Am Montag wurde in Mainz die Genehmigung der SGD Süd für das neue Gaskraftwerk auf der Ingelheimer Aue übergeben, aus Protest dagegen haben in der Nacht zum Freitag Aktivisten mehrere Brunnen in der Mainzer Innenstadt mit grüner Farbe versehen. Eine Gruppe, die sich selbst „Widerstandskollektiv Mainz“ nennt, wirft dabei dem Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase „Greenwashing“ vor, und fordert den Stopp des Projektes.

Das neue Gasmotorenkraftwerk auf der Ingelheimer Aue soll bis Ende 2027 wegen des dort entstehenden Groß-Rechenzentrums gebaut werden, und als sogenanntes Backup-Kraftwerk dienen. Die insgesamt 12 Gasmotoren mit einer Gesamtleistung von 54 KW sollen zum einen das neue Rechenzentrum mit Strom versorgen, wenn dessen Photovoltaikanlage keinen liefert, und zum anderen als Notstromversorgung bei Dunkelflauten im deutschen Stromnetz dienen.
Geplant sind rund 2.000 Betriebsstunden pro Jahr, das Kraftwerk ist „H2-ready“, könnte in Zukunft also auch mit Wasserstoff betrieben werden. Am Montag gab es nun die Emissionsschutzrechtliche Genehmigung der Struktur- und Genehmigungsdirektion SGD Süd für das Projekt, Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) hatte das verteidigt: Das Projekt sei notwendig für die Versorgungssicherheit in Deutschland, es brauche Gaskraftwerke, um Dunkelflauten bei Sonnen- und Windenergie abzufedern.
Fastnachtsbrunnen grün eingefärbt: Protest gegen „Greenwashing“
Linke Aktivisten ficht das nicht an: Aus Protest gegen das Gaskraftwerk färbten sie in der Nacht zu Freitag mehrere Brunnen in der Mainzer Innenstadt grün. Auf den Fotos, die die Gruppe Pressevertretern zuschickten, betraf das den Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz sowie den Brunnen am Höfchen. Dazu wurde in grüner Farbe der Slogan „Gastkraftwerke: Nicht so Mainz“ sowie „Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge“ an die Ränder gesprüht.

Die Gruppe, die sich selbst „Widerstandskollektiv Mainz“ nennt, kritisierte dabei scharf den Mainzer OB Haase und forderte den sofortigen Stopp des Gasprojekts. „Herr Haases Behauptung, die Pläne für noch ein weiteres Gaskraftwerk stünden nicht im Widerspruch zu den Klimazielen der Stadt Mainz, ist lächerlich“, erklärte eine Aktivistin, die aber anonym blieb, via Pressemitteilung. Die Scientists4Future hätten „ganz klar vorgerechnet: Wenn das Gaskraftwerk wie genehmigt gebaut wird, ist das Ziel der Stadt, bis 2035 klimaneutral zu sein, nicht zu halten!“
Um „auf dieses Greenwashing von Nino Haase“ aufmerksam zu machen, hätten Aktivisten die beiden Brunnen in der Innenstadt leuchtend grün eingefärbt. Verwendet worden sei dafür „Uranin, ein ungiftiger, fluoreszierender Farbstoff, der unter anderem zur Leckortung und in der Geohydrologie zur Verfolgung von Wasserläufen in der Natur verwendet wird“, so die Angaben der Gruppe weiter. Der Stoff zersetze sich im Sonnenlicht innerhalb einiger Stunden rückstandslos.
KMW: Gas-Motorenkraftwerk auch ökologisch beste Lösung
Der Plan für das neue Gaskraftwerk mache die Energieversorgung „auf Jahrzehnte abhängig von fossilen Importen“, kritisiert die Gruppe weiter, ein Betrieb mit Wasserstoff sei für das geplante Gaskraftwerk gar nicht beantragt worden, deshalb könne man auch nicht damit argumentieren. „Dabei gäbe es klimafreundlichere Alternativen“, behaupten die Aktivisten: „Beispielsweise einen Batteriespeicher, der die Innenstadt auch weniger aufheizen würde als die geplanten Gaskraftwerke!“

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden, die das neue Gaskraftwerk bauen, betonen hingegen, man habe sämtliche verfügbare Alternativen geprüft. Das neue Rechenzentrum werde zwar mit Photovoltaik betrieben, dafür brauche es aber ein Backup für den Fall der Dunkelflauten. Ein Gasturbinenkraftwerk habe für eine Notstromversorgung eine zu lange Anlaufzeit, bei einem Batteriespeicher-Kraftwerk reichten die Kapazitäten nicht, um eine Notstromversorgung von 48 Stunden für das Rechenzentrum sicher zu stellen.
„Ein H2-ready Motorenkraftwerk ist ökologisch und ökonomisch die beste Lösung“, hatten Vertreter der KMW noch im Mai im Klimaschutzbeirat der Stadt Mainz versichert. Im Übrigen würden in der Debatte um das Kraftwerk von Gegnern zwei Kraftwerksprojekte vermischt: Bei dem jetzigen Gaskraftwerk handele es sich nicht um ein ursprünglich einmal geplantes Gas-Turbinenkraftwerk zur Stromgrundsicherung mit einer Kapazität von rund 250 Megawatt, sondern um ein ganz anderes und kleineres Projekt – das große „Zukunftsprojekt“ habe man nach dem Aus der Berliner Ampel vorerst zurückgestellt.
Info& auf Mainz&: Mehr zum geplanten neuen Gastkraftwerk auf der Ingelheimer Aue sowie dem Green Rocks Rechenzentrum findet ihr auch hier bei den KMW im Internet.







