Gerade erst hatte das Land Rheinland-Pfalz am 9. November die dritte Booster-Impfung für alle nach sechs Monaten empfohlen – da stürmten die Rheinland-Pfälzer schon die Impfmöglichkeiten: Arztpraxen, Impfbusse und sämtliche Anlaufstellen sind völlig überlaufen. Nun sollen doch die im Stand-By-Betrieb gehaltenen Impfzentren reaktiviert werden: Man sei mit den Kommunen “in gemeinsamer Abstimmung” über die Reaktivierung, teilte das Mainzer Gesundheitsministerium am Freitagabend überraschend mit. Zuvor wollte das Land die Impfungen über Impfanlaufstellen in Kliniken abwickeln, doch auch die zeigten sich völlig überlastet.

Die dritte Booster-Impfung steht in Rheinland-Pfalz bereits allen Geimpften nach sechs Monaten zu. - Foto: Biontech
Die dritte Booster-Impfung steht in Rheinland-Pfalz bereits allen Geimpften nach sechs Monaten zu. – Foto: Biontech

Rund 56 Millionen Deutsche sind bundesweit bereits gegen das Coronavirus geimpft, rund 6,4 Millionen von ihnen bekamen ihre zweite Impfung bereits bis zum April – genau bei ihnen lässt derzeit der Impfschutz deutlich nach. Sechs Monate nach der zweiten Impfung, so belegen es aktuelle Studien, sinkt die Zahl der Antikörper im Blut merklich. Mediziner betonen, damit schütze die Corona-Impfung immer noch gut vor einem schweren Verlauf oder gar Tod durch eine Covid-19-Erkrankung, doch die Infektionshäufigkeit steigt wieder – Impfdurchbrüche nehmen vor allem bei hochbetagten Senioren sowie bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu.

Das Land Rheinland-Pfalz hatte deshalb am 5. November Booster-Impfungen für alle freigegeben, sobald sechs Monate nach der zweiten Impfung verstrichen sind – die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt hingegen noch immer nur die Booster-Impfung nur ab 70 Jahren. Gerade zu Jahresbeginn wurden aber viele Menschen über 60 Jahre geimpft, und sie hatten offenbar dringend auf die Auffrischungsimpfung gewartet: Die Menschen stürmten prompt jedes mögliche Impfangebot: Hausärzte wurden mit Anrufen bombardiert, vor Impfbussen bildeten sich lange Schlangen, Booster-Willige warteten teilweise zwei bis drei Stunden.

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Das Mainzer Impfzentrum ist seit dem 1. Oktober wieder zu. - Foto: Stadt Mainz
Das Mainzer Impfzentrum ist seit dem 1. Oktober wieder zu. – Foto: Stadt Mainz

Dabei hatte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) bislang stets betont, die Hausärzte in Rheinland-Pfalz könnten die Booster-Impfungen sehr gut leisten, Rheinland-Pfalz habe ein hervorragendes Hausärzte-Netz, das Land sei gut aufgestellt. Zum 1. Oktober hatte Rheinland-Pfalz deshalb die Impfzentren geschlossen – vor allem, weil der Bund die Finanzierung einstellte. Auch auf mehrfache Nachfrage – unter anderem, von Mainz& – , ob man die Impfzentren nicht für die Auffrischungsimpfungen im Winter brauchen werde, betonte Hoch wieder und wieder: Nein, man sei “gut aufgestellt”, die Hausärzte könnten das leisten. Doch die Hausärzte sind offenbar mit den Booster-Impfungen überfordert: Telefonisch ist kaum ein Durchkommen in den Praxen mehr, zahlreiche Patienten berichten, sie würden mit Terminen um Wochen vertröstet – obwohl die Sechs-Monate-Frist dann längst abgelaufen sei.

Überrannt wurden indes auch die Impfbusse sowie Impf-Anlaufstellen in Einkaufszentren, am Mittwoch dann legte Minister Hoch einen neuen Plan vor: Zehn Krankenhausstandorte im Land verteilt sollten nun die Ärzte bei den Booster-Impfungen unterstützen, kündigte Hoch an, die Impfzentren hielt der Minister noch immer nicht für nötig. Stattdessen schwärmte Hoch über die große Bereitschaft der Krankenhäuser, von denen viele freiwillig angeboten hätten, lokale Impfzentren einzurichten, die Impfsprechstunden anbieten würden – schon kommende Woche werde das losgehen.

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) vor einem der Impfbusse des Landes. - Foto: RLP.de
Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) vor einem der Impfbusse des Landes. – Foto: RLP.de

Doch die schließlich vom Ministerium veröffentlichte Liste der 18 Standorte erwies sich als nicht fehlerfrei: In der Südpfalz beschwerte sich prompt die Klinik Dahner Felsenland, sie wisse gar nicht, wie sie auf die Liste gekommen seien – niemand habe sie gefragt. Das Ministerium musste kleinlaut einräumen, da sei “ein Fehler passiert”. Auch weitere Kliniken äußerten sich nach SWR-Recherchen überrascht bis genervt: Kaum war die Meldung veröffentlicht, standen in den Kliniken die Telefone nicht mehr still, viele Krankenhäuser meldeten entnervt: Man sei auf diese Impfsprechstunden noch gar nicht vorbereitet.

Am Freitag hieß es nun aus dem Ministerium, 23 Krankenhausstandorte in Rheinland-Pfalz sollten “das bestehende Impfangebot durch niedergelassene Ärzte, mobile Impfteams und die Impfbusse” ergänzen – und zwar jetzt erst ab dem 23. November. “Nach erneuter Abstimmung mit der Krankenhausfamilie” habe diese “eine weitere Vorlaufzeit erbeten, um die vielfältigen Herausforderungen organisatorisch gut vorzubereiten”, teilte das Ministerium mit. Daher würden erst ab dem 23. November in den Standorten Impfungen angeboten werden können. In Mainz gibt es nur einen einzigen Standort im Marienhaus Klinikum, in Ingelheim gar keinen – in näherer Umgebung stehen dann erst wieder das Heilig-Geist-Hospital in Bingen und die Rheinhessen-Fachklinik in Alzey bereit.

Das Mainzer Impfzentrum könnte nun doch kurzfristig wieder reaktiviert werden. - Foto: gik
Das Mainzer Impfzentrum könnte nun doch kurzfristig wieder reaktiviert werden. – Foto: gik

Am Freitagabend schwenkte das Land dann erneut um: “Wegen der steigenden Nachfrage sind wir in gemeinsamer Abstimmung über weitere zusätzliche Angebote”, teilte Gesundheitsminister Clemens Hoch nun mit: Man habe sich jetzt mit den Kommunen, dem Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie der Ärztekammer Rheinland-Pfalz doch auf eine Reaktivierung der Impfzentren im Stand-By-Modus geeinigt. “Aktuell klären die Kommunen die personellen Vorrausetzungen dazu vor Ort”, sagte Hoch weiter, eine Entscheidung solle in der kommenden Woche gemeinsam getroffen werden.

Dazu gehört auch, welche der Impfzentren im Stand-By-Betrieb als Landesimpfzentrum reaktiviert werden sollten – zu ihnen gehört auch das Mainzer Impfzentrum sowie das in Mainz-Bingen. “Seitens des Landes ging an alle Landkreise und kreisfreien Städte das Angebot, in jedem Fall die Infrastruktur der Impfzentren für örtliche Angebote zu nutzen.”, teilte Hoch weiter mit. Der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz habe es begrüßt, Impfungen der niedergelassenen Ärzteschaft auch dort anbieten zu können. Überdies habe die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz am Freitag auch eine Liste mit Ärzten veröffentlicht, die Impftermine auch für “fremde” Patienten anbieten – die Liste findet Ihr hier im Internet.

Info& auf Mainz&: Eine Liste, welche Krankenhäuser ab dem 23. November nun lokale Impfzentren anbieten, und zu welchen Zeiten, findet Ihr hier im Internet. Unseren Mainz&-Artikel zum Thema Boostern für alle findet Ihr hier, einen ausführlichen Text zur hohen Wirksamkeit von Booster-Impfungen nach aktueller Studienlage lest Ihr hier bei Mainz&. Mehr zum Thema Impfdurchbrüche und Booster-Impfungen lest Ihr hier bei Mainz&. Das Marienhaus Klinikum Mainz plant seine Impfsprechstunde vorerst nur Dienstags und Donnerstags, alle Infos dazu sowie ab wann es losgeht findet Ihr hier im Internet.

 

3 KOMMENTARE

  1. Meine Hausärztin kann mir erst nächstes Jahr eine Booster-Impfung geben, am 26.04 habe ich meine 2. Impfung (BioTech) erhalten. Wo kann ich früher einen Termin erhalten?
    Danke für eine Info
    MfG
    Werner Maus

  2. Die bewährte Anlaufstelle Impfzentrum ist unverzichtbar. Es soll Leute geben, die mangels Bedarf über Jahrzehnte keinen Hausarzt haben. Also wohin? Weil Ärzte und -innen die georderte Menge wegen der kurzen Haltbarkeit ganz schnell verimpfen müssen, bedarf es einer schwierigen Koordinierung zwischen Praxen und Impflingen. Ärzte (m/w/d) sind auch gar nicht scharf auf das keineswegs üppige Impfentgelt.

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