Seit Juli 2021 gehört der Alte Jüdische Friedhof in Mainz zum UNESCO-Welterbe der Menschheit: Der magische Ort gehört zum jüdischen Erbe der SchUM-Stätten aus dem Mittelalter, fünf Jahre nach der Auszeichnung wird nun auch das Besucherzentrum an dem Friedhof fertig: Am Sonntag, dem 6. September 2026, wird der Pavillon für das „Besuchszentrum Sali-Levi-Haus“ feierlich eingeweiht. An die Einweihung schließt sich eine Eröffnungswoche an, die bis zum 11. September 2026 geht.

Der Alte Jüdische Friedhof an der Mombacher Straße in Mainz gehört seit Juli 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit. - Foto: gik
Der Alte Jüdische Friedhof an der Mombacher Straße in Mainz gehört seit Juli 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit. – Foto: gik

Es war genau am 27. Juli 2021 um 15.47 Uhr, als der Versammlungsleiter des Welterbekomitees die Sensation verkündete: Die drei SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz wurden fortan zum Welterbe der Menschheit gezählt. Damit würdigt die UNESCO „den außergewöhnlichen universellen Wert der SchUM-Stätten mit ihren Synagogen, Frauenschulen, Mikwen und Friedhöfen“, hieß es damals – vor allem aber die 1000 Jahre alte Geschichte des Judentums in den drei Städten am Rhein.

Speyer, Worms und Mainz bildeten um das Jahr 1000 herum ein Dreieck der Gelehrsamkeit, in den drei Städten blühten jüdische Gemeinden, in deren Talmudschulen Gelehrte die Regeln aufstellten, nach denen Juden in aller Welt bis heute leben. Mainz war dabei ein Hauptzentrum: Hier lebten um das Jahr 1000 herum berühmte Rabbiner wie Gershom ben Jehuda, genannt „Leuchte des Exils“, der eine weithin berühmte Talmudakademie in Mainz eröffnete. Rabbi Gershom schaffte etwa die Polygamie ab, reformierte das Scheidungsrecht und führte das Postgeheimnis ein.

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Älteste jüdische Grabsteine Europas, Gedenken an Rabbiner

Der Friedhof „Am Judensand“ war die Grabstätte für diese blühende Gemeinde, bis heute steht dort ein Gedenkstein für Gershom. Mehrere Hundert Grabsteine umfasst das Gelände zwischen Mombacher Straße und Fritz-Kohl-Straße, rund 180 davon stammen aus dem Mittelalter. Gefunden wurde hier auch der älteste datierbare Grabstein Europas aus dem Jahr 1049, der Stein für einen Jehuda ben Schneur steht heute im Mainzer Landesmuseum.

Der "Denkmalfriedhof" auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz enthält die ältesten bekannten jüdischen Grabsteine Europas. - Foto: gik
Der „Denkmalfriedhof“ auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz enthält die ältesten bekannten jüdischen Grabsteine Europas. – Foto: gik

Der Mainzer Friedhof wurde mehrfach zerstört, seine Besitzer nach Pogromen und Vertreibung enteignet. Der älteste Bereich des heutigen Alten Jüdischen Friedhofs ist denn auch gar kein Original: 1926 richtete die jüdische Gemeinde in Mainz unter Leitung der Rabbiner Salfeld und Sali Levi im ältesten Bereich des Areals einen sogenannten „Denkmalfriedhof“ ein: Die alten jüdischen Grabsteine wurden aufgerichtet, neu angeordnet und nach Osten ausgerichtet – eine Besonderheit.

Für Mainz ist es der erste Welterbe-Titel, einen echten Aufbruch löste der Titel bislang aber in Mainz nicht aus. Nun soll zum 5. Jahrestag immerhin das neue Besucherzentrum fertig werden: Für den 6. September 2026 lädt die Stadt Mainz nun zur Eröffnungsfeier. Die Planungen für das Zentrum begannen bereits 2021 nach einem im Jahr 2019 initiierten Gestaltungswettbewerb. Besucher aus aller Welt sollen sich hier „über die reiche Geschichte der SchUM-Stätten informieren“, wie es bei der Stadt heißt, gleichzeitig ermögliche das Zentrum „eine die Regeln der Halacha respektierende, behutsame touristische Erschließung.“

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Besucherzentrum: Erhöht auf einer Plattform oberhalb des Friedhofs

Denn im Judentum ist die Totenruhe besonders heilig, die Eingriffe auf dem Friedhof selbst würden deshalb „auf ein Minimum beschränkt“, betont man bei der Stadt – für die Besucher sind die Wege über den Friedhof ebenfalls stark eingeschränkt. Das Besucherzentrum entstand zudem nicht in der Nähe des Eingangs an der Mombacher Straße, sondern oberhalb des Friedhofs auf einer erhöhten Plattform: Von hier soll man künftig „einen faszinierenden Ausblick über den Friedhof“ und „eine besondere Perspektive auf die Grabsteine“ haben.

So soll das Besucherzentrum am Alten Jüdischen Friedhof in Mainz nach Fertigstellung aussehen. - Visualisierung: Stadt Mainz
So soll das Besucherzentrum am Alten Jüdischen Friedhof in Mainz nach Fertigstellung aussehen. – Visualisierung: Stadt Mainz

Die Eröffnung am 6. September wird zunächst mit einem nicht-öffentlichen Festakt begangen, daran schließt sich ab 13.00 Uhr ein Bürgerfest auf der Mombacher Straße mit Führungen durchs Besucherzentrum (bis 16.30 Uhr), Informationsständen und kulinarischen Angeboten an. Um 17.00 Uhr werden zudem in der Mainzer Synagoge die SchUM-Kulturtage eröffnet. Bis zum 10. September werden Lesungen, Gespräche und Führungen angeboten, auch über den Neuen Jüdischen Friedhof in Mainz-Zahlbach – das ganze Programm findet Ihr hier.

Das fünfjährige Welterbe-Jubiläum wird aber natürlich in allen drei SchUM-Städten gefeiert – und zwar schon ab Sonntag, den 26. Juli, mit einer feierlichen Veranstaltung und einem Familienfest im Judenhof in Speyer. „Die Aufnahme der SchUM-Stätten in die Welterbeliste war nicht nur für unser Land ein historischer Moment“, sagte Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) – zum ersten Mal überhaupt seien jüdische Kulturdenkmäler in Deutschland als Welterbe anerkannt worden. Die Auszeichnung würdigt „das reiche, bis heute bedeutsame jüdische Erbe“ des Landes, die Anerkennung sei „ein Glanzpunkt in der Geschichte unseres Landes“ gewesen.

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Schnieder: SchUM-Anerkennung „Glanzpunkt der Geschichte“

Fünf Jahre Welterbe-Titel seien „für Rheinland-Pfalz ein Grund zur Freude“, Speyer, Worms und Mainz zeigten „eindrucksvoll, wie tief jüdisches Leben in unserem Land verwurzelt ist und wie lebendig dieses Erbe bis heute wirkt“, sagte auch der Welterbe-Beauftragte der Landesregierung, Staatssekretär Denis Alt. Die SchUM-Stätten erzählten auch vom engen Zusammenleben der jüdischen und christlichen Bewohner in den drei Domstätten, betonte die Beauftragte des Ministerpräsidenten für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, Monika Fuhr. Sie zeigten aber auch „die sehr dunklen Seiten von Antisemitismus, Verfolgung und Zerstörung auf.“

Heute seien die SchUM-Stätten „Orte des Erinnerns und schaffen Dialog- und Begegnungsräume“, sagte Fuhr zudem: “ Damit bieten sie eine Chance für gegenseitiges Verstehen und leisten einen Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus. Wenn wir mehr von der jüdischen Geschichte und Kultur erfahren, trägt das zum Abbau von Vorurteilen bei.“

Info& auf Mainz&: Ausführliche Informationen über das neue Besucherzentrum am Alten Jüdischen Friedhof in Mainz findet Ihr hier bei der Stadt Mainz im Internet. Mehr zum neuen Besucherzentrum und der Geschichte des Alten Jüdischen Friedhofs lest Ihr ausführlich hier bei Mainz&:

Baustart für Besucherzentrum am Alten Jüdischen Friedhof Mainz: Erhöhte Plattform soll Ausblick auf Welterbe bieten