Schock am Donnerstagmorgen für Beschäftigte der C24-Bank in Mainz: Völlig aus heiterem Himmel standen die Mitarbeiter vor verschlossenen Türen – so berichtet es die Gewerkschaft Ver.di. Eine Kündigung habe es nicht gegeben, wie es weiter gehe, wisse man nicht, zitiert die Gewerkschaft Beschäftigte. Ver.di spricht von einem alarmierenden Vorgang und fordert, der Vorfall müsse restlos aufgeklärt werden – die Gewerkschaft argwöhnt, es gebe einen Zusammenhang mit der geplanten Gründung eines Betriebsrats.

Die Bank C24 wurde im Jahr 2020 vom Vergleichsportal CHECK24 gegründet, sie wirbt damit, eine komplett mobile Bank mit niedrigen oder gar keinen Kosten für Konto und Überweisungen zu sein. Im September 2025 übernahmen die Check24-Gründer Henrich Blase und Eckhard Juls selbst die Kontrolle über die Bank – angeblich wegen Schwierigkeiten mit der Bankenaufsicht BAFIN. Die C24 galt lange als günstige Online-Bank mit guten Konditionen, doch seit diesem Donnerstag hat die Bank zumindest eines nicht mehr: einen Bankenservice.
Denn am Donnerstagfrüh standen die Mitarbeiter der Mainzer Filiale der C24 plötzlich vor verschlossenen Türen – dort hingen lediglich zwei Zettel mit der Aufschrift „Gesellschaft geschlossen! Kein Zutritt!“ So berichtet es die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di: Die rund 70 Beschäftigte hätten ohne Vorwarnung vor verschlossenen Türen gestanden, Kündigungen gebe es nach Kenntnisstand der Gewerkschaft keine – wie es weiter gehe, sei völlig unklar. „Für viele Beschäftigte entsteht damit eine Situation massiver Unsicherheit und erheblichen Drucks“, kritisiert die Gewerkschaft.
Ver.di: Mitarbeiter der C24 in Mainz wollten Betriebsrat gründen
Ver.di kritisiert das Vorgehen des Unternehmens scharf, und äußert einen üblen Verdacht: Es habe Bestrebungen gegeben, einen Betriebsrat zu gründen, das stand offenbar kurz bevor. „Wenn Beschäftigte einen Betriebsrat auf den Weg bringen wollen und kurz darauf vor verschlossenen Türen stehen, dann ist das kein normaler Vorgang, sondern politisch hoch brisant“, schimpfte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Tanja Friedrich. Mitbestimmung sei „kein Störfaktor, sondern ein elementares Recht“, betonte die, und forderte: „Dieser zeitliche Zusammenhang ist so gravierend, dass er vollständig aufgeklärt werden muss.“

Ver.di erwarte von der Bank „vollständige Transparenz über die Hintergründe, den Ablauf und die Folgen der Schließung“, forderte Friedrich: „Die Beschäftigten haben Anspruch auf Klarheit, einen respektvollen Umgang und die uneingeschränkte Achtung ihrer Mitbestimmungsrechte.“ Beschäftigte dürften den Versuch, ihre Interessen demokratisch im Betrieb zu organisieren, nicht mit Angst, Unsicherheit oder Druck bezahlen.
Der Fall stehe zudem „nicht im luftleeren Raum“, betont die Gewerkschaft weiter: Bereits 2022 habe Ver.di in Leipzig arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einer C24-Gesellschaft öffentlich gemacht, damals sei es um Kündigungsschutzklagen von Beschäftigten gegangen. Seit 2025 gebe es zudem „aufsichtsrechtliche Probleme“ bei der C24 Bank, so habe das Handelsblatt im November 2025 „über BaFin-Maßnahmen gegen das Institut wegen gravierender Mängel insbesondere in der Geldwäscheprävention sowie wegen einer nach Darstellung der Aufsicht nicht ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation“ gegeben, berichtet Ver.di weiter.
Bereits früher Kritik an Arbeitsbestimmungen und Mitbestimmung
Auch habe es in der Vergangenheit bereits „öffentliche Kritik an Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung“ bei C24 gegeben, und zwar über die Muttergesellschaft Check24. Zudem habe 2019 das Magazin „Stern“ ebenfalls über entsprechende Vorwürfe berichtet und „aus dem Unternehmensumfeld die Aussage zitiert, man brauche keinen Betriebsrat“, so Ver.di weiter. Das Unternehmen habe die Vorwürfe damals zurückgewiesen. Zum derzeitigen Vorfall in Mainz hält man sich bei C24 bedeckt: Eine Sprecher der C24-Bank bestätigte dem SWR gegenüber, der Geschäftsbetrieb des C24 Bankenservices sei „mit sofortiger Wirkung aus wirtschaftlich strategischen Gründen eingestellt“ – mehr wolle man derzeit nicht sagen.

Ver.di berichtet weiter, für die kommende Woche seien nach Gewerkschaftsinformationen nun Einzelgespräche mit Führungskräften angekündigt, das sorge für zusätzliche Unsicherheit und Ängste. „Wer Beschäftigte in einer solchen Situation im Unklaren lässt und sie von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen stellt, verunsichert eine ganze Belegschaft und sendet ein fatales Signal weit über diesen Betrieb hinaus“, kritisierte Friedrich.
Der Vorfall hat auch die Landesregierung in Mainz aufgeschreckt, am Freitagnachmittag meldete sich dann auch die vermutlich scheidende Arbeitsministerin Dörte Schall (SPD) zu Wort. „Für die Landesregierung Rheinland-Pfalz haben gute Arbeitsbedingungen, die Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards sowie die Wahrung von Arbeitnehmerrechten einen hohen Stellenwert“, teilte Schall schriftlich mit: „Dazu gehört ausdrücklich die Wahrung betrieblicher Mitbestimmungsrechte.“ Sie habe sich „vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung“ an die Geschäftsführung gewandt, und um Stellungnahme gebeten.
Orellana: „Erschütternd und verantwortungslos“ – Land muss handeln
Deutlicher wurde die Linksfraktion im Mainzer Stadtrat: „Die Berichte über den Umgang der C24-Bank mit ihren Beschäftigten sind erschütternd“, wer so agiere, handele „verantwortungslos“, kritisierte Linksfraktionschef Tupac Orellana, der selbst als Gewerkschaftssekretär für Ver.di tätig ist. Auch er berichtete, betroffene Mitarbeiter hätten ihm „berichtet, dass sie gemeinsam mit Ver.di aufgrund großer Unzufriedenheit mit der Unternehmensführung kurz vor der Gründung eines Betriebsrats standen.“
„Der Verdacht, dass hier betriebliche Mitbestimmung behindert werden sollte, steht im Raum und muss sorgfältig aufgeklärt werden“, forderte Orellana: „Beschäftigte dürfen keine Angst haben müssen, ihre Rechte wahrzunehmen oder sich gewerkschaftlich zu organisieren.“ Die Bank C24 müsse für Transparenz und Klarheit gegenüber den Beschäftigten sorgen, die Landesregierung entschlossener gegen die Behinderung von
Betriebsratsarbeit vorgehen, forderte Orellana zudem: „Wir stehen solidarisch an der Seite der Beschäftigten – ein solches Vorgehen darf in Mainz keinen Platz haben. Arbeitsministerin Schall muss jetzt handeln und nicht erst auf ihren
Nachfolger warten.“
Info& auf Mainz&: Die gesamte Schilderung von Ver.di zu der Aussperrung der Mitarbeiter bei C24 in Mainz lest Ihr hier im Internet.






