Die lange Hitze- und Dürreperiode in Deutschland macht sich inzwischen auch in immer mehr Bränden bemerkbar: In der Eifel bei Düren brennt seit Donnerstag eine Fläche von rund 300 Hektar Größe, es sei der größte Waldbrand der Geschichte, hieß es von der Landesregierung NRW. Auch in der Vordereifel bei Mayen brennt es, in Mainz-Mombach gab es gerade einen Flächenbrand. Aber wie ist das Land gegen Großbrände vorbereitet? Fakt ist: In Deutschland gibt es kein einziges Löschflugzeug staatlicher Stellen – andere Länder haben eine ganze Flotte sowie Waldbrand-Warnapps wie in Frankreich.

Es ist eine Waldbrand-Saison, wie sie Deutschland wohl noch nicht erlebt hat: 2.686 Hektar Flächen sind in Deutschland allein in diesem Jahr bereits verbrannt – in den Jahren 2006 bis 2025 waren es lediglich 912 Hektar im Schnitt, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland in einer Grafik zeigt. Damit liegt Deutschland weit hinter anderen Ländern wie Spanien (2026 knapp 276.000 Hektar) oder Frankreich (2026 rund 93.000 Hektar), doch auch bei uns nehmen die Brände massiv zu: Bereits mehr als 570 Waldbrände habe es allein im ersten Halbjahr 2026 schon gegeben, berichtet die Google-KI – in Hessen seien es allein 100 gewesen, in NRW bereits 86.
In der Eifel bei Hürtgenwald nahe Düren bedroht ein Großbrand derzeit sogar ganze Orte: Rund 300 Hektar Fläche sollen hier in Brand stehen, das Feuer besteht aus mehreren kleineren und größeren Bränden – das seien drei Millionen Quadratmeter und der größte Waldbrand in NRW seit Beginn der Datenerfassung, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) dem WDR. Der Ortsteil Hürtgenwald-Gey musste evakuiert werden, die Brandwolke zieht bis nach Bonn und auch in den Landkreis Ahrweiler.
Außer der Hexe: Kein staatliches Löschflugzeug in Deutschland
Auch im Kreis Mayen-Koblenz brennen aktuell bei Langscheid rund 50 Hektar Wald und Wiesen, auch hier in der Vordereifel bedrohte der Brand zeitweise Ortschaften, wie der SWR in einem Liveticker berichtet. Immer wieder machten den Einsatzkräften bei den Bränden starker Wind Probleme, auch schwer unzugängliche Stellen im Wald oder an Hängen machen die Bekämpfung oft schwierig. Helfen würde Löschwasser oder auch Löschschaum aus der Luft – doch darauf ist Deutschland nur wenig vorbereitet.

Denn: Ein Löschflugzeug gibt es in ganz Deutschland nicht. Einzig im Harz gibt es eine Maschine: Die polnische Agrar- und Löschmaschine „Hexe 1“ wird aber vom Landkreis Harz nur saisonal von April bis September gepachtet, wie die FAZ Anfang August berichtete – die Maschine kann nach Angaben des Berichtes rund 2.300 Liter Wasser abwerfen.
In anderen Ländern ist das anders: Frankreichs Zivilschutz (Sécurité Civile) verfügt laut Google-KI über eine Flotte von insgesamt 23 bis 25 Lösch- und Mehrzweckflugzeugen, darunter rund 12 Canadair-Löschflugboote und 8 Dash-Löschflugzeuge. Auch Spanien, Italien und Griechenland verfügen über eigene Flotten – in Deutschland setzte man hingegen auf Hubschrauber.
Rheinland-Pfalz. Zwei Hubschrauber zur Brandbekämpfung
Rheinland-Pfalz besitzt seit 2024 zwei moderne Polizeihubschrauber, die standardmäßig auch für die Brandbekämpfung aus der Luft ausgerüstete sind – transportieren können sie Behälter mit gerade einmal 800 Liter Wasser. Zum Vergleich: Die bekannten gelb-roten Canadair-Löschflugzeuge aus Kanada fassen rund 6.000 Liter, wie die Kollegen der Berliner Morgenpost recherchiert haben. Denen sagte der Waldbrandexperte Ulrich Cimolino auch, deutschlandweit stünden rund 70 zur Brandbekämpfung geeignete Hubschrauber zur Verfügung – viele könnten Löschwasserbehälter mit 5000 Liter tragen.

Der Bund habe bislang die Anschaffung von Löschflugzeugen abgelehnt, berichten die Kollegen aus Berlin weiter – das war allerdings Stand im Herbst 2025. Der Grund: Brandbekämpfung und Katastrophenschutz ist Sache der Bundesländer und der Kommunen, doch die haben sich bislang die große Bekämpfung gespart. Kein Wunder, koste eine Canadair-Maschine rund 50 Millionen Euro – für Kommunen ist das schlicht nicht leistbar.
Bislang verwies der Bund zudem gerne auf die geplante Ausweitung der europäischen RescEU-Staffel, mit der die EU ihren Mitgliedsstaaten bei der Bekämpfung von Katastrophen unterstützen will, auch bei Bränden. Die EU hat für das Programm zwar gerade 22 neue Maschinen für rund 600 Millionen Euro angeschafft, die Auslieferung wird aber frühestens 2027 beginnen – und die Maschinen sollen vorrangig in Kroatien, Frankreich, Griechenland und Italien stationiert werden. Deutschland kann die Maschinen zwar auch anfordern, bis sie aber im Einsatz sind, dauert es Stunden. Das gilt auch für Bundesehr-Hubschrauber – auch sie müssen erst einmal angefordert werden.
Waldbrand-Warnapp in Frankreich: „Feux de Forets“ warnt punktgenau
So setzt Deutschland bislang auf die Bekämpfung vor allem vom Boden aus: In der Eifel sind derzeit Feuerwehrverbände aus der ganzen Umgebung im Einsatz, dazu diverse Polizeihubschrauber, die Wasser aus Becken, Seen und Talsperren holen. Die Bundeswehr hilft mit Panzern und Wasserwerfern, zahlreiche Landwirte mit Wassertransportern – die Unterstützung aus der Luft würden den Brand wesentlich schneller eindämmen, sagen Experten. Dazu kommt: Die Hubschrauber können nicht in den Rauch fliegen, damit können sie das Wasser nicht direkt über den Flammen-Hotspots abwerfen.

Andere Länder sind aber auch in Sachen Warnungen längst weiter: Frankreich betreibt eine eigene Warnapp für Waldbrände, unter dem Namen „Feux de Forets“ kann man hier auf einer Karte ganz aktuell und punktgenau sehen, wo es gerade brennt. Die kostenlose App zeigt nicht nur die punktgenaue Stelle, sondern auch, wie schlimm der Brand ist – und wie viele Einsatzkräfte vor Ort mit der Bekämpfung beschäftigt sind. User können Fotos zum Feuer hochladen, so kann man jederzeit genau erkennen, wie große die Gefahr ist – das ist auch für Urlauber höchst praktisch.
Mainz& hat beim rheinland-pfälzischen Innenminister, zuständig für Brand- und Katastrophenschutz, angefragt: Braucht Deutschland nicht auch eine solche App – und vor allem auch ein oder mehrere Löschflugzeuge? Eine Antwort steht noch aus – wir informieren Euch, wenn sie da ist. Das Thema dürfte auch kommende Woche eine Rolle spielen: Dann steht die erste Landtagssitzung in Mainz nach der Sommerpause an.
Info& auf Mainz&: Eine interessante Aufstellung über Löschflugzeuge in Europa und weltweit und ihre Kapazitäten findet Ihr hier bei Wikipedia.








