Der Mainzer Weihnachtsmarkt wird in diesem Jahr nicht ganz so stattfinden können, wie gewohnt – Grund ist die Baustelle am Gutenberg Museum. Deswegen muss auch das „Mainzer Weihnachtsdorf“ mit seinen gemütlichen Fässern weichen, seinen neuen Platz findet es gerade auf dem Fischtorplatz. Das wiederum ruft nun den BUND auf den Plan: Bei dem Umweltverband fürchtet man Schäden für die Wiese und sieht eine „gefährlichen Präzedenzfall“.

Das „Weihnachtsdorf“ ist eigentlich nicht Kernbestandteil des Mainzer Weihnachtsmarktes, sondern eine gastronomische Ergänzung, das Hüttendorf aus Weinfässern ist bei den Besuchern sehr beliebt: Hier kann man gemütlich um ein großes Feuer sitzen, oder sich in die Weinfässer zurückziehen, die auch gerne für Firmenevents genutzt werden. In diesem Jahr allerdings stand die Stadt Mainz vor dem Problem, einen neuen Standort für das Hüttendorf finden zu müssen – die Baustelle am Gutenberg Museum macht es nötig.
Als neuer Ausweichstandort wurde nun der Fischtorplatz auserkoren, vor allem auch wegen der räumlichen Nähe zum Weihnachtsmarkt. Die Größe des Hüttendorfes machte es schwierig, eine geeignete Fläche zu finden, die noch nahe genug am Weihnachtsmarkt gelegen ist, doch der neue Standort stieß umgehend auf Protest: Anwohner befürchten zu viel Lärm, auch der grüne Ortsvorsteher Brian Huck stieß in dasselbe Horn. Daran wiederum entzündete sich ebenfalls Kritik, schließlich sei man in einer Stadt – und das Hüttendorf ja nun auch keine Ballermann-Veranstaltung mit lauter Musik.
BUND kritisiert: Wirtschaft geht vor Umwelt, Natur verschwindet
In die Debatte platzte nun auch noch der Umweltverband BUND, und der übt deutliche Kritik an dem Standort: „Während die Appelle für konsequenteren Klimaschutz in den Medien ständig zunehmen, werden in Mainz immer wieder Entscheidungen getroffen, bei denen die Wirtschaft im Vordergrund steht und der Umwelt- und Naturschutz als einschränkende Auflage abgewogen wird“, klagte Maren Goschke vom Vorstand des Mainzer BUND.

Immer mehr landwirtschaftliche Flächen würden bebaut, „während die Bevölkerung händeringend nach Erholungsflächen sucht, während naturnahe Grünflächen immer mehr verschwinden und die Hitzetage und Tropennächte zunehmen“, kritisierte sie: „Unversiegelter Boden und Stadtgrün haben verloren, obwohl sie die Grundlage für eine gesunde Wirtschaft sind.“
Tatsächlich verschwand für den bisherigen Standort auf dem Liebfrauenplatz ein Blumenbeet unter dem Hüttendorf, das mit einer Ständerkonstruktion abgedeckt wurde. Am Fischtorplatz liege die Abdeckung für das Dorf aber „direkt auf der Wiese, und das mit Auf- und Abbau des Ganzen für zwei Monate, von November bis Januar“, kritisierte Goschke weiter. Der Betreiber sei zwar verpflichtet, den Platz hinterher wiederherzustellen, aber wann sehe der Platz wirklich wieder aus wie vorher?
„Wofür Rheinufer versiegelt, wenn man jetzt Grünflächen nutzt?“
Der Mainzer Weihnachtsmarkt öffnet in diesem Jahr am 27. November und schließt bereits am 23. Dezember wieder, der Abbau beginnt in der Regel noch vor dem Heiligen Abend. „Die Wachstumsphase beginnt erst im Frühjahr“, räumte Goschke ein. Die Rasenfläche werde aber voraussichtlich eine Weile brauchen, um sich zu erholen. „Wie genau wird untersucht, inwieweit Pflanzen und Bodenlebewesen langfristig unter der Abdeckung leiden?“, fragt der BUND, und will wissen: „Wofür wurde eigentlich das Rheinufer versiegelt, wenn jetzt auf Grünflächen ausgewichen wird?“

Man befürchte, dass hier ein Präzedenzfall für weitere Feste und Events geschaffen werde, da das Wirtschaftsdezernat der Stadt selbst betone, man suche ständig „händeringend“ nach Veranstaltungsflächen. „Das ist nachvollziehbar, aber das heißt auch, dass wahrscheinlich weitere Grünflächen folgen werden, über die wiederum aus wirtschaftlichen Gründen entschieden wird“, befürchtet man beim BUND.
Allerdings haben es die Grünen in mehr als 15 Jahren im Umweltdezernat der Stadt bislang nicht geschafft, wesentlich mehr Grünflächen in Mainz zu schaffen – die Versiegelung des Rheinufers sowie des Mainzer Zollhafens erfolgte stets mit Zustimmung und unter Planungsbeteiligung der Grünen. Mainz hatte deshalb 2025 zum zweiten Mal in Folge die „Rote Karte“ beim Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe erhalten – wegen eines viel zu hohen Grades an Versiegelung. Die Stadt Mainz will am Mittwoch über den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr informieren.
Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Versiegelung und Grün in Mainz könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.







