Die Corona-Inzidenzen steigen derzeit wieder rasant an – und das, obwohl rund 60 Prozent der Bevölkerung inzwischen vollständig geimpft ist. Das Land Hessen will nun mehr Transparenz in die Zahlen bringen und weist ab kommendem Montag die Sieben-Tage-Inzidenz getrennt nach Geimpften und Ungeimpften aus. Der Effekt ist erheblich: Während die Inzidenz der vollständig Geimpften in Hessen derzeit bei 12,7 pro 100.000 Einwohner liegt, misst sie bei den Ungeimpften derzeit bei 262,3. Angesichts nachlassender Impfquoten wachsen die Appelle, sich impfen zu lassen, auch die Auffrischungsimpfungen starten nun. Derweil stieg die Inzidenz in Mainz wieder auf über 100.

Hessen weist ab Montag die Inzidenz bei Geimpften und Ungeimpften getrennt aus - der Unterschied ist enorm. - Grafik: Land Hessen
Hessen weist ab Montag die Inzidenz bei Geimpften und Ungeimpften getrennt aus – der Unterschied ist enorm. – Grafik: Land Hessen

Die getrennte Ausweisung der Corona-Inzidenzen in Hessen soll nun für den Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften sensibilisieren. „Die Differenz ist groß“, sagte der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne): Die Inzidenz von 262,3 beziehe sich auf die Altersgruppe ab zwölf Jahren, zu den Ungeimpften würden dabei Nichtgeimpfte, Teilgeimpfte und Personen gezählt, bei denen Angaben zum Impfstatus fehlten. „Diese Zahlen belegen eindrücklich, wie wirksam die Impfung ist“, betonte Klose – derzeit infizierten sich nämlich weit überwiegend Ungeimpfte. In Hessen stieg die landesweite Inzidenz am Freitag wieder über die Marke von 100 und liegt jetzt bei 103,8, in der Landeshauptstadt Wiesbaden wurden 117,4 gemeldet – Spitzenreiter ist wieder einmal Offenbach mit einer Inzidenz von 173,5.

Auch in Mainz stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag erneut über die Marke von 100 und erreichte am Freitag bereits 117,1. Grund für die stark steigenden Zahlen sind derzeit vor allem Reiserückkehrer – und zunehmend Infektionen unter Schülern: Bereits am ersten Tag nach den Sommerferien wurden in Mainz und im Landkreis Mainz-Bingen 20 Schüler und eine Lehrerin positiv auf das Coronavirus getestet, betroffen sind 19 Schulen. Sorge bereitet zudem ein Corona-Ausbruch in einem Ingelheimer Altenheim, wo es inzwischen neben 29 Infizierten inzwischen auch drei Menschen gibt, die an Covid-19 starben – obwohl sie geimpft waren.

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Bei den älteren Senioren lässt jetzt offenbar langsam die Wirkung der ersten Corona-Impfungen nach. - Foto: Stadt Wiesbaden
Bei den älteren Senioren lässt jetzt offenbar langsam die Wirkung der ersten Corona-Impfungen nach. – Foto: Stadt Wiesbaden

Experten sehen als Ursache für die sogenannten „Impfdurchbrüche“ in dem Altenheim vor allem eine nachlassende Wirkung der ersten Impfrunde bei Senioren, die vor mehr als sechs Monaten geimpft wurden sowie ein ohnehin geschwächtes Immunsystem bei Hochbetagten oder Menschen mit Vorerkrankungen. Zum 1. September starteten deshalb Auffrischungsimpfungen für diese Personengruppe. Ein Argument gegen die Impfung seien die Durchbrüche nicht, betont man auch beim Mainzer Gesundheitsamt: Der beste Schutz gegen schwere Verläufe oder sogar Tod sei noch immer die Corona-Impfung.

Experten warnen bereits seit Wochen, die anrollende vierte Welle mit der Delta-Mutation werde vor allem „eine Pandemie der Ungeimpften“ werden: Jeder, der sich nicht impfen lasse, werde sich in diesem Herbst voraussichtlich unweigerlich mit dem Coronavirus infizieren – und damit ein erhebliches Risiko von Infektion, schwerem Verlauf und möglichen Long Covid-Schäden eingehen. Mediziner warnen, auf den Intensivstationen lägen derzeit zu 95 Prozent ungeimpfte Patienten.

Wegen zunehmender Impfdurchbrüche starten nun Auffrischungsimpfungen bei bestimmten Personengruppen. - Foto: Biontech
Wegen zunehmender Impfdurchbrüche starten nun Auffrischungsimpfungen bei bestimmten Personengruppen. – Foto: Biontech

Klose verband die Ankündigung der getrennten Inzidenz denn auch mit einem erneuten Appell, sich impfen zu lassen: „Impfen ist der wichtigste Beitrag zum Selbstschutz, zum Schutz der Nächsten und zum Gemeinschaftsschutz, den jede und jeder erbringen kann“, betonte der Minister. Kinder, die noch nicht geimpft werden könnten, schütze man ebenfalls am besten durch die Impfung der Erwachsenen und Jugendlichen in ihrem Umfeld. In Hessen kann sich seit dem 2. August – ebenso wie in Rheinland-Pfalz – jeder ortsunabhängig und ohne Terminvereinbarung und Registrierung in jedem hessischen Impfzentrum impfen lassen.

In Rheinland-Pfalz starten die sechs Impfbusse des Landes ab kommendem Montag in eine neue Runde, in der ersten habe man mehr als 20.000 Menschen in ganz Rheinland-Pfalz mit einer Coronaschutzimpfung versorgen können, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Die Impfbusse sollen noch drei weitere Wochen durch das Land rollen und neben Supermarktparkplätzen auch Kulturevents ansteuern. „Im Hinblick auf die steigenden Inzidenzzahlen kann ich nur alle Rheinland-Pfälzer ermutigen, dieses Angebot anzunehmen“, betonte Hoch.

Die Impfbusse des Landes Rheinland-Pfalz sollen die Impfungen zu den Menschen bringen. - Foto: Staatskanzlei RLP, Sämmer
Die Impfbusse des Landes Rheinland-Pfalz sollen die Impfungen zu den Menschen bringen. – Foto: Staatskanzlei RLP, Sämmer

Der Minister appellierte zudem, das Angebot der Auffrischungsimpfung zu nutzen: „Für Menschen mit Immunschwäche, Hochbetagte oder Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen ist das Risiko eines nachlassenden Impfschutzes am größten“, sagte Hoch, er hoffe deshalb, dass viele von dem Angebot Gebrauch machten. Eine Einladung dazu gibt es allerdings nicht, wer nicht in einem Heim wohnt, muss sich um die Auffrischungsimpfung selbst kümmern. Die Impfzentren bieten nun aber neben Erst- und Zweitimpfungen auch Auffrischungsimpfungen an, eine Terminvergabe ist nicht erforderlich – einfach hingehen, impfen lassen, fertig.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Corona-Bestimmungen und Impfmöglichkeiten in Hessen findet Ihr hier im Internet. Mehr zu den Impfbussen in Rheinland-Pfalz lest Ihr hier bei Mainz&, alle Stationen für die kommende Woche des Impfbusses finden sich unter: https://corona.rlp.de/de/impfbus/.

 

5 KOMMENTARE

  1. Der Durchbruch in der Pflegeeinrichtung muss nichts bedeuten. Es ist bekannt, dass alte Menschen selten an ihren zahlreichen Grundkrankheiten sterben sondern fast immer an einer finalen Lungenentzündung auf dem Boden völliger Abwehrschwäche. Egal was in ein Heim getragen wird, es wird unter Schwachen grassieren und Gesunde verschonen. Die Natur findet immer einen Schlussstrich, bei gut versorgten Menschen, Haus- und Zootieren spät, in der freien Natur weit vor der biologisch möglichen Lebensspanne. Pharaonen sind mit Arthrose, Herzschwäche und sonstigen Zipperlein Neunzig geworden, die zum Pyramidenbau verpflichteten Fellachen waren schon zur „Halbzeit“ verbraucht.

  2. Bei der Grippeimpfung gibt es massenhaft Impfdurchbrüche, weitaus mehr als bei Covid. Und sehr seltene Impfschäden gibt es bei allen Impfungen, aber nur bei Disposition der Probanten. Es gibt kein rationales Argument gegen die Impfung, auch nicht wegen der schnellen Entwicklung und Freigabe der Vaczine. Gerade für Biontec war das kein hastiges Experiment sondern nur die Umsetzung der schon jahrelang betriebenen aussichtsreichen Krebs-Immunabwehr.

    • Aktuell kann man zur Übersterblichkeit noch nichts sagen, die zahlen zur Vierten Welle sind ja noch zu frisch. Aber ja: Zu der Dritten Welle im Winter gibt es inzwischen Auswertungen, die eine Übersterblichkeit voll bestätigen. Müssen wir noch mal nachrecherchieren… reichen wir nach!

  3. Ich habe in den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes nachgeguckt. Es ist teilweise zu einer Untersterblichkeit gekommen, allerdings ist die Beobachtungszeit noch zu kurz für eine belastbare Aussage.

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