Der aktuelle Wintereinbruch macht eine besondere Spezialität möglich: Bei Minusgraden von mehr als 8 Grad minus wurde in der Nacht zu Sonntag in Rheinhessen der erste Eiswein des Winters gelesen. Beim Weingut Bischofsmühle in Nieder-Olm seien tiefgefrorene Trauben der Rebsorte Souvignier Gris gelesen worden, berichtete das Deutsche Weininstitut am Samstagabend. Auch in anderen Weinanbaugebieten gelang die seltene Eisweinlese in dieser Nacht.

Es ist eine der frühesten Eisweinlesen in den vergangenen Jahren, sonst mussten die Winzer immer deutlich länger auf geeignete Temperaturen und Rahmenbedingungen warten. Eiswein muss nämlich laut gesetzlichen Vorgaben in gefrorenem Zustand geerntet werden, dafür braucht es Temperaturen von mindestens minus 7 Grad – in den vergangenen Jahre waren die Winter dafür oft zu warm gewesen. Im Jahrgang 2024 gelang die Eisweinlese erst Mitte Januar 2025, damals ernteten Winzer in einer eiskalten Vollmondnacht die ganz besondere Spezialität.
„Das Geheimnis des Eisweins liegt in der hohen Konzentration der Inhaltsstoffe gesunder Trauben“, weiß Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI) in Bodenheim bei Mainz. Dafür braucht es einen guten Gesundheitszustand der Trauben, das aber ist gar nicht so einfach: Je länger die Trauben am Stock hängen gelassen werden, umso größer sind die Gefahr von Krankheiten und Fäulnis. Deswegen ließen immer weniger Winzer in den vergangenen Jahren überhaupt geeignete Trauben in den Weinbergen hängen, weil das Risiko des Verlustes einfach zu hoch war – viele keltern aus den spät gereiften Trauben mit ihrem intensiven Aroma dann lieber edelsüße Beerenauslesen.
Pokerspiel Eisweinlese: mindestes -7 Grad, tiefgefrorene Trauben
Der Poker auf die Eisweinlese gleicht denn auch einem Hochrisikospiel – gelingt die Ernst, erwartet den Winzer und seine Kunden ein ganz besonderer Genuss: Eiswein hat einen unvergleichlichen Geschmack, der sich aus einer intensiven Süße, gepaart mit hoch konzentrierten Fruchtaromen und einer gleichzeitig lebendigen Säure auszeichnet – eine Spezialität, für die weltweit deutsche Winzer berühmt sind.

Das Geheimnis: Bei frostigen Minus-Temperaturen gefriert das Wasser in den Beeren und verbleibt zähflüssig in der Weinpresse – „von der Kelter tropft der Saft dann zuckersüß wie Honig“, erklärt Büscher. Moste mit derart hohen Zuckergehalten können von den Hefen nur sehr mühsam zu Wein vergoren werden. Dementsprechend haben Eisweine in der Regel sehr hohe natürliche Restzuckergehalte von weit über 100 Gramm pro Liter – bei vergleichsweise niedrigem Alkoholgehalt von etwa 7 Volumenprozent.
Das Ergebnis: ein intensiver, oft ein bisschen dickflüssigerer Most, der eine besonders dichte Konzentration der Beeren-Inhaltsstoffe und einen vergleichsweise hohen Säuregrad aufweist. Dank der frischen Fruchtsäure wirkt die Süße eben nicht aufdringlich, der Eiswein wird zum Hochgenuss. „Diese Spezialität ist immer wieder ein Meisterstück des Winzers, das nur in nördlichen Weinregionen produziert werden kann“, betont Büscher.
Eisweinlese in Rheinhessen, Franken, Pfalz und Bergstraße
Und genau das gelang nun in der Nacht zu Sonntag, und damit so früh im Jahr wie selten zuvor: Bei sternenklarer Nacht und Temperaturen von bis zu minus neun Grad gelang Weinerzeugern unter anderem in Rheinhessen, Franken, Sachsen, der Pfalz, an der Hessischen Bergstraße, und dem Anbaugebiet Mosel eine Eisweinlese, meldete das DWI am späten Samstagabend. In Franken erreichte dabei ein Silvaner stolze 197 Grad Oechsle.

In Rheinhessen begleitete das Weininstitut dabei das Weingut Bischofsmühle in Nieder-Olm: Hier wurde bei -8,1 Grad Eiswein der Rebsorte Souvignier Gris gelesen, einer pilzwiderstandsfähigen Rebsorte, die sich besonders gut für eine lange Hängezeit im Weinberg eignet. Das DWI schaute dabei Winzer Max Zimmermann beim nächtlichen Einsatz im eisigen Weinberg über die Schulter – das Video dazu findet Ihr hier auf Facebook.
Die Herstellung von Eiswein wird übrigens streng kontrolliert, die Weinkontrolle in Rheinland-Pfalz überprüft dabei, ob die Trauben auch wirklich in gefrorenem Zustand verarbeitet wurden, und mindestens 120 Grad Oechsle aufwiesen – das ist auch hinterher im Wein noch nachweisbar. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit einzelne Versuche zum Betrug mit der seltenen Spezialität gegeben – für die meisten Winzer ist eine ehrliche Herstellung indes Ehrensache: Ein gelungener Eiswein ist die Krönung einer Saison.
Info& auf Mainz&: Mehr zur Eisweinlese im Januar 2025 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen, die Infos vom DWI zur Eisweinlese im November 2025 findet Ihr hier.







