Die Mainzer Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP will mehr Bäume für die Stadt. Die Fraktionen brachten am Mittwoch im Mainzer Stadtrat einen Antrag für eine Grünflächenoffensive ein, der Inhalt: Die Stadtverwaltung soll neue Baumstandorte suchen und schaffen, auch ein „Baumtrupp“ wurde gefordert. Die ÖDP verwies aber auch darauf, dass genau so eine Aktion 2019 vom unabhängigen OB-Kandidaten Nino Haase vorgeschlagen wurde – und Haase dafür als Populist beschimpft wurde.

Stadtbäume haben es schwer, Mainz soll nun mehr davon bekommen. - Foto: gik
Stadtbäume haben es schwer, Mainz soll nun mehr davon bekommen. – Foto: gik

Gut 150 Bäume wurden in diesem Jahr im Mainzer Stadtgebiet schon gefällt, der Stadt gehen damit immer mehr Frische- und CO2-Spender verloren. Bei den gefällten Bäumen habe es sich „überwiegend um abgestorbene oder absterbende Bäume“ gehandelt, teilte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) im Juni im Mainzer Stadtrat auf Anfrage der Linken mit. Die Gründe für das Absterben der Gehölze sei merklich auf Trockenheit zurückzuführen: Vor allem die trockenen Jahre 2018 und 2019 hätten die Bäume gestresst, die seien entweder vertrocknet oder aber auch durch Schwächeparasiten befallen worden.

2019 zählte dazu verstärkt der Ahornrußrinden-Pilz, bei Ahornen und Robinien sei es deshalb auch verstärkt zu Fällungen gekommen. Weitere Gründe für das Verschwinden von Bäumen waren aber auch Sicherheitsgefährdung, etwa durch Holzfäule oder Kronenbrüche – aber eben auch Baustellen. Doch Nachpflanzungen finden nicht zwangsläufig im gleichen Ausmaß wie die Fällungen statt und schon gar nicht am gleichen Sandort, Ausgleichsmaßnahmen werden oft in bereits vorhandenen Grünanlagen realisiert.

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Geschädigte Ahornbäume auf der Mainzer Zitadelle. - Foto: gik
Stadtbäume haben es schwer, Mainz soll nun mehr davon bekommen. – Foto: gik

Dezernentin Eder räumte am Mittwoch im aktuellen Stadtrat denn auch ein, Baumpflanzungen im Stadtraum seien eine schwierige und komplexe Sache. „Das erfordert viel planerischen Aufwand“, betonte Eder, und nannte als Beispiel, wie weit eine Hauswand entfernt sein und ähnliches. Es fehle allerdings auch an fehlendem Personal und an den Standorten selbst – ein Grund dafür ist auch, dass Leitungen unter der Oberfläche oft nicht genügend Raum für die Wurzeln bieten.

Trotz dem Hinzukommen neuer zu pflegenden Flächen habe man bislang keine Personalaufstockungen erhalten, diese aber für den kommenden Haushalt und Stellenplan angemeldet, sagte Eder weiter. Für Wässerungseinsätze im Sommer würden derzeit Mitarbeiter aus allen Bereichen zusammengezogen, gewässert würden in Trockenzeiten vorrangig die jüngeren Baumbestände, aber auch Wechselbepflanzungen, Gehölznachpflanzungen und Neuansaaten. Je nach Wetterlage kämen so drei bis sieben Wässerungseinheiten täglich zusammen, und das sowohl mit mobilen Tankfahrzeugen als auch mit Standrohren und Schläuchen.

Leitungen und Bauarbeiten behindern Baumpflanzungen in der Stadt. - Foto: gik
Leitungen und Bauarbeiten behindern Baumpflanzungen in der Stadt. – Foto: gik

Die Stadtverwaltung solle deshalb ein Konzept erarbeiten, wie mehr Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden könnten, forderten die Ampel-Fraktionen nun in einem Antrag im Mainzer Stadtrat. „Wir brauchen dringend einen Baumtrupp, um Bäume erhalten und zusätzlich pflanzen zu können“, forderte eine Vertreterin der Koalition. Bäume seien ein erheblicher Faktor gegen die Aufheizung der Innenstadt, mehr Bäume habe auch der Stadtrat bei der Ausrufung des Klimanotstandes beschlossen. Mehr Bäume über Leitungen könne es zudem nur durch eine dickere Decke zwischen Leitung und Baum geben, die Stadtverwaltung solle prüfen, wie das miteinander in Einklang zu bringen sei – und zudem mehr Standorte für neue Bäume finden.

„Hier wird ein ganz, ganz großes Projekt gestartet, das dieses Stadt langfristig verändern kann“, freute sich Dezernentin Eder. Die Stadtverwaltung wolle deshalb nun „Straßenzug um Straßenzug durchgehen und schauen, wo wir mehr Grün schaffen können.“

Der Baumwald von Nino Haase vor dem Mainzer Staatstheater im Wahlkampf 2019. - Foto: gik
Der Baumwald von Nino Haase vor dem Mainzer Staatstheater im Wahlkampf 2019. – Foto: gik

Das Vorhaben stieß auf breite Zustimmung im Stadtrat, selbst die FDP, die in der Vergangenheit schon mal die Baumsatzung kippen wollte, signalisierte, wie wichtig die Schaffung neuer Bäume sei: „Bäume sind eine Möglichkeit, dem Klimawandel wenigstens etwas entgegen zu setzen“, sagte FDP-Stadtrat Wolfgang Klee. Bäume spendeten Schatten und senkten die Temperatur in der Stadt, „wir sollten da dringend etwas tun.“ Allerdings sei es „nicht damit getan, einfach mal 100 Bäume zu pflanzen, sie müssen auch gepflegt werden“, mahnte Klee.

Die ÖDP forderte zudem, die Stadt solle im Internet nicht nur die Baumfällungen veröffentlichen, sondern auch den Ort und die Zahl der Nachpflanzungen. „Es gibt eine Liste der Baumfällungen, aber keine der Ersatzpflanzungen, das wäre aber wichtig, um hier Transparenz hineinzubringen“, sagte ÖDP-Chef Claudius Moseler. „Wir haben seit ungefähr zehn Jahren ein grünes Dezernat, das Thema ist ja nicht neu“, sagte Moseler zudem: „Wir hatten immer wieder das Problem, das die Stadt nicht genügend Bäume nachgepflanzt hat, das Problem müssen wir lösen.“

Moseler kritisierte zudem, dass im Ampel-Antrag von „populistischen Überbietungswettbewerben“ die Rede sei, die „keine neuen Standorte“ schafften und den Bäumen nciht beim Überleben helfen würden. Die Ampel ziele damit ganz offensichtlich auf den OB-Kandidaten Nino Haase, der vergangenes Jahr im OB-Wahlkampf das Thema neue Bäume für die Stadt prominent zum Thema gemacht hatte. Der unabhängige Kandidat Haase, der für CDU, ÖDP und Freie Wähler antrat, hatte im Wahlkampf einen kleinen Baumwald vors Theater gestellt und 1.000 Bäume mehr für Mainz versprochen.

„Ich muss mich doch sehr wundern ob der populistischen Angriffe jetzt“, sagte Moseler. Und die CDU-Fraktion fügte süffisant hinzu, natürlich werde man dem jetzigen Ampel-Antrag zustimmen, „das haben wir schon vor einem Dreivieeteljahr getan“, sagte CDU-Stadtrat Norbert Solbach.

Info& auf Mainz&: Mehr zu dem Programm von Nino Haase zu mehr Bäumen für Mainz könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Mehr zu den Problemen der Stadtbäume mit Trockenheit findet Ihr hier auf Mainz& – auf der Zitadelle mussten in diesem Jahr allein 144 Bäume wegen Trockenschäden gefällt werden.

1 KOMMENTAR

  1. Und wieder erwischt. Grün, grüner, die Grünen. Wenn man das liest, dann stellt sich die eminente Frage. Was wurde all die Jahre den getan? Was hat das Grünbauamt denn den Politkgrößen bezüglich des Baumbestandes und dessen Zustand gemeldet? Was hat eine Dezenentin dagegen getan? Fragezeichen über Fragezeichen. Heute kann man sagen – nichts. Anders sind die Baumzustände in der Stadt und die fehlenden Pflanzungen nicht zu erklären. Beispiel: „Ein wildwucherder Baumbestand an der Zitadelle, welche nun gefällt werden muss“. Grund – Krankheit, Pilzbefall usw. Das hat kein Grünamt vorher erkannt und dagegen gehandelt? Vielleicht veröffentlicht mal jemand, wieviel Bäume in den letzten Jahren in Mainz verschwunden sind und nicht durch Neupflanzungen ersetzt worden sind.

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