Die Mainzer könnten am Freitag vor dem ein oder anderen verschlossenen Geschäft stehen – das betrifft auch das Nachbarland Hessen. Der Grund: Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat für diesen 22. Mai zu Streiks im Groß- und Einzelhandel aufgerufen. In Mainz fand am Mittag eine Großkundgebung statt, erwartete wurden dazu rund 700 Protestierende allein aus Hessen. Zum Streik aufgerufen sind Beschäftigte der Einzelhandelsketten Rewe, Penny, Kaufland, Hit, Ikea, Douglas, Primark, H&M, Zara sowie Metro und Rewe-Logistik.

Die Dienstleistungsgewerkschaft kritisiert im derzeit laufenden Tarifstreit das Angebot der Arbeitgeber: „Die Beschäftigten im Handel sind zurecht wütend über das vorliegende Arbeitgeberangebot“, sagte Marcel Schäuble, ver.di-Verhandlungsführer für den Handel in Hessen. Das Angebot umfasse zunächst für sechs Monate gar keine Entgelterhöhung und dann 2 Prozent – das bedeute für Beschäftigte effektiv eine Anhebung von 1 Prozent mim ersten Jahr.
„Bei einer langjährig beschäftigten Verkäuferin in Teilzeit mit beispielsweise 28 Wochenstunden kommen da auf den Monat runtergebrochen rund 12,- Euro im Portemonnaie an“, kritisierte Schäuble. Das sei „angesichts der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten, den Lebensrealitäten der Menschen und deren Familien alles andere als angemessen und lässt jedes Augenmaß vermissen.“ Mit Blick auf die derzeit prognostizierte Inflationsrate von 2,8 Prozent im Jahresdurchschnitt sei das zudem ein Reallohnverlust, ebenso wie die angebotenen 1,5 Prozent fürs zweite Jahr.
Großkundgebung in Mainz, Streik bei Lebensmittelmärkten
Ver.di Hessen fordert hingegen 250,- Euro monatlich mehr für jede Entgeltgruppe und 150,- Euro pro Monat für Azubis je Auszubildendenjahr. „Beide Handelsbranchen weisen eine solide Entwicklung auf“, betonte Schäuble. Der Einzelhandel in Hessen habe 2025 ein Umsatzplus von 5 Prozent und der Großhandel sogar von 6,4 Prozent erwirtschaftet. „Die seitens der Arbeitgeber viel zitierte Krise ist entlang der Branchendaten in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte Schäuble. Auch die Gewinne seien in den zurückliegenden Jahren angewachsen.

Ver.di Hessen hatte deshalb am Freitag zu einem Streik sowie zu einer gemeinsamen Großkundgebung mit Handelsbeschäftigten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland in Mainz aufgerufen. In der Mainzer Innenstadt würden rund 700 Streikende allein aus Hessen teilnehmen, kündigte Ver.di an.
Geplant waren ein Demonstrationszug durch die Mainzer Innenstadt von 11.00 Uhr bis 12.30 Uhr sowie eine Kundgebung auf dem Ernst-Ludwig-Platz zwischen 13.00 Uhr und 14.30 Uhr. Zum Streik aufgerufen sind Beschäftigte der Einzelhandelsketten Rewe, Penny, Kaufland, Hit, Ikea, Douglas, Primark, H&M, Zara sowie Metro und Rewe-Logistik.
Nach Angaben von Experten sind die stark gestiegen Löhne der vergangenen Jahre ein Inflationstreiber. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems just am Freitag mitteilte, stiegen 2025 die Reallöhne im zweiten Jahr im Folge – die Arbeitnehmer erhielten also mehr zusätzlichen Lohn, als die Inflation ausmachte. Demnach erhöhten sich 2025 die tatsächlich gezahlten Löhne und Gehälter, um 3,3 Prozent gegenüber 2024, im gleichen Zeitraum stiegen die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent. Damit sei ein Reallohnzuwachs von 1,3 Prozent erzielt worden. Beigetragen habe dazu die Anhebung des Mindestlohns im Januar 2025.
Info& auf Mainz&: Mehr zur Lohnentwicklung in Rheinland-Pfalz in den verschiedenen Branchen könnt Ihr im Detail hier im Internet nachlesen.






