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Jahresarchive: 2019

Mainzer Krempelmarkt 2019 – die Termine – 16 Samstage ab dem 16. März – Keine telefonische Reservierung mehr

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Er ist nach wie vor der beliebteste Flohmarkt in der Region, und einer der größten und schönsten sowieso: der Mainzer Krempelmarkt ist Kult. Nun hat die Stadt Mainz die Termine für den Krempelmarkt 2019 bekannt gegeben: Los geht’s am Samstag, den 16. März 2019, ab dann kann wieder an 16 Samstagen am Rheinufer flaniert und gestöbert und das einmalige Flair genossen werden. Der Mainzer Krempelmarkt ist ausschließlich privaten Anbietern vorbehalten, professionelle Verkäufer müssen hier draußen bleiben – das macht die tolle Atmosphäre aus. Einige Neuerungen gibt es auch – Mainz& hat für Euch alle Infos und alle Termine des Krempelmarkts 2019. Achtung: Der Mai-Termin wird verlegt! Statt dem 11. Mai findet der Krempelmarkt nun am 4. Mai 2019 statt.

Der Mainzer Krempelmarkt im Mai 2018. – Foto: gik

Der Mainzer Krempelmarkt findet traditionell auf der Rheinuferpromenade zwischen Kaisertor und Rotem Tor statt, er gilt als einer der schönsten der Region. An jedem 1. und jedem 3. Samstag im Monat wird hier am Rheinufer geshoppt und verkauft. Allerdings litt der Markt 2018 unter einigen Problemen: Oft gab es zwischen den Ständen große Lücken, das schmälerte das Bummelvergnügen manchmal erheblich. Nicht immer waren Standverkäufer glücklich mit ihren Umsätzen, auch bereitete im trockenen Sommer 2018 die sandige Promenade den Verkäufern vielfach Probleme. Mit der Sanierung des Rheinufers und dem geplanten festeren Belag soll das besser werden – 2019 ist es aber noch nicht so weit.

Am 16. März startet der Krempelmarkt 2019 in die Saison, zweimal im Monat findet das Flohmarktvergnügen dann statt. Gleich im April gibt es eine Ausnahme: Wegen der Osterfeiertage gibt es hier nur einen Markt am 6. April. Dafür gibt es im Juni gleich drei Mal Krempelmarkt: am 1., am 20. und am 29. Juni. Der letzte Krempelmarkt 2019 findet dann am 2. November statt. Geöffnet hat der Krempelmarkt von April bis Oktober von 7.00 bis 16.00 Uhr und im März und November etwas kürzer von 9.00 bis 15.00 Uhr.

Hoch begehrt sind die Standplätze auf dem Markt: Ein Standplatz mit einer Frontlänge von vier Metern und einer Tiefe von 2,50 Metern kostet 25,- Euro. Wollt Ihr am Rheinufer, also in der Nähe des Standes parken, kommen noch 5,- Euro Parkgebühr hinzu. Das Befahren der Promenade zum Be- oder Entladen ist allerdings strengstens verboten. Im Kinderbereich zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Rotem Tor dürfen ausschließlich Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 bis einschließlich 14 Jahren am Krempelmarkt teilnehmen, sie zahlen nichts.

Lageplan Krempelmarkt am Rheinufer. – Grafik: Stadt Mainz

So begehrt sind die Stände auf dem Krempelmarkt, dass Ihr Euch nur für sechs Verkaufs-Termine pro Person anmelden könnt. Anträge für Stände können ab dem 04. Februar 2019 gestellt werden, und zwar ausschließlich schriftlich. Aus organisatorischen Gründen seien künftig keine telefonischen Reservierungen möglich, teilte die Stadt nun mit. Freie Standplatznummern könnt Ihr aber weiter per Telefon erfragen, heißt es auf der Homepage der Stadt Mainz. Anträge für einen Standplatz gibt es an der Rathauspforte, im Stadthaus sowie bei den Ortsverwaltungen, de ausgefüllten Antrag sendet Ihr an „80 – Amt für Wirtschaft und Liegenschaften“ der Stadt Mainz. Anträge können aber auch online abgegeben werden, den Link dazu findet Ihr auf dieser Seite.

Die Stadt weist zudem darauf hin, dass kein Anspruch auf Zuweisung oder Beibehaltung eines bestimmten Standplatzes besteht. Werde dem Antrag entsprochen, entfalle die Rückmeldung durch die Marktverwaltung, eine Rückmeldungen erfolge nur bei notwendigen Änderungen zum Antrag eines Wunschplatzes. Die Gebühr für einen Standplatz ist in bar auf dem Krempelmarkt, an der Kasse am Kaisertor, zu entrichten. Also dann – viel Spaß beim Stöbern und Verkaufen!

Info& auf Mainz&: Alle Informationen rund um Öffnungszeiten und Anträge, den Lageplan und die Marktsatzung, sowie den Link zur online-Anmeldung findet Ihr hier auf der Internetseite der Stadt Mainz. Wegen einer Veranstaltung am Rheinufer wurde der Mai-Termin eine Woche vorgezogen und findet nun am 4. Mai statt.

Und hier alle Termine für den Mainzer Krempelmarkt 2019:

  • 16. März 2019
  • 30. März 2019
  • 06. April 2019
  • 04. Mai 2019
  • 18. Mai 2019
  • 01. Juni 2019
  • 20. Juli 2019
  • 29. Juni 2019
  • 06. Juli 2019
  • 03. August 2019
  • 17. August 2019
  • 07. September 2019
  • 21. September 2019
  • 05. Oktober 2019
  • 19. Oktober 2019
  • 02. November 2019

 

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Citybahn soll einmal über die Große Bleiche rollen – Beteiligungsworkshops empfehlen Route durchs Bleichenviertel

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Die Citybahn in Mainz soll einmal über die Große Bleiche vom Hauptbahnhof zum Rhein rollen. So jedenfalls lautet die Abschlussempfehlung der Teilnehmer an den Beteiligungsworkshops zur Mitbestimmung in Sachen Citybahn in Mainz. Die Mehrheit der Teilnehmer habe sich am Ende für die Variante „Große Bleiche“ ausgesprochen, teilte die Mainzer Mobilität am Mittwoch mit. Diese sei die kürzeste Verbindung und werde zudem nicht dauernd durch Feste lahmgelegt. Die Entscheidung ist zunächst einmal nur eine Empfehlung, bindend ist sie nicht – die Entscheidung muss letztlich der Stadtrat treffen. Dennoch wiegt das Votum der Bürger und Experten schwer.

So könnte die Citybahn einmal über die Große Bleiche rollen – die Mitbestimmungsworkshops haben jedenfalls jetzt diese Variante empfohlen. – Visualisierung: Citybahn GmbH

Im September 2018 hatte die Mainzer Mobilität eine Workshopreihe gestartet, rund zwei Dutzend Anwohner, Geschäftsleute und Vertreter von Umweltverbänden, Verkehrsclubs und der Politik diskutierten ein Vierteljahr lang intensiv über eine mögliche Streckenführung in Mainz. Die Mainzer Mobilität ist selbst an der Citybahn GmbH beteiligt, die Stadtbahn soll einmal Mainz und Wiesbaden über die Theodor-Heuss-Brücke hinweg verbinden. Die Nachbarstadt Wiesbaden will mit der geplanten Straßenbahnlinie zwischen Wiesbaden und Mainz massive Probleme im öffentlichen Nahverkehr lösen und auch einen Beitrag zur Luftverbesserung erreichen. Dort ist die Bahn allerdings hochumstritten, eine Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren – der Ausgang ist völlig unklar.

In Mainz sieht man die Citybahn als Ergänzung zum bereits bestehenden Straßenbahnnetz, hier stellte sich vor allem die Frage, auf welcher Trasse die Citybahn von der Brücke aus zum Hauptbahnhof rollen soll: Zur Auswahl standen die Kaiserstraße, die Große Bleiche sowie die Ludwigsstraße. Zuletzt sei auch noch eine Variante über die Quintinsstraße und den Flachsmarkt zur Großen Bleiche diskutiert worden, sagte ein Sprecher. Vier Beteiligungsworkshops sollten es ursprünglich sein, am Ende wurden fünf daraus – die Beschäftigung mit den verschiedenen Streckenvarianten sei intensiv und fachkundig gewesen.

Von der Großen Bleiche würde die Citybahn dann direkt hinauf zur Alicenbrücke rollen und damit die jetzige Straßenbahntrasse zum Schillerplatz queren. – Fomontage: Citybahn GmbH

Die Debatte habe sich schnell auf zwei Strecken fokussiert: die Ludwigsstraße und die Große Bleiche. Die Ludwigsstraße wäre zwar die City-nahe Linienführung gewesen, gleichzeitig ballt sich hier aber schon jetzt der Busverkehr. Dazu ist „die LU“ die Festmeile von Mainz, eine Citybahn wäre hier alle paar Monate durch Fastnacht, Johannisnacht und weitere Großevents lahm gelegt worden. Mit der Großen Bleiche wiederum kann nun das Einkaufsviertel an diesem Ende der Innenstadt aufgewertet werden, zudem wäre die Citybahn dann besser für die Mainzer Neustadt erreichbar – einem Viertel mit vielen Studierenden.

„Es gab eine deutliche Mehrheitsmeinung für die Große Bleiche“, heißt es von der Mainzer Mobilität. Das Ergebnis der Beteiligungsworkshops werde man nun „an die Politik zurückspielen“. Die Bürgerbeteiligung hat formal keine bindende Wirkung, die Entscheidung fällt letztlich der Stadtrat. Doch auch Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) hatte bereits früh eine Strecke via Große Bleiche favorisiert – und es wäre ungewöhnlich, wenn der Stadtrat ein solches Bürgervotum ignorieren würde.

Info& auf Mainz&: Mehr über die Citybahn und die geplante Streckenführung in Mainz und Wiesbaden lest Ihr hier bei Mainz&, unseren Bericht über die erste Infomesse in Mainz und die Bürgerbeteiligung lest Ihr genau hier. Auf der offiziellen Citybahn-Internetseite genau hier findet Ihr weitere Informationen, zudem hat die Mainzer Mobilität mit dem „Babbel Mit“ am Schillerplatz einen Infoladen zu dem Projekt eingerichtet.

 

 

 

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Kanzlerin, Justiziarin, Staatssekretärin – Hessische Grüne nominieren Ayse Asar als Staatssekretärin – Deutsch-Türkin leitete Hochschule Rhein-Main

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Sie ist Volljuristin und Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, nun steht die Deutsch-Türkin vor dem ganz großen Karrieresprung: Ayse Asar soll neue Staatssekretärin im hessischen Wissenschaftsministerium werden. Die Grünen nominierten die Juristin,  die gerade einmal Anfang 40 ist, am Dienstag für den Posten. Ernannt wird Asar am kommenden Freitag bei der Regierungsbildung: Am 18. Januar konstitiuiert sich der hessische Landtag und wählt den Ministerpräsidenten, Volker Bouffier (CDU) steht vor der Fortsetzung seiner schwarz-grünen Koalition. Darin soll Asar nun Staatsekretärin werden – wir haben die beeindruckende Deutsch-Türkin im Juli 2018 getroffen und portraitiert. In unserem Gespräch damals spielten allerdings Parteizugehörigkeit und politisches Engagement keine Rolle. Asars Porträt ist auch Teil des neuen Buches „Starke Frauen“, das Ihr bei uns erwerben könnt.

Ayse Asar im Juli 2018 in der Bibliothek der Hochschule Rhein-Main. Die bisherige Kanzlerin soll neue Staatssekretärin im hessischen Wissenschaftsministerium werden. – Foto: gik

Nein, sagt Ayse Asar, und lacht: „Ich erfülle nicht ganz das klassische Bild eines gesetzten älteren Herren, wie man sich so einen Kanzler eben vorstellt.“ Schwarzes Kleid, schwarze Pumps, nein die dynamische Frau im Büro des Kanzlers der Hochschule Rhein-Main passt in kein Clichée. Mit gerade einmal 42 Jahren hat Ayse Asar ein steile Karriere hinter sich: Volljuristin, Justiziarin, Kanzlerin. Praktizierende Juristin wollte die Deutsch-Türkin aus Bad Schwalbach eigentlich werden, dann aber verliebte sie sich ins Wissenschaftsmanagement. Zwei Kinder hat sie, Elternzeit nahm sie nie – Asar ist eine Frau, die Brücken baut zwischen Welten und Kulturen.

Am Freitag wählt der Hessische Landtag in seiner konstituierenden Sitzung den Ministerpräsidenten, der neue ist auch der alte: Volker Bouffier. Der CDU-Bundesvize steht vor der Bildung seines zweiten schwarz-grünen Kabinetts, am Dienstag stellte er sein neues Kabinett vor. Bei den Landtagswahlen Ende Oktober 2018 war die CDU auf 27 Prozent abgerutscht, die Grünen hingegen auf 19,8 Prozent gestiegen – der Preis für eine Neuauflage der schwarz-grünen Koalition in Hessen: Die Grünen bekommen zwei Ministerien mehr. Zusätzlich zum Wirtschafts- und Umweltministerium halten sie nun mit dem Sozialministerium und dem Wissenschaftsministerium gleich vier Ressorts. Eine der wenigen Überraschungen am Dienstag: Ayse Asar soll der neuen grünen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, als Staatssekretärin zur Seite stehen.

Bislang war Asar Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und damit Verwaltungschefin über 13.000 Studierende und knapp 800 Beschäftigte, samt einem Etat von mehr als 70 Millionen Euro im Jahr. „Herausragender Mensch mit Migrationshintergrund“, mit diesem Preis wurde sie im Juni 2018 vom Land Hessen ausgezeichnet. Man möchte sagen: Wie passend.

„Ich mochte es immer, Argumente auszutauschen“, erzählt Asar, als wir uns im Juli 2018 in ihrem Büro in der Hochschule Rhein-Main treffen. Anwältin wollte sie schon früh werden, am liebsten im internationalen Kontext. „Bei Türken ist es ganz häufig so, man wird entweder Arzt, Jurist oder Ingenieur“, erzählt die Deutsch-Türkin. In Gießen und Köln studierte Asar Jura, machte in London ihren Master of Law, absolvierte eine Praktikum in Istanbul, arbeitete vier Monate in einer internationalen Kanzlei in Ankara.

Dann suchte man an der Frankfurter Goethe-Universität eine Juristin, die internationale Verträge prüft, Asar bewarb sich. „Ich wollte maximal ein Jahr im öffentlichen Dienst arbeiten“, erzählt sie, und lacht, eine Verbeamtung lehnte sie ab – es gab da ja auch Angebote von Großkanzleien. „Dann habe ich festgestellt, wie spannend Hochschulen und Wissenschaftsmanagement sind“, sagt sie. In Frankfurt sah man ihr Potenzial, Hochschulpräsident Rudolph Steinberg band sie ein in die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftungsuniversität. „Das war für mich eine spannende Zeit“, sagt Asar.

Vom Hochschul-Schreibtisch in die Politik: Ayse Asar, Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main, wechselt als Staatssekretärin in die Politik. – Foto: gik

Zwölf Jahre blieb sie am Ende an der Frankfurter Universität, wurde Referentin des Kanzlers, Justiziarin, Leiterin der Präsidialabteilung, am Ende gar Vizekanzlerin. Auf Vorschlag bewarb sie sich als Kanzlerin für die Universität in Halle – und wurde prompt genommen. „Ich bin mutig, ich sage eigentlich nie Nein“, sagt Asar, doch diesem Schritt stand die Familie entgegen: Asar lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Rhein-Main-Gebiet. Stattdessen wurde sie im Oktober 2015 Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main, der früheren „Fachhochschule“, in Wiesbaden.

„Wir haben einen ganz wichtigen gesellschaftlichen Auftrag“, sagt Asar: „60 Prozent unserer Studierenden haben keinen Akademikerhintergrund, auf den Unis haben das nur 20 Prozent.“ Sie selbst kommt nicht aus einer Akademikerfamilie, ihre Eltern waren türkische Gastarbeiter aus Kapadokien, die bei Black & Decker in Idstein arbeiteten. Ayse wurde in Bad Schwalbach geboren, wuchs in Idstein auf und ging dort zur Schule.

„Für meine Eltern war Bildung immer schon ganz wichtig“, sagt Asar, „Bildung ist ganz klar der Schlüssel für Integration.“ Drei weitere Schwestern und einen Bruder hat sie, alle haben studiert. „Ich hatte immer das Glück, dass ich eine tolle Familie habe“, sagt Asar. Die Mutter half bei der Betreuung ihrer Kinder, sie habe nie Elternzeit genommen, erzählt Asar, „interessanterweise ist die Rollenverteilung in der Türkei weniger streng.“

An der Hochschule habe ihre türkische Herkunft nie eine Rolle gespielt, sagt Asar. „Ich bin Muslimin, das ist Teil meiner Identität und Herkunft“, betont sie. In Frankfurt gründete sie das „Haus der Stille“ mit, ein Haus des interreligiösen Dialogs auf dem Campus. Als Amtsträgerin einer Hochschule habe sie neutral zu sein, betont Asar. Junge Migranten zu ermutigen, die Chancen von Stipendien, Austausch- und Mentorenprogrammen mehr zu nutzen, das ist ihr wichtig.

Probleme, als Chefin akzeptiert zu werden, habe sie nie gehabt, erzählt Asar, auch nicht, wenn sie Sanierungspläne an der Hochschule durchsetzen musste. Gerade entwickelt sie die städtebauliche Rahmenplanung für den neuen Zentralcampus der Hochschule in Wiesbaden und realisiert das 32 Millionen Euro teure neue Lehr- und Lernzentrum. „Frauen können so viel“, sagt sie noch, „Dinge bewegen, Dinge umsetzen, das können Frauen.“

Info& auf Mainz&: Das Porträt von Ayse Asar ist Teil des neuen Buches von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein: „Starke Frauen Portraits“ ist gerade Ende Dezember 2018 im Axel Dielmann-Verlag Frankfurt erschienen und enthält 30 Porträts spannender, starker, faszinierender Frauen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet – darunter auch Margit Sponheimer, Woody Feldmann, Anja Gockel, Theresa Breuer und viele mehr. Das Buch hat 196 Seiten und ist für 18,- Euro zu haben – entweder Ihr bestellt es in der Buchhandlung Eures Vertrauens oder hier beim Axel Dielmann-Verlag. Ihr könnt natürlich auch uns eine Email schicken, wir leiten das dann gerne weiter.

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„Partei ergreifen“ – 45. Open Ohr 2019 diskutiert an Pfingsten über Sinn und Versagen politischer Parteien und neue Beteiligungsformen

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Open Ohr 2017: Tolle Experten, wenig los beim Eröffnungspodium - Foto: gik

Das 45. Open Ohr Festival wird grundsätzlich: „Partei ergreifen“ lautet das Motto des Jahres 2019, und dieses Mal setzt das politische Jugendkulturfestival die Diskussions-Axt an den Wurzeln unserer Demokratie an. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Frage, ob politische Parteien noch zeitgemäß sind, welches ihre Rollen und Aufgaben sind – und wie andere Beteiligungsformen in der Demokratie aussehen könnten. „Wir fragen uns, ob unsere Parteien ihrem gesellschaftlichen und politischen Auftrag nachkommen“, sagt Nine Wolny von der Freien Projektgruppe, die das jeweilige Thema des Open Ohrs setzt. Damit setzt das Open Ohr 2019 nach Moderner Sklaverei, Heimat und Flüchtlingen die Reihe hoch-politischer Themen fort und spricht im Wahljahr 2019 ein zentrales Thema an, das auch viel mit Politikverdrossenheit zu tun hat.

Diskutieren, positionieren, einmischen: das Open Ohr 2019 widmet sich dem hochaktuellen Thema, ob unsere politischen Parteien noch zeitgemäß sind. – Foto: gik

Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie, die politischen Parteien sind darin ein zentraler Baustein: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, heißt es in Artikel 21 des Grundgesetzes. In der parlamentarischen Demokratie sind sie die Träger des Willen des Volkes, sie sollen alle Gesellschaftsschichten abbilden und den Willen der Menschen in den Parlamenten in Gesetze und Regierungshandeln umsetzen. Kurz: die politischen Parteien sind die Repräsentanten des Volkes – doch wie gut erfüllen sie diese Funktion eigentlich noch? Postenschacherei, Kungelei in Hinterzimmern, Lobbyismus und Fraktionszwang sind Gründe, warum sich viele Menschen von den politischen Parteien abwenden – und zunehmend auch gleich von der parlamentarischen Demokratie.

Genau diesem Themenkomplex widmet sich an Pfingsten das Open Ohr 2019: Ohne Parteien sei das politische System der Bundesrepublik „bisher nicht vorstellbar“, heißt es von der Freien Projektgruppe. Das Festival wolle „einen Diskurs initiieren, ob Parteien heute noch die bestimmenden Orte für politische Diskurse aus dem Herzen der Gesellschaft sind, obwohl sie scheinbar keine trag- und zukunftsfähigen Konzepte für anstehende Herausforderungen anbieten.“ Und so soll auf dem Festival über Probleme wie mangelnde Identifikationsmöglichkeiten mit Parteiprofilen geredet werden, soll das Funktionieren unseres Parteisystems durchleuchtet und seine Schwächen aufgezeigt werden.

Denn das Vertrauen in die Parteien und ihre Politiker schwinde, negative Schlagzeilen hinterließen den Eindruck, dass Politiker ihrer eigentlichen Verantwortung gar nicht mehr nachkämen – das Misstrauen wachse, ob Politiker überhaupt noch dem Gemeinwohl und ihren Wählern verpflichtet seien „oder viel mehr den Parteiinteressen, dem eigenen Machtstreben oder Lobbyisten dienen“, heißt es im Thesenpapier zum Open Ohr 2019. „Politische Visionen, leidenschaftliche Kampfansagen und waghalsige Reformvorschläge im Interesse der eigenen Parteibasis finden sich heute eher vereinzelt“, klagt die Projektgruppe.

Werden die politischen Parteien und ihre Politiker zu Rohrkrepieren? Das fragten auch die Mainzer Narren auf diesem Motivwagen 2018…. – Foto: gik

Kurz: die Parteien seien in der Krise, die Individualisierung der modernen Gesellschaft destabilisiere das Großparteiensystem. Fraglich sei deshalb, ob das repräsentative Parteiensystem in der benannten pluralisierten Gesellschaft „eine adäquate Repräsentation der Interessen und Bedürfnisse des „Volkes“ ermöglicht“, fragt das Thesenpapier weiter. Viele Bürger fühlten sich inzwischen vom politischen System ausgeschlossen und suchten ihr verloren geglaubtes Mitbestimmungsrecht auch in rechten Bewegungen.

„Die Stellung der Parteien als Vermittler zwischen Staat und Bevölkerung wird in Frage gestellt und schürt so demokratiegefährdende Momente“ – die Parteien würden zum Risikofaktor. Die Wähler sähen ihre Interessen nicht mehr hinreichend vertreten, politische Entscheidungen schienen nicht mehr durch sie getroffen zu werden. „Wenn Parteien nicht mehr in der Lage sind Entscheidungen im Sinne der Wähler zu treffen, Willensbildung und politische Teilhabe zu fördern, verlieren sie ihre Legitimation“, warnt die Projektgruppe.

Aber das Open Ohr wäre nicht das Open Ohr, wenn es rein destruktiv bliebe: auf dem letzten verbliebene politischen Jugendkulturfestival der Republik wird immer auch nach Lösungen gesucht. Mögliche Weiterentwicklungen stehen deshalb ebenfalls im Fokus: „Wir möchten über neue Beteiligungsformate und Räume für politischen Diskurs jenseits von Parteibüchern nachdenken, die vielleicht auch einen institutionalisierten Platz in unserer Demokratie eingeräumt bekommen könnten“, sagt Konrad Herfurth von der Freien Projektgruppe. Gemeinsam wolle man erkunden, wie Bürger auch abseits von Parteibüchern für eine Sache Partei ergreifen können.

Wie gut bilden unsere Parteien in den Parlamenten – hier der Mainzer Landtag – noch den Willen des „Volkes“ ab, fragt das Open Ohr 2019. – Foto: gik

„Brauchen wir eine neue demokratische Kultur ohne das gewohnte Parteiensystem?“, fragt die Projektgruppe deshalb in ihrem Thesenpapier. Es müsse die Frage gestellt werden, ob Parteien immer noch der beste Ort für einen politischen Diskurs seien, ob sie noch immer die Basis neuer Ideen und visionärer Veränderungsbewegungen sein könnten – bisher jedenfalls würden zentrale Zukunftsthemen wie Klimawandel, Armut, Mietpreise, Pflege oder Asylpolitik von den Parteien nur unzureichend gelöst.

„Wir sind überzeugt: Ohne unsere aktive Beteiligung bleibt Demokratie eine leere Hülse“, heißt es im Thesenpapier weiter: „Als Bürger ist es unsere Aufgabe mitzureden, mitzugestalten, mitzudenken. Lasst uns Partei ergreifen für die Demokratie, verteidigen wir sie – mit oder ohne Hilfe der Parteien.“

Info& auf Mainz&: Das 45. Open Ohr findet wie immer an Pfingsten auf der Zitadelle in Mainz statt, in diesem Jahr ist das vom 7. bis 10. Juni 2019. Der Vorverkauf hat bereits begonnen, Dauerkarten zum Preis von 36,20 Euro können online oder über die bekannten Vorverkaufsstellen gekauft werden. Inklusive vier Tage Zeltplatz kostet die Dauerkarte 56,- Euro. Tageskarten gibt es nur an der Festivalkasse vor Ort, sie sind erfahrungsgemäß schnell vergriffen. Kosten: Freitag, Samstag, Sonntag jeweils 23,- Euro, am Montag 11,- Euro. Alle Informationen zum 45. Open Ohr 2019 findet Ihr auf dieser Homepage, zum spannenden Thesenpapier geht es genau hier. Mehr zum Kultur- und Musikprogramm des Open Ohr gibt’s auf einer Pressekonferenz im Mai oder fortlaufend über die Homepage.

 

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12. Mainzer Museumsnacht findet erst 2020 statt – Stadt verschiebt Kulturevent, weil Naturhistorisches Museum und RGZM sonst nicht dabei wären

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Die Mainzer Museumsnacht ist eines der absoluten Highlights des Mainzer Kulturkalenders, 2019 wäre es eigentlich wieder so weit gewesen. Nach zwei Jahren hätte im Juni die 12. Mainzer Museumsnacht angestanden. Doch daraus wird nichts: Die 12. Mainzer Museumsnacht werde auf 2020 verschoben, teilte die Stadt am Montag mit. Der Grund sind Umzüge und Bauarbeiten in gleich zwei großen Museen: dem Naturhistorischen Museum und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM). Damit hätten zwei wichtige Pfeiler der Mainzer Museumsnacht nicht an der Museumsnacht teilnehmen können, sagte Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD).

Die Mainzer Museumsnacht 2017, hier im Innenhof des Mainzer Landesmuseums, wo auch die Abschlussparty stattfand. – Foto: gik

Das Naturhistorische Museum in Mainz schloss im November 2018 seine Türen, das Museum wird grundlegend umgebaut. Teile wie der neue Lichthof sind bereits fertig, derzeit findet die Umgestaltung der Ausstellung statt – das Museum soll moderner, spannender und noch vielfältiger werden. Eigentlich sollte der Umbau bis Sommer 2019 fertig sein, für die Museumsnacht im Juni wurde das aber offenbar zu knapp.

Dazu kommt der bevorstehende große Umzug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums: Für das Antikenmuseum mit seinen renommierten Werkstätten entsteht derzeit am Südbahnhof ein komplett neuer Gebäudekomplex, die Eröffnung ist für 2020 geplant. Seit Monaten bereitet sich das Museum aber bereits auf den Umzug vor, werden Exponate verpackt und Kisten zwischengelagert.

Logo der Mainzer Museumsnacht seit 2015: Die (Nacht-)Eule. – Grafik: Stadt Mainz

Beide Museen könnten nach derzeitigem Stand „nicht an einer Museumsnacht 2019 teilnehmen“, sagte Grosse am Montag. Beide seien aber „wichtige Pfeiler im Programm“ der langen Kulturnacht. „Eine Mainzer Museumsnacht ohne alle großen Museen entspricht nicht unseren Vorstellungen von einer starken und den Erwartungen der Besucher entsprechenden Veranstaltung“, sagte Grosse. Deshalb habe sich die Stadt entschieden, die Museumsnacht um ein Jahr zu verschieben.

Nun soll die 12. Ausgabe des sehr beliebten Kulturevents am 6. Juni 2020 stattfinden, dann „in gewohnter Teilnehmerstärke und inhaltlicher Vielfalt“, betonte Grosse. Bei der Mainzer Museumsnacht öffnen am Samstag nach Pfingsten mehr als 40 Institutionen aus Kultur- und Museumslandschaft ihre Tore bis Mitternacht, mehrere Tausend Besucher nutzen jedes Mal das Angebot zum Flanieren und Entdecken.

Die Mainzer Museumsnacht folge ganz der ursprünglichen Idee eines in ganz Europa durchgeführten Konzepts, Besucher zu ungewöhnlichen Zeiten in Ausstellungen, Sammlungen und Projekte zu locken. In Mainz seien die fünf großen Museen „der Markenkern“, betonte Grosse: Gutenberg-Museum, das Naturhistorische Museum, das Landesmuseum, das Römisch-Germanische Zentralmuseum und das Museum für Antike Schifffahrt.

Info& auf Mainz&: Einen Rückblick auf die Mainzer Museumsnacht 2017 könnt Ihr hier bei Mainz& lesen. Seit der 10. Mainzer Museumsnacht 2015 ist die Eule das Wappentier des Kulturnacht, mehr dazu lest Ihr hier.

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Großer Auftritt im Berliner Adlon: Mainzer Designerin Anja Gockel stellt am Dienstag neue Kollektion Thea vor – Mode für die Göttin in uns

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Ihre jüngste Sommerkollektion hieß „Eve“, nun folgt „Thea“: Am heutigen Dienstag stellt die Mainzer Modeschöpferin Anja Gockel im Berliner Hotel Adlon ihre neue Kollektion vor. Und die hat die Mainzerin schlicht nach dem Höchsten benannt: „Thea“, griechisch für Göttin. „Ich finde, wir Frauen haben etwas Göttliches, eine besondere Begabung, die andere nicht haben“, sagte Gockel im Gespräch mit Mainz& drei Tage vor der Premiere – und dieses Göttliche in jeder Frau will sie mit ihren Kleidern sichtbar machen. Ihre Modenschau findet im Rahmen der Berliner Fashion Week statt, seit Montag hat Gockel ihren Showroom eröffnet – im Wintergarten des Adlon. Am heutigen Dienstag steigt dann im Foyer die große Modenschau – auf den sozialen Netzwerken könnt Ihr die live mitverfolgen.

Anja Gockel mit Models im Foyer des Berliner Hotel Adlon bei ihrer Fashion Show 2018 mit der Sommerkollektion „Eve“. – Foto: Anja Gockel

Seit 20 Jahren gehört Anja Gockel zu den deutschen Größen der Modewelt, die Berliner Fashion Week gehört da natürlich zu den Topterminen. Doch 2017 schaffte Gockel es, der Welt des Glamours noch ein besonderes Highlight hinzuzufügen: Ihre Modenschau fand im Foyer des weltberühmten Hotel Adlons statt, zum ersten Mal in dessen 110-jähriger Geschichte. Der Erfolg bescherte Gockel einen exklusiven Zwei-Jahresvertrag mit dem Adlon, am heutigen Dienstag ist es wieder so weit: 17 Models werden 51 neue Outfits aus Gockels Kreativwerkstatt präsentieren, „wir sind hoffnungslos überbucht“, sagt Gockel.

Gezeigt werden brandneue Modelle der Winterkollektion 2019/2020, die erst im August in die Geschäfte kommen wird. Die Entwürfe seien sehr selbstbewusst, spielten mit weiten, sichtbaren Silhouetten, verriet Gockel Mainz& schon einmal vorab: „Es ist ein Spiel der Gegensätze.“ Feminine, figurbetonte Schnitte würden neben fließende, oben enge und unten weit ausfallende A-Silhouetten gestellt. „Wir spielen zwischen der ganz schmalen und der ganz weiten Silhouette“, sagte Gockel. Fluffige Materialien für federleichte Mäntel seien dabei, aber auch Elemente aus Cashmere. Die Hosen seien aus fließendem, weiten Material, ähnlich wie Fliegerseide, und immer mit einer Elastizität, „damit man sich perfekt bewegen kann.“

Gockels Mode ist eine Mode für selbstbewusste Frauen, ihre Kollektionen benennt sie immer nach starken Frauen. Im Winter 2018 war es die afro-amerikanische Bürgerrechtlerin und Lyrikerin Maya Angelou, ihre Kollektion hieß nach einem der berühmtesten Gedichte Angelous „Phenomenal Woman – Phänomenale Frau.“ Die Sommerkollektion 2019 nannte Gockel schlicht „Eve“. „Eve heißt das Leben“, erklärte Gockel ihre Wahl, „sie zeichnet aus, dass sie dem Leben wahnsinnig zugewandt ist und die Weiblichkeit zelebriert.“ Das will auch Gockel mit ihren Entwürfen und Schnitten, gleichzeitig kommen ihre Modestücke oft sogar eher klassisch daher – allerdings immer in kräftigen, ausdrucksstarken Farben. „Eve“ stand denn auch für „Empower, Vision und Equality“, also für „Stärke, Vision und Gleichheit“.

Großer Bahnhof im Berliner Hotel Adlon bei Anja Gockels Fashion Show 2018 mit der Sommerkollektion „Eve“ – hier die Designerin selbst auf dem Laufsteg. – Foto: Anja Gockel

Am Dienstag ist nun bereits die Winterkollektion 2019/2020 zu sehen, die Botschaft der „Thea“ lautet: „Seid göttlich in dem, was Ihr besonderes könnt“, sagte Gockel. Frauen hätten etwas Göttliches, eine besondere Begabung, nur machten sie leider oft wenig daraus. „Die Göttinnen der Antike waren auch die Göttin der Jagd oder Göttin der Schönheit oder Göttin der Fruchtbarkeit, die haben auch nie behauptet, dass sie alles können“, erklärte Gockel, „sie waren eben die Göttin in dem einen Bereich.“

Und das gelte doch heute genauso: „Wenn wir sagen würden, ich bin die Göttin der Kommunikation, mach Du Dein Handwerk“, das sei doch das Gleiche, findet die Designerin und fordert: „Es sollte jeder den anderen für seine Begabung loben und lieben .“ Als Symbol dafür werden neben den professionellen Models vier Protagonistinnen aus dem normalen Leben über Gockels Laufsteg laufen: Die Autorin und Influencerin Marie von den Benken, die Weitsprung-Olympionikin Alexandra Wester, eine Klempnerin sowie die Erbin Paula Schwarz. „Ich zeige die Göttin des Olymps und gleichzeitig die Göttin der Erde“, sagte Gockel, „und so, wie die Göttinnen verschieden sind, sind auch die Schnitte verschieden.“

Info& auf Mainz&: Die große Anja Gockel-Show im Hotel Adlon wird am Dienstag, um 17.00 Uhr, auch live ins Internet gestreamt und ist bei „Anja Gockel“ auf Facebook und Instagram zu sehen. In Mainz wird die neue Kollektion dann Mitte März zu sehen sein, für die Modenschauen am 15.-16. März kann man sich jetzt schon anmelden – am besten genau hier bei Anja Gockel im Internet. Ihren Anja Gockel-Shop findet Ihr übrigens ebenso wie ihre Werkstätten in der Alten Patrone am Judensand, dort kann man Gockels Kleider bestaunen, anprobieren und sich anpassen lassen. Ihre Modelle kosten zwischen 300,- und 500,- Euro das Stück, auch weil Gockel in Deutschland fertigen lässt.

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Mit „Konfetti in der Blutbahn“ sicher durch die närrischen Tage: Mainzer Polizei startet neue Sicherheitskampagne für Respekt – Kein Alkohol am Steuer

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In Mainz kennt diesen Hit jeder, nun könnte er auch landesweit für Furore sorgen: „Ich hab Konfetti in der Blutbahn, und mein Schlachtruf heißt Helau!“, heißt ein Song des Mainzers Oliver Mager. Nun wird daraus eine Kampagne der rheinland-pfälzischen Polizei: Mit dem Slogan „Konfetti in der Blutbahn“ will die Polizei landesweit dafür werben, an Fastnacht das Auto stehen zu lassen, aber auch insgesamt mehr Respekt und Miteinander im täglichen Umgang walten zu lassen. 80 Mainzer Fastnachtsvereine machen bereits mit, es geht auch um Grenzen gegen Übergriffe, Gewalt und nächtliches Grölen. „Konfetti in der Blutbahn“ löst damit die alte Polizeikampagne „Ohne Führerschein ist das ganze Jahr Aschermittwoch“ ab.

Konfetti in der Blutbahn statt Alkohol, fröhlich feiern, aber Grenzen respektieren – mit dieser neuen Kampagne wirbt die Mainzer Polizei an Fastnacht. Und Oliver Mager persönlich pustet ins Röhrchen… – Plakat: Polizei Mainz

„Die fünfte Jahreszeit ist in Rheinland-Pfalz ein ganz, ganz wichtiges Ereignis“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag in Mainz, das unbeschwerte Fastnacht-Feiern sei ein wichtiger Teil der Kultur im Land. Gleichzeitig bedeutet Fastnacht aber auch Großeinsatz für die Polizei: 778 Fastnachtsveranstaltungen wurden in der Kampagne 2018 begleitet, 4.188 Polizeibeamte waren dabei eingesetzt. Sie führten unter anderem 5.142 Personenkontrollen durch, und machten dabei 691 alkoholisierte Jugendliche ausfindig.

Sorgen machen den Beamten aber auch steigende Zahlen bei den Körperverletzungen, 568 waren es 2018, 611 Platzverweise wurden ausgesprochen. Und bei Autokontrollen wurden in 92 Fällen Blut abgenommen, 46 Mal Führerscheine sichergestellt. Mit der neuen Kampagne wolle die Polizei nun landesweit darauf aufmerksam machen, „Vorsicht: Auto und Alkohol gehen nicht zusammen, Aggressionen und Gewalt werden nicht akzeptiert“, sagte Lewentz. Besonders gut an der Mainzer Kampagne habe ihm die positive Herangehensweise gefallen: „Feiern soll sein an Karneval“, sagte Lewentz, die Polizei wolle keine Front zu den Feiernden aufbauen, sondern Anstöße geben und Nachdenken befördern.

Die Mainzer kennen die Plakate schon: Eine Polizistin hat darauf – genau! – Oliver Mager zum Pusten gebeten, der aber kontert mit „Konfettti in der Blutbahn“ – genau so beschreibt es eine Strophe in dem Fastnachtshit: „Samstagnacht, es kontrolliert die Polizei, ich puste ins Röhrchen den Narhallamarsch“, heißt es da, und natürlich hat der Narr Null Promille, denn: Weil Mainzer Konfetti in der Blutbahn haben, brauchen sie gar keinen Alkohol zum Närrisch-Sein.

Hatten sich zur Präsentation der neuen Kampagne närrische Verstärkung geholt: Innenminister Roger Lewentz (ganz links), Oliver Mager (3.v.links) und Polizeipräident Reiner Hamm (2.v. rechts). – Foto: gik

Entwickelt wurde die Kampagne natürlich im Polizeipräsidium Mainz. 30 Jahre lang lautete hier das Motto „Ohne Führerschein ist das ganze Jahr Aschermittwoch.“ Zuletzt habe man aber gemerkt, „dass das nicht mehr wirklich funktioniert“, sagte der Chef der Kommunikation, Rinaldo Roberti. Die alte „Garderobenstrategie“, also das Verteilen von Flyern an den Garderoben vor den Veranstaltungen, sei „ein Stück weit passé“, man habe etwas gesucht, was besser im Gedächtnis bleibe. Magers Hit kam da gerade Recht.

Bei der neuen Kampagne gehe es aber insgesamt um das Thema „‚Respect the Limit‘, oder ‚Respektiere Grenzen'“, sagte der Mainzer Polizeipräsident Reiner Hamm. Dazu gehöre auch die Frage, was noch ein Flirt sei, und wo Belästigung beginne, was noch Spaß sei, und wo die Lärmbelästigung anfange. „Muss ich wirklich nachts um halb vier noch mal lautstark das Fastnachtslied auf der Straße anstimmen, wenn die Nachbarn früh zur Arbeit müssen?“, nannte Hamm ein Beispiel.

Das Motto der neuen Kampagne soll nun mit Hilfe von Plakaten, Ansteckpins und kleinen Visitenkarten verbreitet werden, in Mainz machen bereits mehr als 80 Fastnachtsvereine mit. Am 11.11. spielte die Mainzer Polizei die neue Kampagne bereits intensiv über die sozialen Netzwerke, auf den kleinen Visitenkarten stehen auch Hinweise wie: „Sollen wir uns zusammen ein Taxi nehmen?“ Das Motiv der Kampagne kann im Internet heruntergeladen werden, die Kosten für die Kampagne – rund 6.000 Euro – übernimmt das Land. Der große Vorteil des Liedes sei, dass es auf Hochdeutsch sei und damit überall verstanden werde, sagte Roberto noch, „und wenn man das Motto singen kann – umso besser.“

Info& auf Mainz&: Die Motive zur Kampagne „Konfetti in der Blutbahn“ findet Ihr hier im Internet bei der rheinland-pfälzischen Polizei zum Download. Und wenn Ihr Oliver Magers Hit noch einmal anhören möchtet – bitteschön: 2017 sang Oliver Mager „Konfetti in der Blutbahn“ live bei der „Stehung“ – und wir waren dabei. Unser Video davon findet Ihr hier im Mainz&-Youtube-Kanal.

 

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Nachtflugverbot in Frankfurt franst aus: 2018 negatives Rekordjahr mit 1.098 nächtlichen Verspätungslandungen nach 23.00 Uhr

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Es war eines der Top-Ärgernisthemen des Jahres 2018: Immer wieder brummten nach 23.00 Uhr Flieger über Mainz und Rheinhessen in Richtung Frankfurt, obwohl sie eigentlich nach 23.00 Uhr gar nicht landen durften. Sie taten es trotzdem: 1.098 nächtliche Verspätungslandungen nach 23.00 Uhr zählte das Hessische Verkehrsministerium nun in einer Jahresstatistik zusammen. Hauptverursacher: die irische Billigfluglinie Ryanair, die im Jahresschnitt für und 30 Prozent aller Verspätungslandungen verantwortlich war. Doch auch Condor, Lufthansa und TUIfly mischten fleißig mit. Die gute Nachricht: Im Dezember gingen die Verspätungen deutlich zurück auf „nur“ noch 22 Verspätungslandungen. Zu den 2018 eingeleiteten 160 Verfahren gegen Piloten der verspäteten Maschinen gibt es unterdessen kein einziges Ergebnis.

Wenn es Nacht wird über Frankfurt, kehrt am Himmel noch lange keine Ruhe ein…. – Foto: gik

„Man möchte meinen, Ryanair und Co. haben den Schuss immer noch nicht gehört, offenbar prallt die Kritik wegen des unnötig verursachten Lärms an ihnen einfach ab“, schimpfte die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) angesichts der verheerenden Bilanz des Jahres 2018: 1.098 Verspätungslandungen, im Jahr davor waren es noch 775 gewesen. Trauriger Höhepunkt: der Juni mit 203 Verspätungslandungen, aber auch Mai (185), Juli (159) und August (124) schlugen mit erheblichen Mengen zu Buche. Das sei ein „neuer, sehr trauriger Rekord“ beim Bruch des Nachtflugverbots, kritisierte Rößner auf Anfrage dieser Zeitung.

Das sei ein „untragbarer Zustand, der abgestellt werden muss“, schimpfte die Chefin der Linksfraktion im hessischen Landtag, Janine Wissler. Die Fluggesellschaften müssten endlich dazu gebracht werden, die 23-Uhr-Deadline ernst zu nehmen, das Nachtflugverbot dürfe nicht weiter „ausfransen“. Eigentlich dürfen Flugzeuge am Frankfurter Flughafen zwischen 23.00 Uhr und Mitternacht nur in Notfällen landen, das so genannte Nachtflugverbot war das wichtigste Zugeständnis an die Region für den Ausbau des Flughafens mit der Nordwestlandebahn. Doch seit der Flughafenbetreiber Fraport sein Geschäft für Billigfluglinien öffnete, explodierte die Zahl der Verspätungslandungen.

Mit diesem Plakat rief die Mainzer Initiative gegen Fluglärm im September zur Montagsdemo am Frankfurter Flughafen auf.

Unrühmlicher Spitzenreiter bei den verursachenden Airlines war 2018 denn auch die irische Billigfluglinie Ryanair: Die Iren waren im Jahresschnitt für 31 Prozent der verspäteten Landungen nach 23.00 Uhr verantwortlich. Nach einer Auswertung des Internetportals Airliners sorgte Ryanair im Januar 2018 gar für fast 60 Prozent der Verspätungen, im April waren es 50 Prozent und im Dezember noch immer 27,3 Prozent. Aber auch andere Airlines sorgten für Lärm in der Nacht: Der Ferienflieger Condor verursachte 19,6 Prozent der Verspätungslandungen, die Lufthansa 16 Prozent und der Billigflieger TUIfly 11,2 Prozent.

Das Hessische Verkehrsministerium wirft denn auch besonders diesen Fluglinien vor, die Verspätungen durch zu eng getaktete Flugpläne zu verursachen oder billigend in Kauf zu nehmen. Insgesamt 160 Verfahren wurden deshalb beim Regierungspräsidium Darmstadt 2018 eingeleitet. In keinem einzigen Verfahren liegt bisher ein Ergebnis vor. Bei solchen Ordnungswidrigkeitsverfahren seien die Beschuldigten anzuhören, anschließend müssten deren Angaben geprüft und bewertet werden, rechtfertigte das Ministerium auf Anfrage von Mainz& die lange Verfahrensdauer: Das sei vor allem bei der Materie der Verspätungslandungen sehr aufwändig.

Tatsache ist auch: Nach dem derzeitigen Recht können Ministerium und Regierungspräsidium nur gegen die einzelnen Piloten vorgehen, nicht aber gegen die Fluglinie. Hessen hatte deshalb Ende 2018 im Bundesrat eine Initiative zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes gestartet. Damit soll sich künftig dass Verfahren wegen Verstößen gegen die Nachtflugbestimmungen direkt gegen die Luftverkehrsgesellschaften richten können, statt gegen den jeweiligen Piloten.

2018 war ein Jahr, in dem die Mainzer aufgrund der häufigen Ostwinde enorm viel Fluglärm ertragen mussten. – Foto: gik

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) forderte die Fraport nun erneut auf, die Entgelt für Verspätungen deutlich anzuheben, Verspätungen dürften sich nicht lohnen. Bürgerinitiativen gegen Fluglärm fordern ein Strafgeld von 10.000 Euro pro Verspätung. Auch Rössner sagte, es müsse den Fluggesellschaften „richtig weh tun“, diese dürften nicht länger Ausflüchte wie schlechtes Wetter oder zu voller Luftraum vorschieben – schließlich schafften andere Fluglinien es auch, pünktlich zu landen.

„Wir erwarten vom – offenbar auch zukünftigen – grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, dass er das Nachtflugverbot wieder herstellt“, forderte hingegen Wissler, nach fünf Jahren grüner Regierungsbeteiligung sei das Nachtflugverbot „durchlöchert wie nie zuvor.“ Al-Wazir betont derweil, er habe seit dem Frühjahr 2018 „einen hohen Kontrolldruck aufgebaut, und mit den jeweiligen Fluggesellschaften zahlreiche Gespräche zu erforderlichen Gegenmaßnahmen geführt.“

Der Druck wirke, unterstrich Al-Wazir: Im Dezember 2018 wurden „nur“ noch 22 Verspätungslandungen gezählt. Das entspreche wieder dem Stand vom Dezember 2016 und seien deutlich weniger als 2017, als 66 Verspätungen zu Buche schlugen. Allerdings räumte der Minister auch ein, die Entspannung hänge auch mit dem weniger dichten Winterflugplan und der bislang milden Witterung zusammen. „Es ist also zu früh für eine Entwarnung“, sagte Al-Wazir. Die Flugsicherungsorganisationen erwarteten, dass die Pünktlichkeit im Sommer wieder nachlasse. „Deshalb bleiben wir wachsam und gehen weiterhin jedem Verdacht auf Missbrauch der Nachtflugregeln konsequent nach“, betonte der Minister. Er erwarte weiter, dass die Fluggesellschaften in ihren Abläufen ausreichend Zeitpuffer einplanten, um auch bei Störungen die 23-Uhr-Grenze regelmäßig einhalten zu können.

Info& auf Mainz&: Wir haben mehrfach und wiederholt über die nächtlichen Verspätungslandungen in Frankfurt berichtet, unseren Bericht vom Juli 2018 etwa findet Ihr hier. Da erklären wir auch Hintergründe und Forderungen zur Abhilfe. Zahlen und Grafiken zur Auswertung der Verspätungen findet Ihr auch hier bei Airliners.de.

 

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Europa in der Alten Panzerfabrik – Bundesfinanzminister Olaf Scholz bekommt lange Wunschliste beim Jahresempfang der Wirtschaft in der Halle 45

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Früher bauten hier die Amerikaner Panzer, heute ist die Halle 45 eine Veranstaltungshalle mit viel altem Industriecharme. In ausgesprochen passender Kulisse fand am Mittwochabend der Jahresempfang der Wirtschaft in Mainz statt, zum inzwischen 20. Mal. 15 Kammern aus ganz Rheinland-Pfalz, von den Apothekern über die Zahnärzte bis hin zu Ingenieuren, Steuerberatern und Rechtsanwälten, beteiligen sich inzwischen an dem von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rheinhessen organisierten Jahresauftakt, mit über 2.000 Besuchern ist es das größte Treffen dieser Art bundesweit. Gastredner war in diesem Jahr Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), doch statt über Solizuschlag, Unternehmenssteuern oder Grundsteuer-Neuordnung ließ sich der Vizekanzler über ein ganz anderes Thema aus – über Europa.

Der Jahresempfang der Wirtschaft in Mainz fand erstmals nicht in der Rheingoldhalle statt – sondern im Industriecharme der Halle 45 in Mombach. – Foto: gik

Seit 20 Jahren gibt es den Jahresempfang der Wirtschaft bereits, und was einst als rein rheinhessisches Event begann, ist längst zum wichtigsten Wirtschaftstreffen des Bundeslandes geworden. 3.000 Besucher verzeichnet das Event gerne schon mal – in diesem Jahr war die Zahl der Gäste allerdings auf rund 2.000 begrenzt. Der Grund: Der Empfang musste wegen der Renovierung der Rheingoldhalle erstmals in ein Ausweichquartier umziehen. Die Halle 45, die frühere Phoenixhalle, erwies sich als ausgesprochen passender Rahmen: Wo früher die Amerikaner an Panzern schraubten, feiert und tagt man heute in modernem Industrieambiente. Und so mancher Wirtschaftslenker staunte doch tatsächlich, er sei ja noch nie hier gewesen…

Dagewesen hingegen ist beim Jahresempfang der Wirtschaft auch in diesem Jahr wieder alles, was in der Wirtschaft des Bundeslandes Rang und Namen hat, dazu Landesminister, Stadtpolitiker und natürlich auch Medienschaffende. Der Empfang gilt als das größte Treffen der mittelständischen Wirtschaft, entsprechend hochkarätig sind seit Jahren die Redner: Hier redeten schon Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Bundestagspräsident Norbert Lammert, Friedrich Merz war in früheren Zeiten da und sogar Kanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich gab sich schon die Ehre.

In diesem Jahr war Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) geladen, und der Mann, der sich jüngst selbst zum geeigneten Kanzlerkandidaten ausrief, gab den großen Europäer. 2019 sei für die Europäische Union ein richtungsweisendes Jahr, und Europa müsse deutlich mehr Zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen, mahnte Scholz. Derzeit wirke die Europapolitik „wie 27 Monologe, Strategien über Ländergrenzen hinweg haben wir noch nicht erreicht“, sagte Scholz selbstkritisch. Europa müsse aber als technikoffenes und fortschrittsoffenes Europa agieren und auftreten und vor allem eigene politische Lösungen entwickeln und sich in Streitfragen „zu einer gemeinsamen Haltung durchringen.“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hielt die Festrede beim Jahresempfang. – Foto: gik

Der Vizekanzler plädierte zudem für eine gemeinsame europäische Verteidigung mit einheitlichen Waffensystemen: derzeit leiste sich Europa 180 verschiedene Waffensysteme, in den USA seien es nur 30. Gemeinsame Systeme und gemeinsame Beschaffung könne viel Geld sparen und Synergien schaffen, betonte Scholz. Und er forderte ein Voranschreiten in der Reform des Euros, ein Eurozonen-Budget und europäische Stabilisierungsmechanismen als Rückversicherung für Krisenzeiten. „Wer nicht fähig ist zum Kompromiss, ist ein schwacher politischer Führer und kein starker“, mahnte Scholz, und fügte mit Blick auf Italien hinzu: „Wir brauchen nicht den Frühling des Herrn Salvini, wir brauchen einen Aufbruch für ein starkes, gerechtes Europa.“

Bei so viel Europa blieb der Bundesfinanzminister allerdings Antworten zur Wirtschaft in Deutschland schuldig. Dabei hätte es an Themen wahrlich nicht gemangelt: Die stockende Mit-Finanzierung des Bundes der Bildung in den Ländern, die anstehenden Reform der Grundsteuer, die Debatte um die Abschaffung oder Umwandlung des Solidarzuschlags – Scholz verlor über all diese Themen kein Wort. Eine Unternehmenssteuerreform und deutlich mehr Bürokratieabbau hatte der Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, Hans-Jörg Friese, zuvor vom Minister gefordert.

„Unsere Betriebe könnten beim Soli oder bei Abschreibungen entlastet werden, ohne eine Schieflage des Staates auszulösen“, mahnte Friese: „Angesichts der hervorragenden Einnahmesituation hätte der Bund deutlichere Entlastungen für Unternehmen und Steuerzahler vorsehen müssen.“ Stattdessen gebe der Bund Geld mit vollen Händen für Arbeitsmarkt, Rente und Gesundheit aus, eine nachhaltige Politik sei das nicht. Besonders kleine Unternehmen seien von der überbordenden Bürokratie zunehmend überfordert. „Die Entlastung von Kleinstbetrieben muss endlich Priorität haben“, schrieb Friese Scholz ins Stammbuch.

Eine Talkrunde mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Vertretern verschiedener Kammern gabs auch. – Foto: gik

Auch bei der Bildung und der Fachkräftesicherung müsse dringend Geld in die Hand genommen werden für Investitionen in Kitas und Schulen, die Ausstattung der Berufsschulen, die Digitalisierung. Deutschland stehe hervorragend da, das Wachstum habe 2018 ungebrochen angehalten, in Rheinhessen bestehe annähernd Vollbeschäftigung. Doch das bringe auch neue Probleme mit sich: Der Wirtschaft fehlen Fachkräfte, die Wirtschaftsleistung könne gar noch höher sein. „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss ohne Verzögerung beschlossen werden“, forderte Friese deshalb. Auch die Dieselkrisenpolitik des Bundes kritisierte er scharf: „Es bleibt unverständlich, dass die Industrie nicht in die Verantwortung genommen wird“, sagte Friese: „Wenn in einer Stadt wie Mainz eine Woche lang kein 7,5 Tonner mehr Brötchen in die Innenstadt bringt, die meisten würden verhungern – oder sich Brötchen in Wiesbaden holen.“

IHK-Präsident Engelbert Günster forderte zudem mehr Industrie- und Gewerbeflächen im Land, es fehlten vor allem große, zusammenhängenden Areale. Günster regte an, ein Gutachten gemeinsam mit Kammern und Land zu erstellen, etwa welche Militärkonversionsflächen es noch gebe. „Der Wunsch ist uns bekannt“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und kündigte an: „Wir können in wenigen Wochen auf Sie zukommen und Ihnen etwas anbieten.“

Für Irritationen sorgte hingegen Landwirtschaftspräsident Norbert Schindler mit einer unmotiviert erscheinenden Tirade gegen das Fernsehprogramm des ZDF im allgemeinen, dessen politische Berichterstattung und die Kabarettsendung „Die Anstalt“ im Besonderen. Was Schindler ritt, blieb unklar, der Landwirtschaftsfunktionär und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete kritisierte schließlich noch die Billigproduzenten für Obst und Gemüse aus den südlichen Ländern wie Italien und Spanien, wo oft Flüchtlinge zu Dumpinglöhnen auf den Feldern arbeiten: „Es kann nicht sein, dass Obst und Gemüse zu Sklavenlöhnen aus Südeuropa hier die Preise diktieren“, schimpfte Schindler – da war Europa auf einmal wieder ganz nah.

 

 

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„Ein echter Milleniumrocker: GuguguguGutenberg!“ – Gutenberg-Musical im Unterhaus witzig, turbulent und mit tollen Stars

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Was kommt dabei heraus, wenn man das Jahr 1452, einen Mann des Milleniums, zwei Fastnachtsikonen, drei Promis, ein Gutenberg-Denkmal und das Jahr 2019 nimmt, durcheinanderschüttelt und viel Musik und eine große Dosis Mainzer Humor hinzugibt? Richtig: Ein Gutenberg-Musical. Am Dienstagabend hatte das mit Spannung erwartete Gutenberg-Musical aus der Feder von Frank Golischewski im Mainzer Unterhaus Premiere, zwei Stunden lang drehte sich im Mainzer Unterhaus alles um den großen Mainzer Sohn, den Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern – und um Mainz, den Wein und die Lebensfreude. Ganz nebenbei gab es eine Geschichtsstunde und ganz viel Musik – manches davon sogar mit Gänsehaut-Moment.

Fust (Helmut Markwort), Gutenberg (Gunther Emmerlich) und Peter Schöffer (Sebastian Zipp) in der Druckerwerkstatt. – Foto: gik

„Unter Druck kann ich nicht setzen“, schäumt Johannes Gensfleisch zu Gutenberg: „Ich bin der Mittler des Wortes Gottes, nicht sein Krämer! Wort ist Zeit, Wort ist Ewigkeit!“ – „Zeit ist Geld, Wert, Fracht, Macht“, kontert Johannes Fust: „Wo bleibt meine Bibel?“ Es ist 1450, und in der Druckerwerkstatt in Mainz tobt ein erbittertes Ringen um das Wort, die Bibel, ja, und auch um das Geld. „Fakten, Fakten, Fakten“, schmeißt der arrogante Kaufherr noch schnell in den Raum, und das Publikum kugelt sich vor Lachen, denn der Herr Fust ist niemand anderes als der Urheber dieses Spruches – Ex-Fokus-Chef Helmut Markwort. Es ist 2019, und im Mainzer Unterhaus wird gesungen, getanzt und gerappt und ja, auch gekalauert, was das Zeug hält.

Es beginnt im Vatikan, und Il Papa, der Papst hat Sorgen: Alles bewegt sich, alles verändert sich, und Calixto II. will doch nur seine Ruhe – und einen Kreuzzug. Und jetzt hat dieser nervige deutsche Gesandte Silvio Enea Piccolomini, Sekretär von Friedrich III., auch noch eine neuartige Bibel aufgetan: 180 mal gedruckt, im Schnellverfahren, ohne jeden Fehler – alles absolut gleich! Der Papst ist entsetzt, „am Ende versteht noch jeder, was in der Bibel drin steht“, und singt: Alles gehört in den Kirchenschoß!

Kaufherr Fust (Helmut Markwort) umringt von buntem Marktvolk mit Piccolomini (Frank Golischewski) vorne. – Foto: Bernd Weisbrod

Doch die Zeitenwende ist nicht mehr aufzuhalten: In Mainz tüftelt Johannes zu Gensfleisch, genannt Gutenberg, in seiner Werkstatt an Tinten, Bleilettern und dem richtigen Druckverfahren, perfekt soll sie werden, die neue Bibel, da kann man sich doch nicht hetzen lassen. Doch sein Investor Fust sitzt ihm im Nacken, bedrängt ihn, droht – im Duett treffen Zaster auf Werte und Handwerkskunst auf das schnelle Geld. Der Erfinder der Buchdrucks mit beweglichen Lettern gilt als Urheber einer Weltrevolution, Gutenbergs Kunst legte den Grundstein für Martin Luther und die Reformation, ja für die gesamte moderne Kommunikation. Umso erstaunlicher, dass es über Gutenberg bisher so gut wie keine Theaterstücke gibt, einzig zwei Opern versuchten sich an dem Stoff, ein großer Erfolg war ihnen nicht beschieden.

Ein Grund: über Johannes zu Gensfleisch genannt Gutenberg gibt es kaum Gedrucktes, Quellen sind rar. Musical-Erfinder Frank Golischewski stützt sich deshalb, wie alle Gutenberg-Nachspürer, auf Prozessakten und die (wenigen) bekannten Fakten. Heraus kam ein lebendig-leichtes Gutenberg-Musical, eine historische Zeitreise, die zwischen dem 15. Jahrhundert und dem modernen Mainz hin- und herzappt wie eine moderne Fernbedienung.

Stadtführerin Margit Sponheimer muss Johannes Gutenberg (Gunther Emmerlich) die moderne Zeit erklären – gar nicht so einfach…. – Foto: Bernd Weisbrod

Da führt Margit Sponheimer, Sängerin und Mainzer Fastnachtsikone, Touristen durch Mainz und erzählt dabei vom alten Gutenberg und seiner Medienrevolution. Da ringen Gott und Teufel um Gutenbergs Seele und führen ihm die Folgen seiner Erfindung vor Augen – von Pornos und Fake News bis hin zu Kochbüchern von Johann Lafer. „Ablassbriefe! Wallfahrtsspiegel!“, schallt es durch den Unterhaus-Keller – die Bühne wird zum prallem mittelalterlichen Markttreiben, und kurz danach rappt es von der Bühne: „Er war der Checker, der Bücherhacker, ein Technikzocker, echter Milleniumrocker: Gugugugugutenberg!“

Autor, Komponist und Regisseur Golischewski entwirft mit seinem Musical ein pralles Gesellschaftsbild, das vom Papst bis hin zum modernen, lebensfrohen Mainz reicht. Die Lebensgeschichte Gutenbergs wird wie in einem Kaleidoskop aufgefächert, angereichert mit etwas Weltgeschichte. Das kommt mit viel Lokalkolorit und kalauerischen Wortspielen daher, ein schwankartiges Kammerspiel, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt, aber doch ein ziemlich vollständiges Bild der Lebensgeschichte Gutenbergs sowie seiner Zeit entwirft.

Frank Golischewski spielt dabei persönlich den Piccolomini, der dereinst als Papst Pius II. als bedeutender Humanist, Historiker und Schriftsteller selbst in die Geschichte eingehen sollte. Gut möglich, dass Piccolomini und Gutenberg sich kannten – Ersterer jedenfalls erwarb, das ist verbrieft, Bibelseiten Gutenbergs auf dem Frankfurter Markt. Im Gutenberg Musical fungiert Piccolomini als eine Art Reiseführer des Mittelalters, als Erzähler und zugleich als Kirchenfürst, der der Moderne zuneigt. Golischewski entwarf für sein Musical nicht nur den Text, er schrieb und komponierte auch die Lieder und führte gemeinsam mit Thomas Weber Regie.

Papst Sixtus (Helmut Schlösser) und Piccolomini (Frank Golischewski vorne) mit den Mönchen Sebastian Zipp und Dennis Johnson. – Foto: gik

„Ich bin fasziniert von Mainz, und Mainz atmet ja Gutenberg, man kommt hier gar nicht an ihm vorbei“, sagte Golischewski im Gespräch mit Mainz& nach der Premiere: „Ich habe mich immer gefragt, wie hat Gutenberg gelebt, welche Persönlichkeit war er?“ Vor fünf Jahren entwickelte Golischewski, der auch schon als Fastnachter bei den Bohnebeiteln auf der Bühne stand, die Idee fürs Musical, mehrere Jahre ging er damit hausieren – und handelte sich nur Absagen ein. Doch dann lief sein Bühnenstück „Feucht & Fröhlich“ im Unterhaus aus, für die „Lücke“ im Programm kam das Gutenberg-Musical gerade Recht.

Ein Heimatstück sei es geworden, sagte Golischewski, und ein Kammerspiel – aber das eigentlich nur aus der Not heraus: „Ich hätte es mir größer gewünscht“, sagt Golischewski, mit Chören, großen Shownummern, bunten Szenen wie dem Markttreiben. „Mit wenigen Handgriffen könnte man es mit einem großen Ensemble spielen“, träumt Golischewski: „Meine Idee war immer, es Open Air vor dem Dom zu spielen.“

Im Unterhaus ist es ein fast intimes Stück Mainzer Lokalkolorits geworden, das zum Leben erweckt wird von der hervorragenden Besetzung: In mindestens sechs Rollen brilliert Helmut Schlösser, der Mombacher Fastnachter wird in Sekundenschnelle vom Papst zum unbedarftem Touristen oder zur schwarzen Witwe – herrlich überdreht. Niemand geringeres als Altmeister Gunther Emmerlich aber gibt einen großartigen zerrissen-nachdenklichen Gutenberg, dem man sein Streben nach der Verkündung des Wortes zutiefst abnimmt. Ex-Fokus-Chef Markwort verkörpert perfekt den kalten Geschäftsmann, der am Ende Gutenberg um seine Druckwerkstatt bringt – die Lieder meistert der Journalist und Neu-Politiker im bayrischen Landtag mit stakkatoartigem Sprechgesang.

Schlussbild des Gutenberg Musicals mit allen Akteuren. Zweite von rechts: Jasmin Reif. – Foto: gik

Fürs Singen sind andere zuständig, alle voran das großartige Trio aus jungen Schauspielern, die die alte Garde bestens ergänzt und die Szenerie ordentlich aufmischt. Dennis Johnson, Sebastian Zipp und Jasmin Reif geben unglaublich wandelbar Mönche und Marktvolk, deutsch-türkisches Jungvolk der Moderne oder auch Gothic-Punks, und vor allem Jasmin Reif brilliert auch mit einem wunderbar klaren Sopran.

Und dann ist da natürlich Margit Sponheimer: Die Fastnachtsikone zeigt ihre schauspielerische Seele und prägt als Fremdenführerin und als „Margittsche“ die Szenerie – vor allem, wenn sie dem vom Sockel herab gestiegenen Gutenberg die Moderne erklären muss. Und natürlich singt die Sponheimer auch, mit dem wunderbaren „Moguntia“ schrieb ihr Golischewski gar eine Art neue Hymne auf den Leib – ein echter Gänsehautmoment.

Am Ende entpuppt sich alles als Traum. „Ich hab geträumt du wärst der Gutenberg und ich die Sponheimer“, sagt die Sponheimer: „Wir wurden kein Paar.“ Nicht alles kann eben ein Happy End haben – aber gut ausgegangen, das ist die Sache mit dem Gutenberg-Musical dann schon.

Info& auf Mainz&: 13 Vorstellungen gibt es nach Angaben des Unterhauses noch vom Gutenberg-Musical in diesem Jahr, aber ach: alle sind restlos ausverkauft. Doch eine Chance habt Ihr: Kommende Woche beginnt der Vorverkauf weitere 15 Aufführungen – im Januar 2020. Informationen dazu hier beim Mainzer Forum Theater Unterhaus im Internet.

 

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