Der deutsche Weinbau steckt in einer tiefen Krise: Der Absatz sinkt, die Verbraucher wurden zuletzt durch irreführende Kampagnen gegen pauschlaisierte Gefahren durch Alkoholkonsum verunsichert. Nun bereitet das Deutsche Weininstitut (DWI) eine neue Kommunikationskampagne vor, die die Verbraucher über „attraktive Konsum- und Lifestylemomente“ erreichen soll. Die Mainzer Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) kündigte nun Unterstützung an: Eine Million Euro sollen fließen – allerdings gemeinsam mit Gebietsweinwerbungen aus Rheinhessen, Pfalz und Mosel.

Werbekampagne der rheinhessischen Winzer für Weine aus den heimischen Landen. - Foto: Rheinhessenwein
Werbekampagne der rheinhessischen Winzer für Weine aus den heimischen Landen. – Foto: Rheinhessenwein

Seit gut zwei Jahren rutscht der Weinbau in Deutschland immer tiefer in die Krise. Denn der Weinkonsum sinkt weltweit und auch in Deutschland wurde 2024 ein neuer Tiefststand erreicht: Im Schnitt trank ein Deutscher über 16 Jahren nur noch 22,2 Liter Wein im Jahr – das waren 0,3 Liter weniger als in der Vorjahresperiode. Gründe dafür sind auch Preissteigerungen und Inflation, viele Verbraucher trinken wegen explodierter Preise in der Gastronomie weniger Wein, dazu kommen aber auch neue Trends wie „Dry January“ – und Verteufelungskampagnen gegen Alkohol in Gänze.

Seit die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ungeprüft Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO übernahm, nach denen angeblich schon ein Tropfen Alkohol Krebs auslösen kann, ist auch Wein in den Negativstrudel geraten – dabei haben Wissenschaftler in Hunderten Studien nachgewiesen, dass gerade moderater Weinkonsum der Gesundheit ausgesprochen förderlich ist. Verbreitet werden die neuen Thesen dennoch, obwohl Experten von „Fake News“ und „Science Fiction“ sprechen – mehr dazu lest ihr hier bei Mainz&.

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Neue Werbekampagne soll Image des Kulturguts Wein heben

Nun sucht die Weinbranche nach neuen Wegen, den Verbrauchern das Kulturgut Wein und seine positiven Wirkungen wieder näher zu bringen. Ein Problem dabei: Die EU verbot vor einigen Jahren das Zeigen von Menschen, die mit Genuss und in geselligem Rahmen Wein trinken – angeblich fördere das Alkoholismus. Höchst erfolgreiche Werbekampagnen wie „Der Wein der Winzer“ von Rheinhessenwein konnten deshalb nicht mehr fortgesetzt werden – ein Mensch mit Weinglas in der Hand ist auf den Motiven seither tabu.

Karte der Barmer Krankenkasse zu Alkoholabhängigkeit in Deutschland. - Grafik: Barmer
Karte der Barmer Krankenkasse zu Alkoholabhängigkeit in Deutschland. – Grafik: Barmer

Fun Fact dabei: Laut aktuellen Zahlen der Barmer zu Alkoholabhängigkeit in Deutschland, gibt es die höchste Abhängigkeitsrate im Norden und Osten der Republik: Mecklenburg-Vorpommern liegt hier mit 23,1 Prozent ganz weit vorne, ganz weit hinten in der Skala liegen hingegen genau die Bundesländer, in denen Weinbau ein wichtiger Teil der Kultur ist: Hessen und Baden-Württemberg mit jeweils 12,8 Prozent – und Rheinland-Pfalz, das mit 12,4 Prozent die niedrigste Rate aller Bundesländern aufweist. Wo Wein ein Kulturgut ist, ist der Umgang mit dem Thema Alkohol offenbar deutlich besser im Griff als anderswo.

Nun soll eine neue Werbekampagne der darbenden Branche helfen: Entwickelt wird die derzeit im Deutschen Weininstitut (DWI) in Bodenheim bei Mainz, das DWI ist für die gesamte Weinwirtschaft zuständig für Werbung und Vermarktung. Die neue Kommunikationskampagne solle zur Image- und Absatzförderung des deutschen Weins beitragen, heißt es beim DWI, geplant sei „eine sogenannte 360-Grad-Kampagne, die einen ganzheitlichen Marketingansatz verfolgt, um Endverbraucher über attraktive Konsum- und Lifestylemomente zu erreichen.“

 

Land Rheinland-Pfalz und drei Partner: Zusammen eine Million Euro

Am Samstag kündigte nun die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) auf der Grünen Woche in Berlin Unterstützung an: Das Land Rheinland-Pfalz werden sich mit insgesamt einer Million Euro an der neuen Kampagne beteiligen – allerdings gemeinsam mit den Anbaugebieten Rheinhessen, Pfalz und der Mosel. Wie viele mittel dabei vom Mainzer Weinbauministerium kommen, und wie viele von den Gebietsweinwerbungen, die ihre Mittel von der Winzerschaft erhalten, sagten weder das DWI noch das Ministerium.

Werben gemeinsam auf der Grünen Woche für rheinland-pfälzische Weine: Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) und DWI-Geschäftsführerin Melanie Broyé-Engelkes. - Foto: DWI
Werben gemeinsam auf der Grünen Woche für rheinland-pfälzische Weine: Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) und DWI-Geschäftsführerin Melanie Broyé-Engelkes. – Foto: DWI

Eine Million Euro steuert zudem das Bundeslandwirtschaftsministerium bei, das hatte der neue Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) bereits vergangenen Herbst angekündigt. „Mit den bereitgestellten Mitteln von Bund und Land sowie unserem Budget bündeln wir Ressourcen und erzielen maximale Synergie-Effekte, mit denen wir die Wirkung der Kommunikationskampagne deutlich steigern können“, sagte DWI-Geschäftsführerin Melanie Broyé-Engelkes.

Schmitt wiederum hatte nach scharfer Kritik an ihrer Untätigkeit aus der Weinbranche sowie von der CDU-Opposition im August 2025 ein „Weinbaupaket 2025+“ angekündigt mit Maßnahmen zu Bürokratieabbau, einem „entschiedenen Kampf“ gegen amerikanische Strafzölle, Förderung von „Innovation und Wissenstransfer“ sowie eben von Marketingmaßnahmen zur Absatzförderung im Weinbau. „Die Weinbranche braucht jede Unterstützung, auch beim Weinmarketing“, sagte Schmitt – Rheinland-Pfalz wirbt derzeit in Berlin auf der Grünen Woche mit dem Motto „Rheinland-Pfalz – Paradies für Goldschlürfer“, mit exzellenten Weinen und Sekten – auch in alkoholfreien Varianten – sowie touristischen Attraktionen in den Weinbaugebieten. Der Gold-Slogan ist angelehnt an Rheinland-Pfalz Gold-Kampagne des Landes.

DWI-Kampagne soll in Supermärkten für deutsche Weine werben

Die Kampagne des DWI soll 2026 starten und gerade im Lebensmitteleinzelhandel dazu beitragen, dass mehr Kunden zu Weinen aus Deutschland, gerne auch aus Rheinland-Pfalz greifen. Der sinkende Weinabsatz mache es nötig, ganz gezielt auf die hervorragende Qualität und auch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis deutscher und vor allem rheinland-pfälzischer Weine hinzuweisen, betonte die Ministerin: „Jeder kann durch den Kauf von regionalem Wein die Branche und auch die eigene Region unterstützen.“

Weinregal im Edeka-Markt von Ralf Engelhard in Mainz-Finthen: Hier gibt's eine breite Auswahl von Weinen aus Rheinhessen. - Foto: gik
Weinregal im Edeka-Markt von Ralf Engelhard in Mainz-Finthen: Hier gibt’s eine breite Auswahl von Weinen aus Rheinhessen. – Foto: gik

Denn aktuell ist nicht einmal jede zweite in Deutschland gekaufte Weinflasche mit deutschem Wein befüllt – die Deutsche greifen gerade im Supermarkt lieber zu Weinen aus dem Ausland. „Der Kauf regionaler Weine ist eine große Chance, die Weinbranche in der eigenen Region zu unterstützen“, warb Schmitt: Sie „appelliere an die Verbraucher, und in diese Kerbe soll auch die neue Kampagne schlagen.“

Beim DWI heißt es derweil, eine Testkampagne sei bereits im Dezember 2025 im nordrhein-westfälischen Lebensmitteleinzel- und Weinfachhandel durchgeführt worden, die Ergebnisse flössen nun in die aktuelle Konzeption ein. Starten soll die neue Kommunikationskampagne dann im zweiten Quartal 2026, Zielgruppe sind vor allem die Verbraucher außerhalb der Weinbaugebiete. Testen können die Rheinland-Pfälzer das schon mal kommenden Donnerstag: Dann hat sich der Agrarausschuss des Deutschen Bundestags zum Standbesuch auf der Grünen Woche angesagt.

 

MERCOSUR-Abkommen: Chancen für deutsche Winzer?

„Ich freue mich, dass sich der Agrarausschuss des Bundestages mit einer großen, rund 40-köpfigen Delegation zum Standbesuch angekündigt hat“, sagte Schmitt. Es sei wichtig, dass auch auf Bundesebene die Bedeutung des Weins als Wirtschaftsgut, sowie für unsere Kultur und den Tourismus erkannt werde. „Für mich ist das ein Signal, dass nun auch in Berlin angekommen ist, welch großartiges Produkt wir mit unseren hervorragenden Weinen hier in Deutschland produzieren“, sagte die Ministerin weiter“, betonte Schmitt: „Wir müssen gemeinsam alles dafür tun, das Kulturgut Wein zu erhalten.“

Schmitt betonte, auch mit dem Freihandelsabkommen MERCOSUR zwischen der EU und Südamerika könnten sich international neue Chancen für den Weinexport von Rheinland-Pfalz ergeben – beispielweise nach Brasilien oder Argentinien, wo bisher hohe Zölle auf den Import deutscher Weine existierten. „In beiden Ländern sind mit einer wachsenden Mittelschicht gute Voraussetzungen für einen verstärkten Weinabsatz vorhanden“, Das Abkommen wurde am Samstag in Paraguay unterzeichnet, vor der Ratifizierung im EU-Parlament stehen allerdings noch kritische Debatten an.

Info& auf Mainz&: Mehr Zum Thema Krise im Weinbau sowie Forderungen aus der Weinbranche und der CDU-Opposition lest Ihr hier bei Mainz&, das Maßnahmenpaket der Mainzer Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) könnt Ihr noch einmal hier nachlesen. Und, ganz wichtig: Hier noch einmal unser Artikel zum Thema Fake News und Verteufelung in Sachen Alkohol – lesen!

Mainz& exklusiv: Verteufelungskampagne gegen Alkohol? Experte kritisiert Null-Promille-Diktat zu Weinkonsum: „Das ist Science Fiction“