Die Vogelgrippe breitet sich in diesem Winter mit ungewohnter Rasanz und Vehemenz aus – Grund ist vor allem die Reise der Kraniche. In vielen Regionen fielen infizierte Kranich bei ihrem Zug in den Süden buchstäblich vom Himmel, dadurch breitete sich der als „Vogelgrippe“ bekannte Influenza-Virus nahezu schlagartig in ganz Deutschland aus. Nun wurde ein toter Kranich auch im Kreis Mainz-Bingen gefunden, die Stadt Mainz stoppte nun die Aufnahme von Greifvögeln im Tierpark Gonsenheim. Das Tierheim Mainz nimmt derzeit gar keine Vögel mehr auf.

Mit dem Begriff „Vogelgrippe“ werden in der Öffentlichkeit Infektionen von Vögeln mit dem hochpathogenen H5N1-Virus aus Asien bezeichnet, das in Europa vor fast zwanzig Jahren erstmals nachgewiesen wurde und nun weltweit verbreitet ist. Das Landesuntersuchungsamt spricht lieber von einer „Klassischen Geflügelpest“ oder „hochpathogene aviäre Influenza“, und die breite sich derzeit in ganz Deutschland „mit ungewöhnlicher Dynamik aus – auch in Rheinland-Pfalz“, wie das Amt am Montag warnte.
Die Geflügelpest sei eine tödlich verlaufende Erkrankung von Vögeln, von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergingen manchmal nur Stunden oder wenige Tage. Die Erkrankungserscheinungen können sehr vielfältig sein. Offensichtlich kranke Wildvögel zeigen häufig Teilnahmslosigkeit, Ausfluss aus Augen und Schnabel, Verweigerung von Futter und Wasser, Atemnot und zentralnervöse Störungen wie abnorme Kopfhaltung, Gleichgewichtsstörungen und Zwangsbewegungen, so hatte der Kreis Main-Bingen zumindest im März 2023 über die Symptome informiert.
Täglich neue Verdachtsfälle bei Kranichen, Stadt Mainz reagiert
2023 gab es zuletzt einen großen Ausbruch der Vogelgrippe, in diesem Winter verbreitet sich die Erkrankung allerdings in ungekannter Rasanz und Vehemenz in Deutschland. Binnen weniger Tage wanderte das Virus vom Nordosten durch alle Bundesländer, der Hauptgrund in diesem Jahr: Der Zug der Kraniche nach Süden. Graue Kraniche sind mit bis zu 1,30 Metern die größten Vögel Europas und gehören zu den besten Langstreckenfliegern der Welt, wie es beim WWF heißt. Sie fliegen bis zu 130 Stundenkilometer schnell und 300 bis 1.000 Meter hoch – und verbreiten damit zurzeit die Vogelgrippe rasant,

Das Landesuntersuchungsamt (LUA) meldete am Montag noch drei bestätigte Fälle des hochpathogenen Subtyps H5N1 bei Kranichen im Rhein-Hunsrück-Kreis, im Rhein-Lahn-Kreis sowie bei einer Kanadagans im Rhein-Pfalz-Kreis. Täglich würden aber weitere Verdachtsfälle gemeldet, so das LUA weiter, so etwa bei Kranichen in den Kreisen Südwestpfalz, Westerwaldkreis, Mayen-Koblenz und Bernkastel-Wittlich. Die Einschläge kamen auch in Richtung Mainz zuletzt immer näher, so wurde vor wenigen Tagen bereits ein infizierter Kranich im Kreis Groß-Gerau gefunden, am Mittwoch berichtete der SWR, nun seien tote Kraniche auch bei Bingen und im Raum Bad Kreuznach gefunden worden, die Tiere würden derzeit untersucht.
Die Stadt Mainz teilte daraufhin nun mit, man habe zum Schutz der Tiere im Wildpark Gonsenheim verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Kraft gesetzt. So könnten derzeit keine Greifvögel im Gonsenheimer Wildpark aufgenommen werden, um den eigenen Bestand zu schützen. „Es wird empfohlen, keine offensichtlich kranken Möwen, Enten, Gänse, Schwäne oder Greifvögel einzusammeln und in Tierarztpraxen oder Tierheime zu bringen“, warnte die Stadt weiter. Auch sollten keine dieser verendeten Vögel aus dem öffentlichen Raum eingesammelt werden.
Tote oder kranke Wildvögel: Bloß nicht anfassen!
Für Menschen gilt das Virus zwar als ungefährlich, doch wie das LUA mitteilte, besteht grundsätzlich eine Infektionsgefahr für Säugetiere, etwa wenn sie Fleisch oder Aas von infizierten Wasservögeln und damit große Virusmengen aufnehmen. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätze „das Risiko einer Infektion beim Menschen als sehr gering ein“, Menschen, die engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel haben könnten, wird aber geraten, sich gegen Influenza impfen zu lassen. In den USA etwa hatten sich in der Vergangenheit Mitarbeiter von Geflügelbetrieben infiziert, auch aus Mexiko wurde eine Vogelgrippe-Infektion gemeldet, wie die Tagesschau berichtet. Im April war erstmals ein kleines Mädchen an der Vogelgrippe gestorben.

Wer also einen toten oder kranken Wildvogel findet, sollte ihn auf keinen Fall berühren – auch um das Virus nicht weiterzutragen. Auch der Kontakt von Haustieren – wie Hunden beim Spazierengehen – mit kranken oder verstorbenen Vögeln sollte unbedingt vermieden werden. Auch das Tierheim Mainz meldet, man könne zum Schutz des eigenen Bestandes derzeit keine Vögel, Wasservögel Tauben oder andere Wildvögel aufnehmen.
„Bitte betretet mit Fundtieren nicht unser Gelände und wartet vor der Tür“, bittet das Tierheim eindringlich: „Unser Team kommt gerne zu euch um alles Weitere zu besprechen.“ Bei Sichtung oder Fund augenscheinlich erkrankter oder schon verstorbener Wildvögel solle man bitte unverzüglich Kontakt mit dem zuständigen Veterinäramt aufnehmen. „Es bricht uns unser Herz die Tierwelt so leiden zusehen“, so die Tierheim-Mitarbeiter weiter.
Info& auf Mainz&: Zuständig für den Tierschutz ist im gesamten Raum Mainz-Bingen das Veterinäramt der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, Konkrete Informationen zur Vogelgrippe gibt es auf der Homepage zwar (noch) nicht, wohl aber weiterführende Links und Kontaktdaten: Hier im Internet. Mehr zum aktuellen Ausbruch der Vogelgrippe findet Ihr hier beim Friedrich-Löffler-Institut im Netz.






