Amerika wählt, Mainz fiebert mit: Trump oder Biden? – Reichow mit furioser Hymne „Amerika“ liefert den Soundtrack

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Amerika wählt, und auch in Mainz werden zahllose Menschen in der „Election Night“ mitfiebern: Trump oder Biden? Geht der Wahnsinn von Lügen, Größenwahn und unbeschränktem Egoismus noch vier Jahre weiter, oder kehrt Amerika auf den Boden von Vernunft, Fakten und zukunftsgerichteter Politik zurück? Die Wahl in den USA entscheidet nicht nur das Schicksal der ältesten Demokratie der Welt – sie ist auch entscheidend für das Schicksal der westlichen Demokratie überhaupt. Ein Mainzer liefert dafür den Soundtrack: Mit „Amerika“ hat der Kabarettist Lars Reichow erneut eine eindringliche Hymne mit Gänsehaut-Atmosphäre geschaffen.

Donald Trump oder Joe Biden - heute Nacht gilt's: Wer ist der nächste US-Präsident? - Screenshot: gik
Donald Trump oder Joe Biden – heute Nacht gilt’s: Wer ist der nächste US-Präsident? – Screenshot: gik

Als vor vier Jahren der in Deutschland nahezu unbekannte Donald Trump völlig überraschend gegen die Demokratin Hillary Clinton ins Weiße Haus einzog, winkten viele ab: Es werde schon nicht so schlimm werden. Trump werde sich mäßigen, das Amt ihn zähmen, alle Unkenrufe seien verfrüht. Vier Jahre danach sind die Abwiegler Lügen gestraft: Es kam alles noch viel schlimmer.

Donald Trump entpuppte sich als cholerischer Egomane, schlimmer noch: als notorischer Lügner und Faktenverdreher. Mit dem Begriff „Fake-News“ zettelte er einen Kreuzzug gegen seriöse Medien an, der nur ein einziges Ziel hatte: faktenbasierten Journalismus gründlich zu diskreditieren, damit die Offenlegung von tatsächlichen Skandalen und Ungeheuerlichkeiten entwertet wurde. Trump erzählte regelrecht Märchen über jedes Thema, das ihm gerade einfiel. Er twitterte ungefiltert und setzte damit mehr Lügen in die Welt als jemals ein Staatschef der westlichen Demokratiewelt vor ihm – mehr als 20.000 echte Lügen im Amt wiesen ihm die US-Medien nach.

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Donald Trump als "Nero von Washington" - so sahen die Mainzer Narren ganz aktuell im Rosenmontagszug 2020. - Foto: gik
Donald Trump als „Nero von Washington“ – so sahen die Mainzer Narren ganz aktuell im Rosenmontagszug 2020. – Foto: gik

Das Ergebnis: Eine völlig Destabilisierung der Realität. Trump schuf „alternative Fakten“ und schaffte damit, dass die Wähler in den USA niemandem mehr gar nichts glaubten, ein probates Mittel von Diktatoren und Populisten um sicherzustellen, dass nur noch der obersten Autorität geglaubt wird – Donald Trump selbst. Und das wirkte nicht nur in den USA: Auch in Europa, in Deutschland wurden „Fake-News“ zum geflügelten Wort, Rechtspopulisten ließen dankbar die „Lügenpresse“ wieder auferstehen, Unsicherheit und Angst wurden geschürt, wo immer Populisten eine Chance sahen – die sozialen Medien liefern bis heute die ungefilterten Möglichkeiten zur Verbreitung, auch weil Facebook sich bis heute weigert, gegen solche Umtriebe konsequente vorzugehen, und Twitter es erst heute tut.

Ganz nebenbei ruinierte Donald Trump die diplomatischen Beziehungen zu fast allen ehemaligen Verbündete und Freunden der USA, während er gleichzeitig Diktatoren wie Kim Jon Un und Wladimir Putin hofierte. Trump brach Verträge, wie es ihm beliebte, und scherte sich keinen Deut darum, dass er damit die Welt in ein neues nukleares Aufrüsten und höchste Unsicherheit stürzte – wie im Fall des Iran-Abkommens -, oder seine eigene Landwirtschaft um ein Haar ruinierte wie durch den Handelskrieg mit China. Das Pariser Klimaabkommen war Trump sowieso nichts Wert, der US-Präsident genehmigte jede Umweltschweinerei, die ihm Recht und seinen Geschäftsfreunden billig war.

Donald Trump beim Vergleich mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. - Foto: gik
Donald Trump beim Vergleich mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, auch dies ein Mainzer Motivwagen. – Foto: gik

Und so lernte die Welt voller Staunen über die Jahre eine Lektion: Donald Trump nützt nur Donald Trump, alles andere interessiert ihn nicht. Regierungsgeschäfte, Verhandlungen, gar konzentrierte Pläne fürs Land entwickeln? Donald Trump saß vor dem Fernseher, suchte Bestätigung bei Fox News und twitterte, wenn er nicht ohnehin Golfspielen war. Dieser Mann sei „unfit for the office“, ungeeignet Präsident der Vereinigten Staaten zu sein – zu dieser Schlussfolgerung kamen gleich reihenweise Experten aller Couleur.

Zur Bewältigung einer Krise eignete sich der Mann ohnehin nicht: Die Coronakrise leugnete Trump monatelang, eigentlich bis heute, das Virus „will disappear“, werde einfach weggehen, behauptete er wieder und wieder – während in den USA mittlerweile mehr als 232.000 Menschen an den Folgen von Covid-19 starben, und Bilder von Massengräbern in New York um die Welt gingen. Und zum ersten Mal nahmen die Amerikaner ihrem seltsamen Präsidenten wirklich etwas übel: Das Missmanagament der Coronakrise dürfte Donald Trump das Amt kosten.

Joe Biden zeigte sich immer wieder kämpferisch, aber auch emotional und vor allem empathisch. - Screenshot: gik
Joe Biden zeigte sich immer wieder kämpferisch, aber auch emotional und vor allem empathisch. – Screenshot: gik

In den USA gibt es nämlich, anders als in Deutschland, Hunderttausende, die genau wissen, was das Coronavirus anrichtet, deren Nachbarn, Kinder und Eltern gestorben sind – weil Donald Trump sich weigerte, das Virus zur Kenntnis zu nehmen und entgegen dem Rat aller Experten einfach gar nichts machte. Nicht umsonst erinnerte Joe Biden in praktisch allen seinen Reden, auch im ersten großen Fernsehduell, genau daran: „Wenn Ihr morgens aufwacht, und in der Küche beim Frühstück den leeren Stuhl seht, wo eigentlich Euer Liebster säße“, sagte Biden in die Kameras – es waren immer die stärksten Momente seiner Auftritte. In den USA ist das Schüren solcher Emotionen zentral wichtiger, Mitgefühl, Empathy, spielt eine ganz andere Rolle als bei uns: Wer das nicht zeigt, der hat schon verloren.

Donald Trump sagte in einem Fernsehinterview, angesprochen auf die 210.000 Toten, schulterzuckend den Satz: „It is, what it is.“ – „So ist es eben.“ Kommentatoren aller Nachrichtensendungen flippten danach beinahe aus: Ein Präsident, der zu den Toten einer Pandemie einfach mit den Schultern zuckt? Die Amerikaner waren entgeistert. Und angewidert. So etwas macht man nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von America. Dem Land der Träume, der Hoffnungen, der großen Reden, dem Land des „I had a Dream“ eines Martin Luther Kings Jr. Donald Trump hat genau dieses emotionale Fundament, auf dem Amerika erbaut wurde, ins Wanken gebracht, kalt lächelnd und distanziert.

Und er hat an den Grundpfeilern der Demokratie gerüttelt: Trump hat die Unabhängigkeit der Gerichte in Frage gestellt, er hat das System der Briefwahl in den Dreck gezogen und so das recht auf freie, ungehinderte Stimmabgabe zu unterminieren versucht. Er schürt massiv Zweifel, dass er das Wahlergebnis heute Nacht anerkennen wird, falls er verliert. Und er rief praktisch zu einem Bürgerkrieg auf, als er in die Kameras an die Adresse der ultrarechten Miliz „Proud Boys“ sagte: „Stand back and Stand by.“ – „Haltet Euch zurück, und haltet Euch bereit.“

Eine der Schlüsselszenen kruz vor der Wahl: Donald Trump ließ eine Straße räumen, um vor einer Kriche eine Bibel hochzuhalten - die Szene sorgte für helle Empörung. - Screenshot via CNN: gik
Eine der Schlüsselszenen kurz vor der Wahl: Donald Trump ließ eine Straße räumen, um vor einer Kirche eine Bibel hochzuhalten – die Szene sorgte für helle Empörung. – Screenshot via CNN: gik

Es war dies mehr als alles andere, das Amerika schockierte. Denn der Amerikanische Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 ist bis heute das Urtrauma des Landes, der ultimative Schock, der die Einheit und das Land um ein Haar zerrissen hätte. Niemand, schon gar nicht ein Präsident, darf es wagen, dieses Trauma wiederzubeleben. Und es war Abraham Lincoln, der legendäre Abschaffer der Sklaverei, der das Land während und nach diesem verheerenden Krieg zusammenhielt und wieder vereinte. Und ausgerechnet das Abraham Lincoln-Memorial in Washington, den Tempel der amerikanischen Demokratie, benutzte Donald Trump für ein Fernsehinterview mit Foxnews, um nur eines zu sagen: Ich, Ich, Ich.

Er habe mit Donald Trump noch ein Hühnchen zu rupfen, sagte ZDF-Moderator Claus Kleber, als er vor drei Tagen zur Wahlberichterstattung nach Washington reiste: „Trump, der vor allem für sich selbst sorgt“, habe es doch allen Ernstes gewagt, sich mit Lincoln zu vergleichen, „dem die Demokratie über alles ging“, schimpfte Kleber in einem kleinen Videobeitrag auf Twitter. Und nicht nur der Deutsche Kleber empfand das als eine Entweihung. „The People, for whom he saved the Union“, steht über der Statue Lincolns als Ehreninschrift: „Das Volk, für das er die Einheit bewahrte“, das war Abraham Lincoln.

Blick von ZDF-Moderator Claus Kleber vom Lincoln Memorial auf die Washington Mall. - Foto: Kleber, Screenshot: gik
Blick von ZDF-Moderator Claus Kleber vom Lincoln Memorial auf die Washington Mall. – Foto: Kleber, Screenshot: gik

Trump hat die Demokratie untergraben und die Nation gespalten, er hat für Aufruhr und Unruhe gesorgt, und für Selbstjustiz und einen Anstieg von Rassismus- Er hat die Mauer nach Mexiko nicht gebaut, aber dafür gegen Einwanderer, Schwarze und Linke gehetzt wie kein Präsident vor ihm. Und es ist genau dieses Kippen ins Gruselige, ins Schwarzem ja, ins Böse, das Lars Reichow in seinem neuesten Song „Amerika“ nachzeichnet.

Bei der Premiere seines neuen Programms „ICH“ gab Reichow auch den Song „Amerika“ zu Gehör, es war der Höhepunkt des Abends, denn die Hymne an das Lande der unbegrenzten Möglichkeiten zeichnet genau das nach: Die unendliche Sehnsucht nach Freiheit und Größe, die von diesem Land inspiriert wird. „Amerika, du bist das Land meiner Träume, Amerika, du hast so unglaublich hohe Bäume“, singt Reichow, und lässt alles Revue passieren, was dieses Land in den Köpfen und in der Realität einst so groß machte: „Hope“, „Always a chance“, „The best is yet to come“.

Lars Reichow serviert mit seiner neuen Hymne "Amerika" den Soundtrack zum Wahlabend. - Foto: gik
Lars Reichow serviert mit seiner neuen Hymne „Amerika“ den Soundtrack zum Wahlabend. – Foto: gik

Reichow erinnert an den Radiosender AFN, mit dem die Amerikaner in Europa nach dem zweiten Weltkrieg Blues, Rock und Demokratie unters Volk brachten. Er erinnert an „Power and Glory“, an „I had a dream“ und an „All men are created equal“, an „Welcome to Hollywood“, das Sehnsuchtsland, und an das „Land of the Free“. Nur um ganz allmählich das Lied kippen zu lassen, zu Facebook, Google, Snapchat, Silikon Valley und iPhone, und aus „all men are equal“ wird beinahe unmerklich „may all policemen be created equal“. Und dann marschieren sie auf, die National Rifle Association Anhänger, die Faschisten, die Mörder, auch Power und Glory wird „boom, shut up, Hände hoch – fuck you, nigger!“ Und alles endet im irren Lachen eines Clowns und den heiseren Schreien des ermordeten Schwarzen George Floyd „I can’t breathe!“

Die Wahl am 3. November, sie ist eine Schicksalswahl, und Millionen Menschen weltweit werden mit dem Ausgang mitfiebern. Joe Biden hat versprochen, Amerika seine wahre Größe wiederzugeben: den Anstand, die Empathie, „die Seele der Nation.“ Es hat gute Chancen, das auch zu tun, alle Umfragen sehen ihn deutlich weiter vor Trump als Clinton vir vier Jahren. Rund 100 Millionen US-Bürger haben bereits vor dem Wahltag gewählt – so viele wie nie. Offenbar hat Trump mit seinen ganzen Drohungen über unsichere Wahlen vor allem eines erreicht: dass die Amerikaner wirklich sicher gehen wollten, dass ihre Stimme auch gezählt wird.

US-Vizepräsidentschafts-Kandidatin Kamala Harris bei ihrem TV-Duell. - Screenshot: gik
US-Vizepräsidentschafts-Kandidatin Kamala Harris bei ihrem TV-Duell. – Screenshot: gik

Und das gilt vor allem für seine Gegner, für die Biden-Wähler. Trump hat sie in einem Maße mobilisiert, wie es Biden alleine nie gelungen wäre. Dazu kommt: Biden hat tatsächlich ein Programm, er hat Pläne für Klimaschutz und Wirtschaft, für die Belebung des Arbeitsmarktes und die Bewältigung der Pandemie. Mit Kamala Harris hat er eine unglaubliche schwarze Powerfrau an seiner Seite als Vice-President-Kandidatin, und die Demokraten stehen geeint hinter Biden, wie sie es nie hinter Hillary taten.

Die Trump-Kampagne hingegen zerfiel in ihre einzelnen Stücke, je näher der Wahltag kam – sämtliche führende Republikaner wie Mitch McConell oder Mit Romney sind völlig abgetaucht. Abgetaucht sind sie, sie ducken sich weg, allen voran Kellyanne Conway, Trumps engste Beraterin und eine der wichtigsten Wahlkampfhelferinnen, die ein Vierteljahr vor der Wahl ging, „um sich um ihre Familie zu kümmern.“ Geflüchtet sind sie, sie alle, weil sie die Zeichen lesen, und nicht mit in den Abgrund gezogen werden wollen. Selbst ein Ex-Präsident wie George W. Bush kündigt an, nicht für Trump zu stimmen, normalerweise undenkbar in den USA, andere Republikaner gründeten Zirkel, um gegen Trumps Widerwahl anzukämpfen – und nannten es „das Lincoln Project.“

Überblick der Tagesschau zu den Umfragen Joe Biden (oben) gegen Donald Trump (unten). - Screenshot: gik
Überblick der Tagesschau zu den Umfragen Joe Biden (oben) gegen Donald Trump (unten). – Screenshot: gik

Die Wahl ist also faktisch eigentlich schon gelaufen – nur wissen wir noch nicht, wie sie ausgeht. Und das in mehr als einer Hinsicht: Trump hat angekündigt, eine Niederlage nicht zu akzeptieren, er ließ einen Zaun rund ums Weiße Haus ziehen. Was also wird heute Nacht passieren? Verbarrikadiert sich ein abgewählter Präsident im Weißen Haus? Gibt es gar einen Bürgerkrieg? Schafft Trump doch noch den Coup einer Widerwahl? Oder erwartet uns einen monatelange Hängepartie mit Gerichtsschlachten? Allein die Tatsache, dass diese Optionen ernsthaft im Raum stehen, zeigt, wie sehr Donald Trump der Demokratie schon jetzt geschadet hat. Es geht heute Nacht deshalb um nichts weniger als die Zukunft der westlichen Demokratie – die Welt hält den Atem an.

„P.S.“; schrieb Lars Reichow unter seine Email mit dem Video neulich: „Wenn Biden/Harris die Wahl gewinnen, bin ich etwa eine Woche im Vollrausch!“

Info& auf Mainz&: Wie Trumps Wahlsieg im November 2016 Deutschland schockierte und sogar das Gedenken an die Reichskristallnacht vom 9. November überlagerte, haben wir hier bei Mainz& aufgeschrieben. Mehr zu Lars Reichows neuem Programm „Ich“ lest Ihr hier bei Mainz&. Das ganze Video „Amerika“ findet Ihr hier auf Youtube.

 

 

 

 

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