Am Sonntag, den 8. März geht Mainz schon mal wählen – nein, keine Angst: Ihr habt keinen Termin zur Landtagswahl verpasst. Zwei Wochen vor dem großen Wahlgang findet in Mainz schon einmal eine kleine Wahl statt: Die Mainzer Oberstadt braucht einen neuen Ortsvorsteher oder eine Ortsvorsteherin. Sieben Kandidaten bewerben sich um den Posten, das sind ungewöhnlich viele. Wer alles antritt, und was Ihr wissen müsst.

Das Schaufenster von Juwelier Willenberg mit den Plakaten der Kandidaten für die Ortsvorsteherwahl in der Mainzer Oberstadt. - Foto: Sebastian
Das Schaufenster von Juwelier Willenberg mit den Plakaten der Kandidaten für die Ortsvorsteherwahl in der Mainzer Oberstadt. – Foto: Sebastian

Die Ortsvorsteher sind die „kleinen Bürgermeister“ von Mainz, sie vertreten den Stadtteil gegenüber der Verwaltung, sind Gesicht und Stimme der Menschen in ihrem Bezirk und erste Ansprechpartner bei Problemen. An diese Sonntag, dem 8. März 2026, sind nun rund 16.000 Wahlberechtigte in der Mainzer Oberstadt dazu aufgerufen, genau diesen Stadtteil-Kümmerer neu zu wählen. Nötig wird das, weil Vorgänger Daniel Köbler (Grüne) am 10. Februar sein neues Amt als Bürgermeister und Finanzdezernent von Mainz angetreten hat.

Für seine Nachfolge bewerben sich gleich sieben Kandidaten, das sind ungewöhnlich viele. Sichtbar vertreten sind sechs davon derzeit in einem Mainzer Schaufenster in der Innenstadt: Juwelier Jan Sebastian hat die Schaufenster seiner Juweliergeschäfts Willenberg am Schillerplatz mit den Wahlplakaten der Kandidaten dekoriert – Sebastian tritt auch selbst bei der Wahl für die FDP an. Unter den Schaufenstern ist zudem ein gut sichtbares Spruchband mit dem Aufruf platziert: „Bitte geht wählen! Für Demokratie und gegen Gewalt und Hetze.“ Die AfD ist bei den Plakaten nicht vertreten.

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Plakate im Schaufenster: „Politik nah bei den Menschen machen“

„Ich möchte mit der Ausstellung die Vielfalt demokratischer Positionen sichtbar machen, und den Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen über ihre Wahlmöglichkeiten bieten“, sagte Sebastian zu der Aktion. das solle auch deutlich machen, dass Kommunalpolitik häufig anders funktioniere als politische Auseinandersetzungen auf Landes- oder Bundesebene: „Ohne das übliche Stechen und Hauen, dafür mit einem fairen, respektvollen Umgang miteinander“, betonte Sebastian.

Einzelhändler Jan Sebastian tritt für die FDP an - mit Elektroroller und Kaffeetasse. - Foto: FDP Mainz
Einzelhändler Jan Sebastian tritt für die FDP an – mit Elektroroller und Kaffeetasse. – Foto: FDP Mainz

Tatsächlich hatte sich aber in den vergangenen rund zehn Jahren im Mainzer Stadtrat im Gegensatz zu früheren Jahren parteipolitisches Agieren sehr stark breit gemacht, die Interessen von Stadt und Bürgern rücken dabei oft in den Hintergrund. Sebastian betont nun, aus den Reihen der Mitbewerber werde die Initiative „ausdrücklich begrüßt“ und als „Zeichen eines konstruktiven Miteinanders und als Stärkung der demokratischen Kultur vor Ort gewertet.“

„Das Schaufenster steht sinnbildlich für Dialogbereitschaft, Toleranz und den Anspruch, Politik nah an den Menschen zu gestalten“, betonte Sebastian. Es zeige, dass die Kandidaten „mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber einem gemeinsamen Ziel antreten: den Stadtteil im Sinne der Bürgerinnen und Bürger voranzubringen.“ Der 55 Jahre alte Sebastian ist Ur-Mainzer und lebt seit 2009 mit seiner Familie in der Oberstadt.

 

Kandidaten 1-2: Jan Sebastian (FDP) und Melissa Enders (CDU)

2013 übernahm Sebastian die Geschäftsführung des alteingesessenen Juweliergeschäfts Willenberg und ist daneben Präsident des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz, Mitglied im Vorstand von Citymanagement Mainz und der Werbegemeinschaft Mainz sowie Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Rheinhessen. Seit 2001 ist er Mitglied der FDP und berät seine Partei in handelspolitischen Fragen der Stadt Mainz. Alles zu dem FDP-Kandidaten Jan Sebastian findet Ihr hier im Internet.

Tritt für die CDU an: Melissa Enders, hier bei einem Wahltermin in der Weihnachtszeit. - Foto: CDU, Melissa Enders
Tritt für die CDU an: Melissa Enders, hier bei einem Wahltermin in der Weihnachtszeit. – Foto: CDU, Melissa Enders

Die meisten Chancen auf die Nachfolge Köblers werden derzeit der CDU-Kandidatin Melissa Enders und dem SPD-Kandidaten David Wilk eingeräumt. Melissa Enders ist 33 Jahre alt, Bauingenieurin, selbstständig tätig und seit mehreren Jahren Mitglied des Ortsbeirats. „Die Oberstadt ist ein Stadtteil mit Geschichte, Charakter und einer starken Gemeinschaft“, sagte Enders bei ihrer Kandidatinnen-Kür: „Gleichzeitig stehen wir vor Herausforderungen, die den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen, sei es im Verkehr, bei der Erreichbarkeit, in der Aufenthaltsqualität oder in der Frage, wie wir Wachstum und Lebensqualität miteinander verbinden.“

Sie wolle „zuhören, die Themen ernst nehmen und Lösungen entwickeln, die funktionieren und praktikabel sind“, betonte Enders zudem. Politik müsse „nah an den Menschen sein, nicht abstrakt oder ideologisch, sondern alltagstauglich und nachvollziehbar.“ Schwerpunkte ihrer politischen Agenda sollen eine bessere Organisation des Verkehrs, die Verbesserung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrende, insbesondere an Schulwegen, eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung, die Aufwertung und Pflege von Grünflächen sowie eine bürgernahe, transparente Kommunikation sein.

Kandidaten 3-4: David Wilk (SPD) und Tim Ott (Grüne)

Der SPD-Kandidat David Wilk ist Jahrgang 1974 und bereits stellevertretender Ortsvorsteher, der selbstständige Unternehmer verwaltet unter anderem die Golden Ross Kaserne an der Mombacher Straße. Er wohne seit 2016 in der Mainzer Oberstadt und sei vor drei Jahren in die Mainzer SPD eingetreten, berichtet er auf einem Flugblatt. „Ich trete an, weil unsere Oberstadt mehr verdient als Verwaltung- sie verdient Gestaltung“, sagte Wilk bei seiner Bewerbungsrede: „In der Oberstadt haben wir eine große Dichte an Bildungseinrichtungen, an Kultur, an medizinischer Versorgung in Mainz- und genau deshalb muss unsere Stimme wieder mehr an Gewicht bekommen.“

Die Grünen setzen bei der Wahl zu Ortsvorsteher in der Mainzer Oberstadt auf Jung-Stadtrat Tim Ott. - Foto: Plakat Grüne Mainz
Die Grünen setzen bei der Wahl zu Ortsvorsteher in der Mainzer Oberstadt auf Jung-Stadtrat Tim Ott. – Foto: Plakat Grüne Mainz

Die Grünen setzen auf einen jungen Newcomer: Tim Ott war bereits als Sprecher der Grünen Jugend in Mainz und sitzt seit Sommer 2024 für die Grünen im Mainzer Stadtrat. Trotzdem dürften die wenigsten Wähler den 28-Jährigen kennen. Ott arbeitet an seinem , Master in Klima- und Umweltwandel an der Mainzer Uni und arbeitet als Mitarbeiter beim Windkraftbetreiber JUWI im Bereich Scouting & Akquise Erneuerbare Energien.

Am Herzen liegen Ott insbesondere die Themen bezahlbarer Wohnraum, der Natur- und Klimaschutz konkret vor Ort, „aber auch der soziale Zusammenhalt und dass wir als Gemeinschaft in der Oberstadt weiter zusammenwachsen“, wie er auf der Homepage der Grünen schreibt, und weiter wörtlich: „In meinem Verständnis ist das Herzstück der Arbeit von Ortsvorsteher*innen aber durch intensiven Austausch ein offenes Ohr für die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen vor Ort zu erlangen. Dabei möchte ich für alle Menschen in unserem Ortsteil da sein, egal ob Student*in, Selbstständige*r, Senior*in etc.“

Kandidaten 5-6: Max Rammensee (ÖDP) und Erwin Stufler (FW)

Die ÖDP setzt mit ihrem Kandidaten auf einen bekannten Namen: Max Rammensee ist der Sohn von ÖDP-Stadträtin Dagmar Wolf-Rammensee, der 27-Jährige studiert derzeit noch Internationales Management. „Ich bin in Mainz in einer politisch aktiven Familie aufgewachsen“, sagt Rammensee Junior von sich selbst: „Dieses Vorbild hat mich geprägt, auch wenn ich der ÖDP erst im vergangenen Jahr beigetreten bin.“ Er sei überzeugt, dass seine Generation politisch aktiv werden müsse, „nur so können wir unserer Stimme wieder Kraft verleihen und Verantwortung für unsere Stadt und Land übernehmen.“

Newcomer Max Rammensee tritt für die ÖDP an. - Foto: PDP Mainz
Newcomer Max Rammensee tritt für die ÖDP an. – Foto: PDP Mainz

Er habe Bundesfreiwilligendienst beim THW geleistet und arbeite seit fast zehn Jahren in der Gastronomie, „diese Jahre haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, mit Menschen zu arbeiten und zuzuhören“, betont Rammensee. Sein wichtigstes Ziel sei deshalb auch, „das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen“, das gelinge aber nur, „wenn wir vor Ort präsent sind und mit Menschen reden, echte Gespräche führen und zuhören. Von Freunden wird mir immer wieder gesagt, dass ich sehr gut auf Menschen zugehen kann. Das ist ein Geschenk, das ich einsetzen möchte.“

Auch der Kandidat der Freien Wähler, Erwin Stufler, ist weithin bekannt: Seit vielen Jahren kämpft er gegen den Fluglärm über Mainz und sitzt für die Freien Wähler im Mainzer Stadtrat sowie im Ortsbeirat der Mainzer Oberstadt. Der streitbare und unabhängige Kommunalpolitiker setzt sich derzeit vor allem stark für mehr Transparenz bei den Mainzer Stadtwerken ein und fordert eine gründliche Aufklärung der Affäre um den Verkauf der Marina im Mainzer Zollhafen sowie zu den Erlösen aus dem Verkauf der Grundstücke im Zollhafen.

 

Kandidat 7: Benjamin Steiner (AfD) – Es kommt wohl zur Stichwahl

Die AfD schickt ebenfalls einen jungen Mann ins Rennen: Benjamin Steiner ist 27 Jahre alt und sitzt für die AfD bereits im Ortsbeirat der Oberstadt. Steiner wirbt mit dem Slogan „Ein Macher für die Oberstadt“, über seinen Beruf und seinen Werdegang schweigt er sich aber aus. Als politische Schwerpunkte nannte Steiner bei seiner Kandidatenkür die Lösung der Parkplatzproblematik für die Anwohner sowie die Verbesserung der Sicherheit und Sauberkeit im Stadtteil.

Bei so vielen Kandidaten ist es nahezu ausgeschlossen, dass der neue Ortsvorsteher bereits im ersten Wahlgang gekürt wird: Nötig wären dafür mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen. Sehr wahrscheinlich kommt es also zu einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen – und die findet am Sonntag, den 22. März 2026 statt. Richtig: Das ist der Tag der Landtagswahl. Die Wahlbüros öffnen am 08. März um 8.00 Uhr und schließen um 18.00 Uhr – mit den Ergebnissen dürfte bis 20.00 Uhr zu rechnen sein.

Info& auf Mainz&: Informationen zum Wahlergebnis findet Ihr am Sonntag, den 08. März 2026 nach Schließung der Wahllokale im Verlauf des Abends unter www.mainz.de/wahlen und natürlich hier bei uns. Alle Infos zur Landtagswahl könnt Ihr hier bei Mainz& in unserem Wahldossiert nachlesen.

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