Die Stadt Mainz bleibt weiter hart in Sachen Mainzer Oktoberfest: Auch das neue Festzelt auf dem Mainzer Messegelände bekommt keine Genehmigung für die Austragung des Großevents. „Das Mainzer Oktoberfest 2026 kann auch im neu errichteten Festzelt auf dem Messegelände in Mainz-Hechtsheim nicht stattfinden“, teilte die Stadt am Freitagnachmittag mit. Genauere Gründe nannte die Stadt dabei nicht – DEHOGA-Präsident Gereon Haumann zeigte sich entsetzt: „Wir fordern die Stadt Mainz dringend auf, ins gemeinsame Boot zurückzukehren“, sagte er am Freitag vor Journalisten.

Das leere Festzelt des Mainzer Oktoberfestes: Die Stadt Mainz genehmigt das Fest weiter nicht, hier noch ein Blick in das alte Zelt. - Foto: gik
Das leere Festzelt des Mainzer Oktoberfestes: Die Stadt Mainz genehmigt das Fest weiter nicht, hier noch ein Blick in das alte Zelt. – Foto: gik

Die Stadt Mainz hatte Ende September überraschend angekündigt, es werde keine Genehmigung für das 20. Mainzer Oktoberfest auf der Mainzer Messe geben – Grund seien gravierende statische und brandschutzrechtliche Bedenken gegen das alte Festzelt, das bereits seit mehreren Jahren dort steht. Das Zelt sei kein „fliegender Bau“ mehr, für den erleichterte Genehmigungsverfahren gelten, sondern als „statischer Bau“ zu werten, argumentierte die Stadt – und dafür brauche es eine Baugenehmigung.

Die aber habe der Messebetreiber Karl Strack trotz Vorwarnung von elf Monaten nie beigebracht, betonte Baudezernent Ludwig Holle (CDU) mehrfach: „Es gibt keine Gutachten und Dokumentation, nach der wir das Zelt als Veranstaltungsstätte genehmigen könnten, und die wir seit elf Monaten eingefordert haben“, sagte Holle noch am 7. Oktober gegenüber der Internetzeitung Mainz&. Messe-Chef Strack zog vor Gericht, das Verwaltungsgericht Mainz aber bestätigte die Auffassung der Stadt Mainz in vollem Umfang.

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Stadt Mainz verweigert Genehmigung auch für neues Festzelt

Inzwischen hatte sich allerdings der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Gereon Haumann, eingeschaltet, und war Strack tatkräftig zur Seite gesprungen. Ein Vorstoß seinerseits, brandneue Gutachten vorzulegen, scheiterte indes, daraufhin organisierten Haumann und Strack ein komplett neues Zelt, das nun wirklich ein „fliegender Bau“ genehmigungsfähig sein sollte – man wolle das Oktoberfest am 16. Oktober doch noch eröffnen.

Erklärung der Stadt Mainz zur erneuten Absage des Mainzer Oktoberfestes am 16. Oktober 2026 auf Facebook. - Foto: Stadt Mainz
Erklärung der Stadt Mainz zur erneuten Absage des Mainzer Oktoberfestes am 16. Oktober 2026 auf Facebook. – Foto: Stadt Mainz

Doch dem machte die Stadt Mainz nun erneut einen Strich durch die Rechnung: Am Freitag verweigerte die Stadt erneut eine Genehmigung, das Oktoberfest bleibt abgesagt. „Die Stadt Mainz bedauert, dass trotz der intensiven Bemühungen aller Beteiligten auch mit dem neu errichteten Festzelt keine Durchführung des Oktoberfestes ermöglicht werden konnte“, teilte sie am Freitagnachmittag mit. Man habe „im besonderen Maß die oberste Fürsorgepflicht für die Bürger und auch für die Besucher“, hieß es lediglich: „Vor diesem Hintergrund kann die Genehmigung nicht ausgesprochen werden.“

Welche konkreten Gründe nun dagegen stehen, sagte die Stadt indes nicht. „Die erforderlichen baurechtlichen und sicherheitsrelevanten Voraussetzungen müssen vor einer Nutzung vollständig nachgewiesen und geprüft sein“, hieß es lediglich. Dabei hatte es am Donnerstag eine Begehung des neuen Zeltes auf dem Festgelände gegeben, am Freitag sollten weitere Gutachten geprüft werden. Wo es nun noch hakt – unklar. Bei dem Rundgang seien „noch offene Punkte und die erforderlichen Nachweise“ besprochen worden, teilte die Stadt lediglich mit. Bis heute hätten „nicht alle zwingend notwendigen Prüfungen und Abnahmen durchgeführt werden“ können.

Haumann widerspricht: Alle Genehmigungen da, „Zelt ist sicher“

DEHOGA-Präsident Haumann zeigte sich entsetzt: „Wir fordern die Stadt Mainz dringend auf, ins gemeinsame Boot zurückzukehren“, sagte er am Nachmittag vor Journalisten, und betonte: „Alle Unterlagen liegen vor, alle Genehmigungen liegen vor. Es bedarf jetzt nur noch der Gebrauchsabnahme des Zeltes vor Ort, das ist heute möglich, das ist aber auch morgen, am gesamten Samstag möglich, das ist am Sonntag möglich, das ist auch noch am Montag möglich.“

DEHOGA-Präsident Gereon Haumann vergangene Woche bei einer Pressekonferenz vor dem Festzelt des Mainzer Oktoberfestes. - Foto: gik
DEHOGA-Präsident Gereon Haumann vergangene Woche bei einer Pressekonferenz vor dem Festzelt des Mainzer Oktoberfestes. – Foto: gik

Das gesamte Team des Oktoberfestes „steht hinter Karl Strack, wir wollen weitermachen“, betonte Haumann zudem. „Ich muss der Stadt widersprechen, dass hier irgendein Gast unsicher wäre in diesem Zelt, das stimmt einfach nicht“, sagte er weiter. Das Zelt sei nach allen Regeln für einen fliegenden Bau, nach brandschutzrechtlichen und statischen und sicherheitstechnischen Regeln abgenommen worden. „Die Gäste sind hier sicher“, sagte Haumann: „Wir haben von der Feuerwehr einen Daumen nach oben bekomnen, ebenso vom Ordnungsamt, das Brandschutzgutachten liegt vor, der Sicherheitsbericht liegt vor.“

Haumann zufolge waren für dieses Wochenende rund 150 bis 200 Mitarbeiter für das Oktoberfest eingeplant, diese weigerten sich, die Stadt zu verlassen und aufzugeben – man kämpfe weiter für das Oktoberfest. „Das sind wir allen Gästen schuldig, allen Zulieferern, allen Betreibern der Lebensmittelgeschäfte, der Modegeschäfte“, sagte Haumann: „Karl Strack, die Festwirtin und das gesamte Team stehen parat, das 20. Mainzer Oktoberfest kann jederzeit beginnen.“

Haumann: Stadt hat auch Fürsoprgepflicht für Unternehmen

Haumann betonte, wenn sich die Stadt auf ihre Fürsorgepflicht berufe, müsse sie bedenken, dass sie auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Unternehmern und den Mitarbeitern habe – die Entscheidung sei „eine, die auch wirtschaftliche Existenzen in Frage stellen kann“, betonte er noch. Bei der Stadt Mainz betont man weiter, „wir uns über ein Oktoberfest im kommenden Jahr freuen“ – man biete dem Veranstalter „schon jetzt an, frühzeitig gemeinsam in die Planungen einzusteigen.“

Die Bühne im (alten) Festzelt des Mainzer Oktoberfestes bleibt offenbar in diesem Jahr leer. - Foto: gik
Die Bühne im (alten) Festzelt des Mainzer Oktoberfestes bleibt offenbar in diesem Jahr leer. – Foto: gik

Damit wird das Ringen um das Oktoberfest offenbar immer mehr zu einem Machtkampf: Die Stadt weigert sich, das Fest zu genehmigen – womöglich wegen der Vorgeschichte, mehr dazu ausführlich hier -, der Veranstalter weigert sich, das hinzunehmen – womöglich, weil er um seine Existenz kämpft: Strack droht nach Mainz&-Informationen wohl ein Schaden in Höhe von rund 4 Millionen Euro.

Für die Besucher ist die Lage indes weiter misslich: Der Veranstalter hatte das Fest weiter beworben und betont auch jetzt noch, die Tickets hätten als eine Art Gutschein-System „für das gesamte Mainzer Oktoberfest“ Gültigkeit. Man versuche, eine Lösung zu finden, um das 2. und 3. Wochenende gemeinsam feiern zu können“, heißt es inzwischen auf der Homepage des Oktoberfestes. Wer Karten und Wertmarken zurückschicken wolle, bekomme das Geld selbstverständlich erstattet, betonte Haumann: „Oder er kommt an einem der nächsten Wochenenden hierher, um sie einzulösen.“

Info& auf Mainz&: Alle Infos zur Rücksendung der Karten findet Ihr hier auf der Homepage des Mainzer Oktoberfestes. Ausführliche Berichte zur Vorgeschichte der Absage findet ihr auf Mainz& – bitte lest sie bei Interesse dort nach, etwa in diesem Artikel:

Ringen ums Mainzer Oktoberfest: „Es ist ein neuer Sachverhalt“ – DEHOGA appelliert an Stadt Mainz, Genehmigung neu zu bewerten