Was wird aus dem KUZ? Das Kulturzentrum in den alten Gemäuern am Fort Malakoff war einst DIE Anlaufstelle Nummer eins für Studierende, Jungvolk und alle, die im Herzen jung geblieben waren. Ü30, Dark Awakening, Buena Vista Social Club – das KUZ stand für alternative, jugendlichen Kultur in Mainz. Im Frühjahr 2016 werden die Baumaschinen rollen, das KUZ wird umgebaut, die Stadt nennt das neue Konzept „KUZ 2.0“ und will eine offene Kulturszene. Ob das was wird, ist ungewiss – bei einer Anwohnerversammlung am Dienstagabend wurde mehr als deutlich: So manch einem neuen Anwohner des KUZ in der Luxusbebauung am Winterhafen ist das KUZ ein Dorn im Auge. Tja, liebe Stadt Mainz – und nun?

KUZ von außen
Good old KUZ am Fort Malakoff – Foto: gik

Wenn es je einen Konflikt mit Ansage gab, dann diesen – wer eine Luxusbebauung neben ein alternatives Kulturzentrum setzt muss einfach wissen: da passt nicht zusammen, was nie zusammen gehören wird. Dennoch entschied sich die Stadt Mainz vor Jahren dafür, Wohnen am Wasser im gehobenen Wohnsegment hier anzusiedeln. Wie das mit einer Veranstaltungslocation zusammen gehen sollte, in der bis morgens um 4.00 Uhr gefeiert wird – ein vernünftiges Konzept gab es dafür nie. Prompt prallten am Dienstagabend bei einer Anwohnerversammlung im KUZ die Fronen aufeinander: Eine ganze Reihe von Anwohnern machten ihrem Unmut über laute Parties, wummernde Bässe und Glasscherben vor der Haustür Luft.

Umbau zum KUZ 2.0 beginnt im Frühjahr 2016

Der Anlass: der beginnende KUZ-Umbau im Frühjahr 2016. Satte 35 Jahre wird das KUZ dann auf dem Buckel haben, gestartet war es 1981 als ein Ort der in Mainz so seltenen Alternativkultur. Folk, Blues und harte Töne hatten hier Jahrzehntelang ihre Heimat, die Macher holten den Buena Vista Social Club nach Mainz und veranstalteten kubanische Sommer. Dazu gab es schon früh Kindertheater und Lesungen, ZDF und SWR drehten hier Talkshows und Kabarettsendungen, und spätestens mit den legendären Ü30-Partie wurde das KUZ zur Institution.

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Aus, vorbei? Zum Jahresende geben die alten Macher Norbert Munk und Joe Trautmann die Schlüssel ab und an die Stadt weiter, die wiederum hat geschworen das KUZ zu erhalten. KUZ 2.0 heißt das neue Konzept, bieten soll es eine breite Mischung an Kultur: Lesungen & Poetry Slam, Kabarett & Live Musik, ja, und auch Parties soll es weiter geben. Genau dieser Punkt aber stößt bei den Anwohnern auf scharfe Kritik – es sind die neuen Anwohner aus dem Wohngebiet am Winterhafen, deren gehobene Wohnungen nun einmal genau an das KUZ angrenzen.

KUZ - die kleine Halle
Die kleine Halle im KUZ wird geöffnet – Foto: gik

Anwohner am Winterhafen klagen über Lärm, Glas, wummernde Bässe

„Ich als Anwohnerin bin KUZ-geschädigt“, sagte etwa eine Dame: Gefeiert werde bis vier Uhr morgens, „nachts um halb zwei die Bässe noch einmal aufgedreht“, beschrieb sie die Situation. Da wackele der Putz, „das muss abgestellt werden“, betonte sie. Andere Anwohner berichteten von Glasscherben auf der Straße, es brauche „mehr Ordnung und Verantwortung“, forderte einer. Der Lärm übersteige die Grenzwerte bei Weitem, „hier werden Gesetze ausgehebelt“, empörte sich ein anderer.

„Das schon einmal gar nicht“, konterte Bürgermeister Günter Beck (Grüne), der gemeinsam mit Stadtwerke-Chef Detlev Höhne als Geschäftsführer der Mainzer Beteiligungsgesellschaft ZBM Rede und Antwort stand. Und neide nahmen einen klaren Standpunkt ein: „Über 30 Jahre lang hat das KUZ hier Bestand“, betonte Beck – und das solle auch so bleiben. Das aber bedeute „nicht nur Kopfhörer-Veranstaltungen“, machte er klar, eine Musikbegrenzung bis 24.00 Uhr werde es nicht geben. „Die Institution muss leben und agieren können“, betonte Beck, dazu gehörten auch Parties.

KUZ steht im „Sondergebiet Kultur“ – und das seit 35 Jahren

KUZ Eingangsbereich innen
Der Eingangsbereich wird zusammen mit der kleinen Halle die neue große Halle – Foto: gik

„Das KUZ befindet sich auf einem Sondergebiet Kultur“, betonte Höhne, und das bedeute, es habe Rechte. „Das KUZ war immer schon da, die Wohnbebauung kam später“, machte er deutlich. Und das KUZ sei „keine Schlafstube und keine Wohnung“, eine Kulturhalle habe nun einmal andere Lärm-Emissionen. Das übrigens wussten die Käufer am Winterhafen vorher: In ihren Kaufverträgen steht eigens das angrenzende KUZ als hinzunehmender Teil des Viertels hin. Die vom Umweltamt ausgewiesenen Schallschutzgrenzwerte werde man selbstverständlich einhalten, versicherte Höhne.

Einen großen Beitrag dazu wird der Umbau leisten: Die alte Halle des KUZ im rückwärtigen Bereich nämlich muss weichen, das Ding ist marode, im Dach lauert Asbest. An ihrer Stelle wird ein neuer Anbau entstehen, der Büros, Lager und Technik beinhalten wird. Veranstaltungsraum wird dafür der jetzige Eingangsbereich samt kleinem Patyraum im Erdgeschoss: Hier wird ein großer Raum von rund 500 Quadratmetern Fläche entstehen, der Platz für 400 Stühle oder bis zu 800 stehende Personen bieten wird.

Große Halle im EG, zwei kleinere Räume im 1. OG

Oben im 1. Stock wird es noch einmal zwei kleinere Räume für Lesungen, kleinere Events oder auch private Feste geben: einmal mit 149 Quadratmetern für 133 Menschen und einmal mit 218 Quadratmetern für 228 Plätze. Dafür muss die Statik von Gebäude und Decke ertüchtigt werden – derzeit sind weder Brandschutz noch Bausicherheit im KUZ besonders glücklich 😉 Das neue KUZ wird hingegen erstmals eine funktionierende und ausreichende Lüftungsanlage haben – die geöffneten Fenster bei Nacht sollen so der Vergangenheit angehören.

KUZ - Bauplan fürs EG
Bauplan fürs Erdgeschoss im KUZ – Foto: gik

Vorne zur Straße hin soll auf 117 Quadratmetern ein Gastronomiebereich entstehen, wie der aber aussieht, ist noch offen. Es gebe zwei Möglichkeiten, erklärte Beck: 1. ein Profi-Gastronom pachtet die Flächen, dann aber ist Initiativen mit wenig Geld das Mieten der Räume mit eigenem Catering verbaut. Oder es entsteht ein Gastrobereich, der variabel angemietet werden kann. Für einen Pächter werde sich dann der Betrieb aber kaum lohnen, meinte Höhne und sprach von rund 250.000 Euro Investitionskosten alleine für den Gastrobereich mit Küche. Es brauche einen Verantwortlichen, der die Fläche manage, meinte Beck – Ihr erinnert Euch sicher, dass Beck einmal Pächter der Alten Patrone war 😉

KUZ 2.0: Mix aus Kommerz und offenen Kulturformen

Was genau es am Ende werde, das wolle man in den kommenden zwei Jahren bis zum Umbauende diskutieren, versprachen Beck und Höhne. Und das gelte auch für die Nutzung: „Wir wollen mit dem KUZ eine öffene Spielstätte für alle Kulturformen“, betonte Höhne. Das könnten die Kammerspiele oder das Unterhaus sein, aber auch die Abschlussfeier vom AStA, die Familienfeier und das Kindetheater. „Wir wollen einen gesunden Mix von Kommerz und Kultur“, sagte Höhne, den Kommerz brauche man schon zur Finanzierung des Denkmal geschützten Anwesens. Vier Millionen Euro wird die Stadt in den Umbau investieren, danach, machte Höhne klar, soll es keinen weiteren Zuschuss geben, das KUZ müsse sich selbst tragen.

KUZ - Bauplan fürs 1. OG
Bauplan fürs 1. OG im KUZ – Foto: gik

„Es wäre schön, wenn auch für uns hier Platz wäre“, sagte eine Anwohnerin. Dem stehe nichts im Wege, sagte Beck: „Es soll keine Idee ausgeschlossen werden.“ Treffpunkte der Nachbarschaft – kein Problem. Einen Erzeugermarkt am Wochenende brachte Höhne ins Spiel, einen solchen gebe es nämlich bisher in Mainz nicht. Das KUZ als Quasi-Markthalle – warum nicht. „Wir wollen die Vielfalt“, betonte Höhne, Räume für freie Kulturiniatiativen für kleines Geld gebe es nämlich in Mainz viel zu wenige. Veranstaltungen für 100 bis 200 Personen seien beliebt, für sie gebe es aber kaum Räumlichkeiten, sagte auch Beck. Die Angst vor dem Lärm könne er nachvollziehen, einen „Rückschritt“ zum Status Quo werde es aber nicht geben, unterstrich er zugleich.

Förderverein: „Das KUZ darf nicht der Wohnbebauung geopfert werden!“

So wirklich Gehör fanden die beiden Herren im Verlauf der anderthalbstündigen Diskussion aber nicht bei den Empörten unter den etwa 50 Zuschauern. Die Schallwerte würden doch schon jetzt nicht eingehalten, kritisierte ein Anwohner, morgens um 4.00 Uhr habe er bis zu 82 Dezibel gemessen. „Das reicht, um den ganzen Laden zu schließen“, drohte er, dass dies noch nicht geschehen sei, sei nur „der Kulanz der Anwohner“ zu verdanken. Man sei doch von der Stadt in den Winterhafen gelockt worden, sagte ein anderer, „jetzt sind wir Ihre Kunden.“

Grübeln übers KUZ - Detlev Höhne, Günter Beck und Brian Huck hinten
Grübeln übers KUZ, von links: Detlev Höhne, Günter Beck, Bauorganisator Roland Brad-Hofmeister. Im Hintergrund Altstadt-Ortsvorsteher Brian Huck – Foto: gik

„Wir leben in einer lebendigen Stadt“, konterte schließlich Eva Grimm-Süß, Vorsitzende des Fördervereins KUZ, und betonte noch einmal, dass sich ihre Initiative einst genau wegen der Winterhafen-Bebauung gründete. „Es kann nicht sein, dass das KUZ der Wohnbebauung geopfert wird“, betonte sie: „Wer in die Altstadt zieht, kann nun einmal keine Grabesruhe erwarten.“

„Das war ja voraus zu sehen“, kommentiert Renate Amann, Ortsbeiratsmitglied in der Altstadt für die Grünen, den Verlauf der Veranstaltung. Lärmschutz sei fraglos wichtig, das KUZ aber müsse „ein Teil der nicht-kommerziellen Jugendkultur von Mainz bleiben.“ Es könne einfach nicht sein, dass „Leute, die sich eine teure Wohnung kaufen meinen, sie könnten das KUZ platt machen“, fügte sie hinzu.

„Das alte KUZ ist tot“, sagte Norbert Munk am Rande der Veranstaltung Mainz&. Was aus dem neuen KUZ werde – nun, das liege nicht mehr in seinen Händen. Das KUZ aber wird sich noch würdig verabschieden – mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn wird noch einmal auftreten, die Coverband Mad Zeppelin in die Saiten greifen. Sogar Maceo Parker gibt sich ein letztes Mal im KUZ die Ehre, Newcomerin Selah Sue kommt auch noch. Geht hin, wenn Ihr noch mal das alte KUZ erleben wollt – etwa diesen Donnerstag beim Singer & Songwriter-Slam. Das letzte Glas und die letzte Bluesnote – sie fallen bei der KUZ-Silvesterparty am 31. Dezember.

Info& auf Mainz&: Mehr zum KUZ findet Ihr natürlich auf der KUZ-Homepage, genau hier. Die Mainzer Beteiligungsgesellschaft ZBM findet Ihr hier, hier soll demnächst auch ein Bereich zum KUZ eingerichtet werden. Eine Ausweichspielstätte fürs KUZ wird es übrigens nicht geben – das alte Rohrlager hat sich als Location zerschlagen.

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2 KOMMENTARE

  1. Vielleicht geht die Stadtspitze ja nochmal in sich
    und findet für das neue KUZ einen anderen Standort.

    Der jetzige würde sich doch wunderbar für ein schönes Wohngebiet für unsere neuen syrischen Mitbürger eignen.
    Wie man hörte sollen am Winterhafen ja ohnehin berets eine Reihe betuchter Menschen arabische Herkunft
    ihre Zelte aufgeschlagen haben. Das passt dann doch ganz wunderbar ;-))

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