Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat die Ermittlungen in Sachen Flutkatastrophe Ahrtal ohne Ergebnis eingestellt. Es werde keine Anklage erhoben, weder gegen den früheren Landrat Jürgen Pföhler (CDU), noch gegen seinen Kreisbrandmeister, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler am Donnerstag in Koblenz. Die Staatsanwaltschaft habe im Ermittlungsverfahren "nie die Gewissheit erlangt", dass Menschenleben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch Handlungen wie Warnungen oder Evakuierungsanordnungen hätten gerettet werden können.

Damit wird nach jetzigem Stand niemand strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen für den Tod von 136 Menschen durch die Flutkatastrophe im Ahrtal. In der Nacht vom 14. auf den 15.Juli 2021 war eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle durch das Ahrtal gerauscht. Auf insgesamt 40 Kilometern Länge wurden Zehntausende in ihrem Hab und Gut geschädigt und mehr als 700 Menschen verletzt. Am schlimmsten: Die Fluten rissen 136 Menschen in den Tod, eine Person wurde bis heute nicht gefunden - dass die Person noch lebend angetroffen wird, ist praktisch ausgeschlossen.
Die Menschen im Ahrtal erzählen bis heute in großer Mehrzahl: Gewarnt worden seien sie nicht. Viele Menschen starben im Schlaf in ihren Erdgeschosswohnungen, während Nachbarn im 1. Obergeschoss die Flut überlebten. Zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr starben die ersten sieben Menschen auf einem Campingplatz in Dorsel an der oberen Ahr, die letzten 13 in Sinzig an der Ahrmündung um 2.00 Uhr morgens - neun Stunden später. Darunter waren 12 Menschen in einem Behindertenheim der Lebenshilfe, auch sie starben im Erdgeschoss, während Bewohner im 1. Obergeschoss in Sicherheit waren.
Erkenntnisse des U-Ausschusses hatten keine Folge für Ermittlungen
Klar ist heute: In der Flutnacht versagten Warnsysteme und staatliche Stellen, Warnungen kamen nicht an oder wurden gar nicht erst ausgesprochen - vor allem auch, weil die höchste Katastrophenwarnstufe 5 erst um 23.09 Uhr von der Kreisverwaltung Ahrweiler ausgelöst wurde. Bis heute treibt die Frage die Menschen um. Wäre früher und vor allem auch wäre massiver vor einer Meterhohen Flutwelle gewarnt worden - hätten dann Menschenleben gerettet werden können?
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