Was wird aus dem maroden Brunnen auf dem Ernst Ludwig-Platz in Mainz? Das alte Gebilde aus Waschbeton kümmert seit 15 Jahren vor sich hin, eine Neuordnung ist noch immer nicht in Sicht. Nun schlägt der Verein „Rettet das Römische Mainz“ vor, den Brunnen als „Spielbrunnen für Kinder“ nutzbar zu machen – und zwar nicht ohne Hintersinn: Denn für solche Projekte samt Trinkwasserbrunnen gebe es üppige Fördermittel, rechnet der Verein vor – und ganz nebenbei würde ein Denkmal erhalten, das sich vor dem antiken römischen Mainz verneigt.

Der Jubiläumsbrunnen auf dem Ernst-Ludwig-Platz: Waschbeton mit Römer-Reliefs. - Foto: gik
Der Jubiläumsbrunnen auf dem Ernst-Ludwig-Platz: Waschbeton mit Römer-Reliefs. – Foto: gik

Im Jahr 1962 feierte die Stadt Mainz einfach mal ihr 2000-jähriges Bestehen – zwar war das Datum eine fiktive Erfindung, das eigentliche Jubiläum wäre erst gut 25 Jahre später gewesen, ein Erfolg wurde es trotzdem. Zum Jubiläum gab es nämlich eine ganze Reihe Stadtverschönerungen, darunter die Neugestaltung des Ernst Ludwig-Platzes an der Großen Bleiche. Errichtet wurde damals dort der Dativius-Victor-Bogen, eine Kopie des original Triumphbogens aus dem antiken Mogontiacum, sowie ein „Jubiläumsbrunnen“ – gemeinsam mit der Großen Mainzer Jupitersäule entstand eine Art römisches Denkmal-Dreieck.

Denn den Jubiläumsbrunnen schmücken rund ein Dutzend Abgüsse antiker Reliefs, die unter andrem kämpfende Legionäre und posende Gladiatoren, eine Priesterin oder tempelartige Gebäude zeigen. Ein Zufall ist das nicht: Der Brunnen sollte „mit den symbolischen Mitteln Wasser und Stein die Entwicklung der Stadt Mainz aus einer Römersiedlung darstellen“, wie man beim Werkbund weiß. Das weitläufige Gebilde mit drei flachen Becken war konzipiert als Wasserkaskade, bei der von drei Seiten Wasser zur Mitte strömt – ein lebendiges und verspieltes Denkmal für die Entstehung von Mainz von der Römerzeit bis heute.

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Verein: Römerbrunnen als Spielplatz und als Trinkwasser-Station

Doch der einst als „Highlight moderner Architektur“ gerühmte Brunnen ist seit Jahren nur noch eine Ruine. Seit gut 15 Jahren gammelt das alte, denkmalgeschützte Waschbetongebilde auf dem Platz vor sich hin, dabei bräuchte Mainz dringend mehr Wasserplätze als kühlende Oasen in Hitzesommern. Nun regt der Verein „Rettet das Römische Mainz“ eine Neukonzeption des „Römerbrunnens“ an, der sei „in einem beklagenswerten Zustand, der ihn in den Augen vieler Mainzer zu einem Schandfleck macht“, klagen die Vorsitzenden des Vereins, Ex-Landesarchäologe Gerd Rupprecht und Christian Vahl.

Der Jubiläumsbrunnen ist seit 15 Jahren verwaist und ungenutzt, der Waschbeton marode -dabei böte ein Brunnen auf dem Platz eine perfekte Wasseroase. - Foto: gik
Der Jubiläumsbrunnen ist seit 15 Jahren verwaist und ungenutzt, der Waschbeton marode -dabei böte ein Brunnen auf dem Platz eine perfekte Wasseroase. – Foto: gik

Die Idee der beiden Herren: Der Brunnen könne doch um die Komponente eines Trinkwasserbrunnens ergänzt, und -gleichzeitig als „Spielbrunnen für Kinder“ nutzbar gemacht werden. Dabei könne man sowohl alle brunnenarchitektonische Komponenten im Sinne des Denkmalschutzes bewahren, aber auch manche Materialen wie den Waschbeton durch stabilere Materialien ersetzen. Eine solche Neukonzeption biete zudem die große Chance, „umfangreiche Fördermittel zu generieren“, betonten Rupprecht und Vahl – die Stadt Mainz habe die Kosten der Sanierung des Brunnens auf circa 650.000 Euro beziffert.

„Mit dem neuen Konzept könnte Mainz sofort auf verfügbare EU-Förderprogramme für die Finanzierung zugreifen“, betonen Vahl und Rupprecht. Denn europaweit seien vielfältige Brunnenprojekte ausgeschrieben, die sich insbesondere auf Trinkwasserprojekte im öffentlichen Raum (Klimaanpassung), innovative Wasserwirtschaft und das Angebot von Wasserressourcen im öffentlichen Raum konzentrierten. „Die EU fördert ausdrücklich – gemeinsam mit den Bundesländern- den Ausbau von Trinkwasserbrunnen, um Städte an Hitzewellen anzupassen“, betonten die Herren.

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„Mainz könnte sofort auf verfügbare EU-Fördermittel zugreifen“

So könne Mainz doch auf EU-Projekte zur Verbesserung des Mikroklimas zurückgreifen sowie auf Programme, die dem Ziel der Förderung der Hitzeresilienz dienen, schlagen Vahl und Rupprecht vor – auch Bundesmittel stünden für solche Projekte zur Verfügung. „Die Förderung könnte sinnvoll durch die bereits verfügbaren Personen zur Förderung des Römischen Erbes in Mainz beantragt werden, die öffentlich einsehbare Antragstellung erscheint unkompliziert“, heißt es weiter – auf Webseite der Europäischen Investitionsbank oder dem EU-LIFE-Programm, dem EU-Förderprogramm für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, stünden Mittel bis Ende 2027 zur Verfügung.

Der Jubiläumsbrunnen nach Regen mit Wasser auf seinen Flächen: Wasserkaskade zur Erinnerung an die Entwicklung der Stadt Mainz seit der Römerzeit. - Foto: gik
Der Jubiläumsbrunnen nach Regen mit Wasser auf seinen Flächen: Wasserkaskade zur Erinnerung an die Entwicklung der Stadt Mainz seit der Römerzeit. – Foto: gik

„Insbesondere NRW macht von diesen Programmen Gebrauch“, betonen Vahl und Rupprecht. Auch für die Förderung der sozialen Integration von Kindern in Städten gebe es EU-Förderprogramme, die die Gestaltung des „Römerbrunnens“ zum Spielbrunnen finanziell zusätzlich unterstützen würden. „Wir meinen natürlich nicht, dass das gesamte Wasser eine Trinkwasserquelle werden solle, aber sehr wohl, dass man den Brunnen um eine Trinkwasserquelle ergänzt“, führen die Herren weiter aus. Für die Stadt Mainz bliebe dann lediglich ein kleiner Restbetrag als Eigeninvestition.

Tatsächlich gab es schon mehrere Anläufe zur Umgestaltung des Ernst-Ludwig-Platzes, unter anderem im Rahmen des „Forums Regierungsviertels“ – bislang aber verliefen alle Anläufe für eine Aufwertung im Sande. Zuletzt hatte das „Forum Regierungsviertel“ 2023 getagt, damals wurde im Juli 2023 eine Experimentiermeile eingerichtet, die mit roten Wänden, Blumen-Regalen oder einem Sprühnebel-Bogen eher für Irritationen sorgten. Zentrales Element war damals vor allem die Vollsperrung der Großen Bleiche sowie des Schlossparkplatzes, was auf vehemente Kritik stieß. Eine Lösung für den Jubiläumsbrunnen hingegen spielte damals keine Rolle.

Info& auf Mainz&: Ein ausführlicheres Porträt des Jubiläumsbrunnens samt Ernst-Ludwig-Platz lest Ihr hier in unserem 3. Türchen des Römischen Adventskalenders 2025.

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