Die Zukunft des Tierheims in Mainz bewegt die Stadt, seit klar ist, dass das Tierheim wegen des notwendigen Abrisses der Mombacher Hochbrücke umziehen muss. Die Stadt Mainz präsentierte deswegen im April zwei Ausweichstandorte als Interimslösung, daran gab es viel Kritik – und Mitarbeiter des Tierheims schrieben daraufhin: Man wünsche sich einen völlig neuen Standort für das Tierheim, am liebsten am Stadtrand. Nun äußert sich Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) im Mainz&-Interview zu dem Wunsch: Die Stadt sei für den neuen Standort-Wunsch „vollkommen offen“ und unterstütze das gerne.

Das Tierheim Mainz liegt unmittelbar neben der maroden Mombacher Hochbrücke - und muss wegen des Abrisses umziehen. Das hat eine neue Debatte über den Standort ausgelöst. - Foto: gik
Das Tierheim Mainz liegt unmittelbar neben der maroden Mombacher Hochbrücke – und muss wegen des Abrisses umziehen. Das hat eine neue Debatte über den Standort ausgelöst. – Foto: gik

Das Mainzer Tierheim hat seinen Standort seit vielen Jahren an der Zwerchallee in unmittelbarer Nähe der Mombacher Hochbrücke, der Standort gilt seit Jahren als zu klein, der Ort alles andere als hübsch. Nun wird es ernst mit dem Abriss der maroden Mombacher Hochbrücke – im April stellte die Stadt Mainz deshalb eine Interimslösung mit zwei Standorten vor. Prompt hagelte es Kritik, bei der Stadt zeigte man sich verwundert: Das Tierheim habe die Interimslösungen selbst mit vorbereitet, dazu investiere man Millionen in moderne Unterkünfte.

Mainz& hat das zum Anlass genommen, beim Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) nachzufragen, der sich persönlich für das Tierheim engagiert. So hatte Haase erstmals eine Kampagne für mehr Ruhe an Silvester rund um das Mainzer Tierheim gestartet – die Initiative „Hier bitte nicht böllern“ wurde zum Erfolg. Und die Stadt Mainz machte klar: Der Standort des Tierheims ist nicht gefährdet, nach Ende der Abbrucharbeiten kann die Einrichtung an die Zwerchallee zurückkehren – oder an einen neuen Standort umziehen.

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Haase: Forderung nach neuem Standort ist neu und wird unterstützt

Mainz&: Herr Haase, das Thema Tierheim treibt die Menschen in Mainz noch immer stark um, gerade jetzt, wo der Umzug in die Interimslösungen bevorsteht. Eine Frage, die immer wieder kommt ist diese: Warum stellt die Stadt Mainz dem Tierheim nicht ein neues Gelände irgendwo außerhalb zur Verfügung?

Das Tierheim in Mainz wird vom Tierschutzverein Mainz und Umgebung getragen, bei dem ist seit einem Jahr die Stelle des Vorsitzenden vakant. - Foto: gik
Das Tierheim in Mainz wird vom Tierschutzverein Mainz und Umgebung getragen, bei dem ist seit einem Jahr die Stelle des Vorsitzenden vakant. – Foto: gik

Haase: Bisher war es einfach so: Der alte Tierheimvorstand wollte immer dort am alten Standort Zwerchallee bleiben. Jetzt haben wir seit ungefähr einem Jahr einen neuen Vorstand, und der sagte nun: Wir glauben, es ist doch besser, wenn wir aus der Stadt rausgehen. Das ist auch legitim, klar. Aber diese Forderung kenne wir jetzt erst seit 15 Monaten, und wir sind mitten in den Planungen für den Umzug wegen des Abrisses der Hochbrücke. Und ich sage klar: Wir sind vollkommen offen für eine solche Lösung – aber zaubern können wir noch nicht.

Und das Schöne ist: wir haben ein Budget von mehreren Millionen Euro für die neue Unterbringung des Tierheims – und das ist im Tierheim auch alles bekannt. Also das, was wir jetzt als Lösung anbieten, ist auch viel, viel moderner als das, was Sie aktuell dort vorfinden.

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Haase: Neue Module fürs Tierheim können überall genutzt werden

Mainz&: Das klingt nach einer echten Verbesserung.

Haase: Ja, das finden wir eigentlich auch. Und das Gute daran ist: die neuen Module können wir überall aufstellen. Also wenn der bisherige Standort bleibt, dann eben dort, und wenn wir einen Standort außerhalb der Stadt finden, dann sind die Module auch woanders nutzbar. Ich fand da manches, was uns vorgeworfen wurde, nicht zu 100 Prozent in Ordnung, das sage ich sehr ehrlich. Auch von unserer Seite war bei der Kommunikation nicht alles ideal, aber einige Darstellungen waren einfach nicht fair.

Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos, ganz links) mit der damaligen Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU, 2. von rechts) beim Start der Kampagne "Hier bitte nicht Böllern" am Tierheim Mainz.  - Foto: Stadt Mainz
Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos, ganz links) mit der damaligen Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU, 2. von rechts) beim Start der Kampagne „Hier bitte nicht Böllern“ am Tierheim Mainz. – Foto: Stadt Mainz

Ein Interim ist nie perfekt, natürlich musst du da Kompromisse machen, das ist doch logisch. Wir haben auch gesehen, dass wir da an der einen oder anderen Stelle noch nachbessern müssen, da geht es etwa um das Thema Tauben-Unterbringung. Auch bei gewissen Wildtieren waren jetzt noch Fragezeichen offen, ich glaube, da ging es um Waschbären. Also es ist klar, wir müssen eine Lösung für alle finden, und es gibt auch Überlegungen, einen Teil der Tiere im Tierpark Gonsenheim unterzubringen.

Wir haben seit Jahren eine gangbare Lösung gemeinsam mit dem Tierheim für die Interimslösung geplant, das Tierheim war hochgradig involviert, man hat sich sogar den Fachplaner selbst ausgesucht. Wenn das Tierheim jetzt lieber einen Platz außerhalb der Stadt hätte, müssen wir eben schauen, ob wir einen finden. Aber noch mal: das ist eine sehr neue Entwicklung, denn über viele Jahre wurde immer ganz klar gesagt, wir wollen hier an diesem Innenstadtstandort bleiben.

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Haase: Neues Grundstück außerhalb durchaus möglich

Mainz&: Gäbe es denn mögliche Grundstücke für einen Standort außerhalb oder am Stadtrand?

Haase: Ja, es gäbe durchaus auch die Möglichkeit für Grundstücke außerhalb oder am Stadtrand, oder wo auch immer. Und sollte das Tierheim durch private Kontakte beispielsweise auch ein Grundstück finden, dann prüfen wir auch diese Option gern.

Das Tierheim Mainz im Mainzer Rosenmontagszug. - Foto: gik
Das Tierheim Mainz im Mainzer Rosenmontagszug. – Foto: gik

Mainz&: Ist ein neues Gelände schwierig zu finden, wegen Lärmschutz oder so?

Haase: Ja, Lärmschutz ist ein Thema, auch der Naturschutz – ein Tierheim ist in einem definierten Naturschutzgebiet nicht möglich. Aber noch einmal: Von unserer Seite gibt es da volle Unterstützung, auch bei der Suche nach einem Standort. Moderne Anlagen sind jetzt da, und die können überall weiter genutzt werden.

Mainz&: Diese neuen Unterbringungen, würden die dann auch das jetzige Gebäude ersetzen?

Haase: Einige der Altbauten wohl schon, in jedem Fall ergibt sich eine deutliche, deutliche Aufwertung.

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Stadt zahlt Tierschutzverein 129.400 Euro pro Jahr für Fundtiere

Mainz&: Es gibt inzwischen eine Klage des Deutschen Tierschutzbundes, der die Bundesregierung verklagt mit dem Ziel, dass der Staat mehr für Tierheime ausgeben muss.

Haase: Man muss ja wissen: Was ist denn die gesetzliche Pflichtaufgabe einer Kommune? Das ist die „Versorgung von Fundtieren“, und unsere gesetzliche Pflichtaufgabe ist, dass wir sicherstellen, dass diese Fundtiere versorgt werden. Viele Kommunen haben deshalb Verträge mit den Tierheimvereinen geschlossen und darüber finanzieren sich die Tierheimvereine. Die nehmen dann darüber hinaus aber eben auch Tiere auf, die einfach abgegeben werden.

Hunde in einem Tierheim. - Foto: Deutscher Tierschutzbund
Hunde in einem Tierheim. – Foto: Deutscher Tierschutzbund

Mainz&: Wieviel zahlt denn die Stadt Mainz dem Tierschutzbund?

Haase: Die Stadt zahlt dem Tierheim pro Jahr 129.400 Euro, das ist, wenn man so will ein Dienstleistungsvertrag. Aber darüber hinaus investieren wir jetzt mit den baulichen Investitionen einen knappen mittleren Millionenbetrag – so wenig ist das nicht. Natürlich will man ideale Bedingungen, die Anzahl an abgegebenen Tieren nimmt ja auch zu. Ich bin da auch nicht völlig emotionsfrei, das kann man ja auch nicht sein bei diesem Thema.

Aber die zwei Interims-Standorte bleiben, diese Planung haben wir gemeinsam mit dem Tierheim und dem vom früheren Vorstand selbst ausgewählten Fachplaner seit ein paar Jahren entwickelt. Nochmal: es ist eine Interimslösung, das ist zunächst immer ein Kompromiss und nie perfekt. Ich denke trotzdem, die Lösung, die wir jetzt haben, ist auf jeden Fall ein spürbarer Fortschritt für alle Seiten.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über das Thema Tierheim-Umzug und die Debatte um die Interimsstandorte findet ihr hier bei Mainz&:

Streit um Interimslösung für Tierheim Mainz: Stadt verweist auf Fachplaner und hohe Investitionen – Krisengespräch mit Tierheim