Ein Knall und ein langer Feuerschweif haben am Sonntagabend gegen 19.00 Uhr die Menschen in Rheinland-Pfalz aufgeschreckt – auch in Mainz war das Himmelsphänomen zu sehen. Ein Tag danach steht fest: Es handelte sich weder um Weltraumschrott, noch um eine Rakete – sondern um einen Meteoriten. Beobachter sprachen von einem „gleißenden Licht“, aus dem Norden von Rheinland-Pfalz wurden sogar Schäden gemeldet. Von einem Meteor spricht man übrigens, so lange das Geschoss noch im All unterwegs ist, nach Einschlag auf der Erde wird es dann zum Meteoriten.

Es war am Sonntagabend gegen 19.00 Uhr, als eine besonders helle Leuchtspur am Himmel über Rheinland-Pfalz auffiel – bei den Polizeidienststellen gingen prompt eine Reihe von Notrufen ein. Die ungewöhnlich helle und lange Leuchtspur war in großen Teilen des Westen Deutschlands zu sehen, an manchen Orten war auch ein lauter Knall zu hören. Auch in Mainz wurde das Phänomen gesichtet: „Heute Abend gegen 19.00 Uhr wurde über Mainz und vielen weiteren Teilen Europas ein sehr heller Feuerball beobachtet“, berichtete die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz auf Facebook.
„Das eigentliche Ereignis dauerte nur wenige Sekunden – danach blieb jedoch eine auffällige Rauchspur am Himmel zurück, die noch einige Zeit sichtbar war“, berichtet Hristina Heinen von der AAG Mainz: Sie konnte die Rauchspur sogar fotografieren. Im Norden von Rheinland-Pfalz war das Ereignis jedoch noch deutlich stärker, hier wurde sogar ein veritabler Feuerball beobachtet – und der hatte sogar Folgen: in Koblenz-Güls schlugen Bruchstücke eines Metalls durch ein Hausdach und verursachten ein Fußball-großes Loch.
Rauchwolken, Leuchtspuren – und ein Feuerball am Himmel
Tatsächlich handelte es sich bei dem Feuerball um einen Meteorit, also einen Gesteinsbrocken aus dem All, der beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. „Solche Objekte treten mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein, leuchten stark auf und können dabei in mehrere Fragmente zerbrechen“, erklärt Heinen von der AAG Mainz. Offenbar passierte genau das: Beobachtet wurden mehrere „Rauchwolken“ und auch Leuchtspuren, in mehreren Bundesländern gingen deshalb Notrufmeldungen ein.

„Der Überflug wurde an vielen Stellen in Rheinland-Pfalz wahrgenommen, es haben Bruchstücke gegen 19.15 Uhr die Erde erreicht“, teilte am Sonntagabend das Lagezentrum Bevölkerungsschutz des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz mit. „Vereinzelt kam es zu Schäden in Rheinland-Pfalz, Personenschäden sind bisher nicht bekannt“, hieß es weiter. Nach Angaben der Koblenzer Feuerwehr fielen an mehreren Stellen Brocken des Himmelskörpers zu Boden.
Besonders heftig traf es ein Haus in Koblenz-Güls: Dort durchschlugen Fragmente des Meteoriten tatsächlich ein Hausdach, etwas was ausgesprochen selten der Fall ist. „Bei dem Einschlag am Sonntagabend entstand ein etwa fußballgroßes Loch“, teilte das Landesamt mit. Das Meteoritenstück habe erst das Dach und dann das Schlafzimmer des Hauses getroffen, berichtete ZDF Heute am Montag – verletzt worden sei aber niemand. Dabei waren zu dem Zeitpunkt sogar Personen in dem Haus, aber glücklicherweise nicht in dem Raum.
Meteorit: Bunte Farben in der Leuchtspur, Rauchwolken danach
Der Meteorit bewegte sich nach den jüngsten Erkenntnissen von Westen kommend über das Saarland und Rheinland-Pfalz in Richtung Nordrhein-Westfalen, und war auch in Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen zu sehen. „Sehr helle Boliden können über mehrere hundert Kilometer hinweg sichtbar sein, weshalb aktuell Sichtungen aus vielen Regionen Europas gemeldet werden“, berichtete die AAG.

Beim Eintritt in die Atmosphäre verdampften durch die enorme Hitze „sowohl Material aus dem Meteoroiden selbst, als auch Gase aus der Luft“, so die Experten weiter. Je nach Element könnten dabei unterschiedliche Farben entstehen, die auch mit bloßem Auge sichtbar seien: „Orange-Gelb sieht man häufig durch Eisen und Natrium, grüne Töne können z. B. durch Nickel oder ionisierten Sauerstoff entstehen“, erklärte die AAG auf ihrer Facebookseite.
Wenn das Objekt fragmentiere, könnten auch mehrere Leuchtspuren entstehen, die unterschiedlich lange sichtbar bleiben – und eine Rauchspur hinterließen. Die könne sich anschließend durch Höhenwinde verformen und noch einige Minuten am Himmel stehen bleiben – genau das sei am Sonntag über Mainz sichtbar gewesen.
Berühmt: Der Meteorit von Mainz aus dem Jahr 1852
Dass solche größeren Meteoriten auf der Erde einschlagen, ist ausgesprochen selten – aber in der Erdgeschichte immer wieder vorgekommen. Berühmt wurde etwa der „Meteorit von Mainz“: Ein 1,8 Kilogramm schwerer, scharfkantiger Brocken aus tiefem Schwarz. Gefunden wurde er 1852 von einem Landwirt beim Pflügen an der Pariser Chaussee, Untersuchungen ergaben: Das Geschoss aus dem All stammte aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und entstand vor 4,56 Milliarden Jahren, gemeinsam mit dem Sonnensystem.

„Vor etwa 50 Millionen Jahren muss der Mainzer Meteorit von einem größeren Asteroiden abgeplatzt sein“, berichtete im Mai 2017 Jan-David Förster, damals Sprecher der AAG Mainz, in einem Interview mit Mainz& – seither irrte die Kugel durchs All. In Mainz könnte der Meteorit vor etwa 30.000 Jahren eingeschlagen sein – damals hätte das Himmelsgeschoss also wahrscheinlich nur einige vorzeitliche Herden und möglicherweise ein paar Gruppen von Steinzeitmenschen – für Mainz ist menschliches Leben erst ab einer Zeit vor etwa 25.000 Jahren belegt.
Info& auf Mainz&: Mehr zur Geschichte des „Meteoriten von Mainz“ haben wir 2017 ausführlich hier bei Mainz& berichtet.







