Pünktlich zur Mainzer Johannisnacht dreht der Sommer in Deutschland so richtig auf: genau ab Donnerstag wird eine Hitzewelle über Deutschland erwartet, die Temperaturen von bis zu 35 Grad mit sich bringen soll. Das Problem dabei: steigende schwüle Luft, mögliche schwere Hitzegewitter und Unwetter. Die Stadt Mainz ruft nun eine Hitzewarnung für Mainz der Warnstufe 1 aus, appelliert dazu, sich auf die hohen Temperaturen einzustellen, und besonders auf ältere Menschen, Kranke und Säuglinge sowie Kleinkinder zu achten.

Seit mehreren Tagen warnen die Wetterdienste vor einer plötzlichen, sprunghaft anrückenden Hitzewelle, es muss mit Temperaturen von um die 35 Grad, Tropennächten und einer sich steigernden Schwüle gerechnet werden, heißt es etwa beim Wetterdienst Kachelmannwetter. Ab etwa Freitag kann es dann auch zu schweren Hitzegewittern und Unwettern kommen. Beim deutschen Wetterdienst warnt man sogar vor Temperaturen von bis zu 38 Grad – die plötzliche Hitze dürfte für viele Menschen eine hohe Belastung bedeuten.
Die Landeshauptstadt Mainz gab deshalb am Dienstag eine vorsorgliche Hitzewarnung für die Tage Donnerstag bis Montag heraus und appelliert, sich auf die hohen Temperaturen einzustellen und besonders auf Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen sowie pflege- und hilfsbedürftige Personen zu achten. „Hitze ist kein bloßes Sommerphänomen, sondern kann zu einer ernsthaften gesundheitlichen Belastung werden“, betonte Sozialdezernentin Jana Schnöller (SPD). Auch für junge und gesunde Menschen könne Hitze zum Problem werden.
AOK: Hitze treibt Menschen in den Krankenstand
Hitzeperioden stellten „eine große Belastung für Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen und die kritische Infrastruktur dar“, warnte gerade die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz zum Hitzeaktionstag am 11. Juni – der im Übrigen von vielen Menschen belächelt wurde. Anders als bei anderen Extremwetterereignissen entwickelten sich die Folgen von Hitzeperioden oft schleichend, Menschen mit Unterstützungsbedarf seien „zudem oft nicht sichtbar“, warnte die Ärztekammer: „Gerade deshalb wird die Tragweite politisch und administrativ noch häufig unterschätzt.“

Gefährdet sind denn auch vor allem ältere Menschen, Kranke und Kinder. Hitze-Phasen belasteten vor allem Personen, deren Kreislauf bereits beeinträchtigt sei, warnte gerade die Krankenkasse AOK: „Dazu gehören unter anderem ältere Menschen, Schwangere und chronisch kranke Menschen, bei denen beispielsweise eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes diagnostiziert wurde.“ Hitzewellen könnten möglicherweise auch die Diagnose von bisher unbehandelten Krankheiten wie Depressionen auslösen, die schon vorher bestanden, betonte die Kasse.
So habe ein Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf Basis von AOK-Gesamtdaten gerade erst gezeigt, dass Hitze nicht nur akute Gesundheitsnotfälle wie beispielsweise Schlaganfälle auslösen, sondern auch bestehende Erkrankungen und deren Symptome verschlimmert können – und dadurch Personen an der Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit in den Krankenstand treibe. So führte bereits ein durchschnittlicher Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad kurzfristig zu einem Anstieg der Krankmeldungen um etwa 3,5 Prozent, am dritten Hitzetag waren es bereits 5 Prozent – nach sieben Hitzetagen in Folge stiegen die Krankmeldungen sogar auf etwa 11 Prozent.
Hitzeperioden: Unterschätzte Belastung für Gesundheit, warnen Ärzte
Extreme Hitze sei ein erheblich unterschätztes Gesundheitsrisiko, konstatiert die Krankenkasse deshalb. „Die Studie macht klar, dass Hitzeschutz in der Arbeitswelt einen höheren Stellenwert bekommen muss“, sagte Udo Hoffmann, Beauftragter des Vorstandes der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse. Das Thema betreffe aber auch weitere Bereiche des täglichen Lebens, von der Kita über die Schule bis zum Sportverein. Zudem forderte die AOK, Hitzeaktionspläne als kommunale Aufgabe gesetzlich zu verankern – Mainz hat bis heute keinen solchen eigenen Hitzeaktionsplan.

Immerhin: Die Stadt warnte nun frühzeitig und umfassend vor der anrückenden Hitzewelle, Sozialdezernentin Schmöller rief dazu auf, ausreichend zu trinken, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden „und aufeinander Acht zu geben.“ Die Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit seien „nicht zu unterschätzen“, betonte auch Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) – auch junge, gesunde Menschen sollten Leistungssport und starke körperliche Anstrengungen vermeiden.
Ausreichendes Trinken gehöre zu den wirksamsten Maßnahmen gegen hitzebedingte Gesundheitsprobleme, betonte Steinkrüger zudem – allerdings hat Mainz bis heute erst drei öffentliche Trinkwassersäulen, obwohl der Stadtrat bereits 2019 die Aufstellung von zehn Trinkwasserbrunnen beschlossen hatte. Steinkrüger verwies nun erneut auf die Möglichkeiten, sich im Stadtgebiet mit kostenfreiem Trinkwasser zu versorgen – und zwar an sogenannten „Refill Stationen“ im Stadtgebiet. Die finden sich in Geschäften in der Innenstadt und können an einem Aufkleber am Eingang erkannt werden.
App „Gut versorgt in Mainz“ zeigt kühle Orte und Brunnen
Wer Angehörige oder pflegebedürftige Menschen betreut, solle besonders darauf achten, dass diese regelmäßig genügend Flüssigkeit zu sich nehmen und sich nicht unnötig der Hitze aussetzen, rät die Stadt Mainz. Unterstützung bietet dabei auch die kostenfreie App „Gut versorgt in Mainz“, die im vergangenen Sommer um eine Hitzeschutz-Kachel erweitert wurde, sagte Schmöller weiter. Die Senioren- und Gesundheitsapp wird deutschlandweit bereits von mehr als 120 Kommunen genutzt und bündelt Informationen zu Gesundheits-, Freizeit-, Pflege- und Beratungsangeboten in Mainz.

„Die App beantwortet ganz praktische Fragen des Alltags: Trinke ich genug? Wie verhalte ich mich bei Hitze? Wie lüfte ich richtig? Wann sollte ich besser zu Hause bleiben?“, sagte Schmöller: „Außerdem zeigt sie auf einen Blick, wo sich Trinkbrunnen, Refill-Stationen oder kühle Aufenthaltsorte in Mainz befinden.“ Ergänzt wird das Angebot durch aktuelle Warnmeldungen des Deutschen Wetterdienstes. „Deshalb unser Tipp: Push-Benachrichtigungen aktivieren, damit Hitzewarnungen direkt auf dem Smartphone ankommen“, riet die Dezernentin.
Bei aktiven Hitzewarnungen empfiehlt die Stadt drei einfache Grundregeln: Hitze meiden, den Körper kühl halten und ausreichend trinken sowie Wohnräume vor Überhitzung schützen. Sport im Freien sollten möglichst in die Morgenstunden, Einkäufe oder Arztbesuche auf den Vormittag verlegt werden. „Denken Sie auch immer an den Sonnenschutz, vor allem bei Kindern!“, sagte Schmöller.
Die AOK bietet in diesem Sommer bei Hitzewarnungen gezielte Informationen über irhe Social-Media-Kanäle sowie individuelle Beratung an einem Hitzetelefon an: Unter der Telefonnummer 0800- 1 265 265 bietet ein Team aus Medizinern medizinische Beratung an, das Hitzetelefon ist täglich und rund um die Uhr erreichbar – allerdings nur für Versicherte der AOK. Mehr Informationen rund um das Thema Hitze gibt es aber auch hier im Internet.
Info& auf Mainz&: Mehr zur App „Gut versorgt in Mainz“ findet Ihr hier bei der Stadt Mainz im Internet. Wie Mainz im jüngsten Hitze-Check der DUH abgeschnitten hat, könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen:






