UPDATE&: Eröffnet! Er gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Republik und feiert in diesem Jahr auch noch ein Jubiläum: Der Mainzer Weihnachtsmarkt wird 50 Jahre alt. Die Tradition an sich ist deutlich älter, aber das Budendorf zu Füßen des Mainzer Doms gibt es seit 1975 – gefeiert wird trotzdem nur in kleinem Rahmen. Die GEMA macht mit ihren Forderungen der Musik auf dem Markt den Garaus. Auch die Baustelle am Gutenberg Museum macht einige Änderungen notwendig. Zum Jubiläum gibt es eine spezielle Glühweintasse, die gute Nachricht: Der Glühweinpreis bleibt trotz Preissteigerungen stabil.

Es war im Jahr 1975, als ein Metzger mit Fischereirechten die Keimzelle für den Mainzer Weihnachtsmarkt legte: „Mein Großvater hat damals den Weihnachtsmarkt gegründet“, berichtete Schausteller Georg Spreuer einmal gegenüber Mainz&. Opa Spreuer war eigentlich gelernter Metzger, nach dem 1. Weltkrieg wurde er arbeitslos – die Lösung war die Schaustellerei. Ein Spießbraten-Stand war die Keimzelle, weitere Buden wurden in Kommission an Kollegen vergeben, nur einen Stand wurde Opa Spreuer partout nicht los. Weil der Opa aber noch ein Fischereirecht für den Rhein hatte, wurde aus dem übrigen Stand die Fischbude – und blieb es bis heute, 50 Jahre später.
Die Tradition des Mainzer Weihnachtsmarktes ist indes viel älter: Seit 1788 ist in Mainz ein „Nikolose-Markt“ verbrieft, der neue Markt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde maßgeblich von den Schaustellern gestaltet: Die Pyramide am Höfchen mit den Mainz-Figuren, die lebensgroßen Krippenfiguren zu Füßen des Doms, auch die Spieluhr auf dem Liebfrauenplatz und erst Recht der große Lichterhimmel – sie alle wurden von den Schaustellern finanziert.
Weihnachtsmarkt wird 50 Jahre alt: Glühweintasse zum Jubiläum
Das 50-jährige Jubiläum soll aber gar nicht groß gefeiert werden: „Wir schauen mit großer Vorfreude auf den bevorstehenden Weihnachtsmarkt, verzichten aber bewusst trotz des Jubiläums auf große Feierlichkeiten“, sagte die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU). Zum Jubiläum gibt es vor allem eine Glühweintasse in Sonder-Edition, auf der ein goldener Dom prangt. Die Tasse ist für 5,- Euro zu haben, drei Euro davon gehen an karitative Zwecke. Ansonsten aber setzt die Stadt eher auf einen „stillen Weihnachtsmarkt“, Schuld daran ist vor allem die GEMA.

Die Gesellschaft für Verwertungsrechte für Musiker und Komponisten hatte vor zwei Jahren ihre Berechnungsgrundlage für die Musik auf Weihnachtsmärkten geändert, seither wir die komplette Fläche des jeweiligen Weihnachtsmarktes für die Zahlungen zugrunde gelegt, und nicht mehr nur der Bereich vor einer Bühne. Die GEMA gehe einfach mal davon aus, dass Musikgruppen über den gesamten Markt wanderten, sagte Matz, die Folgen seien gerade für große Märkte wie in Mainz erheblich.
„Selbst wenn wir das reduzierte Musikprogramm aus 2024 genommen hätten, würde uns das immer noch 20.000 Euro kosten für den Weihnachtsmarkt“, rechnete Matz vor. Und dabei sei der Nachlass von 35 Prozent, den die GEMA kurzfristig noch verkündet hatte, schon eingerechnet Dieser Nachlass sei zudem erst vor vier Wochen verkündet worden, kritisierte Matz, für alle Planer sei das ein Unding. Angesichts der angespannten Mainzer Haushaltslage habe sich die Stadt gegen die GEMA-Kosten entschieden. Mit Ausnahme der Eröffnungsfeier werde deshalb komplett auf Musikdarbietungen verzichtet.
Weihnachtsdorf auf dem Fischtorplatz: Keine Musik, kein Feuer
Veränderungen gibt es zudem vor allem durch die Baustelle am Gutenberg Museum: Der Platz für das beliebte Weihnachtsdorf auf dem Liebfrauenplatz steht deshalb nicht mehr zur Verfügung, das Hüttendorf hat deshalb auf dem Fischtorplatz einen neuen Standort gefunden. „Wir haben nach intensiver Prüfung den Fischtorplatz als das optimal angebundene und naheliegende Areal ausgemacht“, betonte Matz. Das Weihnachtsdorf sei bei den Gästen „überaus beliebt, und trägt maßgeblich zur Attraktion der Weihnachtsstadt Mainz bei“, unterstriche die Dezernentin.

Um die Belastungen für die Anwohner zu reduzieren, verzichte die Standbetreiberfamilie aber auf Musik und offenes Feuer – die beliebten Runden ums Lagerfeuer wird es dieses Jahr also nicht geben. Zudem werde im Nachgang genau geschaut, welche Schäden etwa an dem Rasen auf dem Platz entstanden seien, die Betreiber seien verpflichtet, diese zu beseitigen. „Wir werden uns das Setting vor Ort in den ersten Tagen genau anschauen und entscheiden, ob ein Nachjustieren notwendig ist“, betonte Matz – der Umweltverband BUND hatte den Standort auf dem Rasen scharf kritisiert.
„Ich glaube nicht, dass die Wiese einen irreparablen Schaden davon trägt“, sagte auch der Sprecher der Interessengemeinschaft der Mainzer Schausteller, Marco Sottile. Das Weihnachtsdorf sei „eine Bereicherung für die ganze Stadt, für die Gastronomie und Hotellerie“, ein Verzicht darauf eine veritable „Verzweiflungstat“. Die Wiese gehöre doch zudem allen Bürgern, betonte Sottile, und zitierte den früheren Papst Johannes Paul II., der einmal gesagt habe „Kein Blumenbeet ist zu schade, um nicht ein Karussell darauf zu stellen.“
Glühweinpreis bleibt trotz gestiegener Kosten stabil
Wegen der angespannten Haushaltslage hebt die Stadt Mainz derzeit die Standgebühren auch auf dem Weihnachtsmarkt deutlich an. „Wir sind gehalten, die Ausrichtung des Weihnachtsmarktes kostenneutral zu gestalten“, sagte Matz, deshalb habe die Stadt keine andere Wahl gehabt. Sottile lobte, die Stadt habe die Anhebung im engen Konsens mit den Schaustellern entwickelt, „bei der Haushaltslage war das einfach unvermeidbar“, sagte auch sein Kollege Sascha Barth, der auch einräumte: Die Standgelder der Stadt Mainz seien in den vergangene Jahren zudem sehr moderat gewesen, in der Coronazeit sei die Stadt den Schaustellern erheblich entgegen gekommen.

Trotz der für die Standbetreiber also deutlich gestiegenen Kosten, soll zumindest ein Preis nicht steigen: Der Glühweinpreis bleibe stabil und im Bereich des Vorjahres, versicherte Barth. Eine Tasse Glühwein hatte da in der Regele 4,- Euro gekostet, für Spezialglühweine und Spezialitäten wurden auch schon einmal 4,50 Euro verlangt. Im Vergleich zu anderen Weihnachtsmärkten sind das ausgesprochen moderate Preise. Gerade im Jubiläumsjahr habe man den Preis nicht deutlich anheben wollen, sagte Barth weiter.
Mainzplus Citymarketing bietet zudem erneut einen Glühweinwalk an, mit dem man sich für 26,- Euro an sieben Ständen Glühweine genießen kann, dazu einen GlühGin sowie zwei Essen wie Bratwurst und Pommes. Die Stände dafür befinden sich aber nicht nur auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, sondern auch auf den „Winterzeit“-Märkten, die erneut am Hauptbahnhof und am Schillerplatz, auf dem Neubrunnenplatz, am Hopfengarten und im Innenhof des Mainzer Schlosses öffnen.

Winterzeit-Märkte auf den Plätzen der Stadt bis zum 30. Dezember
Die Winterzeit-Märkte ergänzen das Angebot des großen Mainzer Weihnachtsmarktes und bieten kleinere Alternativen, verteilt in der Innenstadt. Im Schloss-Innenhof gibt es dieses Jahr eine neue Weihnachtsdeko rund um die Almhütte samt Eisstockbahn, Weihnachts-Fotoboxen sorgen auf mehreren der kleinen Märkte für Spaß und Erinnerungsfotos. Auf den Winterzeit-Märkten gibt es zudem auch Livemusik sowie Familiensonntage – das ganze Programm findet Ihr hier im Internet. Zweite Besonderheit: Im Gegensatz zum großen Weihnachtsmarkt gehen die Winterzeit-Märkte bis zum 30. Dezember 2025.

Der traditionsreiche Mainzer Weihnachtsmarkt auf den Plätzen rund um den Dom wird am 27. November eröffnet und endet bereits am 23. Dezember um 19.00 Uhr. Auch an den Öffnungszeiten hat sich wieder nichts geändert: Schluss ist unter der Woche bereits um 20.30 Uhr, am Wochenende um 21.00 Uhr – damit bleiben die Mainzer bei ihren von vielen als sehr früh empfundenen Schließzeiten. Jeweils eine Viertelstunde vorher ertönt ein „Zapfenstreich“, ein akustischer „Abspann“, der von Mainz 05-Stadionsprecher Andreas Bockius gesprochen wird.
Auch bei den rund 90 Ständen gibt es so gut wie nichts Neues: 2024 war die Vergabe der Stände für drei Jahre neu ausgeschrieben worden, damit ändert sich am Angebot in diesem Jahr nichts. Man habe dabei aber auch Verbesserungen vor allem im Speisenangebot umgesetzt, seither reicht die Palette von Flammkuchen, Reibekuchen und Kartoffelspezialitäten über Dinneles und Suppen bis hin zu Flammlachs und veganer Speisen. Zudem werde besonderer Wert auf „Fair Trade“-Produkte sowie Produkte aus regionaler Herkunft gelegt, betonte Matz.
Das gilt ganz besonders auch beim Glühwein: Praktisch alle Glühweine auf dem Markt, die bei den klassischen Glühweinständen angeboten werden, kommen aus echter Winzerproduktion und von Weingütern aus der Region. Woher wir das wissen? Weil Mainz& seit 2014 den großen Mainz&-Glühweintest auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt macht, den von 2024 könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.
Stadt Mainz bei Sicherheit gut aufgestellt: TrucBlocs, Zufahrtssperren
Bleibt noch das Thema Sicherheit, und hier sieht sich die Stadt Mainz sehr gut aufgestellt: Bereits 2019 hatte die Stadt Mainz die ersten „Trucblocs“ angeschafft Sicherheitssperren gegen Angriffe mit Lastwagen. Seither sei das Sicherheitskonzept immer wieder nachgeschärft und bei Absperrungen aufgerüstete worden, betonte Matz. In diesem Jahr habe die Stadt zudem auch bei Einfallstoren durch Pkws noch einmal nachgeschärft – eine Folge des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr.

Tatsächlich gilt das Mainzer Sicherheitskonzept bundesweit als vorbildlich, Matz betonte denn auch: „Der Markt ist fast hermetisch zufahrtsgeschützt, man kann sich in Mainz sicher fühlen.“ Informationen über eine besondere Gefährdungslage habe man zudem nicht, betonte die Stadt weiter. Die Polizei kündigte zudem erneut verstärkte Kontrollen rund um den Markt an, 2024 habe man insgesamt rund 2.500 Einsatzstunden dort geleistet, sagte der Sprecher der Mainzer Polizei, Rinaldo Roberto.
Bereits seit einigen Jahren gibt es zudem eine Echtzeit-Überwachung des Marktes per Videokameras, dabei werden vor allem Besucherströme beobachtet, die Daten werden nicht aufgezeichnet. Für Notfälle wurde in diesem Jahr zudem ein Akku-gestütztes Notfallbeleuchtungssystem angeschafft, um für Stromausfälle gerüstete zu sein – das System wird von den Mainzer Schaustellern finanziert. Zum Mainzer Weihnachtsmarkt werden rund 250.000 Besucher erwartet, zu den Winterzeit-Angeboten insgesamt noch einmal rund 400.000.
Info& auf Mainz&: Der Mainzer Weihnachtsmarkt 2025 startet am Donnerstag, den 27. November 2025, ab 11.00 Uhr morgens, die offizielle Eröffnung findet um 17.00 Uhr vor der Gotthardkapelle auf der Krippenbühne durch Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz statt. Ab 16.45 Uhr stimmt der Musikverein Mainz-Marienborn e. V. auf die Eröffnung ein, es gibt wieder Walking-Acts. Am Freitag, den 05.12.2025, findet ab 15.15 Uhr der Nikolausrundgang statt. Schluss ist am 23. Dezember um 19.00 Uhr. Infos zu den Mainzer Weihnachtsmärkten findet Ihr auch hier im Internet.
Die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes:
Sonntag bis Donnerstag 11.00 bis 20.30 Uhr,
Freitag und Samstag 11.00 bis 21.00 Uhr.






