Die Mainzer Republik war ein Unikum in der deutschen Geschichte: Ganze neun Monate lang existierte in Mainz ein republikanischer Freistaat, die erste Republik auf deutschem Boden. Inspiriert durch die Französische Revolution und das Credo von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verschrieben sich zahlreiche Freidenker den neuen Ideen – darunter der Mainzer Friedrich Lehne. Der Schauspieler und Histotainer Tino Leo widmet Lehne und seinen Zeitgenossen nun ein Ein-Personen-Stück, am Dienstag, den 20. Januar 2026 könnt Ihr es in der Stadtbibliothek sehen.

Versammlung des Mainzer Jakobinerclubs im ehemaligen kurfürstlichen Schloss. Federzeichnung Von Johann Jacob Hoch (1750-1829) - Quelle: Landesmuseum Mainz via Wikimedia
Versammlung des Mainzer Jakobinerclubs im ehemaligen kurfürstlichen Schloss. Federzeichnung Von Johann Jacob Hoch (1750-1829) – Quelle: Landesmuseum Mainz via Wikimedia

Als Mainz im Oktober 1792 von den französischen Revolutionstruppen eingenommen wurde, herrschte großer Jubel. Nur zwei Tage später gründete sich nach französischem Vorbild ein zunächst aus 20 Studenten, Professoren, Beamten und Kaufleuten bestehender Jakobinerklub unter dem Namen „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ – die Ideen der französischen Republik, vor allem von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ sorgten für große Begeisterung in Mainz.

Johann Friedrich Lehne wirkte in Mainz als Redakteur der  Mainzer Zeitung, aber auch als Altertumsforscher und Historiker, Bibliothekar der Stadtbibliothek, Professor der Schönen Künste, Philhellene und Gutenbergenthusiast – so beschreibt ihn das „Haus der Erinnerns“ in Manz. Lehne trat dem Mainzer Jakobinerclub bei und „entwickelte mit eigenen revolutionären Liedern und Gedichten ein bemerkenswertes Engagement für die neue politische Kultur“, so die Internetseite.

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Lehne: Wegbereiter von Pressefreiheit und Demokratie

Nach dem Scheitern der Mainzer Republik 1793 musste Lehne fliehen und ging, wie viele Revolutionäre, nach Paris ins Exil. 1798 kehrte er im Dienste der Franzosen nach Mainz zurück, wo er 1836 starb – begraben ist Lehne auf dem Mainzer Hauptfriedhof. „Durch sein Eintreten für die Verteidigung der Menschenrechte, für soziale Gerechtigkeit und Pressefreiheit gilt er heute auch als ein Wegbereiter der Demokratie in Deutschland“, heißt es nun von Seiten der Stadt Mainz.

Grab des Gründers des Mainzer Hauptfriedhofs, des französischen Präfekten Jeanbon St. André. - Foto: Wirtschaftsbetrieb Mainz
Grab des Gründers des Mainzer Hauptfriedhofs, des französischen Präfekten Jeanbon St. André. – Foto: Wirtschaftsbetrieb Mainz

Denn diesem Wegbereiter von Journalismus und Demokratie widmet nun der Schauspieler und Histotainer Tino Leo ein eigenes Stück: In seinem kurzen Ein-Personen-Theaterstück „Der Freiheitsbaum“ lässt Leo die spannende und wechselvolle Geschichte der Mainzer Republik von 1792/93 mit Friedrich Lehne und anderen Protagonisten lebendig werden. Leo machte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Autor und Schauspieler zu historischen und politischen Themen, mit denen er wichtige historische Begebenheiten anschaulich lebendig werden lässt – gerade zu Themen wie Demokratiegeschichte.

Sein Stück „Der Freiheitsbaum“ ist schon älter und stammt mindestens aus dem Jahr 2018, am kommenden Dienstag kommt es in der in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek zur Aufführung. Der Grund: Eine Veranstaltung zugunsten des Mainzer Hauptfriedhofs, bei der der Mainzer Altertumsverein in Kooperation mit dem Stadtarchiv Mainz Spenden sammeln will. Mit den Spenden, die auch mithilfe einer Crowdfundfing-Aktion gesammelt werden sollen, soll die Restaurierung des Grabmals von Friedrich Lehne sowie weiterer Persönlichkeiten ermöglicht werden.

Kai-Michael Sprenger, Gründungsdirektor der Bundesstiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“, führt in das Leben und Wirken Friedrich Lehnes ein, der später als Altertumsforscher und Stadtbibliothekar das Geistesleben der Stadt mitprägte und zu den Gründern des Mainzer Museums und zu den Initiatoren des Gutenberg-Denkmals gehörte.

Info& auf Mainz&: Die Veranstaltung „Friedrich Lehne und die Mainzer Republik“ findet am Dienstag, den 20.01.2026, um 17.00 Uhr in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek (Rheinallee 3B, 55116 Mainz) statt. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Grabmal-Restaurierung sind willkommen. Der Mainzer Hauptfriedhof sucht schon länger Paten, die beim Erhalt denkmalgeschützter Gräber mithelfen wollen – das Besondere dabei: Dort kann man auch selbst begraben werden. Mehr dazu hier auf Mainz&.

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