Nach der Schocknachricht vom vergangenen Freitag, ist die Verunsicherung in Mainz groß: Hat der Mainzer Kaufhof noch eine Zukunft? Die Warenhauskette Galeria hatte am 02. Oktober 2026 Insolvenz angemeldet – schon wieder. Erst 2024 war es gelungen, die Filiale in der Mainzer Innenstadt zu erhalten, nun macht sich der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) erneut für ihren Erhalt stark. Kritik gibt es allerdings weiter an der Verkehrspolitik in Mainz: Sie hält viele Einkaufswillige vom Trip in die Stadt ab.

Mitte Juli hatte die Warenhauskette Galeria Kaufhof plötzlich mitgeteilt, man prüfe an 33 Standorten den Fortbestand seiner Filialen – dazu gehöre auch der Standort in Mainz. Vergangenen Freitag dann der Schock: Die Warenhauskette Galeria meldete Insolvenz an, es ist bereits die vierte in nur sechs Jahren. Die letzte große Warenhauskette in Deutschland betreibt derzeit noch 83 Warenhäuser mit rund 12.000 Mitarbeitern, erst 2024 waren diverse Filialen einer Insolvenz zum Opfer gefallen, als Galeria die Trennung vom Signa-Konzern und dessen Eigentümer René Benko verkraften musste.
Der Mainzer Kaufhof gehörte 2024 ebenfalls zu den bedrohten Filialen, Grund waren vor allem hohe Mietzahlungen. In einer gemeinsamen Kraftanstrengungen war die Rettung in einen neuen Mietvertrag gelungen, die versprochenen Modernisierungen des Hauses blieben aber aus – so, wie offenbar im gesamten Konzern: Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisierte, „haarsträubende Managementfehler“ hätten zu dieser Entwicklung geführt.
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Haase: „Mainz ist eine der starken Filialen im Galeria-Konzern“
„In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen“, kritisierte Ver.di-Vorstandsmitglied Silke Zimmer. Die neuen Besitzer – die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz – müssten endlich Verantwortung für die Warenhauskette und ihre Beschäftigten übernehmen. Vor allem die Beschäftigten bräuchten jetzt schnell Klarheit wie es weitergehe, forderte Zimmer, für Ver.di stehe fest: „Warenhäuser spielen weiterhin eine wichtige Rolle für die Attraktivität vieler Innenstädte.“

Das sieht man auch in Mainz so – die Sorgen um die Zukunft der Kaufhof-Filiale ist groß. „Die Nachricht ist ein Schock für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, schon wieder müssen sie diese Ungewissheit ertragen“, reagierte nun der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Vor zwei Jahren sei es noch „gelungen, eine Schließung zu verhindern, weil Management, Betriebsrat, Gebäudeeigentümer und die Stadt in engem Dialog standen und an einem Strang gezogen haben“, betonte Haase.
Wie schon 2024 „stehe ich auch jetzt im Austausch mit der Konzern- und Filialleitung und weiß um die Situation“, betonte Haase. Die gute Nachricht dabei sei: „Mainz ist weiterhin eine der starken Filialen im Galeria-Konzern.“ Und auch sonst sprächen die Kennzahlen für den Einzelhandelsstandort Mainz, betonte Haase, und verwies auf „hohe Passantenfrequenzen, starken Gewerbeerträge und Tourismuszahlen auf Rekordniveau.“ Auch Mainzer Aktionen wie der Null-Euro-Samstag, der auch überregional für Schlagzeilen gesorgt habe, „beleben den Einzelhandel spürbar.“
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Kritik der Mainzer: „autofeindliche Verkehrspolitik“ mit Schuld
Der Null-Euro-Samstag stand zuletzt allerdings auf der Kippe, die grüne Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger hatte im Mainzer Stadtrat bereits das Aus der Aktion verkündet, bei der an jedem ersten Samstag im Monat der gesamte ÖPNV in Mainz kostenlos ist. Wie es mit dem Angebot weiter geht, ist bislang unklar. Überhaupt hagelt es weiter Kritik am Verkehrsmanagement in Mainz: Die Blockade des Autoverkehrs in Mainz sei doch Schuld daran, dass niemand mehr Lust habe, in die City zu fahren, kritisieren reihenweise Leser in den sozialen Netzwerken.

„Ich persönlich war früher gerne Kunde in Kaufhof Mainz. Heute muss man doch etwas an der Waffel haben sich den Stress zu machen in die Mainzer Innenstadt zu fahren um einen Einkaufsbummel zu tätigen“, schreibt etwa ein Mainz&-Leser. „Ich kaufe nicht mehr in Mainz ein, wer mein Auto nicht in der Stadt haben möchte, braucht mich auch nicht. Der Einzelhandel in Mainz geht kaputt“, ergänzt ein anderer – beide Kommentare bekamen Dutzende Likes.
Gleich reihenweise machen Leser die Verkehrspolitik der Stadt Mainz für den Niedergang mit verantwortlich, das Chaos mit blockierten Straßen durch Baustellen regt viele auf. „Tägliches Verkehrschaos, Baustellen an jeder Ecke und dumme Ampelschaltungen machen da echt keinen Spaß mehr“, kritisiert auch ein weiterer Leser, der angibt, regelmäßig in die Stadt zur Arbeit zu müssen. Und ein weiterer schreibt: In Mainz seien die Gründe „neben hohen Ladenmieten, die abschreckende und Autofeindliche Verkehrspolitik(Stichwort Baustellen) und überteuerte oft überfüllte Parkhäuser.“
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Kaufhof wichtiger Kundenmagnet für Einkaufsstadt Mainz
Kritik gibt es aber auch an der Warenauswahl im Mainzer Kaufhof, der Laden sei „dunkel und ungepflegt“, kritisiert ein Leser, andere finden das Konzept an sich veraltet. Doch es gibt auch viel Zuspruch, gerade zur Mainzer Filiale: „Wäre sehr traurig, wenn sie zumacht“, kommentiert eine Leserin knapp – 2024 gab es gar 25.000 Unterschriften für den Erhalt der Mainzer Filiale – und eine andere schreibt: „Das ist in Mainz unser einziger Kundenmagnet. Wenn der Kaufhof schließt, ist das der Untergang des Einzelhandels.“
Von Untergang will man bei der Stadt Mainz nicht sprechen, doch auch hier weiß man: Der Kaufhof ist der Kundenmagnet für das gesamte Einkaufsviertel zwischen Schöfferstraße und Römerpassage. „Unser Ziel ist klar: Wir Mainzerinnen und Mainzer möchten, dass Galeria in unsere Stadt eine Zukunft hat und sich mit frischen Ideen weiterentwickeln kann“, betonte denn auch Haase: „Dafür setzen Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) und ich uns gemeinsam mit den Beschäftigten ein – für Mainz als attraktive und moderne Einkaufsstadt.“
Info& auf Mainz&: Mehr zur neuerlichen Insolvenz von Galeria könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.






