Einmal einem echten Centurio begegnen oder römische Militärmusik hören, eine Toga basteln oder Spielen wie die Römer vor 2000 Jahren – zwischen 300 und 500 Besucher wollten das beim „Antiken Festival“ im Römischen Bühnentheater von Mainz. Vergangene Woche hatte die „Unsichtbare Römergarde“ zum römischen Kulturfest geladen, der Andrang war enorm: Gerade Familien mit kleinen Kindern nutzten trotz Hitze den Sonntag, um tief in die Römerzeit einzutauchen. In Vorträgen gab es zudem allerlei Wissenswertes über den Alltag im antiken Mogontiacum.

„Und dann ein Ave, ein neues Ave, Mogontiacum Ave“ – natürlich muss ein Römerfest genau so beginnen: Das „Trio Aeterna“ begrüßte vergangenen Sonntag die Besucher im Römischen Bühnentheater mit seinem Song über die Geschichte des antiken Mogontiacums. Mindestens 500 Jahre lang blühte am Zusammenfluss von Main und Rhein eine antike Metropole mit Theatern, Tempeln, Märkten und einem großen Legionslager, gegründet im Jahre 13 vor Christus durch den Kaisersohn und Feldherrn Drusus.
Mehr als 2000 Jahre danach tummelten sich nun wieder Legionäre und Centurionen im alten Theaterrund, denn die Legio Prima Germanica Augusta war gekommen. Die Legio ist Teil Vereins Römisches Forum Waldgirmes, ihre Mitglieder stellen möglichst originalgetreu die Ausrüstung der römischen Legionen in der augusteischen Zeit dar – also genau in jener Zeit, in der Mogontiacum gegründet wurde. Dazu gehören natürlich Kettenhemden, Schienenpanzer und Helme, Schild und Schwert – aber eben auch das alltägliche Lagerleben.
Römerrallye und Spiele – und ein neuer römischer Stadtführer
Ein großes Zelt hatten Rainer Müllers und seine Kollegen deshalb mit ins Römische Theater nach Mainz gebracht, und trotz enormer Hitze hielten die drei Darsteller der römischen Zeit tapfer in ihren Rüstungen aus. Daneben beantwortete sie geduldig Fragen, wieviel die Uniform eines Legionärs denn so wiegt (nämlich 16 Kilogramm), oder wie das kreisförmige gewundene römische Blasinstrument heißt, das aussieht wie ein großes „G“? Die richtige Antwort lautet: Cornu – die Fragen aber waren Teil eines Römerquizzes.

Fünf Fragen gab es bei der Römerrallye zu beantworten, dabei half auch eine neue Broschüre, die an diesem Tag vorgestellt wurde: Mit „Mogontiacum – Ein Streifzug durch das Römische Mainz“ gibt es erstmals einen kleinen Stadtführer durch Mainz, der nicht nur Stationen römischer Denkmäler im Stadtbild aufzeigt, sondern auch die Geschichten und Hintergründe dazu erzählt.
Das Heftchen schließe ein Lücke, sagte denn auch die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) bei der Eröffnung: „Gerade für Menschen, die mit dem Handy nicht so firm sind, für Ausländer ohne großes Datenvolumen“ oder auch für Menschen, die lieber analog läsen, sei die Broschüre eine tolle Möglichkeit, sich auf einen Streifzug durch die römische Geschichte von Mainz zu begeben – oder auch es sich zur Erinnerung ins Buchregal zu stellen.
Broschüre „Mogontiacum – Streifzug durch Mainz“ vorgestellt
Die Broschüre wurde von der Internetzeitung Mainz& herausgegeben, für die wissenschaftliche Begleitung standen der ehemalige Landesarchäologe Gerd Rupprecht sowie der Verein „Rettet das Römische Mainz“ zur Seite. Text und Fotos stammen ausschließlich von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein, das Wirtschaftsdezernat der Stadt Mainz förderte die grafische Umsetzung – zu haben ist die Broschüre zum Preis von 5,- Euro (zuzüglich Versandkosten) hier bei Mainz&. Ausführliche Infos dazu in diesem Artikel.

Auch sonst gab es bei „Antiken Festival“ allerlei Wissenswertes aus dem Alltag der Römer von vor 2.000 Jahren zu erfahren – etwa, dass Gladiatoren hochbezahlte Stars wie bei uns Ronaldo oder Haaland waren. Dass die Römer Kleidung in Bottichen mit Urin wuschen oder sich auch die Zähne damit bleichten. Oder dass sie, wie Torsten Kirchmann von der Unsichtbaren Römergarde berichtete, bereits den ersten Computer erfanden: Ein Konstrukt mit Zahnrädern, mit dessen Hilfe man Mondfinsternisse oder Olympische Spiele vorhersagen konnte.
Wie Gaius Julius Caesar als erster Verkehrspolitiker Regeln gegen Stau und Unfälle im antiken Rom einführte, berichtete Christian Vahl, Vorsitzender der Vereins „Rettet das Römische Mainz“ – und verblüffte die Zuschauer zudem mit einer kuriosen Tatsache: der „Melonenfrisur“. Tatsächlich war in der Antike eine Art Bubikopf mit geradem Pony hochgradig in Mode, ihre bekannteste Vertreterin dürfte die ägyptische Kaiserin Kleopatra gewesen sein.
Melonenfrisur und Verkehrsprobleme: Alltag in der römischen Antike
Bei der „Melonenfrisur“ wiederum – diesen Begriff gibt es tatsächlich, wie Wikipedia zeigt – wurde das lange Haar einer Frau in Segmente („Rippen“) geteilt, die dann in straffer oder gedrehter Form bis zum Hinterkopf geführt und dort zu einem Knoten geformt oder aber als Kranz um den Kopf gelegt wurde. „Bei den Römerinnen war die Frisur seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. beliebt und blieb es bis in die hohe Kaiserzeit, zum Teil auch noch bis zum Ende der Antike“, weiß Wikipedia – ähnliche Frisuren finden sich bis heute vor allem bei schwarzen Frauen aus Afrika oder den USA.

Genau das sei der Sinn des zum ersten Mal ausgerichteten „Antiken Festivals“, betonte denn auch die Präsidentin der „Unsichtbaren Römergarde“, Kathrin Dohle: Eine ganz ungezwungene Begegnung mit der Römerzeit und ihrem Alltag. „Musik zu Hören, Theater anzuschauen, sich unterhalten und begegnen – das wollen wir mit dem Antikenfestival auch in die Neuzeit transportieren“, sagt Dohle zur Begrüßung. Und das richte sich ganz besonders an die kleinen Besucher.
Tatsächlich stürmten während der rund vier Stunden des Festivals viele Familien mit Kindern das antike Theaterrund. Da wurde nach Römerart gebastelt oder gespielt, besonders beliebt war ein Wurfspiel, bei dem es galt, Eimer mit Bällen zu treffen – Vorbild war ein römisches Wurfspiel, bei dem Nüsse in Amphoren geworfen wurden. Als Preise gab es eigene Römerorden oder auch Muscheln vom Mittelmeer, zudem konnte, wer wollte, sich mittels eigens geschneideter Togen in einen Römer oder eine Römerin verwandeln.
Bis zu 500 Besucher beim „Antiken Festival“: Neuauflage geplant
Auch Theater wurde geboten: Das „Theater in der Römischen Provinz“ hatte einen Auszug seiner Inszenierung von 2025 mitgebracht, „Die Vögel“ des antiken Dichters Aristophanes. Und so wechselten sich muntere Spielphasen ab mit andächtig lauschenden Zuschauern, die die rohen Holzbänke des Theaterrundes bevölkerten – neue Bänke wären da hochwillkommen gewesen.

Doch mit Ausnahme von Matz ließ sich kein einziger verantwortlicher Mainzer Politiker an diesem Nachmittag beim „Antiken Festival “ sehen – die designierte Dezernentin für Kulturelles Erbe, Claudia Siebner (CDU), sagte, sie sei nicht in Mainz gewesen.
Verpasst haben sie alle einen Nachmittag, an dem römischer Alltag aus Mogontiacum wieder ein Stück weit lebendig wurde – sowie scharenweise begeisterte Besucher. Die „Unsichtbare Römergarde“ schätzt, dass zum ersten „Antiken Festival“ zwischen 300 und 500 Besucher kamen, eine Wiederholung für 20276 ist deshalb angedacht.
Info& auf Mainz&: Mehr zur „Unsichtbaren Römergarde“ könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen, mehr zum Verein „Rettet das Römische Mainz“ findet Ihr hier. Und wer mehr über den neuen Stadtführer zum Römischen Mainz wissen oder ihn bestellen will – hier entlang bitte:








