Zwei Jahre nach Baustart verzögert sich die Freigabe der Binger Straße für den verkehr stadteinwärts weiter. Eigentlich sollte die wichtige Tangente vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt am 29. Juni 2026 wieder für den Autoverkehr freigegeben werden, dann am 1. Juli – und jetzt wird auch daraus nichts. Grund seien die anhaltend hohen Temperaturen, teilte die Mainzer Mobilität mit, die hätten den sogenannten „Schienenverguss“ aufgeweicht – die Unfallgefahr sei zu hoch, und zwar für Radfahrer. Wann die Binger Straße endlich wieder stadteinwärts offen sein wird: unklar.

In einem Video ließen die Mainzer Mobilität im März 2026 einen Bauarbeiter die erneute Verzögerung der Fertigstellung der Binger Straße ankündigen. – Video: Mainzer Mobilität, Screenshot: gik
In einem Video ließen die Mainzer Mobilität im März 2026 einen Bauarbeiter die erneute Verzögerung der Fertigstellung der Binger Straße ankündigen. – Video: Mainzer Mobilität, Screenshot: gik

Zwei Jahre dauern die Bauarbeiten in der Binger Straße nun schon, im Juni 2024 hatten die Mainzer Stadtwerke umfangreiche Bauarbeiten für ein neues Straßenbahn-Teilstück gestartet, das einen „Bypass“ zwischen Alicebrücke und Münsterplatz schaffen, und so den Mainzer Bahnhofsvorplatz entlasten soll. Das Problem dabei: Die Binger Straße ist eine der wichtigsten Einfahrtstraßen für die Mainzer Innenstadt, ihre Sperrung für den Verkehr stadteinwärts sorgt bis heute für lange Rückstaus auf Parcusstraße und Alicenbrücke, teilweise sogar die gesamt Saarstraße hinauf.

Die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) focht das nicht an, sie betonte stets, die Innenstadt seit weiter „gut erreichbar“. Noch im März schimpfte die Mainzer FDP, Steinkrügers Verhalten zeige deutlich, dass „kein verkehrspolitischer Wille da ist, die Situation zu entspannen“ – das schade vor allem dem Einzelhandel in der Innenstadt. Dazu kamen immer neue Verzögerungen: Eigentlich sollte das Projekt im Dezember 2025 fertig sein, dann gab es Verzögerungen durch historische Ausgrabungen, dann durch unvorhergesehene Leitungen im Untergrund.

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Binger Straße bleibt stadteinwärts vorerst gesperrt: Hitze als Grund

Nun sollte es endlich so weit sein: Am 29. Juni, genau zum Start in die Sommerferien, sollte die Binger Straße wieder für die zweite Fahrspur in Richtung Innenstadt geöffnet werden – dich daraus wurde nichts: Drei Tage vorher teilte die Mainzer Mobilität mit, fas sei nun leider doch nicht möglich, die anhaltende Hitzewelle mit ihren außergewöhnlich hohen Temperaturen habe „einzelne abschließende Arbeiten im Straßenbereich erheblich erschwert und zeitlich verzögert“ dazu gehörten unter anderem Markierungsarbeiten.

Die Binger Straße bleibt vorerst ein Nadelöhr, die Zufahrt von der Alicenbrücke weiter nicht möglich. - Foto: gik
Die Binger Straße bleibt vorerst ein Nadelöhr, die Zufahrt von der Alicenbrücke weiter nicht möglich. – Foto: gik

Zudem müsse man in der Nacht von Samstag, dem 27. Juni, auf Sonntag, den 28. Juni, die Fugen zwischen den neuen Asphaltflächen mit einer speziellen Vergussmasse verschließen, das müsse nachts erfolgen, da sich das ausgefräste Asphaltmaterial tagsüber wegen der aktuellen Hitze nicht ordnungsgemäß aufnehmen lasse. Die Öffnung der Binger Straße sei jetzt aber sicher für den 1. Juli geplant.

Doch auch an diesem Mittwoch wird daraus nichts: „Die anhaltend hohen Temperaturen lassen die für morgen angekündigte Wiederöffnung der Binger Straße für Fahrspuren stadtein- und stadtauswärts doch nicht zu“, hieß es am Dienstag dann plötzlich. Dabei hatten Gewitter in der Nacht zum Montag für eine deutliche Abkühlung gesorgt und die extreme Hitzewelle gebrochen. Dennoch teilte die Mainzer Mobilität mit, nach einer Baustellenbesprechung am Dienstag um 14.00 Uhr hätten Verantwortliche der Mainzer Mobilität und des Mainzer Stadtplanungsamtes entschieden, die Freigab zu stoppen.

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Schienenverguss in weichem Zustand: Gefahr für Radfahrer

Grund ist ein sogenannter „Schienenverguss“, der in fünf Zentimetern Breite entlang den Straßenbahnschienen zwischen diesen und dem Straßenasphalt verläuft, so die Angaben weiter. „Diese bitumenartige Masse befindet sich bei den derzeitigen Temperaturen in einem weichen, dehnbaren Zustand“, erklärten die Verantwortlichen: „Würden Fahrradfahrer mit ihren Reifen in diese Masse geraten, bestünde Unfallgefahr. Die Räder kämen abrupt zum Stillstand oder der Schienenverguss könnte sich an die Räder haften und aus den Fugen gezogen werden.“

Das sei kein rein Mainzer Problem, hieß es zudem: Vergangenes Wochenende war in Leipzig Schienenverguss so flüssig geworden, dass er in die Schienen hinein quoll – Leipzig stoppte daraufhin den Straßenbahnverkehr komplett. Aktuell werden an den Mainzer Straßenbahnschienen Temperaturen von 70 Grad gemessen, der Schienenverguss werde deshalb „auch noch eine Zeit weich bleiben.“ Deshalb habe man entschieden, die Binger Straße auch noch in den nächsten Tagen wie zuletzt gewohnt nur einspurig stadtauswärts zu belassen. Stadteinwärts gelten also erst einmal weiter die eingerichteten Umleitungen.

Wie lange das dauern wird, sagte die Mainzer Mobilität nicht. Straßenbahnen sollen auf der neuen Strecke erstmals zum Ende der Sommerferien im August durch die Binger Straße rollen.

Info& auf Mainz&: Weitere Informationen zum Straßenbahnausbau gibt es unter www.m-wie-zukunft.de.