Am 11. Juni ist neuerdings Hitzeaktionstag, Experten warnen: Gerade die Städte sind auf ausgeprägte Hitzelagen weiter nicht vorbereitet. In ihrem neuesten Hitze-Check 2026 prangert die Deutsche Umwelthilfe nun an, dass in den deutschen Städten bundesweit massiv Bäume und Grünflächen nicht etwa neu geschaffen werden, sondern verloren gehen. Die Stadt Mainz verlor der Untersuchung zufolge in sieben Jahren rund 3.000 Bäume – der Hitzealarm für die Landeshauptstadt bleibt weiter hoch.

2024 startete die Deutsche Umwelthilfe erstmals einen Hitze-Check, für Mainz wurde es eine Ohrfeige: Die Landeshauptstadt bekam die „Rote Karte“ für zu viel Versiegelung und viel zu wenig Grün – die Linke sprach prompt von einem „besonders peinlichen Zeugnis“ für die grüne Umwelt- und die rote Baupolitik in der Mainzer Ampel. Auch 2025 bekam Mainz prompt die „Rote Karte“ im zweiten Hitze-Check, mit einem der schlechtesten Grünanteil-Werte im Ranking überhaupt, einem hohen Versiegelungsgrad von 51,61 Prozent und einer eine hohen Oberflächentemperatur von im Schnitt 36,85 Grad.
In diesem Jahr setzte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun einen neuen Schwerpunkt bei ihrem Hitze-Check, und zwar auf das Thema Bäume und Grünflächen. Die sind für das Klima in einer Stadt besonders wichtig, denn gerade Bäume können die Temperatur einer Straße im Sommer um mehrere Grad senken, sie spenden Schatten und Kühle. Ohne Bäume oder andere Pflanzen laden sich Betonflächen mit Hitze auf, das gefährdet insbesondere ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke und Menschen ohne festen Wohnsitz. Jedes Jahr sterben laut DUH und Ärzteverbänden tausende Menschen in Deutschland an den Folgen extremer Hitze.
Fast eine Million Bäume aus den deutschen Städten verschwunden
Für den Hitze-Check 2026 untersuchte die DUH nun erstmals die „Baumüberschirmung“ einer Stadt, also den Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe, sowie den prozentualen Zuwachs der Flächenversiegelung in den vergangenen sieben Jahren. Zusammen mit dem 2025 eingeführten Hitzebetroffenheitsindex wurde dann eine Gesamtwertung gebildet. Der „Beschirmungsgrad“ wiederum wurde durch hochaufgelöste Satellitendaten untersucht, und anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße die Zahl an Bäumen berechnet, die zwischen 2018 und 2025 verloren gegangen ist.

„Dank hochaufgelöster Satellitendaten können wir den Baumbestand in Städten flächendeckend abschätzen“, sagte Annett Frick, Bereichsleitung Fernerkundung bei der LUP – Luftbild Umwelt Planung GmbH. Der daraus berechnete Beschirmungsgrad liefere „wichtige Rückschlüsse, wie das Wohnumfeld der Menschen durch Baumkronen verschattet wird.“ das wiederum zeige, wo Bäume wirksam zur Kühlung und zum thermischen Komfort beitragen, und wo besonders hitzebelastete Bereiche noch zu wenig beschattet sind.
Die ernüchternde Erkenntnis der Untersuchung: Fast eine Million Bäume verschwanden zwischen 2018 und 2025 aus den deutschen Städten bundesweit. „Diese Tatsache lässt sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen“, klagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz: „Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten.“ Es sei „erschreckend, mit welcher Ignoranz gegenüber der Realität von Hitzetoten, überhitzten Innenstädten und gesundheitlichen Risiken noch immer Politik gemacht wird.“
Mainz verlor 3000 Bäume in sieben Jahren bis 2025
Bäume seien die „grünen Lungen“ der Städte, die DUH fordere deshalb von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verbindliche Vorgaben für Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt. „Der grüne Hitzeschutz durch Bäume schwindet, Städte ohne ausreichend Baumschatten werden ungesunde bis unerträgliche Städte“, sagte Heinrich Strößenreuther, Gründer und Vorstand der Initiative BaumEntscheid e.V. – die will nun nach Berlin auch in weiteren deutschen Städten BaumEntscheide starten und ruft Menschen auf, sich mit ihrer Stadt zu bewerben und vor Ort einen Bürgerentscheid für mehr Bäume zu starten.

Das könnte Mainz durchaus gut gebrauchen, denn laut Deutscher Umwelthilfe hat die Landeshauptstadt zwischen 2018 und 2025 in absoluten Zahlen 3.003 Bäume verloren. Der Versiegelungstrend nahm im gleichen Zeitraum um 0,31 Prozent zu – und dabei bescheinigte der Hitze-Check Main in den Jahren zuvor schon, einen viele zu hohen versiegelungsgrad und viel zu wenig grün zu haben. Der Wert für Mainz beim Hitzenbetroffenheitsindex bleibt denn auch 2026 mit einem Wert von 17,27 unverändert hoch – Mainz bleibt damit gemeinsam mit Worms Schlusslicht in Rheinland-Pfalz.
Zum Vergleich: Auf Platz eins liegt die Stadt Kiel mit einem Hitzebetroffenheitsindex von 13,52 kommt und beim Beschirmungsgrad von 31,9 Prozent, gefolgt von Wuppertal auf Platz zwei mit einem Hitzeindex von 13,50 und einer Baumbeschirmung von 30,73 Prozent. Auffällig auch: Auf den vorderen Plätzen liegen viele Städte aus NRW wie Solingen, Bochum und Essen, in Rheinland-Pfalz hingegen kommt keine einzige der untersuchten neun Städte auf einen grünen Wert bei auch nur einem der Parameter – besonders wenige Bäume haben Worms und, wenig überraschend, Ludwigshafen.
Trotz des hohen Verlustes an Bäumen schiebt sich Mainz in diesem Jahr im Ranking nach vorne, weil die Stadt einen „Beschirmungsgrad“ von 21,64 Prozent erreicht – das ist hinter Kaiserslautern der zweitbeste Wert in Rheinland-Pfalz. Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Wiesbaden hat einen „Beschirmungsgrad“ von 25,03 Prozent, ist also deutlich grüner, und kommt wahrscheinlich auch deswegen auf einen besseren Hitzebetroffenheitsindex von 16,36. Allerdings verlor Wiesbaden zwischen 2018 und 2025 laut DUH satte 7.051 Bäume.
Info& auf Mainz&: Alle Infos zum Hitze-Check der DUH 2026 samt Rankings und Listen findet Ihr hier im Internet. Unseren ausführlichen Mainz&-Bericht über den Hitze-Check 2025 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:
Rote Karte zum Zweiten: Mainz schneidet erneut schlecht bei Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe ab






