Die Landtagswahl am 22. März 2026 rückt unaufhaltsam näher, als erste stellte jetzt die FDP Rheinland-Pfalz ihre Werbekampagne für die heiße Phase des Wahlkampfs vor. Wenig überraschend stellt die FDP dabei ihre Spitzenkandidatin und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt in den Mittelpunkt – das Motiv indes überrascht durchaus: „Lady Nix Gaga“ lautet der erste große Wahlkampfslogan, das bedarf der Erklärung – Mainz& hat nachgefragt. Am Montagabend könnt Ihr das auch: Dann ist Daniela Schmitt zu Gast beim Presseclub Mainz.

Am 22. März 2026 wählen die Rheinland-Pfälzer einen neuen Landtag, nach den derzeitigen Umfragen könnte es dann nach 35 Jahren ein politisches Erdbeben in Mainz geben – sofern die CDU tatsächlich schafft, auf Platz 1 durchs Ziel zu gehen. Ausgemacht ist das indes nicht, ebenso wenig wie die sonstigen Platzierungen. So stünde die Linke nach derzeitigem Stand der Umfragen vor einem Einzug in den Landtag, die Freien Wähler müssen um den Wiedereinzug bangen – und die Liberalen liegen abgeschlagen bei 3 Prozent oder weniger.
Offenbar bekommt der FDP die Teilnahme an einer Ampel-Regierung nicht – nach dem Absturz mit der Berliner Ampel und dem Aus für die Ampel in der Stadt-Koalition, droht nun auch das Original auf Landesebene in Rheinland-Pfalz der Schiffbruch. Doch auf geben will man bei der rheinland-pfälzischen FDP mitnichten: „Es ist aller Grund zur Zuversicht da für die Landtagswahl“, sagte Parteisprecher Matthias Domroes im Gespräch mit Mainz& – die FDP setzt für die Wahl auf den Slogan: „Die Kraft, die es braucht.“
FDP: „Die Kraft, die es braucht“? – Machtkampf um Landesspitze
Vor elf Jahren seien die Schlagzeilen ganz ähnliche gewesen, sagt Domroes, auch damals habe es geheißen: „Schlägt die FDP ihr letztes Kapitel auf?“ In der Tat lag die FDP schon einmal, in den Jahren 2013 und 2015 schon einmal bei lediglich zwei bis drei Prozent in den Umfragen, bei der Landtagswahl 20216 zog man dennoch mit 6,2 Prozent in den Landtag ein – und direkt in der Regierung mit SPD und Grünen. 2021 holten die Liberalen noch einmal 5,5 Prozent, Ende 2021 lag man in den Umfragen gar mal auf 11 Prozent – doch seither geht es bergab.

Nach dem Desaster der Ampel-Bundesregierung stürzte die FDP in den Umfragen auch in Rheinland-Pfalz auf 2-3 Prozent ab, Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt geriet stark in die Kritik, Gegner warfen ihr Unsichtbarkeit und geringe Erfolge in der Regierung vor. Im März 2025 versuchte eine Gruppe von FDP-Spitzenmännern, Schmitts Wahl zur neuen Landeschefin zu verhindern – dabei wurden auch Vorwürfe lanciert, die Ministerin habe ihren Ehemann auf eine ganze Reihe von Dienstreisen mitgenommen. Schmitt wies die Vorwürfe zurück und setzte sich im Machtkampf durch.
Nun hat ihre Partei ihren Wahlkampf ganz auf die neue Spitzenfrau zugeschnitten, das bringt Chancen und Risiken zugleich. Auffällig nämlich: Auf den nun vorgestellten Kampagnenplakaten ist ausschließlich Schmitt zu sehen – als Alleinkämpferin sozusagen. Führt das zum Erfolg, dürfte Schmitt die neue starke Frau der rheinland-pfälzischen FDP werden – scheitert sie hingegen, dürften die Männer hinter ihr die Schuld der Spitzenkandidatin in die Schuhe schieben.
Schmitt: Einzige Spitzenkandidatin, die schon 2021 dabei war
Schmitt ist seit Mai 2021 Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, zuvor war sie fünf Jahre lang Staatssekretärin im gleichen Ministerium unter ihrem Vorgänger Volker Wissing, damals noch FDP. „Daniela Schmitt bringt zehn Jahre Regierungserfahrung mit“, betont Domroes denn auch: „Wir haben die einzige Kandidatin, die auch schon vor fünf Jahren angetreten ist: Malu Dreyer, Anne Spiegel, Christian Baldauf – sie alle sind weg.“

In der Tat: Das Spitzenduell im Jahr 2026 heißt Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) gegen Gordon Schnieder (CDU), die Spitzenkandidatin der Grünen ist die Mainzer Umweltministerin Katrin Eder – Schmitt war 2021 die Spitzenkandidatin der Liberalen. Die Ministerin sei viel bei Unternehmern im Land unterwegs, „sie weiß, wo der Schuh drückt“, betont ihr Pressesprecher deshalb: „Sie weiß, wie man Kompromisse schmiedet, wie man Wachstum und Wohlstand im Land mehrt.“
Rheinland-Pfalz stehe beim Thema Wirtschaft „ordentlich da“, betont Domroes, und verweist auf die Ansiedlung des Pharmaunternehmens Eli Lilly in Alzey. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sei der US-Konzern ohne Milliardensubventionen nach Alzey gekommen, aber wegen einer guten Infrastruktur sowie Fachkräften und Arbeitskräften, unterstreicht Domroes. Dazu habe Schmitt Vergaberegeln gelockert, was vor allem kleineren Betrieben und Mittelständler zugute komme, und das Instrument der „Turboflächen“ geschaffen: Vorranggebiete für Gewerbeflächen, die eine schnelle Ansiedlung ermöglichen sollen.

Schmitt als „Lady Nix Gaga“: Kompetenz statt Unsinnspläne
„Wir sind überzeugt, dass wir die politische Kraft sind, die es jetzt braucht – und dass wir die Kraft haben, das zu bewältigen“, sagte Domroes: „Es braucht die FDP im nächsten Landtag.“ In Zeiten von Unsicherheit und Veränderung brauche es „ein klares Motto, das Entschlossenheit, Tatendrang, Vertrauen, Nahbarkeit und Verbindlichkeit ausdrückt“ – deshalb habe man sich für „Die Kraft, die es braucht“ entschieden. „Der Verdruss in der Bevölkerung ist da“, räumte Domroes zugleich ein – Politik werde „oftmals als abgehoben empfunden, als nicht nah dran an den Menschen und teils mit Gaga-Vorschlägen verbunden.“

Und genau daraus sei der nun präsentierte Kampagnenslogan entstanden, bei dem Schmitt als „Lady Nix Gaga“ präsentiert wird. Dass das Motto auch mit der höchst erfolgreichen Künstlerin „Lady Gaga“ spielt, ist der FDP dabei durchaus bewusst: „Natürlich ist die Assoziation da“, sagte Domroes, man wolle das Werk von Lady Gaga auch gar nicht schmälern, „dafür mögen wir sie zu sehr.“
„Uns geht es um das ‚Gaga‘ in der Politik – davon wollen wir weniger“, erklärt Domroes, und schießt gegen die politische Konkurrenz: „Wenn die Grünen denken, dass man das Verkehrskonzept aus der Mainzer Neustadt in die Eifel übertragen kann, finden wir das Gaga – und die Menschen in der Eifel auch. Wir finden es auch Gaga, wenn sich eine Bärbel Bas (SPD) hinstellt, und Unternehmertum mit Sessel und schicken Lederschuhen in Verbindung bringt – bei uns stehen die Unternehmer im Blaumann ihren Mann. Und wir finden auch Gaga, wie man mit der jungen Generation in Sachen Rente umgeht.“

Mehr Polizisten, Innovationsfonds für Startups, Sprachtests in Kitas
Als Gegenpol soll nun Schmitt als „Lady Nix Gaga“ präsentiert werden, die das Ohr an den Menschen hat, und rund um die Uhr für das Wohl des Landes arbeitet. Die Slogans dazu heißen „25/7 alles für Dich geben“ oder „Hört zu. Fühlt hin. Legt los.“ Inhaltlich will die FDP unter anderem einen Innovationsfonds mit mehr als 100 Millionen Euro für Startups und Wissenschafts-Firmen, frühe Sprachtests und frühe Startförderung sowie Kliniken mit Qualitätsanspruch – allerdings auch weniger davon.

In der Innenpolitik will man mit einem Slogan wie „Unwählbar für hart arbeitende Kriminelle“ punkten und fordert mehr als 10.000 Polizisten im Land, den Einsatz von KI für Routinearbeiten sowie die schnellsten Asylverfahren im Land. In der Landwirtschaft verweist die Partei darauf, man sei Dank FDP in Rheinland-Pfalz Pionier beim Thema „Smart Farming“, unter anderem Dank der „Geobox“ Infrastruktur, einer digitalen Schnittstelle auf dem Hof für effizientere Flächenbewirtschaftung.
In Sachen Verkehr will man „Politik ohne Lenkverbote“ und 250 Millionen Euro für den Landesstraßenbau pro Jahr – bislang investierte Rheinland-Pfalz pro Jahr gerade einmal gut 140 Millionen Euro pro Jahr, für die Jahre 2025 und 2026 standen zusammen 293 Millionen Euro an Investitionen im Doppelhaushalt. Das waren allerdings lediglich rund 20 Millionen Euro mehr als bisher. Angesichts des großen Investitionsstaus im Land stellen sich da Fragen – zumal der Landesbetrieb Mobilität bislang Planungsvorhaben eher schleppend hinbekam: Die Pläne für den Ausbau der A643 lassen seit mehr als 10 Jahren auf sich warten.
Verkehr: „Mobilität ohne Lenkverbote“ – mehr Geld für Straßenbau
Im Landesstraßenbauprogramm 2025/2026 stehen nun insgesamt 421 Einzelprojekte, die entweder „weitergeführt, neu begonnen oder baulich vorbereitet werden“, wie es beim Ministerium heißt – dazu gehören 94 Maßnahmen im Bereich Brückenbau/-sanierung, 260 Maßnahmen zum Erhalt von Fahrbahnen und 40 Maßnahmen an Knotenpunkten vorgesehen. Straßen-Neubauprojekte sind sechs Stück vorgesehen, zudem enthält das Bauprogramm 37 Projekte zum Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. „Wir bekämpfen kein Verkehrsmittel oder schließen es aus“, unterstreicht Domroes, so will man sich wohl vor allem von den Grünen absetzen.
Ob all das fruchtet, wird man am 22. März sehen – wie die FDP derzeit in den Umfragen dasteht, ist unklar: Die letzten Umfragen stammen noch vom Oktober 2025, mit Spannung dürften deshalb die Messwerte im neuen Jahr erwartet werden – zuletzt sah das Umfrageinstitut INSA im Auftrag der BILD im Oktober einen leichten Aufwärtstrend in Richtung 4 Prozent. Mehr zu den letzten Umfragen könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Fragen an die liberale Spitzenkandidatin könnt Ihr am morgigen Montag selbst loswerden: Am 12. Januar 2026 ist Daniela Schmitt zu Gast beim Presseclub Mainz.
Info& auf Mainz&: Der Clubabend im Mainzer Presseclub findet am 12.01.2026 statt, los geht’s um 19.30 Uhr, Ort des Geschehens ist erneut die Schlaraffenburg in der Rentengasse 2/Ecke Mailandsgasse. Den Eingang findet Ihr von der Rheinstraße aus gesehen an der linken Seite des Heilig Geist in der kleinen Gasse, die zur Rückseite des Gutenberg Museums führt. Mehr zur „Schlaraffenburg“, und was es mit den Mainzer Schlaraffen auf sich hat, könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen:






