Es ist das aktuelle Spaziergangs-Highlight in Mainz: Das  Hochwasser zieht die Menschen derzeit in Scharen an den Rhein. Kein Wunder: So hoch hat der Rhein lange nicht gestanden, so viel Mainzer Promenade war lange nicht unter Wasser. Am Sonntag kletterte der Pegel bei Mainz auf den Höchststand von 6,34 Meter, nun sollen die Wasserfluten wieder langsam sinken – auch weil es wieder kälter werden soll.

Land unter an der Mainzer Rheinuferpromenade: Kein Weg zum Schiff. - Foto: gik
Land unter an der Mainzer Rheinuferpromenade: Kein Weg zum Schiff. – Foto: gik

6,34 Meter – damit kletterten die Fluten des Rheins erstmals seit Jahren wieder über die Hochwassermarke II von 6,30 Metern, ab der Höhe wird am Rhein zwischen Gernsheim und Eltville die Schifffahrt eingestellt.  Wirklich relevant war das schon nicht mehr: Entlang des ganzen Rheins hatten die rasant steigenden Wassermassen die Schifffahrt längst zum Erliegen gebracht. Während der Norden Deutschlands seit Tagen mit einer ungewöhnlichen  Kältewelle und meterhohem Schnee kämpft, kannte der Süden des Landes und eben auch Mainz seit Wochen nur eine Wetterlage: Regen. Und noch mal Regen.

Bei ungewöhnlich warmen Temperaturen von bis zu 12 Grad Celsius – bei anhaltendem Regen – schmolzen in den Alpen zudem die Schneemengen wie Eis im, nun ja, Regen – die Folge: Wassermassen, die erst Flüsschen und Bäche und dann auch den Rhein zum Überquellen bringen. An Mosel und Saar war längst Land unter, kämpfen Hausbesitzer um ihr Hab und Gut – Mainz hat da vergleichsweise gute Karten: Seitdem das Rheinufer unter Stadtbaumeister Eduard Kreyßig ab 1868 sukzessive aufgeschüttet und massiv angehoben wurde, gehören Überflutungen der Mainzer Innenstadt so gut wie der Vergangenheit an.

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Ein Tor ins Nirgendwo: Mainzer Schiffsanleger unter Wasser. - Foto: gik
Ein Tor ins Nirgendwo: Mainzer Schiffsanleger unter Wasser. – Foto: gik

Der Bau der Rheinstraße 1886 diente zusätzlich als Hochwasser-Damm für die Mainzer Altstadt, seither muss der Rhein schon auf 8,30 Meter steigen, damit die Schutzmauern am Rheinufer überflutet werden – so hoch stieg der Rhein bei Mainz indes in den vergangenen 200 Jahren nie. Den höchsten gemessenen Pegelstand bei Mainz verzeichnet das Internetlexikon Wikipedia bei 7,95 Metern, gemessen am 28. November 1882. Über sieben Meter hoch stiegen die Fluten des Rheins danach noch in den Jahren 1920, 1970 und dann gleich mehrfach in den 1980er Jahren: 1983 stieg der Rhein gleich zweimal heftig an, erst am 13. April 1983 auf 7,06 Meter, und dann am 29. Mai noch einmal auf 7,04 Meter.

Im Jahr 1988 wurde noch einmal ein Höchststand von 7,70 Metern am Pegel in Mainz erreicht, am 29. Januar 1995 waren es 7,03 Meter – danach begann ein Umdenken in der Politik: Die Notwendigkeit zu mehr Renaturierung und mehr Regenrückhaltebecken im Oberlauf von Flüssen war überdeutlich. Am 16. November 1996 wurde die Hochwassernotgemeinschaft Rhein gegründet, in der sich mehr als 60 vom Hochwasser betroffene Gemeinden, Städte und Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammenschlossen, die bis dahin größte Solidargemeinschaft gegen Hochwasser. Seither wurden auch um Mainz herum mehrere Polder errichtet, große Landwirtschaftsflächen zumeist, die im Hochwasserfall geflutet werden und so dem Wasser mehr Platz in der Breite geben – mit der Folge, dass die Pegel weniger hoch steigen.

Bank unter am Mainzer Stresemann-Rheinufer beim aktuellen Hochwasser 2021. - Foto: gik
Bank unter am Mainzer Stresemann-Rheinufer beim aktuellen Hochwasser 2021. – Foto: gik

Die Maßnahmen zeigen Erfolg, seither blieben die Pegel in Mainz konstant unter der Sieben-Meter-Marke – der Dank ist vor allem in den weiter rheinabwärts gelegenen Gebieten des Rheins wie den Städten im Mittelrheintal, aber auch in Koblenz oder Köln groß. Wie sehr Mainz ohne Schutzwände und Wasserrückhaltung leiden würde, zeigen ältere Straßenteile von Mainz, die noch das alte niedrige Bodenniveau haben: So lagen die Straßen am Holzturm früher gerade einmal bei einem Rheinpegel von 5,67 Metern unter Wasser – in der Altstadt und der Neustadt wäre in alten Zeiten jetzt Land unter.

Immerhin: Vor vier Tagen, zu Beginn der Hochwasserwelle meldete auch in Mainz die Feuerwehr in einigen Kellern Land unter: In der Wormser Straße stand in mehreren Häusern bis zum 1,50 Metern noch das Wasser, die Wormser Straße selbst musste sogar für einige Stunden wegen Überflutung gesperrt werden. Und auch in der Mainzer Neustadt gab es diverse nasse Keller: In der Kreyßigstraße, der Illstraße und in der Wallaustraße musste die Feuerwehr mehrfach zum Auspumpen anrücken – das Wasser drückt in diesen Teilen der Stadt von unten herauf in die Keller.

Auch ein Teil der Uferpromenade in der Mainzer Neustadt ist aktuell wegen Hochwassers gesperrt. - Foto: gik
Auch ein Teil der Uferpromenade in der Mainzer Neustadt ist aktuell wegen Hochwassers gesperrt. – Foto: gik

Doch im Großen und Ganzen können die Mainzer das Hochwasser eher entspannt betrachten und als Sehenswürdigkeit nutzen – Bänke im Wasser, Treppenstufen ins Nichts und unerreichbare Schiffsanleger sorgen für eine besondere Aussicht. Damit soll es bald wieder vorbei sein: Am Sonntag meldeten die Wetterdienste bereits wieder leicht sinkende Pegel – es soll nun auch im Süden wieder kälter werden. Die Wetterdienste warnen aktuell vor Blitzeis in der Mitte Deutschlands – passt auf Euch auf!

Info& auf Mainz&: Mehr zum Pegel Mainz und den historischen Hochwasserständen könnt Ihr hier bei Wikipedia nachlesen. Mehr zur Hochwassernotgemeinschaft am Rhein könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen.

1 KOMMENTAR

  1. Ich erinnere mich noch an die beiden Jahrhunderthochwasser in den achtziger Jahren. Damals wurde der Fischtorplatz als niedrigste Stelle vorsorglich mit Sandsäcken gesichert. Die Wasserlinie erreichte aber nicht oder nur knapp die Absperrung. Damals sind Koblenz-Mülheim und Köln vollgelaufen. Dank der aus dieser Grenzerfahrung angelegten Polder dürfte es kaum noch einmal so weit kommen. Dauerhaft kritisch bleibt die Mosel.

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