Die zweite Coronawelle ist abgeflacht, aber noch nicht gebrochen: Am Montag meldete das Gesundheitsamt 147 neue Corona-Infektionen über das Wochenende. Die 7-Tages-Inzidenz stieg erneut an und liegt inzwischen bei 242 Fällen pro 100.000 Einwohnern – Mainz kommt von den hohen Infektionen einfach nicht herunter. Die Stadt Mainz verschärft deshalb die Corona-Regeln: Von Mittwoch an gilt in der gesamten Mainzer Fußgängerzone in der Innenstadt tagsüber die Maskenpflicht auch im Freien, dazu verbietet die Stadt den Verkauf von Alkohol im offenen Ausschank. Am Wochenende hatten „Glühwein to go“-Verkaufsfenster für fröhliche Menschenrunden gesorgt.

In der Mainzer Innenstadt gilt am Mittwoch eine Maskenpflicht in der gesamten Fußgängerzone, auch hier auf dem Schillerplatz, wo Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Frühjahr für Abstand und Maske warb. - Foto: gik
In der Mainzer Innenstadt gilt am Mittwoch eine Maskenpflicht in der gesamten Fußgängerzone, auch hier auf dem Schillerplatz, wo Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Frühjahr für Abstand und Maske warb. – Foto: gik

Seit dem 2. November ist Deutschland im Teil-Lockdown, doch der „Wellenbrecher“ funktioniert nicht ganz wie geplant: Zwar schaffte Deutschland es, den exponentiellen Anstieg der Corona-Infektionen zu stoppen, die Kurve der neuen Fälle flachte ab. Doch gebrochen ist der Neuanstieg der Fälle damit nicht: Das Robert-Koch-Institut meldet seit Tagen weiter Neuinfektionsraten von deutlich über 10.000 Fällen – am Dienstag waren es 13.554. Rheinland-Pfalz liegt dabei mit 139 Fällen pro 100.000 Einwohnern im vorderen Drittel der Bundesländer, und speziell die Landeshauptstadt Mainz kommt von den hohen Infektionszahlen nicht herunter.

Am Wochenende boten zudem findige Gastronomen in der Innenstadt „Glühwein to go“ an, doch der Verkauf von offenem Glühwein zum direkten Verzehr führte prompt zur Bildung von Grüppchen fröhlich trinkender Menschen im geselligen Beisammensein. „Das ist ein Problem, das können wir nicht erlauben“, kritisierte die Mainzer Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU) im Gespräch mit Mainz&. Das Ordnungsamt habe auf die Gastronome „eingewirkt, dass das eingestellt wird“ – nicht alle seien aber einsichtig gewesen. Die Stadt Mainz erließ deshalb am Dienstag ein Verbot des Verkaufs von offenen oder geöffneten alkoholischen Getränken sowohl im Straßenverkauf als auch im Ab-Hof-Verkauf.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Bereich der Mainzer Innenstadt, in der die neue Maskenpflicht auch im Freien ab dem 25. November 2020 gilt. - Grafik: Stadt Mainz
Bereich der Mainzer Innenstadt, in der die neue Maskenpflicht auch im Freien ab dem 25. November 2020 gilt. – Grafik: Stadt Mainz

Für Abhilfe bei den Infektionszahlen soll nun aber vor allem eine Maskenpflicht auch auf der offenen Straße und den Plätzen sorgen: Ab Mittwoch gilt in der gesamten Innenstadt eine Maskenpflicht, und zwar in allen Bereichen der Fußgängerzone von der Altstadt bis zu den Marktplätzen rund um den Dom, am Brandzentrum ebenso wie die Ludwigsstraße hinauf zum Schillerplatz, der ebenso von der Pflicht umfasst wird. Auch Seitenstraßen gehören in die Pflichtzone hinein, ebenso die Citymeile samt Neubrunnenplatz. Auch auf dem gesamten Bahnhofsvorplatz muss ab Mittwoch ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

Es sei in den vergangenen Tagen festgestellt worden, dass es in den stark frequentierten Fußgängerzonen der Altstadt immer wieder Probleme bei der Einhaltung der Abstandsregeln gebe, begründete die Stadt die Maßnahme. Deshalb führe man nun die Maskenpflicht ein, und zwar in der Zeit von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr an allen Tagen. Ausgenommen sind allerdings Sonntage und Feiertage, an denen in der Fußgängerzone weniger Betrieb herrscht.

Dichte Menschenmengen beim Einkaufen - in Zeiten der Corona-Pandemie ein Problem. - Foto: gik
Dichte Menschenmengen beim Einkaufen – in Zeiten der Corona-Pandemie ein Problem. – Foto: gik

Am Mittwoch wollen sich Bund und Länder erneut zu einer Corona-Krisenkonferenz treffen, erwartet wird, dass dann der Teil-Lockdown bis kurz vor das Weihnachtsfest verlängert wird. Die Zahlen hätten sich zwar stabilisiert, „wir sind aber immer noch nicht dort, wo wir sein müssten“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag: „Wir brauchen also auch weiterhin die Reduzierung von Kontakten, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten.“ Dreyer dankte explizit „allen Menschen, die mit ihrem verantwortungsvollen Handeln dazu beitragen, dieses  Ziel zu erreichen und damit das Leben von Menschen zu retten.“ Es brauche jetzt „vor allem eine verlässliche Perspektive, insbesondere für Weihnachten und Silvester“, betonte die Ministerpräsidentin im Vorfeld des Mittwochtreffens.

Wegen der weiterhin hohen Belastung der Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung sähen die Landkreise in Rheinland-Pfalz die Notwendigkeit, die Lockdown-Maßnahmen zu verlängern, sagte der Vorsitzender des Landkreistags Rheinland-Pfalz Günther Schartz. Am Mittwoch wird zudem über weitere Maßnahmen beraten, dazu gehört auch ein vorgezogener Start der Weihnachtsferien ab dem 18. Dezember sowie ein Böllerverbot für Silvester. Mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema „Greift der November Lockdown?“ lest Ihr hier bei Mainz&, welche Maßnahmen derzeit im Corona-Hotspot Mainz sonst gelten, lest Ihr hier. Die Stadt Wiesbaden hat übrigens bereits am 14. November eine Maskenpflicht in der Innenstadt erlassen, mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

 

5 KOMMENTARE

  1. So schön einfach lässt sich auf der Straße Gott-in-Uniform spielen…. Eine Freundin beobachtete neulich in Frankfurt, wie eine Passantin in einer unbelebten Nebenstraße in der „Maskenzone“ von Ordnungsämtlern abkassiert wurde, weil sie an der Stelle keine Maske trug. Es waren keine sonstigen Menschen in der Nähe, außer dass die Freundin den Vorfall als Beobachterin vom Fahrrad aus gesehen hat.

    Aufgrund solcher Dinge bin ich Gegner der staatlichen Conronamaßnahmen, denn vieles ist und bleibt einfach Repression ohne schützenden, inhaltlichen Sinn. Kontrolle und Kontrollmöglichkeit wird reiner Selbstzweck, nur um damit die Kontrolle zu behalten. Worüber genau, bitte?
    Was bringen Masken im Freien, im lockeren Vorbeilauf? Alle solchen Situationen sind unterhalb der Riskokategorieren vom RKI, und die CoronaApp würde wohl auch nicht anschlagen.
    Söder & Co Maskenpflicht-Mantra suggeriert einfache Lösungen, im besten Sinne populistisch. Vernunft wird verkehrt in eine selbstherrliche, autoritäre Posse. Und damit bin ich jetzt wohl schon als Querdenker und verfassungsfeindlich betrachtet…

    • Falsch, falsch und noch einmal falsch. Masken tragen erwiesenermaßen erheblich zum Schutz vor Ansteckung bei, bei Covid-19 ebenso wie bei anderen Virenerkrankungen und Erkältungskrankheiten. Und ja, auch auf offener Straße! Oder was glauben Sie, wie der Großteil der asiatischen Länder das Coronavirus so gut in den Griff bekommen hat? Es gibt KEINEN Lockdown in China, Japan, Taiwan, Südkorea – dort lebt man praktisch ein normales Leben! Der Rätsels Lösung (neben anderen Faktoren): Dort werden ganz selbstverständlich Masken getragen, und zwar ÜBERALL, ja, es gilt als hochgradig unsozial und unhöflich, KEINE Maske zu tragen, und andere Menschen NICHT zu schützen. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man in Deutschland so hochgradig egoistisch und rücksichtslos sein kann, das Maskentragen zu verweigern und dermaßen dagegen aufzubegehren – andere Menschen zu schützen, ist ja für Sie offenbar total egal und daneben. Herzliche Glückwunsch – Ihre Angehörige möchte ich echt nicht sein. „Gott in Uniform“, echt jetzt? Nur weil die Jungs ihren Job machen? Kommen Sie mal wieder runter – und lesen vielleicht mal das hier: https://mainzund.de/studie-masken-tragen-deutlich-zur-eindaemmung-der-corona-pandemie-bei-jgu-papier-von-jena-lernen/

  2. Schon oft habe ich gepostet, dass wir uns unabhängig von Corona auf Dauer an die „Maulkörbe“ gewöhnen müssen, wie es die asiatischen Massengesellschaften schon immer halten. Nur ein Waldschrat kann darauf verzichten. Auch wenn meine Brille gelegentlich beschlägt, ist das weniger als das Beschlagen bei plötzlichem Temperaturwechsel. Und beim Rad fahren, Joggen, Wandern in der freien Natur gibt es keine Maskenpflicht, obwohl bei heftiger Atmung eine ziemliche Wolke freigesetzt wird, die sich allerdings schnell unter eine Wirksamkeitsschwelle verdünnt.
    Auch ich mache mir Luft außerhalb von Kontaktbereichen, aber ohne ständiges Auf und Ab. Allerdings sollte die Staatsgewalt zwischen Rechthaberei, Verstand und Vorschrift besser unterscheiden können.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein