner: „Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentliche Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden“, merkte Bas an – ein nahezu beispielloser Seitenhieb. „Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben“, kündigte Bas an – das gelte ab sofort.

Alexander Schweitzer auf dem ersten Parteitag der SPD RLP nach der verlorenen Landtagswahl in Mainz. - Foto: gik
Alexander Schweitzer auf dem ersten Parteitag der SPD RLP nach der verlorenen Landtagswahl in Mainz. – Foto: gik

Außenminister Johannes Wadephul (CDU) sprach am Montagmorgen im Welt-Fernsehen von einer „Überforderungssituation“ und forderte, zu berücksichtigen, „dass diese Ämter [in der Spitzenpolitik] uns allen viel abverlangen.“ Seine Gedanken seien bei ihm persönlich, Bas sei „ein sehr feiner Mensch, der uns in der Koalition sicher fehlen wird.“ Bas habe ihr Ressort mit viel Fachkompetenz und Empathie ausgefüllt – für die Koalition sei das aber kein Hindernis. Die Nachfolge werde „sicherlich einige Zeit brauchen.“

Die ging allerdings im Eiltempo: Nur eine Stunde später meldeten die Medien bereits die Sensation aus Mainzer Sicht. Alexander Schweitzer, im März abgewählter Ministerpräsident der SPD in Rheinland-Pfalz, wird offenbar Nachfolger Bas‘. Schweitzer hatte nach der krachend verlorenen Wahl, bei der die SPD nach 35 Jahren die Staatskanzlei in Mainz verlor, sehr schnell deutlich gemacht, dass er sich nicht als Ruheständler sieht – schon vor der Landtagswahl war Schweitzer durch Talkshows wie Markus Lanz getourt, führte intensiv Hintergrundgespräche mit der Berliner Journalistenszene, und versuchte nach der Wahl, sich mit markigen Sprüchen in den sozialen Netzwerken als Arbeitnehmer-naher Sozialdemokrat zu empfehlen.

Schweitzer drängte nach verlorener Wahl in Mainz nach Berlin

Der machtbewusste 53 Jahre alte Pfälzer hatte sich direkt nach der Wahl den SPD-Fraktionsvorsitz im Mainzer Landtag gesichert – ähnlich wie Sven Schulze in Sachsen-Anhalt -, leitete die Koalitionsverhandlungen mit der CDU nach der Wahl und lotste dieselben SPD-Minister aus der alten Regierung an neue Posten – das sorgte für scharfe Kritik von der Parteibasis und im Bundesland. Dass Schweitzer Fraktionschef in Mainz bleiben würde, war für Beobachter wenig wahrscheinlich: Schweitzer machte bald klar, er wolle noch etwas reißen in seiner SPD – bereits im Mai 2026 schrieb Mainz&: „Rüstet sich Schweitzer für Berlin?“

Alexander Schweitzer kurz nach der für ihn krachend verlorenen Landtagswahl im März 2026 auf einem Parteitag der SPD Rheinland-Pfalz. - Foto: SPD RLP
Alexander Schweitzer kurz nach der für ihn krachend verlorenen Landtagswahl im März 2026 auf einem Parteitag der SPD Rheinland-Pfalz. – Foto: SPD RLP

Zudem kann Schweitzer Erfahrung als Arbeits- und Sozialminister in Rheinland-Pfalz vorweisen – allerdings amtierte Schweitzer nur ein Jahr lang (2013-2014) als Sozialminister und drei Jahre lang (2021-2024) als Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung, bevor er im Juli 2024 die Nachfolge der zurückgetretenen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) antrat.

Schweitzer ist ein Ziehsohn des früheren Ministerpräsident und SPD-Chefs Kurt Beck, der Sohn von Binnenschiffern bringt ebenfalls den Anhauch der Arbeiterschaft mit sich, das ist aber lange her: Karriere machte der gebürtige Landauer im System der SPD, inhaltlich steht er fest in der Tradition der Sozialdemokraten – punkten konnte aber auch er bei der Landtagswahl nicht bei der alten SPD-Klientel der Arbeiterschaft.

Als Ministerpräsident blieb Schweitzer blass, als SPD-Landesvorsitzender und Fraktionschef positionierte er sich zuletzt mit markigen Sprüchen, die SPD müsse sich mehr „für die Menschen im Alltag“ einsetzen– aber auch: Leistung müsse sich „wieder lohnen“ und die Regierung müsse „die kleinteilige Debatten um Spiegelstriche“ beenden und wieder deutlicher führen. Als Konkurrenz positionierte sich zuletzt zudem Hubertus Heil: Der frühere SPD-Bundesarbeitsminister tauchte ebenfalls plötzlich vor wenigen Tagen in diversen Talkshows wie bei Markus Lanz wieder auf – Heil wollte sich offensichtlich als Nachfolger von Bas in Stellung bringen.

Doch Heils Vorstoß kam offenbar zu spät, Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) reagierte schnell – und entschied sich für Schweitzer. Die SPD Rheinland-Pfalz verliert damit ihren Frontmann und Landeschef nach Berlin, die SPD muss zudem die Nachfolge an der Parteispitze klären. Gehandelt wird vor allem Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern – sofern die SPF bei einer Doppelspitze bleibt.

Info& auf Mainz&: Den Post von Bärbel Bas auf Instagram findet Ihr hier, oder auch hier auf Facebook. Achtung: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert!

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