Mit dem Beginn des Shutdowns aller öffentlichen Einrichtungen schloss die Stadt Mainz auch die öffentlichen Spielplätze und Sporteinrichtungen im Freien – nicht alle hatten das an Tag eins auch schon verstanden. Die Mainzer Polizei musste deshalb am Nachmittag den Goethepark in der Mainzer Neustadt regelrecht räumen: Im Goethepark seien am nachmittag „30 bis 50 Personen mit Lautsprecherwagen darauf hingewiesen worden, dass der Park gesperrt ist“, bestätigte der Sprecher der Mainzer Polizei, Rinaldo Roberto, auf Mainz&-Anfrage. Einen ähnlichen Vorfall habe es zuvor auf einem anderen Spielplatz in der Mainzer Neustadt gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte am Abend eindringlich: „Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst.“ Es komme auf jeden einzelnen an.

Besucher in den Cafés am Mainzer Markt am Mittwoch. - Foto: gik
Besucher in den Cafés am Mainzer Markt am Mittwoch. – Foto: gik

Auch am Mittwoch zog das milde Frühlingswetter wieder Mainzer ins Freie – Spazierengehen und Joggen sind ja auch keineswegs verboten. Der Sinn des Shutdown war allerdings ein anderer: Menschenansammlungen verhindern, Abstand zwischen den Menschen schaffen und Distanz wahren, um die unkontrollierbare Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Bislang gelingt das nur zögernd: Am Mittag und frühen Nachmittag waren Spielplätze und Plätze in der Mainzer Innenstadt zwar weitgehend verwaist, doch am frühen Abend begaben sich dann doch wieder Jugendliche zum Basketballspiel an den Rhein, trafen sich Gruppen junger Menschen auf Spielplätzen oder spielten Menschen Tischtennis und Fußball im Goethepark.

Im Mainzer Zollhafen saßen Berichten zufolge Menschen Schulter an Schulter auf der Kaimauer oder genossen den Sonnenschein auf Bänken – dicht nebeneinander. Genau das aber verschafft dem Virus gerade sehr gute Gelegenheiten zur Verbreitung. „Setzen Sie die Maßnahmen um“, mahnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Mittwoch eindringlich: „Abstand halten, mindestens 1,5 Meter, wo immer Sie können, und bitte, reduzieren Sie soziale Kontakte!“

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Leere Spielplätze gab es am Mittwoch in Mainz auch - aber eben nicht immer. Hier der Gartenfeldplatz vor ein paar Jahren. - Foto: gik
Leere Spielplätze gab es am Mittwoch in Mainz auch – aber eben nicht immer. Hier der Gartenfeldplatz vor ein paar Jahren. – Foto: gik

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten stieg am Mittwoch in Deutschland erstmals über die 10.000er Marke, am Abend zählte die interaktive Karte der John Hopkins Universität bereits 11.973 Infizierte in Deutschland – am Dienstag waren es noch rund 7.200 gewesen. Die exponentielle Ausbreitung der Infektionen hat mit Wucht begonnen – warum das dramatisch und kritisch ist, haben wir hier bei Mainz& zum Thema #flattenthecurve aufgeschrieben. „Wenn wir es nicht schaffen, die Kontakte wirksam und über einige Wochen nachhaltig zu reduzieren, dann ist es möglich, dass wir in zwei bis drei Monaten bis zu 10 Millionen Infizierte in Deutschland haben“, warnte Wieler. Es drohe eine „erhebliche Überlastung des Gesundheitssystems.“

„Was an BLEIBT ZUHAUSE habt Ihr nicht verstanden??“, empörten sich deshalb auch viele Nutzer in den sozialen Netzwerken – die Mainzer Innenstadt war am Mittwoch deutlich leerer als sonst. Viele forderten gar eine Ausgangssperre wie sie in Frankreich bereits verhängt wurde – am Mittwochabend verhängte auch die erste Stadt in Bayern – die Kleinstadt Mitterteich – eine Ausgangssperre. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief am Abend in ihrer Fernsehansprache keine solche Maßnahme aus, doch die Mainzer Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler schloss sie am Mittwoch nicht mehr aus: „Wir haben heute Mittwoch, 14.30 Uhr, aktuell sehe ich keinen Anlass für eine Ausgangssperre“, sagte die Ministerin am Mittag, und fügte hinzu: „Man kann es aber nicht ausschließen.“

Goethepark Mainz. - Foto: Polizei Mainz
Goethepark Mainz. – Foto: Polizei Mainz

Die Mainzer Polizei musste am Abend die Sperrung der Spielplätze und Park durchsetzen, höflich aber nachdrücklich. 30 bis 50 Personen seien im Goethepark mit Lautsprecherwagen azuf die Speerrung hingewiesen und zum verlassen des Parks aufgefordert worden, sagte Polizeisprecher Roberto. Die Leute hätten den Goethepark „zügig und geordnet“ verlassen. Ähnlich auf dem Spielplatz Corneliusstraße in der Neustadt: dort seien rund 20 Personen des Spielplatzes verwiesen worden. „Der Goethepark zählt als Spielplatz, dort gibt es viele Spiel- und Sportgeräte“, erklärte Roberto – und Sportstätten seien durch den Shutdown auch geschlossen. „Es gingen am Nachmittag noch mal viele zum Spazierengehen“, sagte Roberto weiter, „der Aufenthalt im Freien ist ja nicht verboten.“ Doch Personengruppen und gemeinsamer Sport, das eben solle ja genau durch den Shutdown verhindert werden.

Anwohner berichteten unterdessen, dass kurz nach der Räumung die ersten Benutzer wieder in den Goethepark zurückkamen. Andere Städte sperrten deshalb auch Spielplätze und Sportanlagen mit Flatterbändern ab.

„Ich glaube, dass wir die Lage bestehen können, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als ihre Aufgabe begreifen“, betonte Angela Merkel (CDU) am Abend in der ersten Fernsehansprache an die Nation ihrer Amtszeit: „Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst. Wir müssen, und das ist existenziell, auf eines setzen: das öffentliche Leben herunterfahren.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Mainzer Shutdown lest Ihr hier auf Mainz&, warum das Notwendig ist, lest Ihr hier. #flattenthecurve. Alle Informationen, Meldungen und Hintergründe zur Coronavirus Epidemie findet Ihr ab sofort auf unserer neuen Sonderseite „Alles zum Coronavirus“ genau hier bei Mainz&.

 

1 KOMMENTAR

  1. Es gibt keinen Goethepark in Mainz. Es gibt den Goetheplatz! Nicht-Mainzer wissen das nicht. Auch nicht die Polizei, soweit sie nicht aus Mainz stammt.
    Warum werden denn dauernd unsere schönen Straßen- und Platznamen von unwissenden Zugereisten verändert? Gutenbergplatz wird zu Theaterplatz, Markt wird zu Marktplatz oder Domplatz, Rheinstraße wird zur Rheinallee, Bahnhofplatz wird zu Bahnhofvorplatz, hier nun der Goethepark(?) …. usw.usw. Sogar unsere schöne Ludwigstraße wird zur dümmlichen „LU“, kein Mainzer nennt die so. Der Name kam einzig und allein durch die Medien auf! Und die diesen protzigen Namen erfanden (ein bisschen „Kö“? ein wenig „Ku“damm?), waren weiß Gott keine Mainzer.

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