Am heutigen Mittwoch findet die erste Stadtratssitzung nach der Sommerpause statt, das will ein Bündnis aus linken Organisationen zum Protest nutzen, und zwar gegen das geplante neue Gasmotorenkraftwerk auf der Ingelheimer Aue bei Mainz. Der Bau zementiere die „fossile Abhängigkeit“ von Autokraten und werde erhebliche klimaschädliche Auswirkungen haben, kritisiert das Bündnis, und will am Mittwoch zwischen 14.00 Uhr und 15.00 Uhr protestieren, und auch rund 3.000 Unterschriften gegen das Projekt übergeben.

Das neue Gasmotorenkraftwerk auf der Ingelheimer Aue soll bis Ende 2027 wegen des dort entstehenden Groß-Rechenzentrums gebaut werden, und als sogenanntes Backup-Kraftwerk dienen. Die insgesamt 12 Gasmotoren mit einer Gesamtleistung von 54 KW sollen zum einen das neue Rechenzentrum mit Strom versorgen, wenn dessen Photovoltaikanlage keinen liefert, und zum anderen als Notstromversorgung bei Dunkelflauten im deutschen Stromnetz dienen.
Geplant sind rund 2.000 Betriebsstunden pro Jahr, das Kraftwerk ist „H2-ready“, könnte in Zukunft also auch mit Wasserstoff betrieben werden. Mitte Juli gab es dafür die Emissionsschutzrechtliche Genehmigung der Struktur- und Genehmigungsdirektion SGD Süd, Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) hatte das verteidigt: Das Projekt sei notwendig für die Versorgungssicherheit in Deutschland, es brauche Gaskraftwerke, um Dunkelflauten bei Sonnen- und Windenergie abzufedern.
Bündnis prostiert am Mittwoch gegen neue Gaskraftwerke in Mainz
Direkt nach der Genehmigung hatte bereits ein „Widerstandskollektiv Mainz“ das Vorhaben und die Genehmigung scharf kritisiert, Haase „Greenwashing“ vorgeworfen – und aus Protest mehrere Mainzer Brunnen grün eingefärbt. Inzwischen hat sich ein breiteres „Bündnis gegen neue Gaskraftwerke Mainz / Wiesbaden“ gegründet, und das will am Mittwoch vor der Stadtratssitzung im Kurfürstlichen Schloss in Mainz protestieren.

Das Bündnis kritisiert grundsätzlich den Bau eines neuen Gaskraftwerks, und lässt auch das Argument eines Backups für Dunkelflauten nicht gelten. Stattdessen heißt es in der Ankündigung für die Protestveranstaltung: „Seit Beginn der Angriffe auf den Iran von den USA und Israel merken wir erneut, wie abhängig wir von Öl-Giganten und fossilen Autokraten sind. Diese fossile Abhängigkeit und die aus den Kriegen resultierenden starken Preisanstiege können wir und viele andere uns nicht leisten.“
Durch den Bau neuer Gaskraftwerke bleibe diese Abhängigkeit bestehen, „nur durch erneuerbare Energien können wir eine unabhängige Stromerzeugung sicherstellen, die preisstabil und klimaneutral ist.“ Interessant dabei ist allerdings, dass die Aktivisten Israel mit in ihre Auflistung aufnehmen – Israel verkauft kein Erdgas an Deutschland und gehört auch nicht zu den Erdöl-Förderländern, trotzdem wird das Land in die Liste von „Öl-Giganten und fossilen Autokraten“ einfach eingereiht.
Klimaschädliche Auswirkungen von 50.000 Verbrennern?
Das Bündnis kritisiert zudem, das neue Gaskraftwerk hätte erhebliche klimaschädliche Auswirkungen: „Die Scientists for Future (S4F) Mainz-Wiesbaden haben berechnet, dass das genehmigte Gaskraftwerk KW6 die jährliche klimaschädliche Wirkung der von 50.000 Verbrennerautos entspricht“, behauptet das Bündnis weiter – wir werden das mit einer Anfrage bei den KMW noch einmal gegenchecken. das sei sogar nur „bei einer effektiven, jährlichen Betriebszeit von nur ca. vier Monaten“ berechnet.

„Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass das Verbrennen von Erdgas die Erderwärmung weiter antreibt“, klagen die Klima-Aktivisten weiter, und verweisen auf die rund 15.000 Hitzetoten dieses Sommers – davon alleine 1.600 in Rheinland-Pfalz. Auch vertrocknete Ernten sowie massive Einbrüche in der Wirtschaft zeigten, „dass wir so schnell wie möglich aufhören müssen Gas, Öl und Kohle zu verbrennen“, so S4F-Sprecherin Doris Vollmer.
Den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (KMW) werfen die Aktivisten zudem vor, der reale Anteil Erneuerbarer Energien bei dem Projekt Rechenzentrum betrage nur 12,4 Prozent, das werde mit dem Bau des neuen Gaskraftwerks noch weiter abnehmen. Deshalb sehe man auch die vom Mainzer Stadtrat 2022 beschlossenen Klimaziele akut gefährdet: „Da Gaskraftwerke im Durchschnitt weit über 20 Jahre in Betrieb sind, wäre eine Klimaneutralität bis 2035 nicht mehr erreichbar“, sagte Vollmer.
KMW: Rechenzentrum mit Photovoltaik, Kraftwerk für Dunkelflauten
Die KMW haben hingegen wiederholt betont, das neue Rechenzentrum werde prinzipiell mit Photovoltaik betrieben, für Dunkelflauten brauche es aber ein Backup-System – und dafür habe sich die aktuelle Lösung als die ökologisch und ökonomisch vernünftigste Variante erwiesen. Ein Gasturbinenkraftwerk habe für eine Notstromversorgung eine zu lange Anlaufzeit, bei einem Batteriespeicher-Kraftwerk reichten die Kapazitäten nicht, um eine Notstromversorgung von 48 Stunden für das Rechenzentrum sicher zu stellen.
Das Bündnis hingegen fordert den Verzicht auf das neue Gaskraftwerk sowie eine Abstimmung darüber im Stadtrat, zudem prüfe man „mögliche juristische Schritte.“ Zudem Bündnis haben sich nach Angaben der Aktivisten Vertreter aus den Gruppen von Anuk e.V., BUND KG Mz, Fridays For Future Mz, Fridays For Future WI, Greenpeace MZ/WI, Kolibri-Kollektiv, Mainz4Democracy, MainzZero, Neue Generation MZ/WI, Parents For Future MZ, Students for Future MZ sowie dem Widerstandskollektiv MZ/WI zusammengeschlossen.
Info& auf Mainz&: Mehr zum geplanten neuen Gastkraftwerk auf der Ingelheimer Aue sowie dem Green Rocks Rechenzentrum findet ihr auch hier bei den KMW im Internet.







