Übermorgen startet das 9-Euro-Ticket in Deutschland, und die Verkehrsunternehmen rüsten sich für einen Ansturm der Kunden: In Mainz wurden nach Angaben der Mainzer Mobilität bis Freitag bereits rund 27.500 der verbilligten Monatstickets verkauft, oft kauften die Interessierten gleich Tickets für alle drei Monate. Bei der Mainzer Mobilität sieht man sich gut vorbereitet, in Wiesbaden rechnen sie mit einem “sehr hohen Fahrgastaufkommen” und will mit einer Reserve spontan auf Engpässe reagieren. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) appelliert derweil: “Nutzen Sie dieses Experiment!”

Das 9-Euro-Ticket für die Monate Juni,. Juli, August ist seit einer Woche im Vorverkauf zu haben. - Foto: Schnarr
Das 9-Euro-Ticket für die Monate Juni,. Juli, August ist seit einer Woche im Vorverkauf zu haben. – Foto: Schnarr

Das 9-Euro-Ticket ist Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung und soll den Bürgern wegen der durch den Ukraine-Krieg explodierten Energiekosten unter die Arme greifen. Nötig ist das: Just am Montag teilte das Statistische Landesamt in Rheinland-Pfalz einen neuen Rekord bei den Preissteigerungen mit – danach lagen die Preise im Mai um 7,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat April, als die Inflationsrate plus 7,0 Prozent betrug.

Explodiert sind dabei besonders die Preise für Energie: Danach stiegen die Preise für Gas um fast 25 Prozent, für Benzin um 41,8 Prozent und für Heizölpreise sogar um 76,7 Prozent. Das Entlastungspaket des Bundes soll nun diese Preissprünge wenigstens ein bisschen auffangen, für die Monate Juni, Juli und August gibt es deshalb ab dem 1. Juni ein verbilligtes Monatsticket für 9,- Euro pro Monat. das Ticket gilt unbegrenzt in allen Fahrzeuge des Nahverkehrs und des Regionalverkehrs – nur der Fernverkehr der Deutschen Bahn ist ausgenommen.

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Der Nutzen des verbilligten Monatstickets ist derweil umstritten, fällt die Entlastung doch ausgerechnet in die Zeit der Sommerferien – im Herbst droht dann an den Ticketautomaten ein regelrechter Preisschock. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) appellierte dennoch am Montag noch einmal eindringlich an die Menschen: “Nutzen Sie dieses Experiment!” Das Angebot werde “die Weichen für die Verkehrsplanung der Zukunft stellen”, denn das 9-Euro-Ticket sei “das größte Experiment, das es bei Bus und Bahn in Deutschland jemals gab”, betonte Al-Wazir, das sei “eine große Chance” für die Verkehrsplaner.

Mahnt, das 9-Euro-Ticket als Chance fürs Experiment ÖPNV zu nutzen: Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). - Foto: Land Hessen
Mahnt, das 9-Euro-Ticket als Chance fürs Experiment ÖPNV zu nutzen: Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). – Foto: Land Hessen

Hessen habe bereits Flatrate-Tickets für Schüler, Azubis und Senioren auf den Weg gebracht, und wolle diese Angebote Schritt für Schritt ausweiten, betonte Al-Wazir: “Unsere Vision ist ein Bürgerticket für alle Hessen.” Das 9-Euro-Ticket schaffe nun “die Gelegenheit zu lernen, welche weiteren Fahrgastpotenziale Bus und Bahn noch haben, wo besonders viele Menschen unterwegs sein werden, wo es schon gut läuft und wo Engpässe entstehen und das Angebot perspektivisch noch erweitert werden muss”, sagte der Minister. Und auch, wenn das Ticket für Ausflüge am Wochenende genutzt werden könne, sei es vor allem als Anreiz zum Umstieg beim werktäglichen Pendeln gedacht.

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Der Run auf das 9-Euro-Ticket ist bislang denn auch groß: Bis Freitag wurden in Mainz bereits 27.500 Tickets verkauft, in Wiesbaden inzwischen sogar 30.500 Tickets. Das sind indes nicht alles Neukunden der Bahn: Das Ticket ist besonders beliebt bei Pendlern, die ohnehin den Nahverkehr nutzen, und nun richtig Geld sparen. Viele Kunden haben zudem gleich die Tickets für alle drei Monate auf einen Schlag gekauft, dazu kommt die Aussicht auf billige Ausflugsfahrten an den kommenden Feiertagen – gleich reihenwiese kursieren derzeit Tipps, wie man mit dem Regionalverkehr sogar quer durch Deutschland zu Ausflugszielen kommt.

Bei d4er ESWE Verkehr in Wiesbaden rechnen sie mit einem Ansturm der Fahrgäste pünktlich zum 1. Juni. - Foto: ESWE Verkehr
Bei d4er ESWE Verkehr in Wiesbaden rechnen sie mit einem Ansturm der Fahrgäste pünktlich zum 1. Juni. – Foto: ESWE Verkehr

Bei der Wiesbadener ESWE Verkehr rechnet man denn auch mit Stress in den ersten Tagen: Besonders zu beginn werde “noch nicht alles reibungslos funktionieren”, warnte die ESWE Verkehr am Montag, man rechne mit vielen Neukunden, die sich im System ÖPNV noch nicht auskennen. “Wir gehen davon aus, dass sich viele Fahrgäste und vor allem unregelmäßige ÖPNV-Nutzer zunächst orientieren müssen, mit welchen Linien sie optimal an ihr Ziel kommen”, sagte -Verkehr-Pressesprecher Micha Spannaus; “Wir bitten daher alle Fahrgäste um Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme.”

Gerade den Neukunden empfehle man, die Hauptverkehrszeit morgens zwischen 7.00 Uhr und 8.30 Uhr zu meiden, weil dann viele Schüler im Liniennetz unterwegs seien. Gerade auf den Strecken vom und zum Wiesbadener Hauptbahnhof werde mit besonders vielen Fahrgästen gerechnet, Pendler zwischen Mainz und Wiesbaden werde geraten, auf die S-Bahnen und Regionalbahnen auszuweichen – hier gebe es die größten Kapazitäten. Zum Umstieg in die S-Bahnen Richtung Mainz und Frankfurt biete sich auch der Bahnhof Wiesbaden-Ost an, dort halten etwa die ESWE-Linien 6, 33 und 39.

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“Wer noch kein 9-Euro-Ticket im Vorverkauf erworben hat, sollte dafür jetzt unbedingt die Fahrscheinautomaten nutzen”, rät Spannaus weiter, und bittet die Fahrgäste, nicht auf den Ticketverkauf im Bus zu setzen: “Das führt zu langen Standzeiten an den Bushaltestellen, die wir gerade in den Anfangstagen vermeiden wollen”, betonte der Sprecher. ESWE Verkehr halte zudem eine Reserve an Fahrpersonal und Fahrzeugen bereit, um spontan auf Engpässe reagieren zu können, heißt es aus Wiesbaden weiter. Man wolle aber zunächst abwarten, wie die Reserve am sinnvollsten eingesetzt werden könne.

S-Bahnen und Regionalbahnen werden ab dem 1. Juni deutlich voller - das 9-Monats-Ticket ist da. - Foto: gik
S-Bahnen und Regionalbahnen werden ab dem 1. Juni deutlich voller – das 9-Monats-Ticket ist da. – Foto: gik

In Mainz ist man da entspannter: Eine “stille Reserve” an Fahrzeugen und Fahrpersonal halte man sowieso immer vor, sagte Michale Theurer, Sprecher der Mainzer Mobilität auf Mainz&-Anfrage. Zudem sei die Zahl der Fahrgäste ohnehin noch immer deutlich niedriger als vor der Corona-Pandemie, das Mainzer Unternehmen rechnet deshalb damit, dass der Ansturm der Fahrgäste aufgefangen werden kann.

Zum Start des 9-Euro-Tickets endet gleichzeitig auch das bundesweite Angebot der kostenlosen ÖPNV-Nutzung für Menschen mit ukrainischem Pass. Ab dem 1. Juni müssen somit auch ukrainische Staatsbürger ein Ticket lösen. Registrierte Geflüchtete aus der Ukraine erhalten zu Anfang Juni umfassende Hilfen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts, zur Gesundheitsversorgung und zur Integration, heißt es in Wiesbaden. Darin eingeschlossen seien auch “weitreichende Angebote für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.”

Info& auf Mainz&: Mehr zur Kritik am 9-Euro-Ticket, sowie wie man in Mainz an das Ticket kommt, lest Ihr hier auf Mainz&, alle Informationen dazu findet Ihr zudem hier bei der Mainzer Mobilität. Alle Informationen zum 9-Euro-Ticket in Wiesbaden findet Ihr hier auf der Webseite der ESWE Verkehr. Mehr zur Rekord-Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Warum sich die Verkehrsminister der Länder sogar lieber ein Null-Euro-Ticket gewünscht haben, könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen:

Hohe Energiepreise: Verkehrsminister schlagen Null-Euro-Monatsticket vor – CDU in Mainz: Entlastungen kommen zu spät

 

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