Im September 2025 bildete die Unsichtbare Römergarde auf der Wiese vor dem Mainzer Landtag die Große Mainzer Jupitersäule aus neun Meter hohen Ballons nach – und machte damit auf das Fehlen des antiken römischen Denkmals aufmerksam. Sieben Monate danach ist von der Rückkehr der Säule noch immer nichts in Sicht – dabei liegen die Einzelteile nahezu fertig im Depot einer Steinmetzfirma. Der frühere Leiter der Denkmalpflege der Stadt Mainz, Hartmut Fischer, machte nun bei einem Besuch klar: Die Wiederaufstellung der Säule ist kein „nice to have“, sondern Pflicht – und zudem günstiger als gedacht.

Die Große Mainzer Jupitersäule gehört zu den archäologischen Sensationen aus der Römerzeit in Mainz: Die 9,10 Meter hohe, schlanke und reich verzierte Säule wurde im Jahr im Dezember 1904 bei Bauarbeiten in der Mainzer Neustadt gefunden und 1905 in rund 2.000 Einzelteilen aus der Baugrube geborgen. Das rekonstruierte Original steht heute im Mainzer Landesmuseum, eine originalgetreue Kopie aber stand seit 1934 auf dem Platz vor dem Mainzer Landtag an der Großen Bleiche.
Ihr Fund war eine Sensation, gilt die Jupitersäule doch als größte und beeindruckendste ihrer Art, die jemals nördlich der Alpen gefunden wurde – sie wurde gar zum Vorbild einer ganzen Gattung, eine Kopie davon findet sich sogar in Rom. Doch seit Sommer 2015 ist der Platz vor dem Landtag verwaist: Das Denkmal war nicht mehr standfest und musste abgebaut werden, in der renommierten Steinmetzfirma Sauer in Budenheim wurde das gute Stück aufwändig restauriert – nur zurück an ihren Standort kehrte die Säule bis heute nicht.
Jupitersäule seit 10 Jahren abgebaut, Römerverein fordert Rückkehr
Darauf machte im Juli 2025 der neu gegründete Verein „Rettet das Römische Mainz“ aufmerksam: „Wir finden zwar eine unsichtbare Jupitersäule lustig, aber das kann ja kein Dauerzustand sein“, sagte damals Vereinsvorsitzender Christian Vahl in Anspielung auf die „Unsichtbare Römergarde“, deren Generalfeldmarschall er ist – und kritisierte: Die Säule sei nun schon seit zehn Jahren verschwunden. Damit „schwindet auch das Gedächtnis an sie“, kritisierte Vahl, und forderte: „Der Platz ist ein anderer mit und ohne Säule, deswegen sollte sie zurückkehren.“

Im September 2025 fand der Verein „Rettet das Römische Mainz“ dann heraus: Die restaurierte Säulenkopie steht praktisch fertig in der Budenheimer Werkstatt und könnte sehr kurzfristig zurückkehren – doch bei der Stadt Mainz nannte man immer neue Hindernisse für eine Rückkehr: Vor dem Wiederaufstellen der Säule bedürfe es „umfangreicher geologischer Untersuchungen und statischer Berechnungen“ der Säule sowie des Bodens vor dem Landtag, teilte die Stadt im Sommer 2025 auf Mainz&-Anfrage mit.
Der Untergrund müsse geologisch untersucht, der Sockel erneuert und die Säule selbst durch ein Edelstahl-Skelett verstärkt werden, so die Stadt Mainz weiter – mit einer schnellen Rückkehr sei nicht zu rechnen. In Budenheim wundert man sich darüber: „Es ist eigentlich alles bereit, wir stehen parat – aber wir haben keinen Auftrag von der Stadt Mainz“, sagte Ulrich Schulz, Geschäftsführer und Inhaber des Steinmetzbetriebs Sauer, am Dienstag gegenüber Mainz&.
Jupitersäule quasi fertig im Depot: „Rückkehr wäre extrem wichtig“
In zwölf Einzelteilen zerlegt steht die Kopie der Großen Jupitersäule in seinem Depot, an den Stücken seien nur noch einige kleinere Restarbeiten zu machen, erläuterte Schulz am Dienstag bei einem Besuch von Vertretern des Vereins „Rettet das Römische Mainz“: „Bei uns hier in der Werkstatt bräuchten wir vielleicht noch vier Wochen Zeit, um alles fertig zu machen“ sagte Schulz. Dabei sei mit der Stadt und der Denkmalpflege alles besprochen, auch der wetterfeste Anstrich, den die Säule final bekommen soll.

Auch die von Seiten der Stadt im vergangenen Sommer genannten Gutachten lägen längst vor, sagte Schulz – es sei rund 200 Seiten dick. Ein Architekt habe den Grund und Boden untersucht und grünes Licht gegeben, auch das Parkhaus sein kein Problem, betonte Schulz. Neu gemacht werden müsse der Sockel, aber auch das würde aus seiner Sicht für keine größere Verzögerung sorgen: „Wir haben das angeboten, das wäre kein Problem.“ Für den Kern der Säule aus Edelstahl gebe es sogar einen Sachverständigen mit höchster Expertise sogar für den Weltraum: „Das ist Edelstahl, mit dem man bis zum Mond fliegen kann“, sagte Schulz.
Der Geschäftsführer bedauerte zudem, dass die Säule nicht längst wieder steht, 2023 hatte das nach den Plänen der damaligen Baudezernentin Marianne Grosse SPD) eigentlich geschehen sollen. „Das wäre extrem wichtig, auch für uns als Firma“, sagte Schulz, denn es war der Firmengründer Jean Sauer selbst, der einst persönlich die Kopien der Mainzer Jupitersäule anfertigte – ein großes Prestigeprojekt. Drei weitere Kopien der Riesensäule stehen in Rom, vor der Saalburg in Hessen sowie im französischen Saint-Germain-en-Laye.
Vahl: Keine Probleme mit Statik und Untergrund, Kosten niedriger
Zur Frage, warum ihm die Stadt noch immer keinen Auftrag zur Wiederaufstellung der Jupitersäule erteilt hat, zeigte sich Schulz ratlos. Man habe kein Geld, habe es zuletzt geheißen – dabei würde die Wiederrichtung Schätzungen zufolge nur rund 200.000 Euro kosten, berichtete Schulz – Stahlkorsett und neues Fundament inklusive. Stattdessen koste die Lagerung der Säulenteile die Stadt sogar jeden Monat Geld, machte Schulz deutlich.

Beim Verein „Rettet das Römische Mainz“ zeigte man sich davon nun erstaunt: „Uns wurden von Seiten der früheren Baudezernentin ganz andere Summen genannt“, sagte Vahl – von bis zu einer Million Euro an Kosten sei die Rede gewesen. Nun lerne man: Es gebe gar keine Probleme mehr mit der Statik der Säule oder dem Untergrund der Garage. Schulz berichtete, sogar das Stahlkorsett im Inneren der Säule sei fertig geplant und könnte vermutlich binnen sechs Monaten fertig sein.
Vorstandsmitglied Fischer, früherer Leiter der Denkmalpflege der Stadt Mainz, machte zudem deutlich: Die Rückkehr der Säule auf ihren Platz sei kein „nice to have“. „Auch die Kopie ist ein eingetragenes Denkmal“, betonte Fischer: „Ihr Wiederaufbau ist eine Pflichtaufgabe.“ Das Denkmal nütze ja jedem, der Stadt, den Mainzer und dem Tourismus. „Der Oberbürgermeister müsste sich der Sache mal annehmen“, sagte Fischer, und Vahl kündigte an, der Verein wolle sich nun um einen Gesprächstermin mit OB Nino Haase (parteilos) gemeinsam mit dem neuen Baudezernenten Ludwig Holle (CDU) bemühen.
Schulz machte zudem klar, es gebe für die Stadt durchaus auch Möglichkeiten, dabei weniger Geld auszugeben als bisher anvisiert: Die frühere Baudezernentin habe nämlich geplant, das Denkmal zu drehen, damit der kleine Weihealtar an der Seite in Richtung Große Bleiche zeige – warum, sei unklar. Auch das Lichtkonzept sollte nach Angaben der Stadt Mainz erneuert werden, für unbedingt notwendig hält der Experte das nicht: „Man könnte Geld sparen, wenn man es nicht dreht und das Licht erst einmal nicht erneuert“, sagte Schulz: „Man könnt die Jupitersäule noch in diesem Jahr wieder aufstellen.“
Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über die Große Mainzer Jupitersäule und ihre Geschichte könnt Ihr hier auf Mainz& nachlesen, in unserem Römischen Adventskalender 2025. Über „das Rätsel der verschwundenen Jupitersäule“ haben wir bei Mainz& bereits Mitte Juli 2025 berichtet, was die Stadt Mainz damals sagte, könnt Ihr hier nachlesen.







