Große Enttäuschung am Montag: Der Mainzer Weinmarkt 2021 ist endgültig abgesagt. Man habe bis zuletzt gehofft, das Weinfest doch noch durchführen zu können, hieß es in der Mitteilung von Mainzplus Citymarketing – angesichts der derzeit erneut steigenden Corona-Inzidenzen gebe es aber einfach keine Planungssicherheit für das Weinfest. Die vernünftige Entscheidung sei deshalb, den Weinmarkt noch ein Jahr pausieren zu lassen. Nach Mainz&-Informationen ging dem ein intensives Ringen um ein gutes Corona-Konzept für den Weinmarkt voraus. Fachplaner Peter Geiger zeigte sich frustriert – von der mangelhaften Impfbereitschaft der Bürger.

Der Mainzer Weinmarkt ist auch 2021 abgesagt - wegen der anrollenden vierten Corona-Welle. - Foto: gik
Der Mainzer Weinmarkt ist auch 2021 abgesagt – wegen der anrollenden vierten Corona-Welle. – Foto: gik

Die vierte Corona-Welle rollt langsam, aber deutlich auf Deutschland zu, seit Mitte Juli steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder leicht an – Grund ist die neue, noch einmal deutlich hochansteckendere Delta-Variante des Coronavirus, die ursprünglich aus Indien stammt. Am Montag lag Mainz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts schon wieder bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 21, das Gesundheitsamt Mainz-Bingen meldete gar 26 – die Landeshauptstadt bewegt sich bereits wieder auf den Schwellenwert von 35 zu, ab dem eigentlich wieder erste Einschränkungen greifen würden.

In Nachbarländern wie den Niederlanden gibt es bereits Inzidenzen von mehr als 300, auch die Krankenhauseinweisungen steigen in anderen Ländern wieder – Experten warnen seit Wochen, Deutschland werde sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln können. Dass angesichts der sich aufbauenden neuen Welle ein Großevent wie der Mainzer Weinmarkt immer unwahrscheinlicher wurde, war klar – doch zur Absage kam es erst an diesem Montag: „Da die Ämter und Behörden aufgrund der aktuell steigenden Inzidenzzahlen sowie der noch folgenden Corona-Verordnungen bis dato kein ‚grünes Licht‘ für die Veranstaltung geben können, wird der Mainzer Weinmarkt – nach Rücksprache mit den involvierten Gastronomen und Winzern – aufgrund der weiterhin fehlenden Planungssicherheit für dieses Jahr abgesagt“, teilte die Mainzplus Citymarketing mit.

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Die Vorsitzende der Mainzer Winzer, Sigrid Lemb-Becker, 2019 auf dem Mainzer Weinmarkt. - Foto: gik
Die Vorsitzende der Mainzer Winzer, Sigrid Lemb-Becker, 2019 auf dem Mainzer Weinmarkt. – Foto: gik

„Auch wenn wir bis zuletzt gehofft haben, dass der Mainzer Weinmarkt als erstes großes Weinfest wieder stattfinden kann, überwiegt am Ende die Vernunft“, sagte Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU). Die aktuellen Entwicklungen der Pandemie „versetzen uns zunehmend in Sorge“, betonte die Dezernentin: „Eine Veranstaltung in dieser Größe und der üblichen Geselligkeit ist derzeit nicht umsetzbar.“ Auch von den Mainzer Winzern hieß es, eine Durchführung sei „unter den gegebenen Umständen nicht realistisch.“

Für die Mainzer Winzer ist die Absage ein neuer Schlag ins Kontor, sind doch schon die Mainzer Johannisnacht, das Weinfest im Kirchenstück und das Mainzer Marktführstück in der Innenstadt der Pandemie zum Opfer gefallen. Der Mainzer Weinmarkt sei „eine der wichtigsten Veranstaltungen im Jahreskalender, und wäre ein Lichtblick in dieser herausfordernden Zeit gewesen“, sagte die Vorsitzende der Mainzer Winzer, Sigrid Lemb-Becker, fügte aber auch hinzu: „Wir haben vollstes Verständnis und tragen die gemeinsame Entscheidung, auch in diesem Jahr zu pausieren, zu 100 Prozent mit – und hoffen auf kommendes Jahr.“

Interessant an der Absage sind aber die weiteren Sätze in der Mitteilung: Es seien in intensiven Abstimmungsrunden „verschiedene Szenarien“ abgewogen worden, Mainzplus habe gemeinsam mit den zuständigen Ämtern ein umfassendes Veranstaltungskonzept entwickelt und eingereicht, das zahlreiche Maßnahmen bezüglich Hygiene, Abstand, Entzerrung, Besucherlenkung, Einlasskontrolle und Datenschutz-konformer Kontakterfassung beinhaltet habe, „und dabei ein hohes Maß an Flexibilität bezüglich Zeitplanung und kurzfristiger Handlungsfähigkeit aufweist“, betonte die stadtnahe Kongressgesellschaft.

Der Mainzer Weinmarkt 2019: Weingenuss unter uralten Bäumen. - Foto: gik
Der Mainzer Weinmarkt 2019: Weingenuss unter uralten Bäumen. – Foto: gik

„Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass wir mit unserem Corona-konformen Konzept den Weinmarkt doch noch durchführen können“, klagt Mainzplus-Geschäftsführer August Moderer – kurz: Die Citymarketing-Gesellschaft hatte alles versucht, das Weinfest doch noch stattfinden lassen zu können. „Wir waren in den Startlöchern, Mainzplus war in den Startlöchern“, sagt Peter Geiger, der mit seiner Sprendlinger Planungsfirma das Corona-konforme Sicherheitskonzept für den Mainzer Weinmarkt entwickelt hat: „Wir hatten ein sehr gutes, ausgeklügeltes Konzept, ein ganz neues Konzept, wie das noch keiner aufgestellt hat.“

Der Plan habe vorgesehen, den Mainzer Weinmarkt einzuhausen“, erklärt Geiger im Mainz&-Gespräch weiter, Zugang hätte es nur mit vorab erworbener Eintrittskarte samt Registrierung gegeben. Damit hätte man jederzeit die genaue Anzahl der Besucher gewusst, die sich auf dem Gelände aufhielten, sagt Geiger – geplant gewesen sei eine Maximal-Besucherzahl von 8.000 Besuchern pro Abend. Zugelassen wären ohnehin nur „Genesene, Geimpfte oder in dem Moment Getestete“, betont Geiger weiter, das Deutsche Rote Kreuz „hätte uns zwei Stationen für Tests hingestellt.“

Klanginseln gab es schon 2019 auf dem Mainzer Weinmarkt: Mini-Bühnen für Solokünstler oder kleine Bands. - Foto: gik
Klanginseln gab es schon 2019 auf dem Mainzer Weinmarkt: Mini-Bühnen für Solokünstler oder kleine Bands. – Foto: gik

Parallel sah das Konzept dazu auch noch den Einsatz der Luca-App vor – und zwar pro Tisch auf dem Fest. Dort hätten sich die Leute mit Hilfe der Handy-App eingeloggt beim Setzen und ausgeloggt beim Weiterziehen, „wir hätten genau gewusst, wann sie drin und wieder draußen sind und sogar, an welcher Garnitur sie gesessen hätten“, sagt Geiger. Sein Büro habe sich im Zusammenspiel mit Mainzplus und dem Mainzer Ordnungsamt so umfassende Gedanken gemacht wie noch nie, sagte Geiger weiter – etwa, was man tue, wenn alle gleichzeitig nachhause gehen wollten. „Das hat noch keiner so gemacht, selbst große Festivals nicht“, betonte Geiger.

Um etwa Menschenansammlungen am Einlass zu verhindern, sollte schon beim Kartenkauf abgefragt werden, welchen Eingang die Besucher voraussichtlich nutzen würden. „So kann ich die Besucherströme prognostizieren, und die Eingänge individuell gestalten“, betonte Geiger. Auf dem Gelände selbst hätte es zudem keinerlei Großbühnen gegeben, lediglich auf kleinen Klanginseln hätten die Besucher Mini-Acts wie Singer-Songwriter oder Lesungen verfolgen können – ein Open-Air-Kammerspiel statt Volksfest, sozusagen.

„Noch mehr kann man gar nicht machen“, sagt Geiger, der Frust sitze jetzt tief. „Mich ärgert es, dass viel Arbeit und Zeit investiert wurde, und dass es jetzt wieder platzt“, schimpft Geiger: „Es wäre ein anderes Weinfest gewesen, aber ein Tolles.“ Sein Frust richtet sich jedoch keineswegs gegen die Stadt oder gegen Mainzplus: „Ein großes Lob an die Jungs, an Feuerwehr, Ordnungsamt und an Mainzplus“, betont Geiger: „Ich hab‘ den Frust auf die Bürger, der einfach zu faul ist, sich impfen zu lassen.“

Mit Abstand und trotzdem gemütlich Wein genießen - so hatten sich die Planer den Mainzer Weinmarkt vorgestellt. - Foto: gik
Mit Abstand und trotzdem gemütlich Wein genießen – so hatten sich die Planer den Mainzer Weinmarkt vorgestellt. – Foto: gik

Deutschland sei eben weiter in einer Pandemie, das müsse man akzeptieren,. aber es gebe ja ein Mittel dagegen, sagt Geiger. Es gebe derzeit aber einfach noch zu wenig Menschen, die sich hätten impfen lassen, dabei sei genau das der Weg zurück zu Leben, zu Festen und gerade auch zu Großveranstaltungen. „Wir haben 76 Prozent Umsatzverlust gehabt durch Corona“, erzählt Geiger, „wir wollen ja endlich mal wieder loslegen können.“ Die Absage durch die Stadt und Mainzplus könne er gut nachvollziehen, betont der Experte für die Planung von Großveranstaltungen – mit den derzeitigem Anstieg der Inzidenzen sei einfach keine sichere Planungsgrundlage gegeben. „Freunde“, sagt Geiger dann noch, „wenn Ihr nicht wollt, dass noch mehr Feste ausfallen – dann geht doch endlich mal Impfen!“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Delta-Mutanten und warum erneut eine vierte Corona-Welle droht, könnt Ihr hier auf Mainz& nachlesen. Mehr zum Thema „Impfen für alle“ findet Ihr hier bei Mainz&, Informationen zum Thema Impfen und Impfstoffe könnt Ihr hier auf Mainz& in unserem Artikel über den Corona-Impf-Comic der Mainzer Unimedizin nachlesen.

 

 

 

6 KOMMENTARE

  1. Bei allem Verständnis für den Frust über die entgehenden Gewinne der Veranstalter des Weinmarktes 2021 verwundert doch deren Naivität bei der Zuweisung von Schuld für ihre persönliche Krise – und die unverschämt-mittelalterliche Identifikation von vermeintlich Schuldigen als Popanz zum Draufschlagen ist mehr als ärgerlich.
    Voraussichtlich bis zu dem Termin des ausfallenden Weinmarktes Ende August wird noch vielen Mitbürgern und auch Mitbürgerinnen auffallen, dass vollständig geimpfte Personen Coronaviren, insbesondere der Delta-Variante, übertragen können, also selbst infizierbar im Sinne eines PCR-Tests sind, grippeähnliche Symptome ausbilden und ihre Mitmenschen anstecken können. „Die Wissenschaft“ hat das in seriösen Studien belegt, und diese Erkenntnis dürfte sich auch in der Fläche und bis zum letzten Wingert verbreiten.
    Denjenigen, die gegen Lernschwächen immun sind, wird auffallen, dass die Risiken für eine Hospitalisierung für „Durchgeimpfte“ kaum geringer sind als für die, die sich den erheblichen Nebenwirkungen einer Impfung bei mangelhafter Hauptwirkung nicht aussetzen. In Ländern mit hohen Impfraten wie Großbritannien, Israel und USA wird das schon zur Kenntnis genommen. Moralin kann überzeugende Fakten nicht verdecken.
    Die frustierten Veranstalter erwarten Linderung ihrer berechtigten Sorgen aus der falschen Richtung. Sie beschimpfen ihre Kundschaft. Pfui.

    • Sehr geehrte/r/s Herr/Frau/Fräulein FM,
      wenn auf den Weinmarkt nur Geimpfte/Genesene eingelassen würden, dann könnten die sich doch nur noch untereinander anstecken, so wie Sie „wissenschaftlich“ darlegen. Oder sollte die so stark beworbene Impfung für die Katz gewesen sein?
      Und warum verstecken Sie sich eigentlich hinter einer feigen anonymen Abkürzung? Haben Sie Angst vor Ihrer eigenen Meinung? Pfui.

  2. Sehr geehrte Frau Felsgraf,

    die Impfung ist nicht für die Katz. Sie schützt den Geimpften zumindest vor einem schweren Verlauf. Aber, der Geimpfte kann dennoch das Virus weitertragen. Das ist tatsächlich der derzeitige wissenschaftliche Stand.

    Wenn Sie die geimpften Weinmarktbesucher 14 Tage auf dem Gelände lassen passiert nix. Da aber die Besucher abends wieder (im Bus) nach Hause fahren, am nächsten Tag einkaufen, auf die Arbeit gehen, Freunde treffen,… ist die Gefahr gegeben, daß der Weinmarkt für unbeteiligte zur Gefahr werden kann.

    Im Moment ist Ihre Idee folglich noch zu riskant. Bisher sind bundesweit nur 50,9% Durchgeimpft. Hätten die von Wissenschaftlern empfohlenen 80-85% der Bevölkerung Immunität durch vollständigen Impfschutz bzw. Genesung, dann hätte Ihrem Vorschlag wenig im Weg gestanden.

    Und bevor Sie sich darüber wundern, daß ich auch meinen Namen nicht ausschreibe. Man macht mit der Zeit so seine Erfahrungen. Auch hier sollten sie nicht einfach die nächstbeste Erklärung zur Hand nehmen. Es kann viele harmlosere Gründe geben, warum jemand anonymisiert postet. Wobei ich auch finde, daß fms Kommentar etwas weniger Schärfe gut getan hätte.

  3. Wer anonymisiert postet, steht nicht voll hinter seiner Meinung, sondern versteckt sich. Ich glaube immer noch an Artikel 5 des Grundgesetzes. Sie nicht? Angst vor Strafverfolgung dürften Sie aus diesem Grund in Deutschland seit 76 Jahren nicht mehr haben.

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