Lange waren sie die Basis der Corona-Impfkampagne, nun sollen sie schließen: Das Land Rheinland-Pfalz will alle seine 22 Impfzentren zum Jahresende 2022 dicht machen. Das teilte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Montag in Mainz mit: Er werde eine entsprechenden Vorschlag am Dienstag im Landeskabinett machen. Hintergrund ist ein Auslaufen der Ko-Finanzierung durch den Bund. Hoch argumentierte zudem mit einer hohen Impfquote – doch das gilt nur für die Über-60-Jährigen.

Die Impfzentren in Rheinland-Pfalz sollen nun zum Jahresende 2022 schließen. - Foto: gik
Die Impfzentren in Rheinland-Pfalz sollen nun zum Jahresende 2022 schließen. – Foto: gik

Die Impfzentren waren Ende 2020 eingerichtet worden, um die größte Impfkampagne aller Zeiten in Deutschland zu managen – und sie waren dringend nötig: Die Aufgabe, eine ganze Bevölkerung von mehr als 80 Millionen Menschen zu impfen, hatte die Arztpraxen im Land restlos überfordert. Allein im Mainzer Impfzentrum konnten pro Tag rund 1.000 Menschen geimpft werden – trotzdem bildeten sich hier zeitweise lange Schlangen.

Im Herbst 2021 hatte die Politik schon einmal die Impfzentren schließen wollen, zum 1. Oktober 2021 hatten die Zentren tatsächlich geschlossen – es rächte sich fürchterlich: Kurz vor Beginn der vierten Corona-Welle – die sich übrigens als dramatisch entpuppte -, stürmten die Menschen die Impfmöglichkeiten, als die erste Booster-Impfung anstand. Die Folge: völlig überlastete Arztpraxen und stundenlange Anstehen vor Angeboten wie den Impfbussen in Mainz. Das Land Rheinland-Pfalz musste zurückrudern, und öffnete die Impfzentren im Land Ende November wieder.

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Nun sollen die Impfzentren endgültig ihre Tore schließen: „Ich werde den rheinland-pfälzischen Ministerrat in seiner morgigen Sitzung darüber informieren, dass die verbliebenen 22 Impfzentren im Land zum Jahresende geschlossen werden“, teilte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Montag in Mainz mit. Grund sei, dass sich die Bundesregierung aus der Ko-Finanzierung der Impfzentren in den Ländern zurückziehe.

Impfzentren in RLP kosteten rund 218 Millionen Euro

Geschlossen - das hieß es bereits Ende 2021 bei den Impfzentren schon einmal, hier in Wiesbaden. - Foto: Stadt Wiesbaden
Geschlossen – das hieß es bereits Ende 2021 bei den Impfzentren schon einmal, hier in Wiesbaden. – Foto: Stadt Wiesbaden

Nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums belaufen sich die Gesamtkosten für die Impfzentren inklusive der mobilen Teams bis zum 28. Oktober 2022 auf rund 218 Millionen Euro, von denen rund 107 Millionen Euro vom Bund erstattet werden. Durch die Impfkampagne sei „Enormes erreicht worden“, betonte Hoch: Seit Beginn im Jahre 2020 seien mehr als 9,41 Millionen Impfungen in Rheinland-Pfalz verabreicht worden. Dank der Schutzimpfung wurden schwere Verläufe und Todesfälle im Zuge einer Corona-Erkrankung verhindert worden.

Nun aber sei „die Herbstwelle abgeebbt, und aktuell verzeichnen wir keinen großen Andrang in den Impfzentren“, betonte Hoch weiter: „Wir sind davon überzeugt, dass der Impfbedarf ab dem neuen Jahr bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ausreichend gedeckt werden kann.“ Das Land könne sich „aus dem ergänzenden Angebot teilweise zurückziehen, ohne eine Versorgungslücke zu hinterlassen“, sagte der Minister weiter.

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Experten warnen seit Wochen vor einer neuen Winterwelle, auch Hoch selbst hatte kürzlich im Gesundheitsausschuss des Mainzer Landtags berichtet, er rechne spätestens Anfang Dezember mit einer neuen Corona-Welle. Die Ständige Impfkommission empfiehlt inzwischen eine zweite Auffrischungsimpfung für Menschen ab 60 Jahren sowie für Personen mit erhöhtem Risiko – und zwar explizit mit den neuen, seit Herbst vorliegenden Omikron-angepassten Impfstoffen.

Experten warnen vor Corona-Winterwelle

Corona-Impfung im Wiesbadener Impfzentrum Anfang 2021. - Foto: Stadt Wiesbaden
Corona-Impfung im Wiesbadener Impfzentrum Anfang 2021. – Foto: Stadt Wiesbaden

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betonte erst jüngst, man stehe „am Vorabend einer Winterwelle mit neuen Varianten“, dazu steige die Zahl von Beschäftigten, die wegen einer Corona-Infektion oder einer Long Covid-Erkrankung ausfielen. Schon jetzt leiden Arztpraxen unter erheblichem Personalmangel – es ist keine Seltenheit mehr, dass man wochenlang niemanden ans Telefon bekommt, oder Termine erst in Monaten vergeben werden.

Trotzdem verwies Hoch nun auch wieder darauf, die niedergelassenen Ärzte könnten die Impfungen stemmen. Dazu gebe es eine Grundimmunisierungsquote von 89,7 Prozent und eine Quote von 85,2 Prozent der bereits drei Mal geimpften Menschen, argumentierte Hoch weiter – das aber gilt nur für die Rheinland-Pfälzer über 60 Jahre. Nach den aktuellen Zahlen des Impfmonitorings des Robert-Koch-Instituts (RKI), Stand 21. November 2022 , sind lediglich 75,6 Prozent der Rheinland-Pfälzer grundimmunisiert, haben also zwei Corona-Impfungen erhalten.

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Einmal geimpft sind demnach 78,9 Prozent im Land, eine Auffrischungsimpfung hatten sogar nur 63,6 Prozent – nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gilt als ausreichend immunisiert nur, wer drei Corona-Impfungen hinter sich hat. Damit sind mehr als ein Drittel der Rheinland-Pfälzer – genau: 36,4 Prozent – weiter nur unzureichend gegen eine Corona-Infektion geimpft, zwei Auffrischungsimpfungen haben sogar lediglich 14,3 Prozent der Rheinland-Pfälzer.

Impfquote in Rheinland-Pfalz: 75,6 Prozent grundimmunisiert

Impffortschritt in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie. - Grafik: RKI
Impffortschritt in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie. – Grafik: RKI

Bundesweit sind weiter 18,4 Millionen Menschen überhaupt nicht gegen das Coronavirus geimpft, das entspricht laut RKI 22,1 Prozent der Bevölkerung. Von neuen Impfkampagnen, wie einmal angekündigt, ist inzwischen jedoch keine Rede mehr, dabei belegen Studien inzwischen ausführlich, dass die Impfung herausragend gut gegen schwere Verläufe bei einer Covid-19-Erkrankung hilft, und auch das Risiko für Long Covid-Folgen deutlich reduziert.

Impfzentren waren zudem wichtige Anlaufstellen für alle die Menschen, die gar keinen Hausarzt haben – die Tendenz dazu ist steigend, weil viele Arztpraxen völlig überlaufen sind, und gar keine neuen Patienten mehr annehmen. Wer umzieht oder wessen alte Praxis schließt, hat oft eine monatelange Suche nach einem Hausarzt vor sich.

Die mobilen Impfangebote sollen in Rheinland-Pfalz derweil auch in 2023 weiter erhalten bleiben, kündigte Hoch weiter an: Die mobilen Teams und die Impfbusse werde es weiter geben. „Damit wollen wir Menschen erreichen, die aufgrund eingeschränkter Mobilität nur schwer an eine Impfung herankommen“, betonte Impf-Koordinator Daniel Stich. Diese niederschwelligen Impfangebote hätten sich vor allem im ländlichen Raum bewährt. Das Land plane den Einsatz der mobilen Teams zunächst bis April 2023.

Info& auf Mainz&: Alle Zahlen zu Corona-Impfungen in Deutschland findet Ihr hier auf dem Impf-Dashboard des RKI.

 

 

 

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