In diesen Tagen des Wahlkampfes wird gerne mal der Glücksatlas 2025 zitiert, denn Rheinland-Pfalz steht da im Länderranking auf Platz 3. Doch das Bild ist getrübt, die positive Stimmung habe „Schattenseiten““, konstatieren die Studienmacher: „Das Land kämpft mit einer anhaltenden Wachstumsschwäche, und viele mittelgroße Städte stecken im Strukturwandel.“ Tatsächlich bescheinigt der „Glücksatlas“ ausgerechnet den Mainzern ein schlechtes Ergebnis: Die Stadt liegt nur auf Platz 21 und im Mittelfeld des Städterankings – die Mainzer seien unzufriedener, als es die objektiv verfügbaren Daten erwarten ließen.

Wie glücklich ist Deutschland? Das fragt jedes Jahr eine wissenschaftliche Studie der Universität Freiburg unter Leitung des bekannten Forschers Bernd Raffelhüschen, seit 2022 wird die Studie von der Staatlichen Klassenlotterien SKL gesponsort – deswegen heißt die Studie auch „SKL Glücksatlas“. Der Glücksatlas 2025 beruht weitgehend auf Daten des Jahres 2024, manche stammen sogar noch aus 2023, und da zeigt sich: Die Deutsche sind dabei, das Corona-Tief zu überwinden, doch gleichzeitig stagniert die Lebenszufriedenheit „und liegt mit 7,09 Punkten auf dem soliden Niveau vor der Pandemie“, so die Glücksstudie. Das waren gerade einmal 0,03 Punkte mehr als ein Jahr zuvor.
„Während die Menschen mit Arbeit, Familie und Freizeit zufriedener sind, trübt vor allem die sinkende Einkommenszufriedenheit das Gesamtbild, besonders in den unteren Einkommensgruppen“, lautet die Analyse. Immerhin: Seit 2015 gab es nur zwei Jahre, in denen die Lebenszufriedenheit höher war – einmal 2016 mit 7,11 Punkten sowie im bisherigen Rekordjahr 2019 mit 7,14 Punkten. Dabei ist Deutschland aber weiter gespalten: 48 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Leben „hochzufrieden“ (ein Wert auf der Skala zwischen 8 und 10), 44 Prozent hingegen sind nur mäßig zufrieden (ein Wert von 5 bis 7).
Positive Stimmung hat Schattenseiten bei Wirtschaft und im Norden
Neben der allgemeinen Lebenszufriedenheit wurde auch die Zufriedenheit in den Bereichen Arbeit, Familie, Freizeit und Einkommen erhoben, und da zeigt sich: die Einkommenszufriedenheit ist deutlich gesunken. Die Arbeitszufriedenheit liege 2025 mit 7,20 Punkten wieder auf dem Niveau der Jahre vor der Pandemie und habe sich damit vollständig erholt, heißt es weiter – wobei wir bei Rheinland-Pfalz wären. Denn das Bundesland hat sich in diesem Glücksatlas auf Platz 3 geschoben, doch es ist ein Abschneiden mit Schatten.

Denn bei der objektiven Lebensqualität liege das Bundesland eigentlich eher auf Platz 4, das positive Ergebnis retten laut der Studie „Landbewohner, Senioren und die Bewohner der Pfalz.“ Die Pfälzer nämlich sind deutlich zufriedener mit ihrer Lebensqualität als die Rheinländer, was auch die Mainzer und die Rheinhessen bis hinunter nach Worms einschließt. „Die die positive Stimmung hat Schattenseiten“, konstatiert die Studie denn auch: „Das Land kämpft mit einer anhaltenden Wachstumsschwäche, und viele mittelgroße Städte stecken im Strukturwandel.“
Denn während die Eigentumsquote und das verfügbare Einkommen leicht über dem Bundesschnitt liegen, die Arbeitslosenquote mit 5,3 Prozent sogar deutlich unter dem Bundesschnitt mit 6,8 Prozent, gehört ausgerechnet die Wirtschaftskraft zu den Schwächen von Rheinland-Pfalz: „Die Wachstumsraten fielen im letzten Jahrzehnt schwach aus“, konstatiert die Studie, das Bruttoinlandsprodukt schwächelt – und bei Gesundheitsausgaben und Bildungsausgaben liege Rheinland-Pfalz deutlich zurück. Diese Zahlen stammen allerdings schon aus den Jahren 2022 und 2023, warum auch immer.
Mainz: hohe Mieten und schlechte Luft trüben das Glück
Besonders verblüfft zeigten sich die Studienmacher bereits 2024 vom Abschneiden der Landeshauptstadt Mainz: Mit gerade einmal 6,82 Punkten lag Mainz da auf Platz 21 von 40 und damit im Mittelfeld des Städterankings, „das ist ein schlechtes Ergebnis, gemessen an objektiven Wohlfahrtsindikatoren“, hieß es damals. Denn gerade bei der Wirtschaftskraft weise Mainz deutlich überdurchschnittliche Werte auf, trotzdem seien „die Mainzer mit ihrem Leben unzufriedener als es die objektiv verfügbaren Daten erwarten lassen.“

In diesem Jahr hat sich die Landeshauptstadt leicht auf Platz 20 verbessert, gut ist das indes noch lange nicht: „Hohe Mieten und eine hohe Luft- und Lärmbelastung trüben das Wohlbefinden in Mainz“, analysiert die Studie. Mainz schneide ähnlich ab wie Stuttgart, aber immerhin deutlich besser als Wiesbaden, das mit 6,45 Punkten nur auf den vorletzten Rang 39 kommt. „Mainz ist in vielen Indikatoren zur Lebensqualität überdurchschnittlich“, lautet die Analyse: „Die Stadt liegt in einer wirtschaftlich starken Region und punktet vor allem in den Bereichen Bildung und Wirtschaftskraft“, hieß es schon 2024.
Nun lautet die Analyse: „Die Stadt profitiert von einer außergewöhnlich hohen Wirtschaftskraft, einer sehr niedrigen Schulabbrecherquote und einem hohen Anteil junger, akademisch geprägter Einwohner.“ Bei der Grundversorgung gebe es viele kurze Wege zu Fuß. 2024 hatte die Studie noch gerügt, Mainz sei „im Freizeit- und Kulturangebot unterdurchschnittlich, auch die langen Pendelstrecken schmälern die Lebensqualität.“ Mainz habe nämlich sehr wenige öffentliche Bäder (der Wert wird mit 2,3 angegeben) sowie wenig Erholungsflächen (26,1 zu 45,4 im Bundesschnitt) und wenig Grünflächen – geändert hat sich daran nichts. Hinzugekommen sind nun aber sehr hohe Mieten, eine schlechte Luftqualität und eine hohe Lärmbelastung.
Polarisierte Stimmung in Mainz: Besonders viele Unzufriedene
Das Ergebnis: „In Mainz leben besonders viele Hochzufriedene, aber auch viele Unzufriedene. 52,3 Prozent geben zwar an, mit ihrem Leben „hochzufrieden“ zu sein, aber gleichzeitig sei mit 13,2 Prozent auch der Anteil der Unzufriedenen überdurchschnittlich hoch. Das deute „auf eine polarisierte Stimmungslage hin“ – übrigens trifft das auch auf Rheinland-Pfalz zu: Hier messen die Studienmacher sogar 15,8 Prozent Unzufriedene und nur 36,7 Prozent Hochzufriedene – deutschlandweit sind hingegen 44,9 Prozent mit ihrem Leben hochzufrieden, und nur 9,5 Prozent unzufrieden.

Als glücklichste Großstadt in Deutschland wurde übrigens erneut Kassel gekürt: „Die Universitätsstadt punktet mit einer jungen Bevölkerung, guter medizinischer Versorgung sowie zahlreichen Grün- und Erholungsflächen“, heißt es im Glücksatlas – dort seien 56 Prozent hochzufrieden, aber nur 3 Prozent ernsthaft unzufrieden. „Es gibt keine starken Unterschiede im Glücksniveau der Bevölkerung“, so die Analyse: „Offenbar gelingt es Kassel, selbst Menschen mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten ein erfülltes Leben zu ermöglichen.“
Das könnte denn auch der Schlüssel sein zu dem Mainzer Abschneiden: Hier entstanden in den vergangenen Jahren enorm viele Wohngebiete für hochpreisiges Mieten und Kaufen, bei den Wohnungsmieten gehört Mainz zu den fünftteuersten Städten der Republik, und auch das tägliche Leben wird immer teurer – offenbar fühlen sich immer mehr abgehängt. Für die Mainzer, die sich doch so gerne ihrer Gemeinschaft und ihres „Mainzgefühls“ rühmen, sollte das ein Alarmsignal sein: „Die höchste Lebenszufriedenheit“, konstatiert die Studie, „findet sich dort, wo das Leben familiär, überschaubar, sicher und grün geblieben ist.“
Info& auf Mainz&: Alle Ergebnisse und Erläuterungen zu den Rankings im SKL Glücksatlas 2025 findet Ihr hier im Internet.







