Die Krise im deutschen Weinbau verfestigt sich offenbar: 2025 wurde deutlich weniger Wein eingekauft als in den Jahren zuvor. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) gingen die hierzulande eingekauften Weinmengen und die damit erzielten Umsätze im Vergleich zum Vorjahr jeweils um rund sieben Prozent zurück. Probleme bereitet auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump: Die Weinexporte in die USA brachen ein, dafür wird deutscher Wein jetzt mehr in Skandinavien, China und Polen getrunken.

Präsentation der "Generation Riesling" auf der ProWein 2026: Treffend er Weinwelt. - Foto: DWI
Präsentation der „Generation Riesling“ auf der ProWein 2026: Treffend er Weinwelt. – Foto: DWI

Die Weinwelt trifft sich derzeit auf der großen Weinmesse ProWein in Düsseldorf, und zu diesem Anlass wird Bilanz gezogen: Wie steht der deutsche Wein da? Wie ist die Stimmung? Schon 2025 wurde auf der großen Drehscheibe für Weine deutlich, wie groß die Sorgen der Weinbranche sind: Die Weinindustrie stehe an einem Wendepunkt, der Weinbrauch gerade auch in Deutschland sank im dritten Jahr in Folge – und in Deutschland werden noch immer zu rund 60 Prozent Weine aus dem Ausland statt heimische Tropfen getrunken.

2026 muss man leider sagen: Die Entwicklung setzt sich fort, die Krise vertieft sich. 2025 wurden laut aktuellen Marktverbraucherzahlen in Deutschland sieben Prozent weniger Weine eingekauft, auch die Umsätze gingen im Vergleich zum Vorjahr um rund sieben Prozent zurück. „Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass pro Haushalt seltener und weniger Wein gekauft wurde“, sagte DWI-Geschäftsführerin Melanie Broyé Engelkes am Montag auf der ProWein.

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Deutsche kaufen mehr Weine aus Deutschland, Lage angespannt

Positiv dabei: Die Anzahl der Wein einkaufenden Haushalte ist nach Rückgängen den Vorjahren 2025 relativ stabil geblieben. „Dies gilt erfreulicherweise insbesondere für Käufer deutscher Weine“, sagte Broyé Engelkes. So konnten die deutschen Weinerzeuger im eigenen Land ihren Marktanteil am Weinabsatz gegenüber dem vergangenen Jahr ganz leicht steigern, und zwar um 0,2 Prozentpunkte. Damit werden in den deutschen Läden jetzt zu 42,6 Prozent deutsche Weine gekauft, aber ansonsten eben immer noch mehr Weine aus dem Ausland.

Weineinkauf am Weinregal: Die Deutschen griffen 2025 allmählich mehr zu deutschen Weinen. - Foto: DWI
Weineinkauf am Weinregal: Die Deutschen griffen 2025 allmählich mehr zu deutschen Weinen. – Foto: DWI

Italienische Weine kamen jetzt auf einen Marktanteil von 17 Prozent, gefolgt von Weinen aus Spanien mit 13 Prozent und französischen Weinen mit neun Prozent. Damit haben die deutschen Winzer den Importen aus dem Ausland ein bisschen Anteile abgeluchst – eine wichtige Entwicklung, denn viele deutsche Winzer klagen über sinkenden Absatz in ihren Weingütern.

Die Weinmarktsituation in Deutschland bleibe weiter angespannt, sagte Broyé Engelkes. Nach Mainz&-Informationen soll am Dienstag auf der ProWein die neue Werbekampagne vorgestellt werden, mit der die Verbraucher stärker für deutsche Weine begeistert werden sollen.

 

Weinexporte in die USA brechen ein, Schweden stark

Das ist gerade auch angesichts der wachsenden Probleme auf dem US-Markt wichtig: Nachdem US-Präsident Donald Trump Strafzölle auch gegen deutsche Weine erhob, brach der Export in die USA regelrecht ein. Elf Prozent weniger Weine, rund 118.000 Hektoliter, wurden 2025 weniger in die USA verkauft, dazu mussten die Winzer auch noch ihre Preise senken, im Durchschnitt um 41 Cent auf 4,43 Euro pro Liter. Der Wert der ausgeführten Weine sei aus diesem Grund mit einem Minus von 19 Prozent noch deutlicher auf 51 Millionen Euro zurückgegangen.

Großes Interesse an "Wines of Germany" auf der ProWein in Düsseldorf. - Foto: DWI
Großes Interesse an „Wines of Germany“ auf der ProWein in Düsseldorf. – Foto: DWI

Das trübte die Weinexportbilanz 2025 ganz wesentlich: Zwar wurden weltweit nach DWI-Angaben ein Prozent mehr deutscher Wein exportiert als im Vorjahr, der Wert der Weinexporte sank aber um zwei Prozent auf 377 Millionen Euro. Wegen der unsicheren Marktlage in den USA versuchen viele Weinexporteure in anderen Exportmärkten Fuß zu fassen – dazu zählen vor allem die skandinavischen Länder, aber auch Polen oder China.

Die drei skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland liegen denn auch mit einem Exportvolumen von 211.000 Litern im Wert von 71 Millionen Euro bereits deutlich vor den USA. In den nordischen Ländern sind besonders die frischen Weißweine wie etwa Riesling oder Burgundersorten begehrt, sie passen ja auch besonders gut zu Fisch und Seafood. „Wir profitieren derzeit von dem globalen Trend zu einem verstärkten Konsum weißer und leichterer Weine“, sagt DWI-Marketingleiter Steffen Schindler. Mit zwei Dritteln Weißwein im Anbau seien die deutschen Weinerzeuger da gut aufgestellt.

Hoffen auf neues Mercosur-Abkommen mit Südamerika

So legten denn auch Weinexporte nach Norwegen 2025 um vier Prozent zu, der erzielte Durchschnittspreis lag bei attraktiven 4,77 Euro pro Liter und damit deutlich über dem gemittelten Preis für den gesamtdeutschen Weinexport in Höhe von 3,14 Euro pro Liter. Die Exporte nach Schweden explodierten geradezu: mit einem Plus von 32 Prozent in der Menge und um 44 Prozent im Wert. Mit einem Umsatzmarktanteil von 14 Prozent an den schwedischen Weißweineinkäufen ist Deutschland der zweitgrößte Anbieter in diesem Weinsegment. Die Schweden greifen aber auch zunehmend gerne zu deutschen Rosés und Sekten.

Weingenuss in Malmö: Mainz& konnte das 2019 selbst testen - nur leider zu horrenden Preisen. Im Glas: Ein Riesling aus Rheinhessen! - Foto: gik
Weingenuss in Malmö: Mainz& konnte das 2019 selbst testen – nur leider zu horrenden Preisen. Im Glas: Ein Riesling aus Rheinhessen! – Foto: gik

Zu den neuen starken Märkten gehört zudem Polen: Die Weinexporte ins deutsche Nachbarland haben sich von 2020 bis 2025 auf 142.000 Hektoliter im Wert von 31 Millionen Euro glatt verdoppelt. Polen rückte damit vom achten Platz auf Rang drei im Ranking der wichtigsten Exportmärkte vor. Und auch die Chinesen greifen immer öfter zu deutschen Weinen: Die Weinexporte erreichten mit 50.000 Hektolitern im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert. Dazu trugen vor allem deutsche Weißweine bei, vor allem der Riesling, der sich bei jungen Konsumenten wachsender Beliebtheit erfreue, so das DWI.

Die Winzer hoffen also auf neue Märkte – dazu gehört nun auch Südamerika, das durch das neue Mercosur-Handelsabkommen erschlossen werden soll. „Südamerika hat eine sehr gute Weinkultur für sich, es ist ein sehr großer Markt, die sehr weinaffin sind“, sagte der rheinhessische Winzer Stefan Braunewell, Vorsitzender der „Maxime Rheinhessen“, im SWR-Interview. Brasilien sei aber stark auf Rotwein ausgerichtet, „die müssten also auf unseren Riesling warten“, sagte Braunewell, und fügte hinzu: „Und wir warten auf Mercosur.“ Das Handelsabkommen war vom EU-Parlament auf den letzten Metern erst einmal noch für eine juristische Überprüfung gestoppt worden, auch mit Stimmen rheinland-pfälzischer Grüner.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht zur Krise auf dem Weinmarkt könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& mit unserem Bericht von der ProWein 2025 nachlesen.