In Belgien brennt an der Grenze zu Deutschland weiter das Naturschutzgebiet Hohes Venn – und in der Nacht zu Montag geriet der Brand erneut außer Kontrolle: Die Flammen überschritten eine Rote Linie, und rückten bis auf 1,5 Kilometer an die Eifelstadt Monschau heran. Derweil haben die Brände auch Auswirkungen bis nach Mainz: Auch hier war teils Brandgeruch in der Luft zu riechen, die Warnapps warnten vor Rauch im ganzen Rhein-Main-Gebiet.

Es sind historische Großbrände, die derzeit im Westen lodern: Zuerst war es der Großbrand in der Eifel bei Hürtgenwald, bei dem mindestens 300 Hektar Fläche in Flammen stammen, am Sonntag dann zeigte sich: Das war noch das kleinere Problem. Denn im Naturpark „Hohes Venn“ in Belgien, an der Grenze zu Deutschland, geriet am Wochenende ein neuer Großbrand außer Kontrolle: Hier brennen seit dem 14. August mittlerweile rund 3.000 Hektar einer Moor- und Torflandschaft – für Feuerwehren ein ungemein schwieriges gebiet.
Denn die Torfböden sind für schwere Löschfahrzeuge nicht befahrbar, dazu ist die Schicht mehrere Meter dick – hinzu kamen laut Berichten der Feuerwehren am Wochenende ständig wechselnde Windrichtungen, die das Feuer immer wieder neu anfachten. Es ist der mit Abstand größte Flächenbrand in Belgien seit Beginn der Aufzeichnung, listet Wikipedia auf – in der Nacht zu Montag geriet er erneut außer Kontrolle.
Feuer im Hohen Venn bedroht inzwischen Häuser bei Monschau
Hieß es zunächst am Sonntagabend, eine Gefahr für die deutsche Stadt Monschau in der Eifel bestehe nicht, so änderte sich das etwa eine Stunde vor Mitternacht: Das Feuer überspringe immer wieder „rote Linien“, klagten Feuerwehrleute – gegen 23.00 Uhr standen die Flammen nur noch etwa 1,5 Kilometer vor dem deutschen Städtchen Monschau, berichteten die Tagesthemen. Die Folge: Noch in der Nacht wurden in einem Ortsteil von Monschau rund 30 Anwohner evakuiert, bedroht sind 17 Häuser – gegen halb vier Uhr am Morgen hieß es bei heute.de: Die Flammen stünden etwa 300 Meter vor einigen Gebäuden.

Unterstützung bekommen die belgischen Feuerwehrkräfte von allen Seiten, auch von deutschen Landwirten, die mit ihren Tanklastwagen für den dringend benötigten Wassernachschub der Löschfahrzeuge sorgen. Aus der Luft sind inzwischen unter anderem niederländische Großhubschrauber im Einsatz, dazu zwei Löschflugzeuge aus Schweden – die übrigens an der Eupener Wesertalsperre Wasser nachtanken.
Trotz alledem bleibt das Feuer außer Rand und Band, ein weiteres Problem der Torf- und Moorböden: Es gibt eine enorme Rauchentwicklung – und die Rauchschwaden ziehen inzwischen durch weite Teile von Rheinland-Pfalz. Selbst noch an der Mosel hingen am Wochenende dicke Nebelschwaden in der Luft, und selbst in Mainz warnten die Behörden vor Rauch- und Brandgeruch durch die Großbrände.
Beißender Rauchgeruch der Brände auch in Mainz zu spüren
Tatsächlich war wiederholt beißender Rauchgeruch auch im Mainzer Stadtgebiet zu riechen – der Deutsche Wetterdienst zeigte ein Satellitenbild, das zeigt, wie sich die Rauchwolken über den Norden von Rheinland-Pfalz und quer über die Mitte Hessens ausbreiten und weiter nach Thüringen und Richtung Nordosten ziehen. In Rheinlad-Pfalz warnten die Behörden am Sonntag via Warnapps gleich pauschal vor Brandgeruch im ganzen Bundesland, in Hessen wurde unter anderem im Landkreis Groß-Gerau sowie im Main-Taunus-Kreis gewarnt.

Der Hinweis dabei stets: Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, man solle bitte nur dann die Feuerwehr-Notrufnummer 112 wählen, „wenn Sie außer Brandgeruch auch Rauch oder Feuer wahrnehmen“, bat die Feuerwehr in Hessen etwa – offenbar gingen wegen des Brandgeruchs vermehrt Notrufe ein. Ursache seien „Rauchfahnen großer Vegetationsbrände in Belgien, NRW und Rheinland-Pfalz“, hieß es weiter. Derweil brennt es deutschlandweit in mehreren Bundesländern an nahezu ein Dutzend Stellen, oft sind es zum Glück nur kleinere Brände.
Derweil warnen Experten, dass die bei Waldbränden entstehenden Rauchschwaden durchaus gesundheitsgefährdend sind: Bei den Bränden entstehe „ein komplexes Gemisch aus verschiedenen Gasen und sehr feinen Teilchen“, wenn Bäume, Sträucher, aber auch Gebäude und andere Materialien brennen, heißt es etwa bei ZDF Heute – besonders gefährlich seien dabei die Feinstaubpartikel, die tief in die Lunge eindringen können, Mainzer kennen das vom Fluglärm.
Die Rußpartikel, haben vor allem Mainzer Forscher um den Kardiologen Thomas Münzel gezeigt, lösen Entzündungen und Stress in Zellen aus, und können bei längerer Exposition auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Demenz oder Diabetes Typ II zur Folge haben. Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma, chronischen Lungen- oder Herzkrankheiten, aber auch Babys, Ältere, Allergiker sowie Behinderte und Schwangere. Schützen kann man sich am besten durch vermeiden: Fenster und Türen schließen, Lüftungsablagen abstellen, Luftreiniger anschmeißen – und FFP2-Masken tragen.
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