Nach ihrem Scheitern bei der Landtagswahl im März, hat sich die rheinland-pfälzische FDP an die Neuaufstellung der Partei gemacht. Neuer Landeschef ist nun der Noch-Landtagsabgeordnete und Lehrer Stefan Thoma aus der Eifel, der 37-Jährige setzte sich am Samstag auf einem Parteitag in Bad Kreuznach knapp gegen den Mainzer David Dietz durch. Die bisherige Landesvorsitzende und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt war nach dem Wahldesaster am 22. März nicht mehr angetreten – und übte deutliche Kritik.

Bei der Landtagswahl im März war die FDP auf gerade noch 2,1 Prozent gekommen – und das, obwohl die Liberalen seit zehn Jahren in der Mainzer Ampel-Koalition mitregierten. Die Wähler straften die Liberalen ganz offenbar dafür ab, dass sie in der ungeliebten Ampel mitregierten, die einst der frühere FDP-Landeschef und Wirtschaftsminister Volker Wissing aus der Taufe hob – und dann nach Berlin exportierte.
Doch Wissings Ampeltraum erlitt in Berlin krachend Schiffbruch, als Ende 2024 die Ampel mit lautem Knall zerbrach, Wissing trat daraufhin im Streit mit FDP-Bundeschef Christian Lindner aus der FDP aus, und blieb als Bundesverkehrsminister bis zum Ende der Ampel im Amt. Auch das sorgte nicht gerade für Rückenwind für die Wahlen in Rheinland-Pfalz: Über Nacht stand der Landesverband ohne Kopf da, Wissings Vize, Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt, konnte sich erst nach einem harten Machtkampf als Landeschefin durchsetzen.
FDP-Wahlkampf: Spätstart nach Machtkampf – Wähler enttäuscht
Bei der Landtagswahl startete Schmitt erst spät in den Wahlkampf, erst im Januar kam die Kampagne der rheinland-pfälzischen Liberalen so richtig auf Touren – viel zu spät. Schmitt wurde immer wieder vorgehalten, in ihren Jahren als Wirtschaftsministerin viel zu passiv agiert, und viel zu wenig erreicht zu haben – gegen die Grünen konnte sie sich auf dem Verkehrssektor nie recht durchsetzen, als Wirtschaftsministerin setzte sie kaum Akzente, und in der Weinbranche wandten sich die Akteure gar in Scharen enttäuscht von der Ministerin in Mainz ab.

Das Ergebnis: Trotz eines zuletzt engagierten Wahlkampfes von Schmitt verpasste die FDP am 22. März krachen den Wiedereinzug in den Landtag, und landete mit gerade einmal 2,1 Prozent in einem Jammertal. „Die Kraft, die es jetzt braucht“, so Schmitts Wahlkampfslogan, war für die Wähler völlig verzichtbar. Schmitt übernahm danach ziemlich umgehend die Verantwortung für das Ergebnis und machte schnell deutlich, dass sie für den Vorsitz des Landesverbandes nicht mehr zur Verfügung stehe.
Am Samstag traf sich die rheinland-pfälzische FDP nun zum Parteitag in Bad Kreuznach – und zur Neuaufstellung der Partei. Für die Nachfolge Schmitts trat allerdings keiner der bislang bekannten Namen aus der FDP-Führungsriege an – weder Noch-Justizminister Philipp Fernis, noch Fraktionschef Steven Wink oder der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer Marco Weber- Letzterer ist inzwischen Bauernpräsident Rheinland-Nassau.
Neuer Landeschef: Stefan Thoma setzt sich gegen David Dietz durch
Die Kandidaten waren hingegen Liberale aus der zweiten Reihe: Der 37 Jahre alte Lehrer und Landtagsabgeordnete Stefan Thoma aus dem Landkreis Wittlich in der Eifel – und der langjährige Mainzer FDP-Politiker David Dietz. Nummer drei war Bernhard Busch aus dem Kreisverband Trier-Saarburg – er kam allerdings nur auf 5 Stimmen. Am Ende entschied Thoma die Wahl durchaus knapp mit 100 der 188 abgegebenen gültigen Stimmen für sich, Dietz kam auf 78 Stimmen – das waren 41 Prozent, während für Thoma 53,2 Prozent stimmten.

Thoma ist in Rheinland-Pfalz weithin unbekannt, erst im März 2025 war er als Nachrücker für den plötzlich verstorbenen FDP-Justizminister Herbert Mertin in den Landtag eingezogen. Thoma wurde aus dem Stand bildungspolitischer Sprecher, Duftmarken setzte er dabei nicht. Dietz hingegen ist zumindest in der Landeshauptstadt Mainz weithin bekannt, seit Jahren sitzt er im Stadtrat, war Teil der Ampel-Koalition und FDP-Fraktionschef – und verlor die letzte Kommunalwahl 2024. Zudem steht Dietz derzeit als Geschäftsführer der höchst umstrittenen Landespflegekammer im Kreuzfeuer der Kritik.
Die Delegierten entschieden sich am Ende für Thoma, der sprach in einer ersten Reaktion von einem „ersten Schritt für einen Neuanfang.“ Das Ziel müsse nun klar sein, bei den nächsten Wahlen wieder in die Parlamente einzuziehen, betonte Thoma, und forderte: „Dazu müssen wir für alle Menschen mit einem liberalen Weltbild absolut alternativlos werden.“
Thoma: Mit liberalem Weltbild „absolut alternativlos werden“
Erreichen will Thoma das mit einem „konsequenten Eintreten für Meinungsfreiheit ohne Denk- und Sprechverbote, einer politische Heimat für Leistungsträger und Erfolgshungrige“, sowie einer Partei als politischer Anwalt der Selbstständigen: „Das ist es, was dieses Land jetzt braucht. Das ist es, was wir als FDP wieder sein müssen“ sagte Thoma: „Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen, die genug vom übergriffigen Staat haben und sich individuell entfalten wollen. Diese Menschen gibt es in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland. Wir werden ihnen die Hand reichen.“

Die scheidende Vorsitzende Schmitt wünschte dem neuen Vorstandsteam um Thoma „viel Erfolg und eine glückliche Hand für die liberale Sache in Rheinland-Pfalz.“ Seit 2013 habe sie „in besonderer Verantwortung“ für die FDP in Rheinland-Pfalz wirken dürfen, „ich danke der Partei herzlich für das Vertrauen, das sie mir in all den Jahren entgegengebracht hat“, sagte Schmitt weiter. Die vergangenen Monate mit den Wahlniederlagen im Bund und in Rheinland-Pfalz seien „schwerwiegend“ gewesen.
In ihrer Rede auf dem Parteitag übte Schmitt aber auch Selbstkritik: „Wir sind mit unseren Themen zu wenig durchgedrungen, die Bundespartei hat sich zu viel mit sich selbst beschäftigt, die Themen lagen oft auf der Hand- und die Bürger hätten gerne eine liberale Stimme aus der Bundespolitik gehört“, bilanzierte sie, wie der SWR berichtete. Es sei „viel Vertrauen zerstört worden, in Berlin, aber auch hier in Rheinland-Pfalz“, sagte Schmitt laut SWR-Bericht weiter – genauer führte sie das allerdings nicht aus.
Sie gehe dennoch „in großer Dankbarkeit“, sagte die Wirtschaftsministerin, die noch bis zum 18. Mai im Amt ist: Die Partei habe „bis zuletzt Kampfgeist, Zusammenhalt und Haltung gezeigt“ und im Wahlkampf „eine breite Beteiligung der Mitglieder, programmatische Geschlossenheit und ein respektvolles innerparteiliches Miteinander erlebt.“ Die FDP Rheinland-Pfalz habe gezeigt, „dass sie auch in schwierigen Zeiten geschlossen für die liberale Sache einsteht“, betonte Schmitt, „ich würde mich freuen, wenn dieser Kurs fortgesetzt wird.“
Info& auf Mainz&: Mehr zum Desaster der FDP Rheinland-Pfalz bei der Landtagswahl am 22. März 2026 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.







