Was Mainz& schon am Dienstag berichtete, ist inzwischen Fakt: Im Mainzer Stadtrat gibt es eine neue Fraktion. Der verbliebene Stadtrat der Freien Wähler, Erwin Stufler, und die Einzel-Stadträtin Daniela Zaun von der Satirepartei „Die Partei“ haben sich zu einer neuen Fraktion zusammengeschlossen. Seit dem 01. September 2025 bilde man gemeinsam „Die FRAKTION“, teilten Zaun und Stufler nun mit. „Gefunkt“ habe es letztlich auf dem Mainzer Weinmarkt – bei einem Glas Wein.

Die Freien Wähler hatten mit dem überraschenden Austritt ihres zweiten Stadtrats Mario Müller Ende August überraschend ihren Fraktionsstatus im Mainzer Stadtrat verloren, für den mindestens zwei Stadträte nötig sind. Müller war erst bei der Kommunalwahl im Juni 2024 in den Stadtrat eingezogen und dort eher weniger in Erscheinung getreten, zum 01. September war er zur Stadtratsfraktion der CDU gewechselt.
Für die Freien Wähler bedeutete sein Abgang einen erheblichen Verlust bei Einfluss und Ausschusssitzen im Mainzer Stadtrat, entsprechend groß war der Frust – und die Suche nach Alternativen. Nun wurden die Freien Wähler in ungewöhnlicher Richtung fündig: Bei der eigentlich als Satirepartei angetretenen „Die Partei“ und ihrer langjährigen Stadträtin Daniela Zaun.
Aus Freie Wähler und „Die Partei“ wird „Die Fraktion“
„Wir haben lange überlegt, wie und ob das geht“, berichtete Stufler nun in aller Offenheit. Allerdings würden sich beide Stadträte bereits seit sieben Jahren kennen. „Wir sind sicher, mit einer Fraktionsgeschäftsstelle im Rathaus mehr für die Bürgerinnen und Bürger von Mainz zu bewirken, als wenn wir „nur“ zwei fraktionslose Stadträte wären“, betonte Stufler: „Frei nach dem Motto ‚gemeinsam sind wir stark‘.“ Auch die Wahlprogramme der beiden Parteien hätten „viele Übereinstimmungen und ergänzen sich hervorragend“, betonten Stufler und Zaun gemeinsam.

Tatsächlich scheinen auf den ersten Blick beide Parteien wenig miteinander gemeinsam zu haben: Die Freien Wähler setzen stark auf bodenständigen Wählerwillen, „Die Partei“ tritt eher als Satirepartei an, die mit ihren Aktionen auf reale politische Missstände und politische Verflechtungen aufmerksam machen will. Prominentester Vertreter ist der Parteigründer und Satiriker Martin Sonneborn, der seit 2014 im Europaparlament sitzt. Auch in Mainz ist „Die Partei“ aber schon mehrfach in Erscheinung getreten, so mischte etwa der OB-Kandidat Martin Erhardt der „Partei“ im Jahr 2019 überraschend fundiert im OB-Wahlkampf in Mainz mit.
2022 trat man im OB-Wahlkampf mit dem Wiesbadener Lukas Haker unter dem Motto „Schlimmer geht immer“ an, der Kandidat erwies sich allerdings als Totalausfall. Ganz im Gegenteil zu Daniela Zaun: Die gelernte Pharmakantin und behinderte Rentnerin gehört zu den kenntnisreichen Stadträten, die immer wieder mit pointierten Anfrage und Anträgen aufmerksam macht. Zaun trat auch schon in Mainz als Bundestagswahl-Kandidatin ihrer Partei an, damals warb sie im Mainz&-Fragebogen mit einem Rotationsmodell für überlastete Pflegekräfte und eine bundesweite Weinpreisbremse samt nachweisbarer Gläserleerstandsquote und versprach, ihr Mandat niederzulegen, „wenn der Wein alle ist.“

Kein Fraktionszwang, Arbeit an der Sache und für die Stadt
Kein Wunder, dass die neue Fraktionsgemeinschaft denn auch auf dem Mainzer Weinmarkt besiegelt wurde: „Bei einem leckeren Glas Wasser haben wir unsere neue Fraktionsgemeinschaft auf einer Serviette gegründet“, verriet Zaun. Tatsächlich war es wohl die Gemeinsamkeit, bestehende Strukturen zu hinterfragen, und pragmatische Politik für die Bürger zu machen, die beide Stadträte zusammenbrachte. „Eigentlich geht es im Stadtrat immer um die Sache. Wir wollen das Beste für die Stadt – nicht für uns“, betonten die neuen Kooperationspartner.
Einen Fraktionszwang werde es in der neuen Fraktion mit dem Namen „Die FRAKTION“ nicht geben, kündigten sie an. Die Zusammenarbeit sei übrigens gar nicht so sehr neu: Parteiübergreifende Fraktionsgemeinschaften zwischen „Die PARTEI“ und den „Freien Wählern“ gebe es auch in anderen Städten. Der neuen Fraktion steht nun wieder ein Büro und organisatorische Unterstützung im Mainzer Stadthaus zu, dazu Ausschusssitze und der Zugang zum Ältestenrat. Die Ausschüsse im Mainzer Stadtrat müssen nun dennoch neu gewählt werden – auch, weil sich die Zahlenverhältnisse zwischen den Fraktionen geändert haben.
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Turbulenzen im Mainzer Stadtrat durch den Wechsel von Mario Müller lest Ihr hier bei Mainz&.






