Wir hatten ja berichtet, dass das Atrium Hotel in Mainz-Finthen der AfD die Räume für eine Veranstaltung mit Afd-Chef Bernd Lucke kurzfristig gekündigt hatte – nun hat auch ein Essenheimer Restaurant die umstrittene Partei vor die Tür gesetzt. Die AfD habe sich nicht an Absprachen gehalten, sagte Restaurantchef Thomas Roos am Abend Mainz& – und es habe massiv Ärger im Internet gedroht. Deshalb habe er die Veranstaltung wieder abgesagt.

Die Alternative für Deutschland (AfD) befindet sich ja gerade in heftigen Turbulenzen, zwei Flügel kämpfen miteinander – Luckes neoliberal-konservativer und eine national-konservative Strömung mit deutlich rechtem Zungenschlag. Die AfD sagte deswegen sogar ihren Bundesparteitag ab. Doch auch AfD-Chef Lucke selbst wird immer wieder von linken Gruppierungen das Spiel mit rechtspopulistischen Thesen vorgeworfen.

AfD Plakat Lucke kommt
Lucke kommt… oder auch nicht – hier ein AfD-Plakat aus München

Genau deswegen hatte es am Montag eine Attacke gegen eine Hotelfassade in Freiburg gegeben, eine linke Gruppierung wollte damit gegen aus ihrer Sicht „rassistische“ Tendenzen Luckes protestieren. Ausführlich könnt Ihr das hier bei Mainz& nachlesen.

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Mainz& sprach heute noch einmal mit Hotelier Lothar Becker vom Atrium-Hotel – und der bestätigte auch, dass die AfD die Räume zunächst über eine Privatperson buchte, die Bestätigung sei ans Europäische Parlament geschickt worden. Dass es sich um die AfD handele, habe er erst später erfahren, sagte Becker weiter. Ein Grund für eine Absage wäre das aber nicht gewesen, betont er: „Bei uns haben alle demokratisch legitimierte Parteien ein offenes Haus – und es haben hier auch schon alle getagt.“

Doch nun habe die Polizei bei einer Gegendemo vor seinem Hotel Gewaltanwendung und Sachbeschädigung wie in Freiburg nicht ausschließen können. „Wir haben uns dann mit unseren Mitarbeitern beraten“, berichtet Becker, „die hatten richtig Sorge und Angst.“

„Unsere Aufgabe ist es, Präsenz zu zeigen, wenn wir von so etwas erfahren“, sagt der Mainzer Polizeisprecher Achim Hansen: „Wir haben nur Informationen weiter gegeben, das ist auch unsere Aufgabe.“ Von „gewalttätig“ sei keine Rede gewesen, man habe die Gegendemo aber „mit Einsatzkräften begleiten“ wollen.

AfD-Plakat Lucke soziale Selbstbedienung
Sprüche nah am rechten Rand: AfD-Plakat mit Bernd Lucke

Die Polizei habe klar gemacht, dass man „Maßnahmen“ ergreifen müsse – sogar von einem Sonderkommando sei die Rede gewesen, sagt Becker weiter. „Da darf man schon mal Angst haben“, fügte er hinzu. Dazu kommt: „Wir haben an dem Tag sieben Parallelveranstaltungen“, verteidigt Becker seine Entscheidung, manche seien schon lange gebucht, auch mit internationalen Teilnehmern. „Unsere Gäste haben auch einen Anspruch auf störungsfreies Tagen und Wohnen“, betont der Hotelier. Und fügte noch hinzu, die AfD „hätte es leichter“, wenn sie in öffentlichen Sälen tagen würde, anstatt in Hotels.

Die AfD zeigte übrigens gegenüber Becker Verständnis für seine Reaktion. Die Partei hatte nun mit dem Vortrag Luckes ins rheinhessische Essenheim ausweichen wollen – doch auch dort wurde ihnen am Abend kurzerhand der Stuhl vor die Tür gestellt. Er habe das Ausweichquartier ja erst am Morgen zur Verfügung gestellt, sagte Roos – unter der Bedingung, dass die AfD den Ort nicht veröffentliche, sondern nur ihren Leuten maile. Daran aber hielt sich die AfD nicht, Roos zog deshalb die Reißleine.

„Wir hatten hier mal eine Kreisversammlung der AfD, da hatten wir hinterher sehr viel Ärger mit bösen Anfeindungen auf Facebook und im Internet“, erzählt der Hotelier. Auch dieses Mal habe er „gleich wieder die ersten netten Kommentare“ gehabt. Er arbeite viel mit ausländischen Mitarbeitern, denen habe er das nicht zumuten wollen. Aber auch sonst war Ross ziemlich sauer auf die Partei: „Hätte ich gewusst, dass die woanders eine Absage gekriegt haben, dann hätte ich das nicht gemacht“, betonte er.

P.S.: Die AfD wich am Abend noch nach Heidesheim aus, zu einem Kamingespräch mit Bernd Lucke.

Info& auf Mainz&: Die ganze Geschichte mit der AfD in Mainz, auch die Reaktionen der AfD selbst, könnt Ihr in diesem mainz&-Artikel Mainzer Hotel kündigt AfD-Veranstaltung nachlesen. Dort findet Ihr auch noch mehr Hintergrund zur AfD in Rheinland-Pfalz und Mainz.

1 KOMMENTAR

  1. Klingt ziemlich nach „gelebter Demokratie“. Ich habe gelesen, durch die Gnade der späten Geburt glücklicherweise nur gelesen, daß in Nazi-Zeiten es auch üblich war andere Meinungen zu Unterdrücken und mundtot zu machen.
    Ich habe mit der AFD und seinen Representannten absolut nichts am Hut. aber icher werde dafür Streiten daß die Ihre Meinung oder Botschaft genau wie andere verkünden können. Genau wie die Linken/SED oder Grüne, oder Piraten, oder SPD, oder CDU, oder Republikaner usw, usw.

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