Es war ein Prestigeprojekt von Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) und ein wichtiger Baustein in der Strategie der Stadt Mainz zur Belebung der Mainzer Innenstadt, nun steht er vor dem Aus: Den Null-Euro-Samstag wird es 2027 wohl nicht mehr geben. Im Haushalt seien dafür „keine weiteren Mittel vorgesehen“, die Mainzer Verkehrsgesellschaft MVG müsse sparen, neue Kunden habe der Samstag auch nicht gebracht, deswegen halte man „die Aufrechterhaltung des Angebots für nicht zielführend“, hießt es am Mittwoch im Mainzer Stadtrat. Die Antworten kamen von Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne).

Im Oktober 2024 zog die Stadt eine hochzufriedene Zwischenbilanz des Null-Euro-Samstags: Der sei "ein voller Erfolg", hieß es damals. - Foto: Stadt Mainz
Im Oktober 2024 zog die Stadt eine hochzufriedene Zwischenbilanz des Null-Euro-Samstags: Der sei „ein voller Erfolg“, hieß es damals. – Foto: Stadt Mainz

Der Null-Euro-Samstag war als Experiment im Juli 2024 gestartet worden und zunächst für ein Jahr geplant gewesen: An jedem 1. Samstag im Monat ist seither der Öffentliche Nahverkehr in Mainz kostenlos, mit der Aktion will Mainz wieder mehr Menschen zum Einkaufen und Ausgehen in die Mainzer Innenstadt locken. „Einfach einsteigen und mitfahren – von der ersten Fahrt am Morgen bis zum Betriebsschluss in der Nacht“, lautet das Motto – die Stadt betonte seither in jeder Bilanz, das Modellprojekt sie ein großer Erfolg.

Eine Evaluierung ergab bereits im Oktober 2024: Die kostenlose ÖPNV-Nutzung brachte pro Samstag bis zu 20 Prozent mehr Nutzer in Busse und Bahnen, auch die Passantenfrequenz in der Innenstadt nahm spürbar zu. Rund ein Viertel der Fahrgäste gaben an, speziell aufgrund des 0-Euro-Samstages mit dem ÖPNV in die Stadt gekommen zu sein, das sei „ein voller Erfolg für Mainz“, freute sich OB Haase im Februar 2025: Mainz habe damit gezeigt, „wie attraktive Angebote den öffentlichen Nahverkehr stärken und zugleich unsere Innenstadt beleben können“, es gebe bereits Anfragen aus anderen Städten.

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Stadtrat 2025: „Angebot langfristig etablieren“ – Jetzt das Aus?

Der Stadtrat beschloss im Februar 2025, die Aktion bis Ende 2025 fortzusetzen, man wolle „das Angebot langfristig etablieren“, das zudem auf die Region ausgeweitet werden müsse, betonte damals auch SPD-Verkehrsexperte Erik Donner. Die Stadtverwaltung wurde gar einstimmig gebeten, Szenarien für eine langfristige Finanzierung und Etablierung des Null-Euro-Samstags zu erarbeiten, und sogar mit der Nachbarstadt Wiesbaden sowie umliegenden Kommunen über eine mögliche Ausweitung zu sprechen. All das spielt nun plötzlich keine Rolle mehr: Auf Anfragen von SPD und VOLT im Mainzer Stadtrat teilte das Verkehrsdezernat nun plötzlich mit, für die Aktion sei kein Geld mehr da – und gebracht habe sie auch nichts.

Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) am Mittwoch im Mainzer Stadtrat: Plötzlich kein Geld mehr für den Null-Euro-Samstag. - Screenshot: gik
Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) am Mittwoch im Mainzer Stadtrat: Plötzlich kein Geld mehr für den Null-Euro-Samstag. – Screenshot: gik

Die Antworten kamen dieses Mal aus dem Verkehrsdezernat von Dezernentin Janina Steinkrüger (Grüne), und die widersprach den bisherigen Aussagen. „Der Null-Euro-Samstag hat bislang zu keiner nachhaltigen Steigerung der Fahrgastzahlen bzw. der Einnahmen bei der Mainzer Mobilität geführt“, heißt es da nun. Die bisherigen Einnahmeverluste seien „durch das Marketingbudget der MVG ausgeglichen“ worden, eine Finanzierung über das Jahr 2026 hinaus durch die Mainzer Mobilität sei wegen „der nicht erfolgten Gewinnung von Neukunden nicht sinnvoll darstellbar.“

Versuche der Mainzer Mobilität, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen – etwa über die Wirtschaftsförderung, die Tourismusabgabe oder Förderprogramme des Landes („Innenstadtimpulse“) – hätten „leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt“, teilte die Dezernentin weiter mit. Angesichts eines Defizits von rund 33 Millionen Euro bei der MVG „hält die Verwaltung die Aufrechterhaltung des Angebots des 0-Euro-Samstags für nicht zielführend“, teilte Steinkrüger weiter mit: Im Haushalt seien „keine weiteren Mittel“ dafür vorgesehen.

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Aus trotz „Belebung der Innenstadt und Beitrag zu Kaufkraft“?

Die Antwort überrascht, hatte OB Haase doch stets vorgerechnet, der Null-Euro-Samstag koste die Stadt und die MVG gar nicht so viel. Jeder kostenfreie Samstag kostet die Stadt Mainz rund 25.000 Euro, hatte es im September 2024 geheißen. Doch von diesen Kosten erhalte die Stadt Mainz im Zuge des Einnahmenaufteilungsverfahrens im Rhein-Main-Verkehrsverbund auch wieder einen Anteil zurück. Haase hatte deshalb im September 2024 im Mainz&-Interview betont, trotz der schwierigen Haushaltssituation in Mainz werde am 0-Euro-Samstag festgehalten.

Der Null-Euro-Samstag war ein Herzensprojekt von OB Nino Haase (parteilos). - Foto: Stadt Mainz
Der Null-Euro-Samstag war ein Herzensprojekt von OB Nino Haase (parteilos). – Foto: Stadt Mainz

Haase hat sich bislang zu den neuen Angaben aus dem Verkehrsdezernat nicht geäußert, der OB hatte aber stets darauf hingewiesen, dass der kostenlose ÖPNV am Samstag Innenstadt und Einzelhandel deutlich genützt habe – das räumt auch Steinkrüger ein. Der Null-Euro-Samstag leiste durchaus „einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt und damit zu zusätzlicher Kaufkraft“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage der VOLT-Fraktion. das spiegele sich auch „in der Rückmeldung der Einzelhändler wider, die eine deutlich höhere Kundenfrequenz und relevant höhere Umsätze an Aktionstagen meldeten.“

Wichtig scheint das dem Dezernat dennoch nicht zu sein: Da die Aktion „zu keiner nennenswerten nachhaltigen Fahrgast- bzw. Einnahmesteigerung“ geführt habe, sei „eine Finanzierung trotz der medialen Aufmerksamkeit und positiven Medienresonanz und des Imagegewinns über das Jahr 2026 hinaus durch die Mainzer Mobilität nicht sinnvoll möglich“, bilanziert Steinkrüger. Es sei daher „davon auszugehen, dass der Null-Euro-Samstag zum Jahresende eingestellt wird.“ Zur Refinanzierung durch den RMV äußerte sich Steinkrüger nicht.

Wirtschaft und Einzelhandel hatten gerade erst in einer Umfrage deutliche Kritik an der Verkehrsplanung der Stadt Mainz geübt, die sich zunehmend negativ auf Kundenfrequenz und Umsatz auswirke: 78 Prozent der Betriebe sprachen von „überwiegend negativen“ Auswirkungen, dazu von Problemen bei der Anfahrt der Beschäftigten, sinkenden Kundenfrequenzen, zusätzlichem Planungsaufwand, Umsatzeinbußen oder erschwerten Lieferungen – mehr dazu lest Ihr ausführlich hier bei Mainz&.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über die positive Bilanz zum Null-Euro-Ticket könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:

Null-Euro-Samstag in Mainz: Voller Erfolg – 20 Prozent mehr Fahrgäste, mehr Passanten in der Stadt – Ausweitung gewünscht