Wie tolerant ist Deutschland eigentlich noch? Gerade in den sozialen Netzwerken kann man den Eindruck bekommen: Es wird nur noch gebrüllt, und überhaupt nicht mehr zugehört – doch dieser Eindruck trügt. Eine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ zeigte jetzt, dass viele Menschen in den sozialen Netzwerken sogar mehr Kontakt zu Andersdenkenden haben, als im analogen Leben. Und die Umfrage ergab auch: Am Intolerantesten sind Wähler der Grünen, gefolgt von denen der AfD. Die Echokammern, so die Umfrage, existieren vor allem in der analogen Welt – und das Interesse an Anderen schwindet.

Es ist nicht neu, dass das Allensbach-Institut für Demoskopie sich dem Thema widmet, wie tolerant oder intolerant Deutschland ist – bereits 2013 veröffentlichte der Forscher Thomas Petersen eine Studie unter dem Titel „Tatsächliche und gefühlte Intoleranz“, in der es hieß: 56 Prozent der Deutschen meinten, man könne seine Meinung frei äußern, allerdings 30 Prozent meinten, man müsse vorsichtig sein – das war lange vor der Corona-Pandemie.
„Ein erheblicher Teil der Deutschen spürt durchaus den sozialen Druck, dem man ausgesetzt sein kann, wenn man mit seiner Ansicht vom gesellschaftlichen Konsens abweicht“, konstatierte Petersen damals schon – 41 Prozent gaben schon damals an, man werde bei einigen kontroversen Themen „schnell zurechtgewiesen oder sogar beschimpft.“ 35 Prozent derer, die sagten, man könne sich nicht frei äußern, bezogen das vor allem auf ein Thema: Einwanderung, Ausländer oder Minderheiten. Besonders stark sei hier der Druck der „veröffentlichten Meinung“ – also der vorherrschenden Meinung in den Medien, stellte Petersen fest – im Klartext: Die öffentliche Meinung sei hier stark intolerant.
Im Internet ist der Austausch deutlich vielfältiger als im realen Leben
Nun untersuchte das Allensbach-Institut erneut im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Zustand in Sachen Toleranz in Deutschland, und stellte dabei fest: Die Echokammern sind im wahren Leben deutlich strikter als in den gerne so verschrieenen sozialen Netzwerken. „Oft wird angenommen, dass das Internet die Zersplitterung der Meinungslager befördere“, schreibt Petersen nun in einem Beitrag für die FAZ: Egal wie abseitig die eigene Meinung sei, im Netz finde man immer seine Blase, eine Gruppe von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig bestätige.

„Das ist nicht von der Hand zu weisen, doch die Umfrageergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen im Netz nicht weniger Kontakte zu Andersdenkenden haben als im analogen Leben – eher im Gegenteil“, konstatiert Petersen weiter: „Es zeigte sich, dass die „analogen Freundeskreise“ politisch noch homogener sind als die digitalen.“ Nur rund ein Zehntel der Menschen treffe sich mit Freunden im realen Leben, die politisch anderer Meinung seien, im Netz sei der Austausch hingegen deutlich vielfältiger: Dort stoße man deutlich öfter auf abweichende politische Meinungen.
„Es zeigt sich, dass die Annahme, wonach sich die Menschen im Netz weitgehend in ihre eigene Meinungsblase zurückziehen, auf weite Teile der Bevölkerung so nicht zutrifft“, konstatiert der Forscher deshalb. Stattdessen scheint es vor allem der Aufenthalt in den eigenen Meinungsblasen im eigenen Leben zu sein, der die Fronten verhärtet – und der Ideologiefaktor ist durchaus hoch: „Unter den Anhängern der verschiedenen Parteien hatten die der Grünen (28 Prozent) und die der AfD (24 Prozent) die größten Probleme mit abweichenden Meinungen“, schreibt Petersen.
Grüne und Umfeld am Intolerantesten gegen andere Meinungen
„Nicht wenige, die vehement Meinungsfreiheit einfordern, meinen damit letztlich nur die Freiheit für ihre eigene Meinung“, konstatiert Petersen – eine solche Umfrage wäre gerade im engeren Umfeld von Parteien und Medien ausgesprochen spannend. Denn Mainz& hat selbst ausgiebig Erfahrung mit der Intoleranz von Grünen in Mainz gemacht: Mehrfach wurde Mainz&-Chefredakteurin von Grünen in ihrer Berichterstattung blockiert und ausgegrenzt – das Thema Pressefreiheit gilt für Grüne nur für solche Medien, die ihnen gegenüber genehm und nicht kritisch berichten, was Ihr hier ausführlich nachlesen könnt.

Anhänger der Linken zeigten sich übrigens zu 22 Prozent intolerant, am besten hielten sich Anhänger von CDU und SPD: Nur 19 Prozent der Unions-Anhänger regten sich stark über Vertreter anderer Meinungen auf, bei den SPD-Anhängern waren es 18 Prozent. Das zeigte sich übrigens auch im Februar 2025 vor der Bundestagswahl, als Gruppen vor allem aus dem grün-linken Spektrum „Demos gegen rechts“ vor CDU-Parteizentralen organisierten – als die Grünen 2026 gemeinsam mit der AfD das Mercosur-Abkommen im Europaparlament stoppten, war von ähnlichen Kundgebungen keine Rede. Auch die Doppelmoral der Grünen war nur ein Randthema.
Dazu passt ein weiterer Befund der Allensbach-Studie: Personen mit höheren Bildungsabschlüssen zeigten sich intoleranter als Befragte mit einfacher oder mittlerer Schulbildung – auch das ist interessant. Denn es waren in den vergangenen Wahlkämpfen gerade die Grünen, die sich gerne als Vertreter der alleinigen Wahrheit inszenierten, bis heute haben ihre Forderungen gerade in Sachen Klima und Energiewende geradezu religiöse Dimensionen – und ehe dem, der eine abweichende Meinung vertritt: Er wird gnadenlos niedergebrüllt, und mit Vorliebe in eine „rechte“ Ecke gestellt.
Reiche: Als „Gas-Kathi“ und Fossil Energie-Lobbyistin diffamiert
Besonders deutlich erfährt das gerade Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Egal, welchen Vorschlag die CDU-Ministerin macht, sie wird umgehend als „Gas-Kathi“ als Lobbyistin fossiler Energien sowie als hoffnungslos rückständig gelabelt. Dabei ist auch völlig egal, ob Experten der Ministerin beistimmen oder nicht – so geschehen kürzlich in Sachen Photovoltaik-Förderung: Reiches Pläne, die Einspeisevergütung für Solaranlagen auf Privathäusern zu kappen, sei völlig richtig, betonte ein Experte – die Bundesregierung habe viel zu lange damit genau die Reichen gefördert, die sich eine solche Solaranlage auch ohne Förderung leisten könnten. Die Zeche zahle die Allgemeinheit: Vor allem mit hohen Stromkosten.

Der in den Tagesthemen am 27. Februar dazu interviewte Experte Leo Hirth wurde übrigens umgehend von Energiewendelobbyisten als voreingenommen und Interessen-geleitet diffamiert, genau das zeigt, wie die Debatten im politischen Kontext inzwischen verlaufen: Anstatt zuzuhören und die Argumente zu wägen, wird unmittelbar nach vermeintlicher „Lobby“ einsortiert und Voreingenommenheit angenommen, wo es der eigenen Meinung widerspricht. Genau so entsteht der Eindruck: Man darf eben nicht mehr offen sagen, was man denkt – und nicht Argumente zählen, sondern die veröffentlichte, „genehme“ Meinung einer bestimmten politischen Blase oder Richtung.
Tatsächlich ist Deutschland offenbar deutlich toleranter, als das gerne mal dargestellt wird: 61 Prozent der Bevölkerung antworteten, sie hätten mit anderen Meinungen kein Problem. Immerhin 21 Prozent gaben offen zu, dass sie dies aufrege. 80 Prozent der Bevölkerung gaben zudem in der aktuellen Umfrage an, Zuhören gehöre für sie zu einem respektvollen Umgang miteinander – und 69 Prozent bezeichneten sich sogar selbst als gute Zuhörer.
Selfie-Fotographie: Interesse an Anderen schwindet
Insgesamt aber, so schreibt Petersen, nehme das Interesse an anderen Menschen und Meinungen eher ab – der Forscher macht das an einem modernen Phänomen fest: der Neigung, sich selbst zu fotografieren? „55 Prozent der Befragten gaben an, sie machten ab und zu Selfies, unter 30-Jährige sagten dies zu 85 Prozent“, schreibt Petersen. Von allen Selfie-Fotografen verschicken 71 Prozent diese Bilder mindestens ab und zu an Freunde und Bekannte.
„Man kann, bei aller Vorsicht, auch dieses Verhalten als ein Symptom von Schwierigkeiten in der Kommunikationskultur betrachten“, analysiert Petersen: „Es liegt der Verdacht nahe, dass eine Gesellschaft, in der weite Teile der Bevölkerung laufend damit beschäftigt sind, sich selbst zu fotografieren, eine Gesellschaft ist, in der sich viele vor allem für sich selbst interessieren.“
Info& auf Mainz&: Den gesamten Beitrag von Thomas Petersen findet Ihr hier bei der FAZ im Internet. Unseren ausführlichen Artikel zu den Erlebnissen von Mainz& mit Vertretern von Grünen in Mainz könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:






